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Gender & Environment

 

Publikationen

Schultz, Irmgard / Hummel, Diana / Empacher, Claudia / Kluge, Thomas / Lux, Alexandra / Schramm, Engelbert / Schubert, Stephanie / Stiess, Immanuel / Hayn, Doris / Ladewig, Johannes / Stiebig, Karim (2003): Research on gender, the environment and sustainable development. Studies on gender impact assessment of the programmes of the fifth framework programme for research, technological development and demonstration. European Commission. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities  

Empacher, Claudia / Schultz, Irmgard / Hayn, Doris / Schubert, Stephanie (2002): Die Bedeutung des Geschlechtsrollenswandels. In: Umweltbundesamt UBA (Hg.), Nachhaltige Konsummuster. Ein neues umweltpolitisches Handlungsfeld als Herausforderung für die Umweltkommunikation. Mit einer Zielgruppenanalyse des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung. Berichte, Nr. 6. Berlin: Erich Schmidt, 182-214  

Weller, Ines / Hayn, Doris / Schultz, Irmgard (2002): Geschlechterverhältnisse, nachhaltige Konsummuster und Umweltbelastungen. In: Balser, Ingrid / Wächter, Monika (Hg.), Sozial-ökologische Forschung. Ergebnisse der Sondierungsprojekte aus dem BMBF-Förderschwerpunkt. München: oekom verlag, 431-452  

Schultz, Irmgard / Hummel, Diana (2002): Gender in der Europäischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung . In: Soziale Technik. Zeitschrift für sozial- und umweltverträgliche Technikgestaltung, Nr. 3. Graz, 19-21       

Schultz, Irmgard / Hummel, Diana (2002): Der Zusammenhang von Gender und Technik - Ergebnisse einer Genderanalyse des EU-Programms " Environment und Sustainable Development ". In: Technikfolgenabschätzung Theorie und Praxis, Vol. 11, Nr. 2, 37-44       

 

Historie der Gender & Environment-Forschung

Das besondere Profil des ISOE besteht darin, naturwissenschaftlich-technische und sozialwissenschaftliche Umweltforschung interdisziplinär zu betreiben und den Forschungstyp einer transdisziplinären Forschung reflektiert weiter zu entwickeln. In diesen Ansatz sind feministische Erkenntnisperspektiven integriert. Seit Gründung des Instituts 1989 wurde der Forschungsschwerpunkt "Gender & Environment" aufgebaut. Von diesem sind maßgebliche Impulse auf die deutsche Umweltforschung ausgegangen.

Die Bezeichnung "Gender & Environment" (nicht: "Frauen & Ökologie") greift die Erweiterung der Frauenforschung zur Forschung über Geschlechterverhältnisse auf. Der Bezug auf "Environment" statt auf Ökologie reflektiert einerseits, dass Ökologie zunächst nicht mehr ist als eine wissenschaftliche Unterdisziplin der Biologie. Andererseits soll hierdurch auch die vorherrschende Geschlechterblindheit der politischen Ökologie kritisch hinterfragt werden.

Die ersten Forschungen im Institut setzten sich mit dem in Deutschland Ende der 1980er Jahre heftig diskutierten Problem der "Müllberge" auseinander. Die Studie "Frauen und Müll – Frauen als Handelnde in der kommunalen Abfallwirtschaft" (1991) kritisierte die Verengung des Abfallproblems zu einem "Hausmüllproblem" in der öffentlichen Darstellung, insofern als der sog. Hausmüll damals nur rund 10 % der deutschen Abfallmengen ausmachte. Darüber hinaus problematisiert die Studie, dass mit der Einführung der Abfalltrennung im Haushalt eine Ausweitung der Hausarbeit verbunden ist, die mehrheitlich aufgrund der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung die Frauen trifft. Die Thematisierung von Umweltverantwortung als vor allem einer Verantwortung "der Haushalte" wird als ein vorherrschendes Stereotyp des Umweltdiskurses gezeigt, das falsche "Lösungen" suggeriert. Mit Blick auf die Geschlechterverhältnisse könne daher von einer "Feminisierung der Umweltverantwortung" gesprochen werden.

Die Studie "Frauen und Müll" war die einzige finanzierte Forschung im Schwerpunkt "Gender & Environment" des ISOE bis zum Jahr 2000. Dennoch wurde die Genderperspektive im Forschungsfeld "Alltagsökologie, Energie, Konsum" systematisch weiter entwickelt. 1992 veranstaltete das Institut in eigener Finanzierung eine Tagung zum Thema "Globalisierung der Stoffströme – Feminisierung der Verantwortung". Dabei wurden Perspektiven der feministischen Forschung des Nordens ("Konsum") zusammengebracht mit Entwicklungen in den Ländern des Südens ("Produktion"). Erstmalig wurde die Globalisierung von Konsum-, Produktions- und Vermarktungsprozessen (beispielhaft an Textilprodukten) sowohl hinsichtlich der Geschlechterverhältnisse als auch hinsichtlich der Umweltfolgen kritisch dargestellt.

Durch die Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 kamen die Produktions- und Konsummuster der Industrieländer als ein zentrales Problem der globalen Umweltbelastungen in den Blick. Als Folge der Rio-Beschlüsse wurde in der deutschen Forschungsförderung ein Forschungsschwerpunkt zu "Nachhaltigem Konsum" geschaffen. Das ISOE konnte geschlechtsspezifische Fragestellungen in eine Reihe von Konsum-Studien einbringen. So zeigt beispielsweise die empirische Ermittlung von zehn "Konsumstilen", die für das Umweltbundesamt durchgeführt wurde, dass eine starke Orientierung an Umweltgesichtspunkten bei denjenigen Konsumstilen Deutschlands zu finden ist, bei denen auch eine ausgeprägte Orientierung an einem partnerschaftlichen Geschlechtermodell vorherrscht. Die Behauptung, dass Geschlechterunterschiede für die Umweltforschung relevant sind, konnte in verschiedenen ISOE-Studien empirisch belegt werden. Dies zeigt auch die im Auftrag des Umweltbundesamtes schließlich im Jahr 2000 vom ISOE durchgeführte Sekundärauswertung vorhandener empirischer Studien des UBA unter der Perspektive der "Folgen des Geschlechtsrollenwandels für Umweltbewusstsein und Umweltverhalten".

Eine Finanzierung der Genderforschung im Umweltbereich ist erst mit der Umsetzung der von der Europäischen Union beschlossenen Strategie Gender Mainstreaming erreicht worden. Das ISOE hat im Rahmen einer Evaluation des 5. Rahmenprogramms zur Forschung und technologischen Entwicklung der EU das Unterprogramm "Environment and Sustainable Development" einem Gender Impact Assessment unterzogen. Von den über 2000 Projekten, die bei diesem Unterprogramm (im 1. und 2. Call) eingereicht wurden, erwähnt nur ein einziges im Abstract Frauen. Dabei hätte das Programm mit seinem sozioökonomischen Focus durchaus Projekte mit integrierten Gender-Ansätzen gefördert. Diese wurden jedoch nicht explizit im Programm erwähnt. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Zahl der Forscher und Forscherinnen, die sowohl über Kompetenzen in der Genderforschung als auch in der Umweltforschung verfügen, in Europa immer noch gering ist. Vorherrschend in der Umweltforschung sind zumeist naturwissenschaftlich-technische, techno-ökonomische oder monodisziplinäre Betrachtungen. Diese verhindern eine Wahrnehmung der Geschlechteraspekte.

Ferner erarbeiteten Wissenschaftlerinnen des ISOE für das Bundesumweltministeriums ein Konzept für die Durchführung eines Gender Impact Assessment (GIA) bei umweltpolitischen Maßnahmen. Die routinemäßige Durchführung einer solchen "Gleichstellungsverträglichkeitsprüfung" bei allen Maßnahmen soll dabei unterstützen, negative Wirkungen auf Frauen und auf Männer sowie auf die Geschlechterverhältnisse zu vermeiden und Genderaspekte in der Umweltpolitik adäquat zu berücksichtigen. Der entwickelte GIA-Prototyp wurde seither in verschiedenen Projekten angewendet und weiterentwickelt.

Im ISOE werden mittlerweile Genderperspektiven über die Konsumforschung hinaus auch in der Wasserforschung, der Mobilitätsforschung, der Ernährungsforschung und der Forschung über "Demografische Entwicklungen und Versorgungssysteme" entwickelt. Ein Ziel für die Zukunft besteht darin, auch die Klimaforschung, die in der Umweltforschung eine Art Leitdisziplin darstellt, konzeptionell für Genderperspektiven zu erschließen.