Becker,
Egon/Thomas Jahn (Hg.) (2006): Soziale Ökologie. Grundzüge einer
Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen.
Frankfurt/New York: Campus
Lehrangebote
Masterstudiengang Umweltwissen-schaften
Goethe-Universität
Jahn, Thomas (2005): Soziale Ökologie, kognitive Integration und Transdisziplinarität. In: TATuP, 14. Jg., Nr. 2, 32-38
Becker, Egon/Thomas Jahn (2003): Umrisse einer kritischen Theorie gesellschaftlicher Naturverhältnisse. In: Gernot Böhme/Alexandra Manzei (Hg.): Kritische Theorie der Technik und der Natur. München, 91-112
Becker, Egon (2003): Soziale Ökologie: Konturen und Konzepte einer neuen Wissenschaft. In: Gunda Matschonat/Alexander Gerber (Hg.): Wissenschaftstheoretische Perspektiven für die Umweltwissenschaften. Weikersheim, 165-195
Leitfrage der Sozialen Ökologie als Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen ist, wie die krisenhaften Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur erkannt, begriffen und gestaltet werden können. Damit bewegt sich die Soziale Ökologie zwischen zwei Polen: Als praxisbezogene Forschung sucht sie nach Lösungen für lebenspraktische gesellschaftliche Probleme, und als theorieorientierte Wissenschaft versucht sie, das methodisch erzeugte Wissen begrifflich zu ordnen. Die produktive Spannung zischen diesen beiden Polen wird durch den transdisziplinären Forschungsansatz gehalten.
Den zentralen Untersuchungsgegenstand der Sozialen Ökologie bilden die vielfältigen Beziehungsmuster zwischen Gesellschaft und Natur. Bearbeitet wird dieser Gegenstand jedoch problemorientiert, d.h. auf konkrete gesellschaftliche Handlungsfelder bezogen, die sich in den Forschungsschwerpunkten des ISOE widerspiegeln. Gerade im Konkreten zeigt sich das Zusammenwirken von gesellschaftlichem Handeln und ökologischen Wirkungen. Besondere Bedeutung hat dabei der Umgang mit Nicht-Wissen und gesellschaftlich strittigen Bewertungen wissenschaftlichen Wissens.
Darum lässt sich Soziale Ökologie auch als Möglichkeitsforschung fassen: Analysiert werden mögliche Entwicklungen, Kriterien für wünschenswerte Entwicklungen identifiziert und denkbare Wege, wie die möglichen mit den wünschenswerten Entwicklungen zukommen können, beschrieben. Ziel ist es, das Denken und Handeln in Möglichkeiten zu befördern. So gibt es beispielsweise sehr unterschiedliche Wege, Versorgungsstrukturen für elementare Güter und Dienstleistungen wie Wasser- und Energieversorgung, Nahrungsversorgung oder Mobilität zu gestalten. Mit dem sozial-ökologischen Konzept der Versorgungssysteme wurde ein Ansatz entwickelt, die gegenwärtigen Formen, zukünftige Möglichkeiten und deren Folgewirkungen zu analysieren.
Theoretische Basis für eine solche Wissenschaft ist ein Netz von aufeinander bezogenen Begriffen und Konzepten mit zahlreichen Knotenpunkten, aber auch offenen Enden. Damit ist die Soziale Ökologie selbst entwicklungsoffen und anpassungsfähig; sie stellt kein festgefügtes und unverrückbares Theoriegebäude dar.