Bereichsbild Transdisziplinäre Konzepte und Methoden: Ausschnitt Notizpapiere zwischen Buchrücken

Forschungsschwerpunkt Transdisziplinäre Konzepte und Methoden

 

Projektauswahl:

 

evalunetkl.jpgBergmann, Matthias et al. (2005): Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung. Ein Leitfaden für die Evaluation von Forschungsprojekte
ISOE-Studientexte, Nr. 13

Bergmann / Jahn (2008): Intendierte Lerneffekte: Formative Evaluation inter- und transdisziplinärer Forschung. In: Matthies / Simon (Hg.),  Wissenschaft unter Beobachtung. VS Verlag

Bergmann, Matthias/Thomas Jahn (2008): CITY:mobil: A Model for Integration in Sustainability Research. In: Gertrude Hirsch Hadorn et al. (Eds.): Handbook of Transdisciplinary Research. Dordrecht (NL): Springer, 89-102

Bergmann, Matthias (2006): Transdisziplinäre Forschung erfolgreich fördern. Eine Handreichung für die Konzeption, Begutachtung und Begleitung neuer Initiativen zur Förderung transdisziplinärer Forschung. Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main

Transdisziplinarität

Globalisierung, Klimawandel, demographischer Wandel oder Umweltbelastungen sind aktuelle Beispiele für Probleme mit einer neuartigen Struktur: In ihnen sind soziales Handeln und ökologische Effekte so eng miteinander verknüpft, dass die Grenzlinien zwischen Gesellschaft und Natur immer mehr verschwimmen. Charakteristisch für solche sozial-ökologischen Probleme sind die Komplexität von Wirkungsprozessen, die auf unterschiedlichen räumlichen, zeitlichen und sozialen Skalen verlaufen - vom Lokalen zum Globalen, von gegenwärtigen Ereignissen zu langfristigen Folgen, vom Handeln in alltäglichen Zusammenhängen bis zur Politik weltweiter Regimes und multinationaler Organisationen.

Zur Steigerung des gesellschaftlichen Handlungsvermögens ist vor diesem Hintergrund eine neue Form der Wissensproduktion und eine neue Form des Umgang mit (Nicht-)Wissen notwendig. Die einzelnen Disziplinen der etablierten Wissenschaft stoßen hier an ihre Grenzen: Transdisziplinäre Zusammenarbeit stellt eine große Herausforderung dar. Aber nur durch eine derartige Zusammenarbeit wird es möglich, sozial-ökologische Probleme aufzugreifen, zu analysieren und lösungsorientiert zu bearbeiten.

Die Frage welche Sachverhalte problematisch sind, wird vor diesem Hintergrund nicht allein nach wissenschaftlichen Objektivitätskriterien entschieden, sondern auch nach Interessenslagen und Wertorientierungen. Was in der Gesellschaft oder in gesellschaftlichen Teilbereichen problematisiert oder als problematisch wahrgenommen wird, hängt entscheidend davon ab, wie das Wissen über einen Sachverhalt durch und für unterschiedliche gesellschaftliche Akteure (einschließlich der Wissenschaft) bewertet und zugänglich ist. Mit zunehmender Komplexität von Problemlagen wird aber die Unsicherheit von Wissen immer offensichtlicher. Dies gerät jedoch in Konflikt mit der gesellschaftlichen Erwartung an die Forschung, gesichertes Wissen für gesellschaftliche Entscheidungsprozesse bereitzustellen. Transdisziplinäre Forschung setzt sich explizit mit dieser Wissensproblematik auseinander.

Voraussetzung ist, dass die beteiligten gesellschaftlichen Akteure in den Forschungsprozess einbezogen werden. Ihre Problemsichten und alltags- und praxisbezogenen Wissensbestände werden mit wissenschaftlichen Problemstellungen und Erkenntnissen zusammengeführt. Transdisziplinäre Forschung konzeptualisiert und organisiert auf diese Weise Forschung als gemeinsamen Lernprozess zwischen Gesellschaft und Wissenschaft - sie verläuft reflexiv. Bei der Problembearbeitung überschreitet die transdisziplinäre Forschung die Disziplin- und Fachgrenzen sowie die Grenzen zwischen wissenschaftlichem Wissen und relevantem Praxiswissen. Durch diese Wissensintegration wird es möglich, die Anschlussfähigkeit von fachlich definierten Teilprojekten zu sichern, um daraus neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Fragestellungen sowie praxisrelevante Handlungs- und Lösungsstrategien zu formulieren.