Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

03.12.2015

Wissenschaft und Zivilgesellschaft: Ziemlich beste Freunde?

Welche Art von Forschung ist nötig, um mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung oder Erhalt der Biodiversität umzugehen? Diese Frage wurde am 2. November auf der Konferenz „Ziemlich beste Freunde? – Forschung von Wissenschaft und Zivilgesellschaft für nachhaltige Transformationen“ in Berlin diskutiert. Unter den Rednern war auch Thomas Jahn, Sprecher der Institutsleitung des ISOE.


Keynote Thomas Jahn

(Foto: Gordon Welters, IÖW)

120 Gäste waren der gemeinsamen Einladung von Ecological Research Network (Ecornet), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU), Brot für die Welt und der Zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende gefolgt. Anlass war das 30-jährige Jubiläum des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Thomas Korbun, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des IÖW und Sprecher von Ecornet, sagte mit Blick auf wissenschaftlich fundierte und in der Praxis anwendbare Lösungen für komplexe Nachhaltigkeitsprobleme: „Wissenschaft und Zivilgesellschaft entwickeln dazu gemeinsam alternative Handlungsoptionen für die Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist die Energiewende.“

Zivilgesellschaftliche Partizipation im Wissenschaftssystem

Wilfried Kraus, Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), würdigte die Bedeutung kritischer Beiträge aus der Zivilgesellschaft für gesellschaftliche und technische Innovationen im Rahmen von Forschungsprojekten und bei der Konzeption anwendungsorientierter Forschungsprogramme. Möglichen Einwänden gegen eine intensivere Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft entgegnete Kraus: „Eine stärkere Förderung anwendungsorientierter Forschung steht nicht im Widerspruch zum Ausbau von exzellenter Grundlagenforschung.“ Der Bundesvorsitzende des BUND, Hubert Weiger, forderte, die Zivilgesellschaft stärker in die Formulierung von Forschungsprogrammen einzubeziehen.

Nicht ohne die Gesellschaft: Nachhaltige Entwicklung als Leitbild der Wissenschaft

ISOE-Sprecher Thomas Jahn betonte in seiner Keynote die Notwendigkeit eines neuen Wissenschaftsverständnisses. Der Ausspruch „Die Gesellschaft hat Probleme, die Wissenschaft hat Disziplinen“ sei zwar treffend, verweise aber zugleich auf das viel zu lange streng in Disziplinen verhaftete Wissenschaftssystem. Eine transdisziplinäre Wissenschaft, die sich auf Nachhaltigkeitsprobleme bezieht, beruhe hingegen auf dem Verständnis, dass die drängenden Zukunftsprobleme nur gemeinsam von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gelöst werden könnten. „Das bedeutet auch, dass ein selbstkritisches Miteinander von Wissenschaft und Zivilgesellschaft gefragt ist, bei dem weder die Praxis die Wissenschaft, noch die Wissenschaft die Praxis instrumentalisiert, sondern beide in ihrer Unterschiedlichkeit voneinander profitieren“, sagte Jahn.

Nachhaltiger Konsum als Beispiel für transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung

Am Beispiel des Themenfeldes Nachhaltiger Konsum konnte auf der Konferenz gezeigt werden, welchen Beitrag die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung bieten kann, um gegenseitige Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu befördern. So stellte Christian Löwe vom Umweltbundesamt etwa Ansätze aus der Ressortforschung des Bundesumweltministeriums vor, die „Experimentierräume“ als neuen Modus partizipativer Gestaltungsforschung für nachhaltigen Konsum fördern sollen. Aus dem Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung des BMBF stammten innovative Beispiele kooperativer Forschung, die ISOE-Energieexperte Immanuel Stieß zur Diskussion stellte.

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