Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

19.06.2012

ISOE zum Weltflüchtlingstag 2012: Klimabedingte Migration differenziert betrachten


Befragung in Mali

Am 20. Juni ruft die UN-Vollversammlung alljährlich zum internationalen Weltflüchtlingstag auf. Er soll auf die Not von mehr als 40 Millionen Flüchtlingen aufmerksam machen. Die Gründe für Flucht und Migration sind vielfältig, doch in jüngster Zeit ist immer öfter von den „Klimaflüchtlingen“ die Rede – ein Phänomen, das differenziert betrachtet werden muss, wie ISOE-Expertin Diana Hummel fordert: „Begriffe wie ‚Umweltflüchtlinge’ oder gar ‚Klimaflüchtlinge’ sind äußerst problematisch, weil sie von einer direkten, monokausalen Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Migration ausgehen. Aber so einfach ist es nicht“, sagt Hummel, die am ISOE das Projekt „micle – Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration im Sahel“ leitet. Vielmehr migrieren Menschen aus sehr unterschiedlichen Motiven, sagt Hummel: „Neben den Veränderungen der Ökosysteme spielen vor allem soziale Faktoren wie Bildung oder Verwandtschaftsnetzwerke eine wichtige Rolle, aber auch ökonomische Bedingungen, zum Beispiel verfügbare Arbeitsmöglichkeiten.“

Umweltveränderung und Migration: Zusammenhang wird im Projekt micle untersucht  

Diana Hummel weist darauf hin, dass Migration im westafrikanischen Sahel historisch und kulturell tief verankert ist. Für die dort lebende Bevölkerung ist Migration traditionell eine Form, mit den Veränderungen der Ökosysteme umzugehen. Aufgrund des Klimawandels und veränderter Landnutzungsformen verzeichnen viele Regionen allerdings seit einiger Zeit starke Umweltveränderungen.

Im Frühjahr 2012 hat das micle-Team in den Forschungsregionen Bandiagara und Linguère in Mali und im Senegal 900 Personen zu ihren Migrationserfahrungen befragt. Die umfangreiche sozial-empirische Forschung umfasste neben der länderübergreifenden standardisierten Befragung (Survey) auch zahlreiche qualitative Interviews. Darin ging es unter anderem um Motive für (Nicht-)Mobilität, Dauer und Ziel von Migration und Umweltwahrnehmung.

Die Mehrzahl der Befragten hat bereits eigene Erfahrungen mit Migration gemacht. Migration ist für sie als Teil der Überlebenssicherung von großer Bedeutung, resümiert Projektleiterin Diana Hummel: „Migration sollte deshalb nicht als Fehlentwicklung, sondern vielmehr als eine Strategie der Anpassung an veränderte sozial-ökologische Bedingungen betrachtet und entsprechend unterstützt werden“. Die Daten des Surveys werden im Laufe des Sommers ausgewertet.

Zur Projekt-Website: www.micle-project.net


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