
Alltagsökologie, Energie, Konsum
Nachhaltiger Energiekonsum von Haushalten durch intelligente Zähler-, Kommunikation-, und Tarifsysteme - intelliekon
Gesamtprojektleitung und Forschungspartner: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Freiburg)
Dr. Konrad Götz
(Projektleitung)
Jutta Deffner
Barbara Birzle-Harder
Dr. Doris Hayn
Dr. Irmgard Schultz
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Freiburg);
Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe)
EVB Energie AG (Velbert)
Prof. Dr. Wolfgang Glatzer, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Energieversorgung Oelde
SVO Energie Celle,
SWK SETEC
Stadtwerke Bremen
Stadtwerke Hassfurt
Stadtwerke Münster
Stadtwerke Schwerte
Stadtwerke Ulm
Technische Werke Kaiserslautern
04/2008–01/2011
Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung

Birzle-Harder Barbara / Jutta Deffner / Konrad Götz (2008): Lust am Sparen oder totale Kontrolle? Akzeptanz von Stromverbrauchs-Feedback. Ergebnisse einer explorativen Studie in vier Pilotgebieten im Rahmen des Projektes intelliekon. Intelliekon-Berichte. Frankfurt am Main. ISOE-Literaturshop (kostenlos als pdf (Mail-Versand nach "Bestellung") oder Print)
Fischer, Corinna (2008): Feedback in Houshold Electricty Consumption: A tool for saving Energy? In: Energy Efficiency. Vol 1/ Nr 1, pp. 79-104
Wer nur einmal im Jahr eine Stromrechnung erhält, kann die Ursache von Verbrauchssteigerungen nicht mehr nachvollziehen. Das Prinzip kurzfristiger Rückmeldungen über Stromverbrauch und -kosten an die Nutzer und Nutzerinnen könnte hier helfen. So kann ein Display anzeigen, wann der Stromverbrauch ansteigt oder besonders niedrig ist. Durch monatliche Vergleiche von Stromverbräuchen können die Nutzer und Nutzerinnen lernen, mit ihren Geräten anders umzugehen. Doch welche Information werden auf Nutzerseite benötigt, um einfach und schnell reagieren zu können? Wie müssen Feedback-Instrumente aussehen, damit Nutzer das Energiemanagement aktiv mit gestalten können? Diese Fragen untersucht das Projekt "intelliekon – Nachhaltiger Energiekonsum von Haushalten durch intelligente Zähler-, Kommunikations- und Tarifsysteme", in dem vier Forschungsinstitute und neun Praxispartner zusammenarbeiten.
Das ISOE untersuchte im Jahr 2008 mit qualitativen und im Jahr 2009 auch mit standardisierten sozialempirischen Methoden, wie Feedback-Informationen gestaltet sein sollen, die den Konsumentinnen und Konsumenten ihren Stromverbrauch zurückspiegeln, mit dem Ziel, diesen zu senken. Geleitet wird das Forschungsprojekt vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Freiburg); weiterer Forschungspartner ist das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe). Als Praxispartner sind beteiligt: das Dienstleistungsunternehmen EVB Energie AG (Velbert), das sich auf Dienstleistungen für Energieversorgungsunternehmen (digitale Zählersysteme, Abrechnung und Kundenmanagement) spezialisiert hat. Partner aus der Energieversorgung sind die Stadtwerke Bremen, Hassfurt, Münster, Schwerte und Ulm, sowie die Technischen Werke Kaiserslautern und die Energieversorgung Oelde. Das Projekt wird vom BMBF im Rahmen des sozial-ökologischen Forschungsschwerpunktes gefördert.
Durch digitale Stromzähler, die in Zukunft europaweit den Energieverbrauch der Haushalte zu jeder Zeit erfassen und aufzeichnen werden, entstehen ganz neue Möglichkeiten einer genauen und zeitnahen Dokumentation. Dies macht nicht nur die Abrechnung für die Energieversorger einfacher, sondern es ist auch möglich den Verbrauch der Haushalte genau aufzuzeichnen, graphisch darzustellen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern als Feedback ihres Stromkonsums zur Verfügung zu stellen. Daraus können Schlüsse hinsichtlich möglicher Einsparmöglichkeiten gezogen werden.
In der ersten Phase der sozial-empirischen Untersuchungen des ISOE geht es um die Frage, ob die Verbraucherinnen und Verbraucher sich ein solches Feedback wünschen und, wenn ja, in welcher Form die Daten aufbereitet sein sollen. Technisch sind drei Optionen möglich: Der Stromverbrauch – z.B. ein Vergleich der einzelnen Monate des Vorjahres mit den Monaten des aktuellen Jahres - kann in Form von Graphiken dargestellt und der Rechnung beigefügt werden. Die zweite Möglichkeit ist ein Internetportal in dem die Nutzerinnen und Nutzer, nachdem sie sich mit einem Kennwort eingeloggt haben, ihren Verbrauch analysieren können. Bei dieser Variante gibt es sehr viele Analysemöglichkeiten des eigenen Verbrauchs: Es kann z.B. der Tagesverbrauch stundenweise, oder es kann der Wochenverbrauch im Vergleich der Wochentage oder der Jahresverbrauch, aufgeschlüsselt nach Monaten, dargestellt und z.B. für die ganze Familie ausgedruckt werden. Auch der Grundverbrauch, der immer noch anfällt wenn alle Geräte ausgeschaltet sind, ist darstellbar. Auch ein Vergleich mit Haushalten ähnlicher Größe ist möglich. Die dritte technische Möglichkeit eines Feedback, die in dem Projekt überprüft wird, ist die Darstellung mit Hilfe eines Display etwa in der Größe eines Navigationsgeräts, welches auf seinem Bildschirm den Stromverbrauch des Tages zeitnah als Kurve darstellt. Das Display kann in jeder beliebigen Steckdose verwendet werden, da die Informationen über die sogenannte Powerline, also den normalen 230Volt Stromkreis transportiert werden. Während die Informationen bei der Internet-Darstellung immer mit einem Tag Verzögerung angezeigt werden, kann auf dem Display sozusagen "live" miterlebt werden, wie sich der Stromverbrauch gerade verändert.
Die erste, explorative Phase qualitativer Interviews hatte das Ziel, herauszufinden, welche der Optionen bevorzugt und welche Darstellungsformen Erfolg versprechend sind und von den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht nur gewünscht, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit genutzt werden. Dabei geht es nicht nur um die leicht verständliche Darstellung von Verbrauchswerten, sondern auch um die Frage, ob eine Beratung zur Interpretation der Daten und zur Unterstützung bei Maßnahmen der Energieeinsparung, gewünscht wird.
Im Jahr 2009 werden die unterschiedlichen Feedback-Möglichkeiten in allen beteiligten Städten getestet.

Abbildung: Phase des Feldtests
Dabei wird untersucht, ob die Feedbacksysteme einen Einspareffekt haben und wie sich dieser erklärt. Am Ende des Projekts wird das ISI Karlsruhe die Ergebnisse auf die gesamte Bundesrepublik hochrechnen. So wird es möglich sein, Aussagen darüber zu machen, welchen Energieeinsparungseffekt eine flächendeckende Einführung solcher Systeme haben wird.
Die besondere transdisziplinäre Herausforderung des Projekts bei der Gestaltung der Feedbacksysteme ist die Integration von sehr unterschiedlichen Perspektiven

Das Projekt soll sowohl neue Erkenntnisse für den wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs erbringen, als auch die folgenden vier Perspektiven integrativ, also auch bei der Produktgestaltung, berücksichtigen: