Bereichsbild Alltagsökologie, Energie, Konsum: Bildausschnitt Mohn-Käse-Brötchen

 

Alltagsökologie, Energie, Konsum

 

Projekt:

Nachhaltigkeits-Audit - Weiterentwicklung des Konzepts

Projektleitung

Claudia Empacher

Bearbeitung

Claudia Empacher
Dr. Alexandra Lux
PD Dr. Thomas Kluge

Kooperation:

Dörthe Jung Unternehmensberatung
Elmar Sing Unternehmensberatung

Finanzierung

Eigenprojekt

Laufzeit:

02/1999-04/2000
abgeschlossen

 

Empacher, C. /A. Lux /Th. Kluge (2001): Das Nachaltigkeitsaudit als Instrument für nachhaltiges Wirtschaften. In: UmweltWirtschaftsForum, 9. Jg., Heft 1, März 2001 (pdf - 77kb)

Lux, A./C. Empacher/Th. Kluge (2001): Integration von sich verändernden Umwelten. Piloterfahrungen mit einem Nachhaltigkeits-Audit. In: Ökologisches Wirtschaften Nr. 1/2001 (pdf - 20 kb)

(mit freundlicher Genehmigung des Verlags:
http://www.oekom.de/)

 

Nachhaltigkeits-Audit - Weiterentwicklung des Konzepts

Konventionelle Instrumente der Unternehmenspolitik, wie Geschäfts- und Umweltberichte, reichen nicht mehr aus, um den Anforderungen des (globalisierten) Marktes zu begegnen. Den Unternehmen wird auf vielfältige Art bewusst gemacht, dass das betriebliche Geschehen nicht nur von ökonomischen Faktoren bestimmt ist, sondern auch in soziale und ökologische Umwelten eingebettet ist. Das Nachhaltigkeits-Audit bietet die Möglichkeit, diese Umwelten in das betriebliche Geschehen zu integrieren und produktiv zu managen (siehe Schaubild) .

Das Konzept für das Nachhaltigkeits-Audit wurde im Institut für sozial-Ökologische Forschung entwickelt (Nachhaltigkeits-Audit für die Ökobank Frankfurt). Das Institut hat gemeinsam mit der Unternehmensberatung Jung an seiner praktischen Umsetzung und Weiterentwicklung gearbeitet.

Warum ein Nachhaltigkeitsaudit?

Das (europaweit) geringe Echo auf die EMAS-Verordnung lässt darauf schließen, dass die aktuellen Probleme von Unternehmen durch ein reines Öko-Audit nicht mehr angemessen repräsentiert werden. In der Verordnung wird das betriebliche Geschehen auf die Beziehung zwischen Unternehmen und Umwelt reduziert. Gerade global tätige Unternehmen finden sich jedoch vermehrt in einem komplexen (sozialen) Umfeld wieder, das sie mit neuen Ansprüchen konfrontiert. Dieses Umfeld besteht nicht nur aus dem "engsten Kreis” von Gruppen, die eine vertragliche Beziehung zum Unternehmen haben (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Anteilseigner, Kundinnen und Kunden, Lieferanten), sondern schließt auch Anwohner, politische Interessenvertretungen, Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherschutzverbände, Menschenrechtsorganisationen und viele mehr mit ein. Durch diese kritische Öffentlichkeit wird das wirtschaftliche Handeln der Unternehmen, seine Produkte, Dienstleistungen und andere Aktivitäten in jüngster Zeit auf neue Weise beobachtet und hinterfragt – die öffentlichen Erwartungen richten sich überdies zunehmend auf die Übernahme von sozialer Verantwortung der Unternehmen.

Eine Einbeziehung der Wünsche und Forderungen dieser unterschiedlichen Anspruchsgruppen in das unternehmerische Handeln wird deshalb für die Unternehmen in verstärktem Maße notwendig, um das betriebliche Risiko zu vermindern. Eine Managementstrategie, die Anspruchsgruppen integriert, kann eine solche Risikoanalyse und -vorsorge mit einem breiten Fundament für die ökonomische Absicherung verbinden.

Die Dringlichkeit der Betrachtung sowohl sozialer als auch ökologischer Aspekte des betrieblichen Handelns zeigt sich zudem aktuell in der Entwicklung zahlreicher neuer Ansätze und Standardisierungen im Bereich der Unternehmensberichterstattung, die sowohl die soziale als auch die ökologische Dimension integrieren und damit eine umfassende Nachhaltigkeitsperspektive einnehmen. Zu nennen sind hier z.B. die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Sustainability Reporting Guidelines) der Global Reporting Initiative oder die Ausarbeitung von Richtlinien für ein Corporate Social Responsibility (CSR) reporting seitens der EU-Kommission.

Diese Ansätze beschäftigen sich vorrangig mit der Berichterstattung als solcher, mit Kriterien der Darstellung der betrieblich gesetzten Nachhaltigkeits-Ziele, der Unternehmensleistung und der Maßnahmen. Die eigentliche Herausforderung für das Unternehmen, nachhaltigkeitsrelevante Faktoren in das Unternehmen zu integrieren und zu managen sowie die Verknüpfungen und Widersprüche, die zwischen den verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen auftauchen, bearbeitbar zu machen, wird jedoch durch sie nur am Rande gestreift.

Das Nachhaltigkeits-Audit stellt einen entscheidenden Schritt dar, diesen Herausforderungen zu begegnen. Es zeigt die einzelnen Nachhaltigkeitsdimensionen, die Ökonomische, die Ökologische und die Soziale, in einem unternehmensspezifischen, problemorientierten Ansatz in ihren Verknüpfungen auf. Durch eine geeignete Bestandsaufnahme werden die Synergieeffekte und Konfliktpotenziale zwischen verschiedenen Anforderungen und Zielen im Unternehmen sichtbar. Es wird möglich, den Status quo zu ermitteln, notwendige Veränderungen zu eruieren, Maßnahmen abzuleiten und die Wirkung der Maßnahmen zu bewerten. So kann eine aktive Anpassung der Unternehmen an die internen Veränderungen sowie die Veränderungen der Umwelt befördert werden. Das Unternehmen wird dadurch in die Lage versetzt, Nachhaltigkeits-Aspekte zu managen.

Das Nachhaltigkeits-Audit eröffnet darüber hinaus neue Kommunikations- und Steuerungsmöglichkeiten für Unternehmen: