Mobilität und Lebensstilanalysen
Handlungsstrategien für eine ökologisch und sozial-verträgliche, ökonomisch effiziente Verkehrsentwicklung in Stadtregionen
Dr. Konrad Götz,
Dr. Thomas Jahn
Dr. Irmgard Schultz
Dr. Peter Wehling
Forschungsverbund CITY:mobil:
1994-1998
Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung

CITY:mobil (Hg.) (1999): Stadtverträgliche Mobilität: Handlungsstrategien für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung in Stadtregionen. Stadtökologie Bd. 3, Berlin
Schultz, I. (1997): Mobilitätsleitbilder im öffentlichen Diskurs: eine kritische Bestandsaufnahme. Arbeitsbericht Band 5
Götz, K./Th. Jahn/I. Schultz (1997): Mobilitätsstile - ein sozial-ökologischer Untersuchungsansatz. Arbeitsbericht Band 7
Wehling, P./I. Weller (1997): Verkehrsökologie - Konzeptionelle Grundlagen und exemplarische Konkretisierungen. Arbeitsbericht Band 10
Wehling, P./Th. Jahn (1997): Verkehrsgeneseforschung - ein innovativer Ansatz zur Untersuchung der Verkehrsursachen. Arbeitsbericht Band 11
Wehling, P.: Sozial-ökologische Mobilitätsforschung und strategisches Mobilitätsmanagement: Neue Ansätze für Verkehrswissenschaft und -planung. Arbeitsbericht Band 12
Die Texte sind erhältlich über das Öko-Institut Freiburg
Getragen von fünf unabhängigen Instituten sowie den Städten Freiburg und Schwerin erarbeitete das Verbundprojekt über mehrere Jahre Konzepte und Strategien einer nachhaltigen Verkehrs- und Mobilitätsentwicklung in Städten. Neben der Mitarbeit im integrierenden Hauptprojekt hat das Institut für sozial-ökologische Forschung zwei große Teilprojekte durchgeführt. Hierin wurde das empirisch fundierte Konzept der Mobilitätsstilanalyse entwickelt, erprobt und kritisch überprüft. Erste Ansätze einer sozial-ökologischen Mobilitätsforschung konnten im Rahmen der Arbeiten entwickelt werden. Beides wurde in einem eigenen Forschungsschwerpunkt weitergeführt.
Im Rahmen des von Anfang an auf interdisziplinäre Integration und Kooperation angelegten Forschungsansatzes von CITY:mobil war das Institut für sozial-ökologische Forschung darüber hinaus für die theoretische Integration verantwortlich. Das Projekt wurde mit einer Vielzahl von Publikationen abgeschlossen, darunter zwei zusammenfassende Darstellungen des Gesamtergebnisses, die sich einmal an kommunale Praktikerinnen und Praktiker, zum anderen an ein stärker wissenschaftlich interessiertes Publikum richten.
Konzeptionell wurde mit dem Projekt in mehrfacher Hinsicht für die Verkehrsforschung Neuland betreten:
Durch die Trennung von Mobilität - als grundlegendem Bedürfnis nach Fortbewegung und Beweglichkeit - und Verkehr - als der vorherrschenden Form, die damit verbundenen Transportvorgänge zu bewältigen - konnten systematisch die sozialen Bestimmungsgründe des Verkehrsverhaltens aufgenommen und für Lösungskonzepte berücksichtigt werden.
Ein differenziertes Verständnis von Mobilität - als räumliche, sozial-räumliche und soziale Mobilität - hat einen neuartigen Blick auf Motive, gesellschaftliche Orientierungen sowie Alltagsroutinen ermöglicht. Wer "dazugehören" möchte, wählt zum Beispiel ein Auto als entsprechendes Symbol gesellschaftlicher Integration. Hintergründe dieser Art können nicht außer Acht gelassen werden.
Als Zielvorstellung schälte sich heraus, Mobilität und Automobilität zu entkoppeln, also einerseits die Notwendigkeit, sich fortzubewegen, vom Auto und andererseits die Lust an der Bewegung vom Leitbild Automobilität zu trennen. So konnte die unfruchtbare Polarisierung zwischen technischen Effizienzstrategien oder ökonomischen Instrumenten und einer pauschalen (Kultur-)Kritik am Auto und seiner Nutzung überwunden werden.
Aus der Fülle der Einzelergebnisse des Forschungsverbundes sind
insbesondere zwei herauszuheben, an denen das Institut für
sozial-ökologische Forschung maßgeblich beteiligt war. Zum einen: Mit dem
neuen Planungskonzept des Strategischen Mobilitätsmanagements ist es
möglich, Maßnahmen zur Entkopplung von Mobilität und Automobilität auf
besonders wichtige Handlungsfelder zu konzentrieren, statt auf eine
lückenlose Gesamtplanung zu setzen. Wichtig ist dabei, die an das Auto
gebundene Vorstellung "zu jeder Zeit an jedem Ort" durch eine attraktive
Alternative zu ersetzen. Kommunale Verkehrspolitik könnte z.B. anregen,
dass Autoverleiher nicht nur Autos, sondern Kombinationen von Auto, Bahn
und Fahrrad anbieten. Öffentliche Verkehrsbetriebe könnten flexible
Angebote zur Naherholung, für den Berufsverkehr und die Versorgungsarbeit
gezielt ansteuern und dabei neuen Lebensentwürfen Rechnung tragen.
Zum zweiten wurden im wissenschaftlichen Bereich der Verkehrs- und
Mobilitätsforschung in drei sozial-ökologischen Problemfeldern Vorschläge
für weitere Forschungen erarbeitet: angesichts der Komplexität dieses
Handlungsfeldes insbesondere zu Fragen einer Theorie des
Verkehrsverhaltens, zur Integration von Infrastrukturmaßnahmen mit
zielgruppenspezifischen soft-policies sowie der Analyse und Bewertung
nicht-intendierter Folgen und Nebenwirkungen von neuen Politik-Ansätzen.
Mit den Forschungsergebnissen wird Planern in städtischen
Administrationen, Ingenieurbüros und Verkehrsunternehmen das Handwerkszeug
angeboten, mit dem sie zukünftig einerseits die Wünsche und Bedürfnisse
der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer adäquat erfassen und
andererseits Angebote zielgruppenspezifisch vermitteln können.