Transdisziplinäre Methoden und Konzepte
Medizin für Mensch und Umwelt? – Schärfung des Umweltbewusstseins im Umgang mit Arzneimitteln. Erarbeitung von Materialien für die Information von Verbrauchern, Ärzten, Apothekern zum nachhaltigen Umgang mit Arzneimitteln
Dr. Konrad Götz
Jutta Deffner
Dr. Florian Keil
12/2008 - 10/2009
Rückstände von Arzneimittelwirkstoffen werden heute in nahezu allen Gewässern Deutschlands nachgewiesen: im Oberflächenwasser, im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser. Der Weg der Humanpharmaka ins Wasser führt zum einen über den bestimmungsgemäßen Gebrauch: Nach der Einnahme werden die Wirkstoffe oder deren Metabolite ausgeschieden und gelangen so in den Abwasserstrom. Zum anderen enden Arzneimittelreste im Abwasser, zum Beispiel weil sie unsachgemäß über die Toilette entsorgt werden.
Das Wissen, inwieweit Flora, Fauna oder Menschen durch Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt gefährdet sind, ist noch sehr begrenzt. Insbesondere für den Menschen ist es nach jetzigem Wissensstand nicht möglich, eine wissenschaftlich fundierte Abschätzung über die Risiken von belastetem Trinkwasser vorzunehmen. Auch wenn akute Gesundheitsgefährdungen nahezu vollständig ausgeschlossen werden können, lassen sich bislang keine Aussagen zu möglichen chronischen Effekten durch die lebenslange Aufnahme von Wirkstoffen in so genannten subtherapeutischen Dosen treffen. Es handelt sich somit um potentielle Risiken, die durch eine hohe (wissenschaftliche) Unsicherheit gekennzeichnet sind.
In dem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt soll eine Kommunikationsstrategie entwickelt werden, die im Sinne der Vorsorge zu einer Reduktion des Arzneimittelwirkstoffeintrags in das Wasser führen soll. Die Grundlagen für die Entwicklung dieser Strategien sind empirische Ergebnisse aus dem Vorgängerprojekt start. Als Produkt des Projekts wird ein Kommunikationshandbuch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Umweltbundesamtes erstellt. Das Handbuch richtet sich jedoch auch an interessierte Fachverbände und Institutionen, die sich mit dem Thema befassen. Dazu gehören beispielsweise Ärzte- und Apothekerdachorganisationen, Umweltverbände, Kommunal- und Landesverwaltungen oder Anbieter von Fachseminaren. Das Handbuch wird auf der Abschlussveranstaltung des Projektes Mitte März 2010 in Dessau der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Abbildung: Aufbau des Kommunikationskonzeptes
Das Handbuch besteht aus einem einführenden Teil zur Umweltrelevanz von Humanarzneimitteln und zur Risikowahrnehmung in der Gesellschaft. Es liefert außerdem Kommunikationsregeln, die aus einer internationalen Analyse von Kommunikationsmaterialien bzw. -kampagnen zum Thema abgeleitet wurden.
Der maßgebliche Teil sind die Empfehlungen für die Kommunikation mit den Zielgruppen:
> Zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien…mehr