Bereichsbild Mobilität und Lebensstilanalysen: Bildausschnitt unscharfe Joggerbeine

Mobilität und Lebensstilanalysen

 

Projekt:

Freizeitverkehr innerhalb von Agglomerationen

Auftraggeber und Gesamtprojektleitung:

Hochschule für Wirtschaft HSW Luzern, Institut für Tourismuswirtschaft

Ausschreibende Stelle in der Schweiz:

Vereinigung Schweizerischer Verkehrsingenieure (SVI

Bearbeitung im ISOE:

Dr. Konrad Götz (Projektleitung)
Jutta Deffner

Laufzeit:

06/2006-06/2008
abgeschlossen

 

Ohnmacht, Timo / Konrad Götz / Ueli Haefeli / Jutta Deffner / Daniel Matti / Jürg Stettler / Jobst Grotrian (im Erscheinen): Freizeitverkehr innerhalb Agglomerationen. SVI-Forschungsauftrag 2004/074, UVEK/ASTRA. Luzern/Bern

Deffner, Jutta/Götz, Konrad (2007): Mobilitätsstile: Ein sozial-ökologisches Forschungskonzept und seine planerischen Bezüge. In: Bracher, T./ Holzapfel, H./ Kiepe, F. (Hg.): Handbuch der kommunalen Verkehrsplanung. Kapitel 2.2.1.8. Heidelberg. Hüthig

Konrad Götz (2007): Freizeitmobilität im Alltag oder Disponible Zeit, Auszeit, Eigenzeit - warum wir in der Freizeit raus müssen. Berlin. Duncker & Humblot

 

Freizeitverkehr in der Schweiz

Der Freizeitverkehr gilt als stark von spontanen Entscheidungen und weniger von Routinen geprägt und deshalb als schwer steuerbares Verkehrssegment. In der Schweiz spielen sich 62% aller Freizeitwege innerhalb von Agglomerationen (Ballungsgebieten) ab. Dieser Anteil entspricht einer Verkehrsleistung von 21,9 Milliarden Personen-Kilometern. Hinzu kommt, dass der Anteil des motorisierten Individualverkehrs im Freizeitverkehr deutlich höher ist, als im Gesamtverkehr. Aus den dadurch verursachten Umweltbelastungen ergibt sich großer Handlungsbedarf.  

Freizeitverkehr beeinflussen

Ziel des Forschungsprojektes war es daher, nicht nur Kenngrößen zum Freizeitverkehr und Freizeitverhalten innerhalb solcher Ballungsgebiete zu erfassen, sondern vor allem, Strategien und Maßnahmen zur Beeinflussung des Freizeitverkehrs in Richtung eines nachhaltigeren Verkehrsverhaltens zu erarbeiten. Da die Freizeitgestaltung stark von subjektiven Wünschen und Motiven sowie von lebensstilspezifischen Orientierungen abhängt, musste eine Methode eingesetzt werden, die diese Einflussfaktoren erfasst. Mit dem vom ISOE entwickelten Forschungsansatz der Mobilitätsstile können lebensstilspezifische Freizeitpräferenzen, Mobilitätsorientierungen sowie das damit zusammenhängende Verkehrsverhalten erhoben und analysiert werden. Das Segmentierungsverfahren der Clusteranalyse führte zu vier Freizeitmobilitätsstilen in Schweizer Agglomerationen. Basis hierfür war eine Repräsentativbefragung von knapp 900 Personen.  

Mobilitätsstile

Die vier Freizeitmobilitätsstile ‚Sportlich Aktive’ (28%), ‚Unterhaltungs- und Ablenkungssuchende’ (16%), ‚Kulturbewusste’ (33%) sowie ‚Häuslich-Gesellige’ (23%) zeichnen sich durch ihre unterschiedliche Verkehrsmittelwahl und Freizeitpräferenzen aus. So schätzen die ‚Sportlich Aktiven’ das Fahrrad, nutzen aber für ihren dynamischen Lebensstil häufig auch das Auto. Für die ‚Unterhaltungs- und Ablenkungssuchenden’ ist das Auto symbolischer Gegenstand – Geselligkeit und Spaß am Umherfahren zeichnen sie aus. Die ‚Häuslich-Geselligen’ sind ein traditioneller Typus, bei denen die Männer eher Auto-affin, die Frauen eher ÖPNV-affin sind. Die ‚Kulturbewussten’ als urbaner Mobilitätsstil hingegen sind deutlich autokritisch – sie nutzen die verschiedensten Verkehrsmittel multioptional. Erstmals wird hier ein Typus deutlich, der finanziell gut gestellt und beruflich voll integriert ist und der seine Hauptverkehrsleistung bewusst mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurücklegt. Dieser Typ entspricht weitgehend dem aktuell in Deutschland und den USA viel diskutierten Lifestyle of Health and Sustainability (LOHAS).  

Verkehrsvermeidung und -verlagerung durch integrative Maßnahmen

Im Hinblick auf die umweltorientierten Ziele Verkehrsvermeidung und -verlagerung wurden zielgruppenspezifische Maßnahmen erarbeitet. Der Maßnahmenkatalog umfasst neben einer verstärkten Integration des Fahrrads in die Transportkette, spezielle Tarifangebote für den ÖPNV, Sicherheitskampagnen für (Auto-)Risikogruppen sowie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Zufußgehende in den Innenstädten.