
Gender & Environment
Analyse der Folgen des Geschlechtsrollenwandels für Umweltbewusstsein und Umweltverhalten - Vorstudie zur Hauptstudie "Ermittlung von geschlechts- und altersspezifischen Potentialen für umweltpolitische Handlungsorientierungen im Alltag"
Claudia Empacher
Dr. Doris Hayn
Stephanie Schubert
Dr. Irmgard Schultz
09/2000-06/2001
abgeschlossen
Empacher, C./Hayn, D./Schubert, S./Schultz, I. (2001): Analyse der Folgen des Geschlechtsrollenwandels für Umweltbewusstsein und Umweltverhalten. Endbericht. Frankfurt am Main (pdf-file, 684 kb)
Empacher, Claudia / Schultz, Irmgard / Hayn, Doris / Schubert, Stephanie (2002): Die Bedeutung des Geschlechtsrollenswandels. In: Umweltbundesamt UBA (Hg.), Nachhaltige Konsummuster. Ein neues umweltpolitisches Handlungsfeld als Herausforderung für die Umweltkommunikation. Mit einer Zielgruppenanalyse des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung. Berichte Nr. 6, 182-214
Frauen fahren weniger Auto, ernähren sich gesünder und verbrauchen
weniger Energie: "Das Umweltproblem ist nicht geschlechtsneutral" (Buchen et
al. 1994). Zudem übernehmen Frauen sehr viel öfter als Männer die
Verantwortung für die Alltagsgestaltung in der Familie. Sie sind daher von
Umweltproblemen und von umweltpolitischen Maßnahmen häufiger persönlich
betroffen. Auf der anderen Seite stehen den Frauen auch weniger finanzielle
Ressourcen zur Verfügung als Männern, ein Grund für ihren sparsameren Umgang
mit Umwelt-Ressourcen.
Aber inwieweit ergeben sich aus diesen Einsichten geschlechtsspezifische
Handlungsstrategien in der Umweltpolitik? Bisher fehlen in der Umweltpolitik
Strategien, die sowohl ökologische Nachhaltigkeit als auch eine größere
Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern befördern.
Das ISOE wurde im Jahr 2000 vom Umweltbundesamt mit der Studie "Analyse der Folgen des Geschlechtsrollenwandels für Umweltbewusstsein und Umweltverhalten" beauftragt. Ziel dieser Studie war es, die Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Umweltbewusstsein und -verhalten systematisch zu erhellen und aus den empirischen Ergebnissen Strategien für die Umweltkommunikation abzuleiten. Die Umfrage "Umweltbewusstsein in Deutschland 2000", die regelmäßig vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben wird und die "Konsumstile-Studie" des ISOE wurden für eine Nachauswertung unter Geschlechtsgesichtspunkten genutzt.
Die Studie zeigte, dass die Existenz von Kindern unter sechs Jahren im Haushalt einen deutlichen Einfluss auf das Umweltbewusstsein und Umweltverhalten beider Geschlechter hat. Das Umweltverhalten ist im Bereich Ernährung besonders ausgeprägt. Väter von kleinen Kindern weisen sogar ein signifikant höheres Umweltbewusstsein als Frauen im allgemeinen auf.
In Haushalten, in denen ein partnerschaftlich orientiertes Familienmodell praktiziert wird und die Männer an der Haushaltarbeit und Kinderbetreuung beteiligt sind, zeigen die Männer auch deutliche Umwelt-, Gesundheits- und ethische Orientierungen. Die Frauen bestimmen jedoch selbst in diesen Haushalten maßgeblich das Gesamtmanagement der anstehenden Haushaltsaufgaben und deren Verteilung. Männer fungieren eher als "Erfüllungsgehilfen". Diese Aussagen lassen sich für Konsumtypen wie z.B. "die durchorganisierten Öko-Familien" oder "die Alltags-Kreativen", treffen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede sind auch im Bereich der Ernährung stark ausgeprägt, selbst bei Konsumtypen in denen sich eine Angleichung beider Geschlechter abzeichnet. Beim Konsumtyp der "kinderlosen Berufsorientierten", bei denen z.B. Männer und Frauen ein sehr ähnliches Mobilitätsverhalten aufweisen, zeigte sich dies besonders deutlich: Während für die Männer Gesundheit nur eine geringe Rolle spielt, ist "Gesundheit" bei den Frauen dieses Konsumtypus ein vorherrschendes Orientierungsmerkmal.
Unter der Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit kann der kommunikative Anschluss an das "höhere" Umweltbewusstsein der Frauen dazu führen, deren Alltagsbelastung und strukturelle Benachteiligung noch zu vergrößern. Umweltkommunikative Maßnahmen können folglich die "Feminisierung der Umweltverantwortung" noch verstärken. Die Studie konnte jedoch aufzeigen, dass eine stärkere Ansprache von Männern und die Förderung von deren Verantwortungsübernahme für die Alltagsorganisation positive Effekte für die Umwelt versprechen.