Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

13.01.2017

Energiearmut in Deutschland: Wie sozialverträglich ist die Energiewende?

In der Diskussion über die Energiewende geht es immer auch um die Kosten. Wie teuer wird die Transformation des Energiesystems und wer trägt die finanziellen Belastungen? Die privaten Haushalte spüren sie deutlich, denn sie werden durch steigende Strompreise, EEG-Umlage, Förderumlage für die Kraft-Wärme-Kopplung oder die Stromsteuer zunehmend belastet. Mit Blick auf die Kosten rückt daher auch die soziale Dimension der Energiewende ins Blickfeld, die mit dem Schlagwort „Energiearmut“ verbunden wird. Wie sozialverträglich ist die Energiewende? Diese Frage haben Expertinnen und Experten aus den Bereichen Klima-, Sozial- und Verbraucherpolitik im November im Zuge eines Workshops in Frankfurt am Main diskutiert.


Energiearmut wurde nicht erst mit der Energiewende in Deutschland zum Thema. Mit dem Anstieg der Energiepreise vor etwa zehn Jahren setzte eine Debatte ein, wie die Auswirkungen gestiegener Energiekosten für Haushalte mit geringem Einkommen aufgefangen werden können. Einen neuen Schub erhielt diese Diskussion anlässlich der Erhöhungen der EEG-Umlage. Energiearmut fand jedoch nur eine kurzzeitige Resonanz in den Medien. Mittlerweile ist das öffentliche Interesse deutlich abgeflaut. Nach Meinung der Workshop-TeilnehmerInnen hat das Thema Energiearmut aber dennoch nichts an seiner Dringlichkeit verloren.

„Die Ergebnisse der vertretenen Forschungsprojekte zeigen deutlich, dass Energiearmut auch in Deutschland ein ungelöstes Problem ist“, sagt Energieexperte Immanuel Stieß vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, der den Workshop zusammen mit Matthias Bergmann, ebenfalls ISOE, koordiniert hat. „Das zeigt sich auch daran, dass viele Haushalte mit einem geringen Einkommen, die unter hohen Energiekosten leiden, keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung haben.“ Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

Forschungsbedarf für die Entwicklung wirksamer Maßnahmen gegen Energiearmut

Es dürfe zudem nicht übersehen werden, dass ein erheblicher Teil der Energiekosten für das Heizen aufgewendet werde und Energiearmut damit insbesondere den Bereich der Wärmenutzung betreffe. Bislang fehlten aber genauere Erkenntnisse darüber, welche Kosten – Strom oder Wärme – einen größeren Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit haben, unter Energiearmut zu leiden. „Hier besteht daher weiterhin Forschungsbedarf, damit treffsichere und wirksame Maßnahmen und entsprechende Programme gegen Energiearmut entwickelt werden können“, sagt Stieß.

Der Workshop beschäftigte sich mit Fragen zur Messbarkeit von Energiearmut, verteilungspolitischen Wirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und möglichen Maßnahmen, um Energiearmut entgegenzuwirken. Schließlich wurde in der Diskussion wiederholt darauf hingewiesen, dass das Thema Energieeffizienz bei Sozialbehörden und sozialen Trägern noch kaum verankert ist. Gerade auf kommunaler Ebene seien daher die Vernetzung von Akteuren und der Aufbau von Strukturen zwischen den unterschiedlichen Fachgebieten wichtig. Empfohlen werden etwa runde Tische, bei denen das Gesundheits- und das Umweltreferat sowie Akteure der Schuldnerberatung anwesend sind.

Den ausführlichen Ergebnisbericht des Transfer-Workshops „Energiearmut“ sowie die Präsentationen der Projekte vom 16. November 2016 finden Sie unter folgendem Link: transformation-des-energiesystems.de/newsbeitrag/energiearmut-wirksam-bekämpfen

Wissenschaftliche Koordination der BMBF-Fördermaßnahme „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“

Der Workshop „Energiearmut“ wurde von der Wissenschaftlichen Koordination der BMBF-Fördermaßnahme „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ gemeinsam mit den Projekten Akzeptanz, EnWorKS, Lokale Passung und SoKo Energiewende in Frankfurt am Main veranstaltet. Um den vielfältigen Herausforderungen, die mit der Energiewende verbunden sind, gerecht zu werden und neue Lösungsansätze zu finden, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2013 im Programm „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ 33 Forschungs- und Entwicklungsvorhaben gefördert. Die transdisziplinär angelegten Forschungsprojekte beschäftigen sich unter anderem mit Fragen der Akzeptanz neuer Lösungen. Das Forschungsprogramm wurde vom Öko-Institut und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wissenschaftlich koordiniert und begleitet. Für den Transfer der Ergebnisse wurden im Zuge der Wissenschaftlichen Koordination mehrere Workshops durchgeführt.


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