Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

07.03.2017

Internationale Konferenz für Meereskunde und Binnengewässer: ISOE-Wissenschaftlerin stellt PlastX vor

2500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben sich Ende Februar in Hawaii getroffen, um den aktuellen Stand aquatischer Forschung zu diskutieren. Neben Themen wie Planktonökologie, Korallenökosystemen oder dem Stickstoffkreislauf ging es aber auch um den Forschungsgegenstand Mensch-Umwelt-Beziehungen. Bei der Session „Plastik in der Umwelt“ stellte Johanna Kramm vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung die Nachwuchsgruppe PlastX und deren Forschungsansatz vor.


PlastX

Die Konferenz ASLO Aquatic Sciences Meeting unter dem Motto „From the Mountains to the Sea“ fand vom 26. Februar bis 3. März 2017 in Honolulu statt – 33 Jahre nachdem bereits im Februar 1984 WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt am selben Ort zusammengekommen waren, um die Problematik des steigenden Plastikmülls in der Umwelt zu besprechen und Lösungsansätze dafür zu finden. Mit diesem „historischen“ Hinweis eröffnete Martin Wagner von der Goethe-Universität Frankfurt, einem der Kooperationspartner der Nachwuchsgruppe PlastX, die ganztägige Session „Plastik in der Umwelt“, die mit 60 bis zu 100 TeilnehmerInnen gut besucht war.

Johanna Kramm stellte die Nachwuchsgruppe PlastX vor, die unter der Leitung des ISOE die gesellschaftliche Rolle von Kunststoffen und deren Wirkungen auf die Umwelt untersucht. Kramm zeigte dabei die Komplexität des Plastik-Problems in all seinen unterschiedlichen Perspektiven und Lösungsansätze auf. Die Wissenschaftlerin verwies zudem darauf, dass nicht ein Lösungsweg zum Ziel führe, sondern die Integration vieler unterschiedlicher Ansätze Erfolg versprechend sei.

Plastik in der Umwelt: Prozesse verstehen, um Risiken für das Ökosystem zu erkennen

Weitere Vorträge im Rahmen der Session „Plastik in der Umwelt“ beschäftigten sich unter anderem mit Mikroplastik in Kläranlagen sowie in Flüssen in Deutschland und den USA. Deutlich wurde hier, dass Kläranlagen Mikroplastikpartikel mit bis zu 99 Prozent sehr effizient zurückhalten können. Dennoch zeigten alle Umweltproben aus den unterschiedlichen Flüssen eine Kontamination mit Plastikpartikeln, die keinem bestimmten Muster folgte. So waren in dicht besiedelten Regionen teilweise weniger Partikel zu finden als in dünner besiedelten Regionen. Weitere Themen waren die Ansiedlung von Bakterien auf Plastikpartikeln und die Aufnahme von Mikroplastik von Fischen durch Nahrung am Beispiel texanischer Gewässer sowie weitere mögliche Effekte auf aquatische Organismen durch Mikroplastik. „Das Risiko wird derzeit noch als gering eingeschätzt“, sagt Johanna Kramm, „aber wir müssen die Prozesse verstehen, um mögliche Folgen für das Ökosystem zu vermeiden.“

Für Carolin Völker, Biologin und am ISOE gemeinsam mit Johanna Kramm Leiterin der Nachwuchsgruppe PlastX, war besonders interessant zu erfahren, dass bereits Hinweise auf Bakterien existieren, die sich speziell an Plastik anpassen. „An diesen Organismen, die ein relativ einfaches Genom haben, können evolutionäre Veränderungen, die durch Plastik ausgelöst werden, direkt festgestellt werden“, so Carolin Völker. Die teilnehmenden WissenschaftlerInnen waren sich am Ende einig, dass jeder Forschungsbeitrag einen wichtigen Baustein darstellt, um die Gesamtproblematik zu verstehen. Sie verabschiedeten sich aus Honolulu mit vielen neuen Forschungsideen und Angeboten zur Kooperation untereinander.

Die Nachwuchsgruppe „PlastX – Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)“ gefördert. PlastX ist darin Teil der Fördermaßnahme „SÖF – Sozial-ökologische Forschung“.


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