Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

08.06.2017

Medikamentenrückstände in der Umwelt: Was Ärzte tun können

Rückstände von Arzneimitteln können heute in fast allen Gewässern nachgewiesen werden. Sie gelangen durch menschliche Ausscheidungen oder durch unsachgemäße Entsorgung in den Wasserkreislauf. Ein Risiko für die Umwelt stellen sie deshalb dar, weil sie schon in geringen Konzentrationen negative Wirkungen entfalten. So schädigen Rückstände von Schmerzmitteln etwa die inneren Organe von Fischen. Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit können nicht ausgeschlossen werden. Wie Ärzte dazu beitragen können, dass weniger Medikamentenwirkstoffe in den Wasserkreislauf gelangen, damit beschäftigte sich das Forschungsprojekt „Arznei für Mensch und Umwelt?“. Die Ergebnisse sind jetzt in der Abschlusspublikation nachzulesen.


Arzneimittel im Trinkwasser

Ärztinnen und Ärzte haben eine Schlüsselrolle bei der Aufgabe, den verantwortungsvollen Arzneimittelverbrauch von der Verschreibung bis hin zur sachgerechten Entsorgung zu fördern. In der Aus-, Fort- und Weiterbildung dieser Berufsgruppe spielt die Problematik jedoch bislang praktisch keine Rolle. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung entwickelte deshalb mit der European Academy for Environmental Medicine, der Leuphana Universität und dem IUTA – Institut für Energie- und Umwelttechnik, Duisburg zwei Veranstaltungskonzepte: eine Lehrveranstaltung für Studierende der Medizin, die an der Universität Witten/Herdecke durchgeführt wurde, sowie eine Fortbildungsveranstaltung für praktizierende Ärztinnen und Ärzte, die in Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer Baden-Württemberg in Stuttgart erfolgte.

Die Evaluation der Veranstaltungen zeigte, dass sich der Kenntnisstand der Teilnehmenden zum Thema Arzneimittelreste im Wasser durch den Input fachlich fundierter Informationen erweitert hat. In interaktiven Modulen und Diskussionen entwickelten die Beteiligten Handlungsmöglichkeiten für den Berufsalltag. Im Vordergrund standen dabei eine kritischere Verschreibungspraxis und die Förderung einer gesünderen Lebensweise durch den behandelnden Arzt sowie die sachgerechte Entsorgung von Arzneimittelresten durch die Patientinnen und Patienten. Diese Maßnahmen wurden auch im Hinblick auf aktuelle Probleme des Gesundheitssystems, wie Kostendruck oder Antibiotikaresistenzen, erörtert.

Arznei für Mensch und Umwelt: Materialien für Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen

Das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beweist, dass sich die entwickelten Lehrinhalte gut eignen, um angehende bzw. praktizierende Ärztinnen und Ärzte für die Problematik der Arzneimittelspurenstoffe in der Umwelt zu sensibilisieren. Lehrende im Gesundheitsbereich sowie Landesärztekammern können die Materialien nutzen, um die Thematik in ihre eigenen Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen zu integrieren. Die Publikation „Arznei für Mensch und Umwelt? Umsetzung der Empfehlungen des Handbuches Kommunikationsstrategien zur Schärfung des Umweltbewusstseins im Umgang mit Arzneimitteln - ein Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Arzneimitteln“ steht zum Download bereit.

Kommunikation über Umweltrisiken und Arzneimittel: Lehrformate auch für Apotheker

Auch Apothekerinnen und Apotheker spielen eine wichtige Rolle bei der Kommunikation des Problems von Arzneimittelrückständen im Wasser. Bei der Beratung ihrer Kunden können sie zu einem besseren Verständnis über Arzneimitteleinträge und deren Reduktion beitragen. Für einen umweltbewussten Umgang mit Medikamenten entwickelt das ISOE seit Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Öko-Institut und ebenfalls im Auftrag des Umweltbundesamtes auch Aus- und Fortbildungskonzepte für Studierende der Pharmazie für ApothekerInnen. Mehr zum Projekt

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