Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

27.11.2017

Studie Mobiles Baden-Württemberg: Szenarien für eine nachhaltige Mobilität

Wie könnte eine nachhaltige Verkehrsgestaltung in Baden-Württemberg aussehen, die nicht nur den Ressourcen- und Klimaschutz in den Blick nimmt, sondern auch die wirtschaftlichen Konsequenzen berücksichtigt? Zu dieser Frage hat die Baden-Württemberg Stiftung 2015 in Kooperation mit dem BUND-Landesverband eine Analyse in Auftrag gegeben: Die nun veröffentlichte Studie „Mobiles Baden Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität“ beschreibt drei Zukunftsszenarien, die sowohl mögliche Umweltwirkungen als auch Folgen für die Beschäftigung darstellen. Wissenschaftlich erarbeitet wurde die Studie vom Öko-Institut, Fraunhofer IAO, IMU-Institut und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung.


Multioptionalität

Unter welchen Umständen könnte Baden-Württemberg eine Pionierregion für nachhaltige Mobilität werden? Welche Änderungen im Verkehrsverhalten und innerhalb der Mobilitätswirtschaft sind dafür notwendig? Die Szenarien zur Beantwortung dieser Fragen wurden gemeinsam mit zentralen gesellschaftlichen Akteuren Baden-Württembergs entwickelt. Dabei gingen die AutorInnen der Studie ausdrücklich davon aus, dass Baden-Württemberg nicht etwa isoliert auf eine nachhaltige Mobilität umstellt, sondern dass alle Staaten, die das Pariser Klimaabkommen ratifiziert haben, eine nachhaltige Verkehrsgestaltung umsetzen, um so die international vereinbarten und völkerrechtlich bindenden Klimaschutzziele zu gewährleisten.

Drei mögliche Entwicklungen bis 2030 und 2050 wurden in den Szenarien formuliert. Gemeinsam war ihnen neben dem Ziel, die Erderwärmung zu bremsen auch die Annahme, dass sich das autonome Fahren bis 2050 durchgesetzt und sich die CO2-Bilanz des Fahrzeugantriebs durch Elektrifizierung und den Einsatz erneuerbarer Energien stark verbessert hat.

Unterschiedliche Zukunftsszenarien und ihre Auswirkungen

Je nachdem, ob es gelingt, die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs zurückzudrängen und durch ein multioptionales Verkehrssystem zu ersetzen, das ÖPNV und individuelle Varianten intelligent vernetzt, zeichnen sich unterschiedliche Folgen für Wirtschaft und Umwelt ab: Je stärker die Verkehrsgestaltung in Zukunft auf kurze Wege und flexible öffentliche Systeme setzt, umso größer sind die positiven Effekte für Umwelt und Gesundheit.

Nur ein deutlicher Rückgang der Pkw-Fahrleistung und des Pkw-Bestandes kann den Wandel zu einer Mobilität leisten, die die Belastungsgrenzen von Umwelt und Gesundheit nicht überschreitet. Eine solche Veränderung wäre gravierend und hätte auch Auswirkungen auf die Mobilitätswirtschaft. Die Studie weist auf die Chancen für die baden-württembergische Automobilwirtschaft hin. Bei einer raschen Weichenstellung in Richtung zukünftiger Märkte könne Baden-Württemberg das Pionierland für ökologische Industriepolitik im Mobilitätssektor und Vorreiter eines nachhaltigkeitsorientierten Transformationsprozesses werden.

Technische Optionen reichen nicht aus, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Die Studie zeigt weiterhin, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen, um die gesetzten Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Es ist auch ein gesellschaftlicher Wandel des herrschenden Mobilitätsleitbildes und des alltäglichen Verkehrsverhaltens notwendig. Eine nachhaltige Entwicklung der Mobilität bedeutet eine Abkehr vom motorisierten Individualverkehr, die aber nicht diktiert werden kann. „Ziele und Anforderungen an eine nachhaltige Mobilitätskultur müssen von den Bürgerinnen und Bürgern getragen werden“, heißt es in der Studie. Hierfür empfehlen die AutorInnen eine stärkere Sensibilisierung für die Problematik, etwa durch Pilotprojekte, die die Vorteile einer nachhaltigen Mobilität für Einzelne erfahrbar machen – mehr Lebensqualität durch weniger Lärm und Schadstoffe und mehr Grünflächen statt Parkplätze.

In einem nächsten Schritt sollen die Studienergebnisse und die daraus abgeleiteten politischen Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen einer Fachtagung mit weiteren Experten diskutiert und ergänzt werden. Ein weiterer, noch zu beschließender Schritt sieht die Einbeziehung und Sensibilisierung der Zivilgesellschaft durch Beteiligungsverfahren und Informationsmaßnahmen vor.

Link zum Download der Studie:
https://www.bwstiftung.de/bildung/programme/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-buergerbildung/mobiles-bw/


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