Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

14.02.2017

Warum in der Schweiz mehr Fairtrade-Produkte als in Deutschland gekauft werden – eine aktuelle Studie gibt Antworten

Im Ländervergleich gibt es große Unterschiede beim Konsum von Fairtrade-Produkten. So gehört die Schweiz zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Konsum fair gehandelter Waren. Im Nachbarland Deutschland geben die Konsumenten dagegen deutlich weniger Geld für Produkte aus, bei denen garantiert wird, dass Produzenten und Arbeiter faire Preise bzw. Löhne erhalten. Gründe für diesen länderspezifischen Unterschied bei ansonsten großer Ähnlichkeit von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung haben Soziologen der Universität Zürich gemeinsam mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt erhoben.


Fair Trade

Georg Sunderer vom ISOE und seine Kollegen Patrick Schenk und Jörg Rössel von der Universität Zürich haben hierfür rund 3.900 Einwohnerinnen und Einwohner der Städte Zürich und Köln befragt und hier die Kaufgelegenheiten für Fairtrade-Produkte analysiert. Ihre Datenauswertung hat ergeben: Bestehende Einkommensunterschiede sind für das höhere Konsumniveau in der Schweiz nicht bedeutsam – obwohl die Schweizer Befragten im Durchschnitt gegenüber den Befragten in Deutschland insgesamt über eine höhere Kaufkraft verfügen. Ausschlaggebend für das Konsumverhalten in der Schweiz sind dagegen die bessere Verfügbarkeit fair gehandelter Produkte sowie die in der Schweiz stärker ausgeprägte moralische Verpflichtung zum Kauf von Fairtrade-Produkten.

Ethische Dimension gewinnt beim Einkaufen zunehmend an Bedeutung

Die Autoren haben auch das Konsumverhalten von Deutschen, die in Zürich leben, mit dem von Schweizern untersucht. Dabei fiel auf: Unterschiede beim Kauf fair gehandelter Produkte gab es nur bei Neuansässigen. Dies weist darauf hin, dass die Deutschen sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer in ihren Überzeugungen anpassen und die Unterschiede im Kaufverhalten in der Folge verschwinden.

Orientierten sich deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher in den Nachkriegsjahren überwiegend an Preis und Qualität, war der Konsum der 1980er- und 1990er-Jahre stark von der Orientierung an Marken beeinflusst. Erst in der jüngeren Zeit rücken ökologische, soziale und politische Charakteristika von Produkten in den Vordergrund. In Deutschland sind nach Zahlen von Transfair und Forum Fairer Handel die Pro-Kopf-Ausgaben für fair gehandelte Produkte von 62 Cent im Jahr 2001 auf 13 Euro im Jahr 2014 gestiegen. Damit wurde pro Kopf mehr als zwanzigmal so viel für fair gehandelte Produkte ausgegeben.

Eine jetzt erschienene Ausgabe des „Berliner Journal für Soziologie“ widmet sich dem Schwerpunktthema „Ethischer Konsum“. Auch der Beitrag zum Ländervergleich Schweiz/Deutschland ist hier enthalten.

Patrick Schenk, Georg Sunderer und Jörg Rössel (2016): Sind Deutschschweizer altruistischer als Deutsche? Ein Vergleich des Konsums fair gehandelter Produkte in Deutschland und der Schweiz. Berliner Journal für Soziologie, Volume 26, S. 145–170. link.springer.com/journal/11609/26/2/page/1


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