Hessischer Tag der Nachhaltigkeit

Exkursion an die Weschnitz mit Dialog und Aktion

Am 10. September 2020 fand der Hessische Tag der Nachhaltigkeit statt. An dem landesweiten Aktionstag konnten eine Vielzahl von Veranstaltungen besucht werden. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat in Zusammenarbeit mit dem Gewässerverband Bergstraße und dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald eine Exkursion an die Weschnitz angeboten, ein Nebenfluss des Rheins im Süden Hessens und Norden Baden-Württembergs. Der Ausflug fand im Rahmen des Forschungsprojekts Weschnitz Dialog statt, in dem es um mögliche Konflikte zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung im Zusammenhang mit der Renaturierung eines Flussabschnittes geht. Die Teilnehmer*innen konnten dabei nicht nur Einblicke in das Forschungsprojekt nehmen, sie wurden auch selbst als Naturschützer*innen aktiv.

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Die Weschnitz zwischen Weinheim und dem Rhein (Foto: ISOE)
Die Weschnitz zwischen Weinheim und dem Rhein (Foto: ISOE)

Rund 90 Prozent der deutschen Oberflächengewässer verfehlen die Vorgaben der EU-Wasserrichtlinie eines „guten ökologischen Zustands“ – so auch große Teile der Weschnitz. Doch das soll sich nun ändern. Eine weitere Renaturierung des Flusses ist vom Gewässerverband Bergstraße geplant, einhergehend mit einer Deichsanierung zwischen Biblis und Einhausen. Die Exkursion, die am Hessischen Tag der Nachhaltigkeit in Lorsch startete, bot Einblicke in bereits renaturierte Abschnitte der Weschnitz: Wie erfolgt die Renaturierung eines Flusses? Wie lange dauert es, bis sich neue Biotope bilden? Welche Konflikte können sich durch unterschiedliche Interessen seitens der Landwirtschaft, der Stadtplanung und des Naturschutzes ergeben und wie kann mit diesen umgegangen werden? 

Die Veranstaltung widmete sich während des etwa fünf Kilometer langen Spaziergangs auch dem Thema „Vermüllung“ am Ufer. Zwar sollte die Müllvermeidung hier das oberste Gebot sein, aber um Naherholungsgebiete in gutem Zustand zu hinterlassen, beteiligten sich die Spaziergänger*innen kurzerhand an einer Müllsammelaktion. Die Beteiligung von Bürger*innen ist im Forschungsprojekt Weschnitz Dialog gewünscht. Um bei der geplanten Renaturierung mögliche Konflikte zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung vorzubeugen, sollen alle Akteure miteinbezogen werden.

Beteiligungsplattform für den Weschnitz Dialog

Hierfür ist die gleichnamige interaktive Informations- und Beteiligungsplattform „Weschnitz-Dialog“ entstanden. Auf der Webseite www.weschnitz-dialog.de gibt es viel über die Geschichte, die Flora und Fauna, vergangene und geplante Renaturierungsmaßnahmen und das Monitoring der Weschnitz zu erfahren. Zentrales Thema sind dabei auch die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Gesellschaft. Die Seite liefert darüber hinaus Hintergrundinformationen und Aktuelles über die Deichsanierung und die Renaturierungsmaßnahmen, die in einem ca. 4,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem hessischen Einhausen und Biblis geplant sind. Registrierte Nutzer*innen können auf der Beteiligungsplattform ihre Beobachtungen teilen.

In der Kategorie „Landschaftsimpression“ hält ein Nutzer beispielsweise die Weschnitzquelle bei Hammelbach auf einem Foto fest. In der Kategorie „Umweltbelastung“ wurde eine Plastiktüte fotografiert und hochgeladen. Auch Pflanzensichtungen oder renaturierte Standorte können eingetragen werden und machen „Lust auf einen Fahrradausflug“– wie es in einem Kommentar heißt. Tatsächlich können auch empfehlenswerte Radwege geteilt werden. Für die Nutzung der Plattform ist eine einmalige Registrierung erforderlich, dann kann es losgehen.

Neu als mobile Version: Die Weschnitz Dialog App

Für eine „smarte“ Teilnahme an dem Projekt hat das Forschungsteam jetzt zudem eine App entwickelt. Mit der mobilen Version der Beitiligungsplattform möchte der Projektverbund noch mehr Menschen erreichen und einladen, ihre Erlebnisse, Eindrücke und Entdeckungen an der Weschnitz zu posten und zu teilen, z.B. Fotos von Tieren und Pflanzen, Landschaftseindrücke, empfehlenswerte Radwege oder auch selbstgemessene Wasserwerte und mögliche Umweltbelastungen. Außerdem kann man sich in der Community über das Gesehene austauschen und zum Beispiel nach Tier- und Pflanzenarten fragen. Die App ist als Download für AndroidTM bei Google Play erhältlich. (Android und Google Play sind Marken von Google LLC.)

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Katja Brinkmann
Tel. +49 69 707 6919-42
 
www.isoe.de 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
www.isoe.de 

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