ISOE-Biodiversitätsforschung

Mit Social Labs Strategien gegen Insektenschwund in Naturschutzgebieten entwickeln

Weltweit nimmt die Anzahl der Arten drastisch ab. Der jüngste Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) macht deutlich, dass dies gravierende Folgen für unsere Lebensgrundlagen hat. Besonders kritisch wird der Rückgang von Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen und Käfern beurteilt. Doch was die Ursachen des Rückgangs betrifft, so sind noch viele Zusammenhänge ungeklärt, und auch die Datengrundlage ist noch unzureichend. Gemeinsam mit dem NABU und weiteren Partnern wird das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Projekt DINA die Insektenvielfalt in Naturschutzgebieten wissenschaftlich erfassen, Ursachen für den Artenschwund ermitteln und wirksame Gegenmaßnahmen erproben.

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Gefleckte Smaragdlibelle im Flug, Naturschutzgebiet Gnitz, Usedom (©Carola Vahldiek/Adobe Stock)
Gefleckte Smaragdlibelle im Flug, Naturschutzgebiet Gnitz, Usedom (©Carola Vahldiek/Adobe Stock)

Im Rahmen internationaler Abkommen hat sich Deutschland zum Schutz der Biodiversität und deren nachhaltiger Nutzung verpflichtet. Um den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten, ist es notwendig, das bisher noch unbestimmte Ausmaß des Insektenschwundes zu erfassen. Dafür sollen im Forschungsprojekt „DINA – Diversität von Insekten in Naturschutzgebieten“ standardisierte Monitoring-Methoden von Insektenpopulationen zum Einsatz kommen, die weitaus mehr Arten als bislang – auch in geschützten Gebieten – erfassen. Das Forschungsteam wird in den kommenden vier Jahren die bislang größte Studie zu Fluginsekten in Schutzgebieten erarbeiten, die Auskunft darüber geben kann, welche Faktoren zum Insektensterben in welchem Umfang beitragen, und was notwendig und möglich ist, um den Trend umzukehren.

In 21 Naturschutzgebieten werden dafür Populationen von Insekten erfasst und die Einflussfaktoren für ihr Vorkommen analysiert, etwa die Landschaftsstruktur und Formen der Landnutzung, der Zustand und die Diversität der Pflanzengemeinschaften oder der Einsatz von Pestiziden. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen sollen in konkrete Empfehlungen zum Schutz der Artenvielfalt für Politik, Landwirtschaft und Kommunen münden. Um von Anfang an mögliche Konflikte  zu erkennen, werden denkbare Lösungen im Dialog zwischen den relevanten Akteurinnen und Akteuren aus Landnutzung, Verwaltung, Naturschutz und Landeigentümer*innen  entwickelt. Für die Dialogprozesse in DINA sind das ISOE und weitere Projektpartner verantwortlich.

„Social Labs“ als Instrument für robuste Lösungen zum Schutz der Insektenvielfalt

Solche Dialogprozesse sind notwendig, damit Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt nicht an Differenzen und Zielkonflikten scheitern.  Die vom ISOE konzipierten „Social Labs“ ermöglichen diesen Dialog, der zum besseren Verständnis von Konflikten beiträgt und auf eine gemeinsame, robuste Lösungsfindung zielt. Die „Social Labs“ werden als Fallstudien an drei der 21 Monitoringstandorten durchgeführt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren findet in jedem „Social Lab“ eine Reihe von Dialogworkshops statt. Der kontinuierliche Austausch dient sowohl der Vernetzung zwischen den Akteuren als auch der Konsensfindung für Ziele und Maßnahmen für einen integrierten Naturschutz.

Das Projekt DINA unter der Leitung des Naturschutzbund Deutschland (NABU) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Projektpartner sind neben dem ISOE der Entomologische Verein Krefeld e.V. (EVK), das Internationale Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Bonn-Rhein-Sieg University of Applied Sciences (IZNE), die AG Spezielle Botanik an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), das Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau sowie das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig des Leibniz-Instituts für Biodiversität der Tiere (ZFMK)

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