Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern

Neue Maßnahmenstrategien für politische Entscheidungen 

Der steigende Medikamentenverbrauch stellt die Wasseraufbereitung und den Gewässerschutz in Deutschland vor große Probleme. Um die Rückstände von Arzneimitteln im Wasser zu beseitigen, ist ein hoher Aufwand nötig. Die Problematik um die Verunreinigung durch Medikamentenrückstände wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Aber wie sehen die Fakten dazu aus? Welche Medikamentenmengen werden Menschen und auch Tieren verabreicht? Zu welchen Verunreinigungen kommt es und wie lassen sie sich vermeiden? Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat mit seinem Arbeitsbericht Nr. 183 einen Überblick zum Wissensstand vorgelegt. Unter den Autor*innen sind auch Wasserexpert*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung.

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Medicine and glass of water (© peshkova / Adobe Stock)
Medicine and glass of water (© peshkova / Adobe Stock)

Unbestreitbar sind Medikamente notwendig für die Gesundheit von Menschen und Tieren. Doch der steigende Pro-Kopf-Verbrauch von Schmerzmitteln, Antibiotika, Blutdrucksenkern oder Röntgenkontrastmitteln hat Konsequenzen für Böden und Gewässer. Denn die Medikamente verbleiben nur zu einem geringen Teil im Organismus. Der größere Teil gelangt, ausgeschieden als Stoffwechselprodukt, mit dem Abwasser in Böden und Gewässer. Dort beeinflussen die Wirkstoffe teilweise Organismen, unter Umständen können sie auch in den Nahrungskreislauf oder ins Trinkwasser gelangen. 

Schon kleinste Verunreinigungen können gemessen werden. Aber ab welcher Menge sind diese Schadstoffe auch nachweislich ein Problem für Menschen, Tiere und Umwelt? Auf Initiative und im Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages ist in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Überblicksbericht entstanden, der detailliert beschreibt, welche Human- und Tierarzneimittel in welchen Quantitäten in Deutschland verwendet werden und nach aktuellem Kenntnisstand ihrer Menge oder ihrer Wirkung nach in human- und ökotoxikologischer Hinsicht relevant sind. Er liefert damit eine Grundlage für politische Entscheidungen, die mit Blick auf die gesamtgesellschaftliche Problematik notwendig sind. 

Wissen über Umweltwirkungen teilen 

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 183 „Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern“ enthält Vorschläge zur Vermeidung der Verunreinigungen und Handlungsempfehlungen zur Verringerung der Risiken durch Arzneimittelrückstände im Wasser. In diesem Zusammenhang wird auch die intensiv diskutierte technische Maßnahme der sogenannten vierten Reinigungsstufe von Kläranlagen aufgegriffen, die Mikroverunreinigungen zu großen Teilen aus Abwässern entfernen kann – nicht aber Arzneimittel aus der Tiermast. „Weil nicht alle Medikamentenrückstände im Klärverfahren entfernt werden können, sind kombinierte Vorsorgemaßnahmen sinnvoll“, sagt ISOE-Wasserexperte Engelbert Schramm. 

Neben technischen Lösungen sei eine umfassende Wissensbasis für das Umweltbundesamt oder andere Verantwortliche in der Umweltvorsorge notwendig. „Neu ist dabei unser Vorschlag, dass Pharmakonzerne ihr Wissen über Umweltwirkungen von Medikamenten künftig nicht mehr als Geschäftsgeheimnisse unter Verschluss halten dürfen, sondern an die Verantwortlichen gelangen,“ sagt Schramm. Die verpflichtende Weitergabe an eine zentrale Stelle könne dazu beitragen, dass Umwelteffekte endlich systematisch aufgearbeitet werden und Erfahrungen von weiteren Experten*innen, etwa Tierärztinnen und Landwirten, in eine umfassende Datenbasis und die Bewertung der Daten einfließen können.

Der komplette TAB-Arbeitsbericht Nr. 183 sowie der zugehörige TAB-Fokus Nr. 22 stehen zum Download zur Verfügung. 

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