Weschnitz-Dialog

Begleitprozesse für sozial-ökologische Konflikte an Flüssen

Rund 90 Prozent der deutschen Oberflächengewässer verfehlen die Vorgaben der EU-Wasserrichtlinie eines „guten ökologischen Zustandes“. Auch die Weschnitz, ein Nebenfluss des Rheins im Süden Hessens und Norden Baden-Württembergs, ist von diesem Problem betroffen. Daher soll nun eine Deichsanierung auf einem vier Kilometer langen Abschnitt des Flusses zu einer umfassenden Renaturierung genutzt werden. Allerdings verändern sich hierdurch vermutlich auch die Nutzungsmöglichkeiten der betroffenen Flächen z.B. für Landwirtschaft und nahe Siedlungen. Mit Unterstützung des Geo-Naturparks will das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Projekt „Weschnitz Dialog“ mögliche Konflikte zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung frühzeitig erkennen und ihnen entgegenwirken.

| Nachricht
Exkursion an der Weschnitz (Foto: ISOE)
Exkursion an der Weschnitz (Foto: ISOE)

Die Deiche der Weschnitz müssen im Bereich zwischen Biblis und Einhausen erneuert werden, da sie bereits sehr alt sind und den Anforderungen des Hochwasserschutzes nicht mehr gerecht werden. Der Gewässerverband Bergstraße, der für die Instandhaltung der kommunalen Weschnitz-Deiche zuständig ist, will die notwendige Sanierung nutzen, um auch den ökologischen Zustand der Weschnitz zu verbessern. Er beabsichtigt unter anderem, die Deiche in einigen Abschnitten nicht nur zu sanieren, sondern auch ins Hinterland zu verlegen, um der Weschnitz mehr Platz zu geben. Eine Deichrückverlegung eröffnet die Möglichkeit, naturnahe Auenbereiche zu gestalten, in denen neue Biotope und damit Lebensraum für eine große Artenvielfalt entstehen können. Die dafür erforderlichen Flächen werden derzeit jedoch größtenteils für die landwirtschaftliche Produktion genutzt. Den Interessen von Naturschutz stehen daneben Ansprüche von Siedlungsplanung entgegen. Mit dem Projekt „Weschnitz Dialog“ will das ISOE dazu beitragen, mögliche Konflikte im Kontext der Renaturierung konstruktiv zu regulieren.

Dabei greift das ISOE auf Forschungsergebnisse aus dem Projekt „NiddaMan“ zurück, in dessen Kontext eine Planungshilfe für die Gestaltung von Beteiligungsprozessen im Flussgebietsmanagement erstellt wurde. Mit einer vorgeschalteten Konfliktanalyse soll bestimmt werden, welche Methoden des Dialogs zwischen unterschiedlichen Akteuren sich auf die Situation der Weschnitz übertragen lassen. Im Verlauf des Projektes sollen die verschiedenen Kombinationen aus Dialogformaten überprüft und weiterentwickelt werden.

Mit „Citizen Science“ und Naturparkschule Daten zusammentragen

Über die Internetplattform „Citizen Science“ soll die Öffentlichkeit aktiv in das Projekt miteinbezogen werden. Dort kann jede/r Bürger*in eigene Beobachtungen am Fluss (z.B. Tierbeobachtungen, Pflanzen, aber auch Umweltbelastungen) eintragen und sich mit anderen Nutzer*innen darüber austauschen. So werden wissenswerte Informationen über die Weschnitz gesammelt und Zusammenhänge zwischen Umwelt und Gesellschaft vermittelt. Diese Methode stammt ebenfalls aus dem Projekt NiddaMan und wurde dort auf ähnliche Weise, über die App und Webseite „niddaland.de“, angewendet. Diesmal werden zudem die Schulen in das Projekt miteingebunden: Unter anderem an der als ‚Naturparkschule‘ ausgezeichneten Martin-Luther-Schule Rimbach erfahren Schüler*innen bei Exkursionen oder an Projekttagen Wissenswertes über das Zusammenspiel von Natur und Gesellschaft am Beispiel der Weschnitz. Das Projekt ist ein Auftrag des Gewässerverbands Bergstraße und wird außerdem vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald unterstützt und durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Zurück zur Liste