Forschungsprojekt AQUA-Hub India

Technologie- und Wissenstransfer für nachhaltige Wasserinfrastrukturen

Indiens Städte wachsen rasant und benötigen eine leistungsfähige Infrastruktur für die Versorgung mit Wasser und für die Entsorgung von Abwasser. Doch der Ausbau der Infrastruktur kann mit dem Bevölkerungswachstum kaum mithalten. Eine Forschungskooperation von ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnologie IGB, Landesagentur Umwelttechnik BW (UTBW), indischen Partnern und deutschen Unternehmen unterstützt deshalb den Aufbau einer nachhaltigen Wasserinfrastruktur in Indien: „AQUA-Hub“ verbindet das Angebot von innovativen Lösungen mit der entsprechenden Nachfrage und fördert den Technologie- und Wissenstransfer zwischen deutschen Wassertechnologie-Anbietern und indischen Partnern.

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Photo: Stefan Liehr/ISOE
Photo: Stefan Liehr/ISOE

Mit den sogenannten Water Innovation Hubs in den indischen Städten Coimbatore und Solarpur bereiten die Forschungspartner des Projekts AQUA-Hub derzeit eine Plattform vor, um Blaupausen für Wasserinfrastrukturlösungen aufzuzeigen, die speziell für schnell wachsende Städte geeignet sind. Somit ist das Forschungsprojekt AQUA-Hub eine Anlaufstelle für deutsch-indische Kooperationen und zugleich ein Ergebnis aus einem vorausgegangenen gemeinsamen Forschungsprojekt von Fraunhofer IGB und ISOE. In diesem Projekt „Smart Water Future India“ wurden die Infrastrukturlösungen – beispielhaft für die Metropole Coimbatore – gemeinsam mit indischen Stakeholdern entwickelt.

Zum Hintergrund: In der Millionenstadt Coimbatore im Süden des Landes sind die lokalen Gewässer durch die städtischen Abwässer stark belastet. Die Seen im Stadtgebiet stellen aber gleichzeitig einen wichtigen natürlichen Regenwasserspeicher für die boomende Stadt dar und haben das Potenzial, als Naherholungsgebiet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Bevölkerung zu leisten. Coimbatore steht hier stellvertretend auch für andere Städte in Indien. Für diese spezifischen Bedingungen hatte das Forschungsteam die Herausforderungen genauer untersucht und Bedarfe an Umwelttechnologien und intelligenten Wassermanagementstrategien für eine nachhaltige Wasserver- und -entsorgung herausgearbeitet.

„Um Angebot und Nachfrage für die entwickelten Lösungen zusammenzubringen, etablieren wir im Nachfolgeprojekt AQUA-Hub gemeinsam mit dem Fraunhofer IGB nun eine Art Marktplatz“, sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr. „Unser Ziel ist es, nachhaltige Wassertechnologielösungen, die wir den indischen Akteuren aus dem Wasserbereich auf diesem Marktplatz demonstrieren, in die Anwendung zu bringen und damit letztlich die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu erhöhen, aber auch den Zustand der Gewässer und ihres Umfeldes zu verbessern.“

Nachhaltige Wasserinfrastrukturen und soziale Innovationen

Für den Erfolg von Lösungsansätzen auf dem indischen Markt seien mehrere Faktoren relevant. Die Herausforderungen liegen aus Sicht des ISOE-Wasserexperten insbesondere in der Verbindung von technischen und sozialen Innovationen. „Wenn neuen Verfahren der Wasserversorgung und -entsorgung und des Wasserqualitätsmonitorings langfristig in die Anwendung gehen sollen, benötigen die kommunalen Wasserbetriebe nicht nur technologische Komponenten, sondern ganzheitliche Lösungen, die auch soziale Innovationen mit einschließen“, sagt Stefan Liehr. Zu den sozialen Innovationen zählt Liehr etwa eine Umgestaltung von Praktiken für den Betrieb von Technologien, veränderte Verantwortlichkeitsstrukturen und angepasste Formen des Informationsaustauschs und der fachlichen Aneignung.

Damit der Technologietransfer gelinge, müssten die Lösungsansätze kompatibel sein und dem Bedarf und dem Wissen der politisch-institutionellen Entscheidungsträger entsprechen. Auch internationale Kooperationsangebote und lokale Partnerschaften vor Ort seien zentral für eine erfolgreiche Umsetzung der Wasserinfrastrukturlösungen. „Hierfür sollen die Water Innovation Hubs langfristig einen Beitrag leisten“, sagt Liehr. Die Plattform könne Unternehmen und Forschungsinstituten aus Deutschland die Möglichkeit bieten, ihre innovativen Technologien auf lokaler Ebene bekannt zu machen, in Pilotanlagen zu testen und unter den spezifischen Bedingungen in Indien weiterzuentwickeln, um sie letztlich gemeinsam mit Kunden in die Anwendung zu bringen. Als erstes Demonstrationsvorhaben des Water Innovation Hub in Coimbatore bereiten die Wissenschaftler*innen den Einsatz eines smarten Systems zum Online-Monitoring der Wasserqualität vor.

Das Forschungsprojekt AQUA-Hub wird im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien (EXI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Mehr zum Projekt: www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/aqua-hub

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr
Tel. +49 (0)69 707 6919-36
liehr(at)isoe.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 (0)69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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