Asiatische Buschmücke

Umweltfreundliche Bekämpfung exotischer Mückenart mithilfe der Bevölkerung

Mit dem Sommer kommen die Stechmücken. Unter ihnen sind seit einigen Jahren auch exotische Arten, die verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Dazu gehört die Asiatische Buschmücke, die sich inzwischen auch in Deutschland weit verbreitet hat. Um die exotische Mücke einzudämmen, wurden im Forschungsprojekt AJAP II umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Insektiziden entwickelt. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Bekämpfung auch ohne schädliche Insektizide gelingen kann und dass die Bereitschaft in der Bevölkerung, alternative Maßnahmen zu ergreifen, sehr hoch ist.

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Asiatische Buschmücke (Center for Disease Control and Prevention)
Asiatische Buschmücke (Center for Disease Control and Prevention)

Seit einigen Jahren verbreiten sich exotische Mückenarten auch in Deutschland immer mehr. Die vergleichsweise milden Winter haben es ihnen zuletzt leicht gemacht – bei ausbleibendem Frost können sie gut überleben. Umso dringender werden Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung, denn die neuen Stechmückenarten können Krankheiten übertragen. Dazu gehören etwa das in unseren nordeuropäischen Regionen nur vereinzelt aufgetretene West-Nil-Virus oder die Japanische Enzephalitis. In Zeiten der Corona-Pandemie zeigt sich, wie wichtig es ist, dass mögliche neue Krankheitserreger bekämpft werden müssen.

Das Forschungsprojekt AJAP II beschäftigt sich unter der Leitung des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F) mit der Asiatischen Buschmücke (Aedes japonicus). Das Infektionsrisiko durch diese Insektenart ist bislang vor allem im Labor aufgefallen. Dort konnten zum Beispiel die mögliche Übertragung von Viren der Japanischen Enzephalitis oder West-Nil-Viren nachgewiesen werden. Die Asiatische Buschmücke fühlt sich inzwischen auch in Deutschland heimisch. Das heißt, ihr völliges Verschwinden ist nicht mehr möglich, wohl aber ihre Eindämmung. 

Umweltfreundliche Alternativen wirken ebenso gut wie herkömmliche Insektizide

Das interdisziplinäre Forschungsteam hat deshalb Maßnahmen entwickelt, um die Populationsgröße der Asiatischen Buschmücke zu verringern. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung untersucht in dem Forschungsprojekt die Bereitschaft der Bevölkerung zur Umsetzung dieser Bekämpfungsmaßnahmen. Weil sich herkömmliche Insektizide negativ auf Menschen und Umwelt auswirken können und die Mücken schnell Resistenzen gegen solche Wirkstoffe entwickeln, geht das Forschungsteam bei der Bekämpfung der Asiatischen Buschmücke andere Wege. Es wurden zwei umweltfreundliche Alternativen erprobt: der Einsatz von Nelkenöl und von Kupfermünzen. Beide Varianten haben eine toxische Wirkung auf Stechmücken und wurden bereits erfolgreich im Labor getestet. Derzeit wird unter Freilandbedingungen – auf Friedhöfen, wo die Asiatische Buschmücke besonders stark verbreitet ist – geprüft, inwieweit die Ergebnisse dorthin übertragbar sind und ob sich die Stechmücken an die alternativen Insektizide anpassen.

Vom Feldversuch in die Anwendung – Mithilfe der Bevölkerung ist gefragt

Um die umweltfreundlichen Alternativen zu etablieren, spielt die Akzeptanz und die aktive Mithilfe der Bevölkerung eine entscheidende Rolle. Deshalb wird zeitgleich mit der Erprobung möglicher Lösungen schon die Bevölkerung in das Forschungsprojekt einbezogen. Wie reagieren die Besucher von Friedhöfen oder die Besitzerinnen von Kleingärten, die vergleichbare Habitate für die Stechmücken bieten, auf die Bekämpfungsmaßnahmen? Finden sie die alternativen Methoden zur Bekämpfung der Asiatischen Buschmücke praktikabel? Diesen Fragen widmet sich das ISOE. In über 400 Telefoninterviews haben die Wissenschaftler*innen des ISOE grabpflegende Angehörige und Gartennutzer*innen befragt. 

Die Befragten zeigten zum einen Verständnis für das Grundproblem, das bei der Ansiedlung der Asiatischen Buschmücke eine Schlüsselrolle spielt: Die Stechmückenart bevorzugt als Brutstätte für ihre Larven stehendes Wasser in Regentonnen, Topfuntersetzern oder Blumenvasen im Freien, wie sie gerade in Gärten und auf Friedhöfen weit verbreitet sind. Zum anderen erklärte eine große Anzahl der Befragten eine sehr hohe Bereitschaft, die Bekämpfungsmaßnahmen in ihrem Alltag umzusetzen. Dabei wurden umweltfreundliche Maßnahmen befürwortet und synthetische, chemische Insektizide eher abgelehnt.

Wissenslücken schließen – Aufklärung ist wichtig

Ein Großteil der Befragten zeigte ein sehr großes Interesse an dem Thema insgesamt und wies auf eigene Wissenslücken hin. Vielfach wurde der Wunsch laut, mehr Informationen über die Asiatische Buschmücke zu erhalten, die sich seit 2011 allmählich in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verbreitet hat und bevorzugt im menschlichen Siedlungsraum vorkommt, vor allem auf Friedhöfen und in Kleingartensiedlungen.

Die Asiatische Buschmücke kommt ursprünglich aus Japan und kann verschiedene Viren übertragen. Kann heißt: Die Mücke selbst ist, ebenso wie ihre Eier, noch nicht automatisch Virenträgerin. Die Viren können aber von Menschen eingeschleppt werden, etwa von infizierten Reiserückkehrern nach Deutschland, die sich zuvor in bestimmten Risikogebieten aufgehalten haben und diese Viren in die regionale Mückenpopulation einbringen. Deshalb ist es so wichtig, die Populationen möglichst klein zu halten, um die Wahrscheinlichkeit der Übertragung zu reduzieren. In Deutschland ist bisher noch kein Fall von direkter Krankheitsübertragung durch diese Stechmückenart auf einen Menschen bekannt. Da es aber momentan noch keine erregerspezifischen Medikamente gegen die Viruserkrankungen gibt, widmet sich das Forschungsprojekt AJAP II präventiv der Bekämpfung dieser Stechmückenart.

Mehr zum Projekt

Mehring, Marion/Ruth Müller/Axel Magdeburg/Markus Pfenniger/Friederike Reuß (2020): Gut vorbereitet. Wie Senckenberg und Partner umweltfreundliche Bekämpfungsmethoden gegen Stechmücken testen. Natur Forschung Museum 150 (1-3), 12-17

Projektseite AJAP II – Umweltfreundliche und nachhaltige Bekämpfung der Asiatischen Buschmücke

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