UN-Weltwassertag am 22. März

Wasser und Klimawandel: Wie Städte und ihre Bewohner*innen den Folgen begegnen können

Zum Weltwassertag am 22. März machen die Vereinten Nationen den Zusammenhang von Wasser und Klimawandel zum Thema. Er ist komplex und folgenreich, auch für Deutschlands Städte: Hitzewellen und Starkregenereignisse stellen die Wasserinfrastrukturen immer öfter vor große Herausforderungen. Forschungsarbeiten des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung zeigen, welche Anpassungsmaßnahmen in Zeiten des Klimawandels geeignet sind und was Städte, Kommunen und Bewohner*innen wissen müssen, um Maßnahmen erfolgreich umzusetzen.

| Pressemitteilung
Stadtansicht mit Menschen, Gebäuden und Blumen (© guppys/stock.adobe.com)
Stadtansicht mit Menschen, Gebäuden und Blumen (© guppys/stock.adobe.com)

Städte sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen, denn hier ballen sich Risiken. Beispiel Hitzestress: Durch dichte Bebauung und wenig Vegetation heizen sich Städte während Hitzewellen stärker auf als das Umland. Durch die anhaltende Hitze, die oft mit längeren Trockenperioden einhergeht, werden die verfügbaren Wasserressourcen knapp, während der Wasserbedarf der Bevölkerung gleichzeitig ansteigt. Regionale Engpässe in der Wasserversorgung sind die Folge.

„Wir sehen, dass der Wassersektor unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen ist, aber wir wissen auch, dass gerade im Wasser- und Abwasserbereich Lösungen für Anpassungsmaßnahmen liegen,“ sagt ISOE-Wasserexpertin Martina Winker. In mehreren Forschungsprojekten hat sich die Wissenschaftlerin mit städtischen Wasserinfrastrukturen im Klimawandel beschäftigt und weiß: „Wasserinfrastrukturen können dazu beitragen, Städte klimagerechter zu gestalten.“ Hierfür müssten Kommunen Planungsprozesse so verändern, dass ein dezentrales Regenwassermanagement als auch die Nutzung alternativer Wasserquellen frühzeitig einbezogen wird. Neben technischen und organisatorischen Anpassungsmaßnahmen seien aber auch die Stadtbewohner*innen gefragt, weil sich unser Umgang mit Wasser insgesamt ändern müsse.

Akzeptanz in der Bevölkerung für die Nutzung von Betriebswasser

Möglichkeiten der Trinkwasserschonung liegen etwa in der Verwendung von Betriebswasser, gereinigtem Grau- oder auch Regenwasser. „Wir beobachten, dass die Akzeptanz beim Thema Wasserwiederverwendung in der Bevölkerung steigt, etwa im häuslichen Bereich, zum Beispiel zum Spülen der Toilette,“ sagt Martina Winker. Aber auch der gezielte Einsatz von alternativen Wasserquellen anstelle von Trinkwasser zur Bewässerung von städtischen Grünflächen werde zunehmend als notwendige Maßnahme verstanden. 

„Den Menschen wird zunehmend klar, dass unsere Wasserquellen auch in Deutschland endlich sind und wir sorgfältiger damit umgehen müssen“. Kommunen sollten deshalb noch stärker den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über die Folgen des Klimawandels suchen und über alternative Möglichkeiten im Umgang mit Wasser informieren. 

Zusammenhang zwischen bewässerten Grünflächen und besserem Mikroklima verstehen

Wichtig sei es zudem, auf den Zusammenhang zwischen Stadtgrün und Klimafolgen hinzuweisen. „Wir beobachten, dass in der Stadtbevölkerung das Verständnis für die Schlüsselfunktion bewässerter Grünflächen für ein besseres Mikroklima wächst und damit auch die Bereitschaft, die Bewässerung bei Wasserknappheit mithilfe alternativer Wasserressourcen aufrechtzuerhalten." Bürgerinnen und Bürger seien außerdem zunehmend sensibilisiert für die begrenzten Flächen in den Städten und bestehende Nutzungskonflikte. 

Zukunftswerkstätten, die das ISOE zum Thema Stadtgrün, Wasser und Klimawandel durchgeführt hat, zeigten zudem, dass Bürgerinnen und Bürger durchaus ein großes Interesse an Klimaanpassungsmaßnahmen in ihrer Stadt haben und kreative Lösungsvorschläge mitentwickeln. „Die Teilnehmer*innen schlugen zum Beispiel vor, Stadtgrün ökologisch aufzuwerten und ‚auszubauen‘, indem anstatt Rasen verstärkt Blumenwiesen angelegt und auch im privaten Bereich Balkone, Vorgärten, Hinterhöfe und Dachflächen entsprechend gestaltet werden.“

Starkregen und Flächenversiegelung: Wertschätzung von Stadtgrün fördern

Neben Hitze- und Trockenperioden setzen den Städten Starkregenfälle in Folge des Klimawandels zu. Die sturzflutartigen Wassermassen treffen überwiegend auf versiegelte Flächen, wo sie schlecht versickern können. Dadurch kommt es schneller zu Überflutungen. Auch hier spielt die Wertschätzung der Stadtbewohner*innen für Stadtgrün eine wichtige Rolle, die Kommunen durch Dialog- und Aufklärungsarbeit erreichen können. Denn Parks und Stadtwälder, aber auch Straßen- und Gebäudegrün können bei Starkregenereignissen Überflutungen abpuffern.

„Ein wichtiger und transparenter Diskussionspunkt in Kommunen muss hier auch die Gestaltung des Straßenraums sein“, sagt Martina Winker. Parkplätze und Gehwege könnten so gestaltet werden, dass sie Wasser versickern und damit rückhalten können. Auch zeigten Begrünungselemente an Gebäuden Wirkung, so könnten Gründächer oder Fassaden und Regenwasserspeicher dazu beitragen, Überflutungen zu verhindern oder zumindest in ihrem Ausmaß zu reduzieren. „Für Kommunen geht es darum, alle diese Möglichkeiten zur Klimaanpassung zu prüfen und in der Bevölkerung das Verständnis für notwendige Maßnahmen sowie die Bereitschaft zur Umsetzung zu fördern“, sagt Martina Winker, „damit unsere Städte gut auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind“.

Aktuelle Forschungsprojekte des ISOE zum Themenkomplex Wassernutzung und Klimawandel

netWORKS 4 – Resilient networks: Beiträge städtischer Versorgungssysteme zur Klimagerechtigkeit 
netWORKS 3 – Nachhaltige Konzepte für die kommunale Wasserwirtschaft
INTERESS-I – Integrierte Strategien zur Stärkung urbaner blau-grüner Infrastrukturen

Kontakt

Melanie Neugart
neugart(at)isoe.de
Telefon 069 707 69 19-51  

Download

Pressemitteilung als pdf

Zurück zur Liste