Libellenpanorama (© stock.adobe.com/C. Schüßler)

SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität: Libellen, Heuschrecken, Hummeln und Co.

Das Verbundprojekt SLInBio untersucht in Frankfurt am Main, wie die Wahrnehmung und Wertschätzung von Insekten erhöht werden kann und welchen Beitrag Städte zum Erhalt der Insektendiversität leisten können. Dafür werden sozial-ökologische Wirkungszusammenhänge zwischen den Lebensstilen und Alltagspraktiken von Stadtbewohner*innen und der städtischen Insektenvielfalt analysiert.

Forschungsansatz

Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Insektendiversität in Frankfurt zu leisten. Ansatzpunkt ist hier die sogenannte Inwertsetzung. In einem erweiterten Wertekonzept wird dabei Inwertsetzung nicht im Sinne eines rein ökonomischen Wertes, sondern im Sinne von sozialen Normen einschließlich intrinsischer und relationaler Werte verstanden. Durch die Verknüpfung der drei Wertedimensionen mit Praxistheorien der sozialwissenschaftlichen Umweltforschung wird in SLInBio ein neuer Ansatz zur Inwertsetzung von Biodiversität erarbeitet. Dieser erlaubt es, Aussagen darüber zu treffen, wie der Stellenwert von Biodiversität in der alltäglichen Wahrnehmung von Stadtbewohner*innen und in ihrem Alltagshandeln stärker verankert werden kann.

Das ISOE leitet das Gesamtkonsortium sowie die Arbeitspakete zu Lebensstilen und Interventionen in den Stadtdiskurs. Es werden zum einen die Zusammenhänge zwischen den Lebensstilen und Alltagspraktiken von Stadtbewohner*innen und der Inwertsetzung von Insektendiversität empirisch untersucht. Zum anderen sollen Interventionen in die Stadtdiskurse zum Thema Insekten entwickelt und erprobt werden mit dem Ziel, die Inwertsetzung von Insektendiversität zu verbessern. In diesem Arbeitspaket sollen neue Erfahrungsräume für ein gemeinschaftliches Erleben von Natur erschlossen und eigene Routinen reflektiert werden. Zudem sollen Wissen und Kompetenzen zur Förderung von Insektendiversität vermittelt werden. In einem weiteren Teilbereich leistet das ISOE durch einen modellgestützen Zugang einen Beitrag zur Generierung von Handlungswissen und der Frage, wie in welchem Handlungsfeld in der Stadt Insektendiversität gefördert werden kann, sowie zum Systemwissen und der Frage, wie beobachtete Auswirkungen und Dynamiken sozial-ökologisch erklärt werden können. Hier geht es darum, die Zusammenhänge zwischen Alltagspraktiken und der Insektendiversität aufzuzeigen. Den Fokus bilden hier Interaktionen von Bürger*innen mit Insekten. Darüber hinaus bringt das ISOE seine transdisziplinäre Expertise ein.

In der einjährigen Vorphase des Projekts wurden bereits die Grundlagen für die transdisziplinäre Einbindung von städtischen Akteuren gelegt, wie dem Grünflächen- und dem Umweltamt, aber auch Kleingartenvereinen und bestehenden privaten Initiativen zum Schutz der Insekten in Frankfurt. Hierfür wurde eine Akteursgruppenanalyse durchgeführt. Als zentrales Handlungsfeld wurde Erholung im Grünen identifiziert. Weitere Handlungsfelder (Mobilität und Verkehr, Ernährung, Bauen und Wohnen) wurden als relevant für das Forschungsprojekt identifiziert. Diese werden in der aktuellen Hauptphase bearbeitet.

Hintergrund

Während die Urbanisierung neben vielen anderen als ein Treiber für den globalen Biodiversitätsverlust verantwortlich ist, zeigt sich gleichzeitig, dass Städte inzwischen auch Rückzugsorte für Insekten sind, da diese dort kaum von landwirtschaftlichem Pestizid- und Düngemitteleinsatz betroffen sind. Allerdings können Alltagspraktiken (z. B. Erholung, Gartenarbeit, Mobilität) der Stadtbewohner*innen und damit verbundene Lebensstile sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Insektendiversität in Städten haben. Welche Einstellungen Stadtbewohner*innen zu Insekten haben und wie sie Insekten wahrnehmen, ist je nach Situation und taxonomischer Gruppe unterschiedlich und häufig ambivalent. Bisherige Bemühungen sind davon ausgegangen, dass Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen zur Information ausreichen, um die Insektendiversität in der Stadtbevölkerung besser zu verankern. Neuere Studien diskutieren jedoch eine Abnahme der Naturverbundenheit: Das direkte Erleben von und der Kontakt mit Insekten nehmen ab und dadurch auch die Bereitschaft, Insekten zu schützen. Vor diesem Hintergrund wird in dem Projekt ebendieses Erleben untersucht mit dem Ziel, Faktoren mit Hebelwirkung zur Steigerung der Inwertsetzung zu ermitteln und somit jene Bereitschaft zu erhöhen, Insekten zu schützen. Darüber hinaus sollen besonders insektenfördernde Maßnahmen eruiert werden.

Transferprodukte

Ratgeber „Winzige Nachbarn unter der Lupe. Das Insektenhotel im eigenen Garten als Beitrag zu Biodiversität und Umweltbildung“

Erklärfilm „Wie baue ich ein Insektenhotel?“

Kooperationspartner

  • Goethe-Universität, Frankfurt am Main
  • NABU Frankfurt am Main
  • Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Praxispartner

  • BioFrankfurt – Das Netzwerk für Biodiversität e. V.
  • Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main
  • Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main
  • Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main

Förderung

Das Projekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität: Libellen, Heuschrecken, Hummeln und Co.“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „BiodiWert – Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ als Teil der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert.

Laufzeit

10/2020 – 11/2024