Autobahn A 40 im Ruhrgebiet (© Robert Poorten - adobe.stock.com)

Soziale Aspekte von Umweltpolitik

Umwelt-, Sozial- und Gesellschaftspolitik sind eng miteinander verknüpft. Einerseits stoßen umweltpolitische Maßnahmen nicht selten auf Widerstände, weil sie tatsächliche oder vermutete soziale Härten mit sich bringen oder verschärfen können. Andererseits treffen Umweltbelastungen wie Verkehrslärm oder Luftverschmutzung viele ohnehin benachteiligte Gruppen besonders stark. Eine ambitionierte Umweltpolitik kann daher nur gelingen, wenn ihr gesellschaftlicher Nutzen anerkannt und gewürdigt wird und Zielkonflikte frühzeitig erkannt und im Rahmen geeigneter Policy-Mixe adressiert werden. 

Forschungsansatz

Das Vorhaben verfolgt das übergreifende Ziel, zur wissenschaftlichen Fundierung einer „Strategie sozialer Umweltpolitik“ beizutragen. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stehen die Wechselwirkungen zwischen ökologischen und sozialen Politikzielen. Das Projektteam analysiert soziale Aspekte in unterschiedlichen umweltpolitisch relevanten Politikfeldern und identifiziert potenzielle Synergien und Konflikte zwischen ökologischen und sozialen Zielen. Mit diesem Wissen sollen Wege gefunden werden, wie Zielkonflikte abgebaut oder konstruktiv bearbeitet werden können, um Synergien besser zu nutzen, offensiv zu kommunizieren und aktiv zu schaffen. Im Projekt werden konkrete Lösungsvorschläge für sozial gerechte Transformationsprozesse in unterschiedlichen umweltpolitischen Handlungsfeldern erarbeitet. 

Hintergrund

Für einen sozial-ökologischen Wandel sind umweltpolitische Maßnahmen nötig, die gesellschaftlich breit akzeptiert werden. Prominente Beispiele wie der Kohleausstieg oder das Ende des Verbrennungsmotors zeigen, dass solche Transformationen großes Konfliktpotenzial mit sich bringen. Sie treffen nicht selten auf Widerstand, vor allem, wenn ganze Branchen oder Regionen von den Folgen betroffen sind. Eine soziale Umweltpolitik muss daher Umwelt-, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung fördern und gleichzeitig sozialpolitische Ziele berücksichtigen. Neben finanziellen Verteilungs- und Arbeitsmarkteffekten spielen dabei gesellschaftliche Teilhabe, Zusammenhalt und Selbstbefähigung eine wichtige Rolle. 

Methodik

Die Wissenschaftler*innen sondieren zunächst die sozialen Auswirkungen von Umweltpolitik und Umweltbelastungen anhand von Literatur-, Diskurs- und Trendanalysen. Aufbauend auf einer Systematik sozialer Ziele entwickeln sie einen Analyse- und Bewertungsansatz, mit dem sie Status-quo-Analysen in umweltrelevanten Handlungsfeldern durchführen können. Auf diese Weise werden Wissenslücken identifiziert und Handlungsbedarfe aufgezeigt. 

Schwerpunkte der Beiträge des ISOE sind zum einen die Weiterentwicklung der Methodik, mit der soziale Wirkungen umweltpolitischer Instrumente ermittelt und aus sozialpolitischer Sicht bewertet werden können. Mit dem Fokus auf das Handlungsfeld „Bauen und Wohnen“ analysiert das ISOE zudem Trends, relevante Akteure, Diskursfelder, Konfliktlinien und potenzielle Synergien zwischen umwelt- und sozialpolitischen Zielen. Darauf aufbauend formulieren die Wissenschaftler*innen Lösungsvorschläge, die in geeignete umweltpolitische Maßnahmen übersetzt werden können, welche sowohl ökologisch ambitioniert als auch sozialverträglich sind. 

Das Projekt wird durch dialogische und partizipative Veranstaltungen begleitet, an dem Stakeholder aus den Bereichen Umwelt-, Sozial- und Gesellschaftspolitik beteiligt sind. Ein transdisziplinär zusammengesetzter Praxisbeirat berät das Forschungsprojekt. Abschließend werden die Projektergebnisse zusammengeführt und Handlungsempfehlungen für die Politik erarbeitet.

Laufzeit

09/2020 – 08/2023