Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

Abschätzung des Potenzials für die Nutzung von Betriebswasser in Frankfurt am Main

Ziel des Vorhabens ist es, den potenziellen Betriebswasserbedarf in Frankfurt am Main zu ermitteln und zugleich Wege aufzuzeigen, wie dieser Bedarf gedeckt werden kann. Betriebswasser kann für gewerbliche, industrielle, landwirtschaftliche aber auch häusliche Zwecke genutzt werden, für die nicht zwingend Trinkwasserqualität nötig ist. Als Wasserquellen, aus denen Betriebswasser gewonnen werden kann, werden neben Regenwasser auch Wasser aus Flüssen, lokales Grundwasser und leicht verschmutztes Abwasser, sogenanntes „Grauwasser“, in Betracht gezogen. Auf der Basis unterschiedlicher Entwicklungsszenarien für den Untersuchungshorizont bis 2050 soll ein theoretisches Substitutionspotenzial für Trinkwasser abgeschätzt werden. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse können in einem nächsten Schritt weitere Versorgungsgebiete der Hessenwasser GmbH & Co. KG untersucht werden.

Forschungsansatz

Die Ausgangslage erfordert ein praxisbezogenes und wissenschaftlich fundiertes Vorgehen, das auf einer möglichst tragfähigen Datenbasis zu den verschiedenen Teilwasserverbräuchen, auf plausiblen Annahmen sowie der Analyse früherer Studien und Überlegungen über die Trinkwassersubstitution im Versorgungsgebiet aufbauen muss. Für zwei Stadtquartiere werden der theoretische Bedarf an Betriebswasser und alternative Versorgungsmöglichkeiten abgeschätzt. Deren ökologische und sozio-ökonomische Wirkungen werden identifiziert. Von dieser teilräumlichen Abschätzung aus werden die Ergebnisse auf das gesamte Stadtgebiet übertragen und mittels Realisierungsszenarien bis 2050 diskutiert. Um die Ausprägung möglicher Entwicklungskorridore zu erfassen, sind gesellschaftliche, insbesondere siedlungs- und sozial-strukturelle, ökonomische, ökologische, technische und (preis-)politische Rahmenbedingungen, Potenziale und Einflussfaktoren auf die Wasserinfrastruktur zu berücksichtigen. Im Rahmen einer CO2-Fußabdruckanalyse wird das Ziel verfolgt, belastbare Kenngrößen für den Status quo und für neuartige Wasserinfrastruktursysteme abzuschätzen.

Hintergrund

Die Stadt Frankfurt bezieht ihr Trinkwasser zu etwa einem Drittel aus örtlichen Gewinnungsanlagen, dem Hessischen Ried und dem Vogelsberg. Klimawandel und die demographische Entwicklung führen dazu, dass die zukünftigen Bedarfswerte an Trinkwasser über den aktuellen Spitzenbedarfswerten liegen werden. Ohne zusätzliche Maßnahmen bei Gewinnung, Transport und Speicherung sowie bei der Wasserbeschaffung könnte es in Spitzenlastzeiten zu Einschränkungen in der Trinkwasserversorgung kommen. Doch nicht alle Wasserbedarfe sind auf Trinkwasserqualität angewiesen. Ob im Haushalt, Gewerbe oder Industrie: Um die Grundwasser-Ressourcen zu schonen, ist der Einsatz von Betriebswasser für bestimmte Nutzungszwecke als Alternative zu Trinkwasser möglich. Die tatsächlichen Effekte, die eine gleichzeitige Bereitstellung von Trinkwasser und Betriebswasser mit sich bringen, sind bislang nicht bekannt.

Um auch langfristig eine ressourcenschonende Versorgung der wachsende Metropolregion zu gewährleisten, ist es wichtig, neue und regionale Wissensgrundlagen zu schaffen, bisherige Herangehensweisen zu prüfen und Alternativen abzuwägen. Wasserinfrastruktur erfordert weitblickende Planung. Hierzu gehört auch, frühzeitig Veränderungen zu erkennen und mögliche Anpassungsszenarien zu entwickeln.

Forschungs- und Projektpartner

  • Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Praxispartner

  • Stadtplanungsamt Stadt Frankfurt am Main
  • Umweltamt Stadt Frankfurt am Main
  • Stadtentwässerung Frankfurt am Main
  • Mainova AG
  • Netzdienste Rhein-Main GmbH

Auftraggeber

  • Hessenwasser GmbH & Co. KG

Laufzeit

12/2017–03/2019