Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

25.05.2018

Leseempfehlung: Was Geschlechtergerechtigkeit mit Klimapolitik zu tun hat

Lange wurden der Klimawandel und seine Folgen ebenso wie die Klimapolitik nicht in Zusammenhang gebracht mit Fragen, die die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern betreffen. Doch Forschungsergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen durch den Klimawandel wie auch Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung in hohem Maße genderrelevant sind. Die internationale Klimapolitik trägt dem zunehmend Rechnung. „Gender und Klima“ sind inzwischen fester Bestandteil von Vereinbarungen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte beschreiben Wissenschaftler*innen den Zusammenhang zwischen Klimapolitik und Geschlechtergerechtigkeit.


Thermometer mit 40 Grad in der Sonne

In der Klimarahmenkonvention von 1992 war das Thema Geschlechtergerechtigkeit noch nicht präsent, auch das Kyoto-Protokoll von 1997 weist keine Referenzen dazu auf. Doch längst ist deutlich geworden, dass sich nahezu jeder Aspekt des Klimawandels direkt oder indirekt als genderrelevant erweist. Das heißt: Wer wie stark an den Ursachen des Klimawandels beteiligt und von den Folgen betroffen ist, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, etwa von Alter, Einkommen, gesellschaftlichem Staus oder Herkunft und auch vom Geschlecht.

Ein häufig genanntes Beispiel: Nachweislich ist die Sterberate von Frauen bei Hitzewellen, wie sie im Zuge des Klimawandels häufiger werden, erheblich höher als die von Männern. Zu erklären ist das nicht allein mit der höheren Lebenswartung von Frauen, mit der die Wahrscheinlichkeit steigt, im Alter durch Hitzeereignisse zu sterben. Es liegt auch daran, dass die Rolle von Frauen gesellschaftlich festgelegt ist: In Partnerschaften kommt überwiegend ihnen die Verantwortung für die häusliche Betreuung und Versorgung zu. Sind sie selbst im Alter oder Krankheitsfall auf entsprechende Unterstützung angewiesen, ist diese oft nicht gesichert. Ihre gesellschaftlich konstruierte Rolle führt somit zu einer Schlechterstellung von Frauen, die die Vulnerabilität, also die Anfälligkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels erhöht.

Verständnis von Ungleichheit ist Voraussetzung für wirksame klimapolitische Maßnahmen

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es auch bei den Ursachen. Männer haben durchschnittlich einen höheren CO2-Fußabdruck als Frauen. Die Gründe dafür liegen im Mobilitätsverhalten, da Männer mit vergleichsweise größeren Autos längere Strecken fahren. Fragen der Geschlechtergerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel beziehen sich aber nicht nur auf Ursachen und Folgen. Vielmehr gewinnt auch die Frage an Bedeutung, welche Einflussmöglichkeiten Frauen auf klimapolitische Entscheidungen haben.

Die Untersuchung geschlechtsspezifischer Zusammenhänge von Ursachen, Auswirkungen und Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel zielt nicht auf Schuldzuweisungen, sondern auf die Klärung struktureller Fragen. Erkenntnisse über die genauen Zusammenhänge von Klimawandel, -politik und Gender können schon auf mögliche Lösungen hinweisen, die die Wirksamkeit klimapolitischer Maßnahmen erhöhen können. Umgekehrt kann eine Klimapolitik, die Genderdimensionen berücksichtigt, strukturellen Machtverhältnissen begegnen.

Wie kann dieses Potenzial in der politischen Praxis besser genutzt werden? Darauf gehen die Autorinnen und Autoren des APuZ-Beitrages „Gendergerechtigkeit und Klimapolitik“ ein, darunter auch Diana Hummel und Immanuel Stiess vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Sie gehören ebenso wie die weiteren Autorinnen Gotelind Alber, Ulrike Röhr und Meike Spitzner dem Team im Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes (UBA) „Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik. Geschlechtergerechtigkeit als Beitrag zu einer erfolgreichen Klimapolitik: Wirkungsanalyse, Interdependenzen mit anderen sozialen Kategorien, methodische Aspekte und Gestaltungsoptionen“ an, das untersucht, wie in der nationalen Klimapolitik das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit besser verankert werden kann.

Mehr über das UBA-Projekt „Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik. Gendergerechtigkeit als Beitrag zu einer erfolgreichen Klimapolitik“.

Zum APuZ Artikel Gendergerechtigkeit und Klimapolitik:
www.bpb.de/apuz/269306/geschlechtergerechtigkeit-und-klimapolitik


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