Wasser und nachhaltige Umweltplanung
PD Dr. Thomas Kluge,
Dr. Engelbert Schramm
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit
Technische Universität Darmstadt (Fachgebiete Umwelt- und Raumplanung, Ingenieurhydrologie und Wasserbewirtschaftung, Wasserversorgung und Grundwasserschutz)
1997/1998
abgeschlossen
95 Prozent der Bevölkerung Hessens werden aus Grundwasser versorgt, und einige Gewinnungsgebiete sind bereits überbeansprucht. Mit der Verteuerung der Ressource sollte ein bewusster, sparsamer Umgang mit Wasser erreicht werden, gleichzeitig sollten aus den Zusatzeinnahmen Fördermittel bereitgestellt werden. Dabei wurde den Kommunen weitgehend Autonomie beim Einsatz der Finanzmittel eingeräumt, die Bürgerinnen und Bürger wurden auf dem Weg der Projektförderung angeregt, Wassersparmaßnahmen eigenständig umzusetzen.
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe, zusammengesetzt aus dem Institut für sozial-ökologische Forschung und der Technischen Universität Darmstadt, konnte feststellen, dass die Grundwasserabgabe im Rahmen der Förderkriterien insgesamt erfolgreich eingesetzt wurde. Projektförderung und pauschale Zuwendung haben sich als bürgernahe bzw. gemeindeeigene Mittelverwendung bewährt. Sie sind zur Finanzierung größerer Projekte einzeln und in ihrem Zusammenspiel geeignet. Einen hohen wasserwirtschaftlichen Erfolg mit positiven ökologischen Wirkungen haben Regenwasserversickerung und Regenwassernutzungsanlagen, aber auch wassersparende, sanitäre Einrichtungen. Hierfür lassen sich durchaus noch mehr Menschen gewinnen.
Diese quantitativen Maßnahmen zur Grundwasserentlastung waren bislang erfolgreich - auch gerade, was die Ressourcensicherung in angespannten Grundwassergebieten wie dem Hessischen Ried angeht. Jetzt, wo die ersten positiven Wirkungen des quantitativen Grundwasserschutzes spürbar sind, hat die Forschungsgruppe den qualitativen Grundwasserschutz in den Mittelpunkt gerückt. Die Qualität des Grundwassers verschlechtert sich durch flächenhafte Einträge etwa aus Verkehr, Landwirtschaft, Bautätigkeit, Siedlung alarmierend. Die bislang eingesetzten Mittel zur Abhilfe, nämlich Kooperation mit der Landwirtschaft, um zu verhindern, dass zu viel Nitrat auf die Böden gelangt, und Flächenaufkauf besonders sensibler Brunnenareale sind ein Anfang, können aber das Problem auf Dauer nicht lösen.
Die Forschungsgruppe sprach daher als Grundempfehlung aus, mehr Geldmittel in das konzeptionelle Denken und in die Phantasie der Menschen zu investieren, ein neuartiger Ansatz, der ohne die Mitarbeit des ISOE so nicht hätte formuliert werden können. Bisher wurde in der Regel von technischen Problemen ausgegangen und die Lösung durch Ingenieurempfehlungen gesucht, ein teurer und nicht immer nachhaltiger Versuch. Die Kombination technischer und sozialer Problemlösungen birgt dagegen weitaus größere Potentiale. Experten sind die Menschen vor Ort, sie bringen das Engagement mit. Wichtig ist daher, Gewerbetreibende, interessierte Laien, Behörden an einem Tisch zusammenzuführen unter der Leitfrage: Was soll aus dem Wasser unserer Region werden?
Es sind insbesondere langfristige Lösungen gefragt: die Entwicklung neuer Wasserver- und -entsorgungsstrukturen, die Vernetzung dezentraler Wasserkreisläufe, z.B. auch durch neue dezentrale Abwassertechnologien, die Wiederherstellung von Grundwasserlandschaften, von Stillgewässern, die Offenlegung von Bachläufen und eine entsprechende Abstimmung mit der Bauleitplanung der Siedlungsentwicklung, der Verkehrsplanung, der Entwicklung der Gewerbeflächen in Kombination auch mit Veränderung der landwirtschaftlichen Bodennutzung. Die Aufgabenstellung ist sehr komplex. Die Wasserverwaltung muss hier über die Fachressortaufgaben hinaus als Moderator wirken, muss mithelfen, längerfristig angelegte Gestaltungskonzepte auszuarbeiten und dabei auf ihre verwaltungstechnische Durchführbarkeit achten.
Der Vorschlag der Arbeitsgruppe lautete also, die Erarbeitungsmöglichkeit kommunaler, regionaler Wasserkonzepte zu fördern. Das hieß auch, Geld erfolgskontrolliert einzusetzen. In den Konzepten würde sehr genau festgelegt, wann welches Geld für welche Maßnahmen eingesetzt wird, und wo kostengünstige Alternativen vorhanden sind