
Alltagsökologie, Energie, Konsum
Die Einführung von Emissionshandelssystemen als sozial-ökologischer Transformationsprozess
Ralf Schüle, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Abt. Klimapolitik
Dr. Immanuel Stieß
Dr. Irmgard Schultz
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Abt. Klimapolitik; Zentrum für Umweltforschung, Universität Kassel (USF); Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW); Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg, gGmbH (ifeu)
05/2003-08/2007
abgeschlossen
Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderschwerpunkt
Sozial-ökologische Forschung

Schultz/Stieß (2007): Emissionshandel und Gender. ISOE Diskussions-Papiere, Nr. 29. Frankfurt am Main
Präsentation "Gender-Aspekte des Emissionshandels" im Rahmen des Gesprächs
"Gender Mainstreaming und Klimaschutz" im Bundesumweltministerium am 4.
Mai 2005 (pdf-file)
Die Einführung des EU-Emissionshandels zum 1. Januar 2005 stellt einen Meilenstein in der Klimapolitik dar. Durch marktbasierte Instrumente soll der Kohlendioxid-Ausstoß dauerhaft reduziert und Anreize für Investitionen in den Klimaschutz geschaffen werden. Wie der Emissionshandel aus einer sozial-ökologischen Perspektive zu bewerten ist und welche Empfehlungen für seine Weiterentwicklung sich daraus ableiten, hat das Verbundvorhaben JET-SET untersucht. Das ISOE analysierte geschlechtsspezifischen Auswirkungen marktwirtschaftliche Klimaschutzinstrumente in der EU. Durch die Erhöhung der Energiepreise wirkt sich der Handel mit Emissionen indirekt auf Konsumentinnen und Konsumenten aus. Geschlechtsspezifische Einstellungen und Rollenmuster beeinflussen die Akzeptanz und Wirkung von klimapolitischen Instrumenten.
Emissionshandelssysteme (EHS) sind als sogenannte flexible Marktmechanismen seit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls 1997 in der Diskussion. Im Juli 2003 stimmte das europäische Parlament dem im EU-Ministerrat Anfang Dezember 2002 ausgehandelten Kompromiss zur Emissionshandels-Richtlinie zu. Die Richtlinie soll wirkungsvolle Anreize für Klimaschutzmaßnahmen der Industrie setzen. Knapp die Hälfte der europäischen CO2-Emissionen sind von der Richtlinie betroffen.
Das ISOE beteiligte sich an dem Verbundprojekt JET-SET mit einem Ergänzungsbaustein "Gender Impacts von Klimaschutz und EHS". Das Teilprojekt nahm eine Schlüsselrolle für die Integration der Gender-Perspektive in das Gesamtprojekt ein. Im Zentrum stand die Frage, welche geschlechtsspezifischen Auswirkungen marktwirtschaftliche Instrumente des Klimaschutzes erwarten lassen und wie diese Unterschiede zu bewerten sind.
Die Gender-Analyse erfolgte in mehreren Arbeitsschritten, die sich formal an die Vorgehensweise bei einem Gender Impact Assessment (GIA) anlehnen. Nach einer Relevanzprüfung zu Beginn des Projekts wurde ein Instrument zur Analyse potenzieller Gender-Aspekte (Gender Issues) des EU-Emissionshandelssystems entwickelt. Dieses Instrument enthält eine Matrix von Kriterien und Forschungsfragen für verschiedene Untersuchungsdimensionen, in denen mögliche geschlechtsspezifische Wirkungen auftreten können.
In einem weiteren Schritt wurde eine Liste von Forschungsfragen erstellt, anhand derer die für das Projekt als relevant eingestuften Gender Issues, d.h. die geschlechterrelevanten Aspekte der Problemstellung des Projektes, erfasst werden können. Zu diesem Zweck wurde auf einem im Februar 2004 durchgeführten Gender-Workshop gemeinsam mit der Forschungsgruppe des Verbundprojekts mit Hilfe der Analysematrix Themen und Prüfkriterien identifiziert, die in den einzelnen Teilprojekten weiter bearbeitet wurden. Im weiteren Projektverlauf übernahm das ISOE die Aufgabe, die übrigen Teilprojekte bei der Integration von Gender-Aspekten zu unterstützen, die gewonnenen Ergebnisse zu bündeln und gemeinsam mit den Projektpartnern zu bewerten.
In einer Sondierung zu Gender-Aspekten im Umfeld der Projektfragestellung hat das ISOE neben dem Thema "Emissionshandel" auch Aspekte der (inter-)nationalen Klimapolitik untersucht. In dieser Sondierung wurde u.a. die Beteiligung von Frauen an den internationalen Klimaschutzverhandlungen untersucht. Anhand einer geschlechtsspezifischen Sekundäranalyse der Umweltbewusstseinsstudie des UBA von 2002 wurden die Einstellungen von Männern und Frauen zu Klimawandel und Klimapolitik analysiert. Eine Übersicht über die Ergebnisse wurde zusammen mit einer theoretischen Fundierung der für die Gender-Analyse verwendeten Methodik im ISOE-Diskussions-Papier, Nr. 21 "Klimapolitik und Gender". Eine Sondierung möglicher Gender Impacts des europäischen Emissionshandelssystems" veröffentlicht. Die Resultate der Gender-Recherche aus den verschiedenen Teilprojekten liegen in einer weiteren Studie "Emissionshandel und Gender. Ergebnisse einer transdisziplinären Genderanalyse" vor, die als ISOE Diskussions-Papier Nr. 29 veröffentlicht wurde. Die Studie enthält u.a. die Ergebnisse einer Analyse über die Beteiligung von Frauen an der Etablierung des europäischen Emissionshandelssystems sowie von einer im Verbundprojekt durchgeführten Untersuchung zur Wahrnehmung des EHS. Darüber hinaus werden die Methodik der Gender-Analyse dargestellt und die Erfahrungen bei ihrer Umsetzung in einem transdisziplinären Forschungsvorhaben ausgewertet.
Die Ergebnisse der Gender-Analyse fanden auch außerhalb des Forschungsprojekts eine positive Resonanz. In Anwesenheit der Staatssekretärin Margareta Wolf fand am 4. Mai 2005 im Bundesumweltministerium das Gespräch "Gender Mainstreaming und Klimaschutz" mit Vertreterinnen und Vertretern von Frauen- und Umweltorganisationen statt. Das ISOE beteiligte sich an diesem Gespräch mit einer Präsentation von Immanuel Stieß zum Thema "Gender-Aspekte des Emissionshandels".