Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

19.01.2017

Antibiotika in der Landwirtschaft – Zielkonflikte zwischen Gesundheits- und Umweltschutz

Der Medikamenteneinsatz bei Menschen und bei Tieren verfolgt das Ziel, die Gesundheit zu schützen oder wiederherzustellen. Bei Tieren in der Landwirtschaft werden Medikamente – vor allem Antibiotika – jedoch auch in der Fleischmast verabreicht. Das hat vielfältige Folgen – auch für die Umwelt. Denn die Arzneimittel kommen in solchem Umfang zum Einsatz, dass ihre Spurenstoffe in nahezu allen Gewässern nachgewiesen werden können. Wie können die Interessenkonflikte beim Einsatz von Medikamenten besser miteinander in Einklang gebracht werden? ForscherInnen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung haben sich in einem Fachbeitrag mit dem Zielkonflikt zwischen Tierarzneimitteleinsatz und Umwelt beschäftigt. Er ist im „Kritischen Agrarbericht 2017“ zum Schwerpunkt Wasser erschienen, der heute auf der Grünen Woche in Berlin präsentiert worden ist.


Tabletten Huhn

Egal ob Mensch oder Tier – die Einnahme von Medikamenten führt zu einem für die Umwelt unerwünschten Nebeneffekt: Arzneimittelwirkstoffe können nicht vollständig vom Körper abgebaut werden. Die Rückstände werden ausgeschieden und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. In der Tiermedizin werden die ursprünglich für die Humanmedizin entwickelten Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten jedoch auch eingesetzt, um die Fleischmast zu befördern. Antibiotika regen im tierischen Organismus eine bessere Verwertung der Nahrungsmittel an. Die gewünschte Gewichtszunahme der Nutztiere kann so schneller erreicht werden. Im europäischen Vergleich zählt Deutschland zu den Spitzenreitern beim Einsatz von Antibiotika.

In einem Beitrag für das Jahrbuch „Der kritische Agrarbericht 2017“ gehen die ISOE-AutorInnen Engelbert Schramm, Carolin Völker und Anna Walz auf die bislang kaum untersuchten Umweltauswirklungen von Tierarzneimitteln ein und analysieren den gesellschaftlichen Diskurs über den zunehmend umstrittenen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. Sie entwickeln Vorschläge, wie bei der Vergabe das Vorsorgeprinzip stärker berücksichtigt werden könnte. Sie reichen vom anderen Umgang mit Tierarzneimitteln durch Tierärzte, die zunächst ein besseres Gesundheitsmanagement im Stall durchsetzen sollten, über die technische Aufbereitung von Gülle bis hin zur Entwicklung von Arzneimitteln, die besser in der Umwelt abbaubar sind.

Den Artikel können Sie hier lesen:
www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2017/KAB_2017_243_247_Schramm_et_al.pdf

Schramm, Engelbert/Carolin Völker/Anna Walz (2017): Tierarzneimittel und Umwelt. Schutzziele im Widerstreit der Interessen. In: AgrarBündnis (Hg.): Der kritische Agrarbericht 2017. Hamm: ABL-Verlag, 243–247


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