Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

22.06.2017

Leseempfehlung: Gender & Environment in der sozial-ökologischen Forschung

Umwelt- und Nachhaltigkeitsprobleme weisen vielfältige Bezüge zu Fragen von Geschlechtergerechtigkeit auf: Frauen und Männer nehmen Umweltprobleme oftmals unterschiedlich wahr, sind an deren Entstehung häufig nicht in gleicher Weise beteiligt und vielfach unterschiedlich von Umweltbelastungen betroffen. Auch unterscheiden sich meist ihre Einflussmöglichkeiten auf umweltpolitische Entscheidungen. Am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wird seit der Gründung zum Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und Umwelt geforscht. In dem gerade erschienenen Kompendium „Gender and Environment“ ist erstmals eine ausführliche englischsprachige Übersicht über den sozial-ökologischen Ansatz des ISOE zur Genderforschung enthalten.


Cover Routledge Handbook of Gender and Environment

Aufbauend auf der feministischen Umweltforschung wurden am ISOE schon seit der Gründung 1989 konzeptionelle Ansätze für eine grundlagen- und anwendungsorientierte „feministische Gestaltungsforschung“ entwickelt. Forschungen zu Geschlechteraspekten werden seither in einzelnen Forschungsprojekten und Publikationen weiter spezifiziert. Diana Hummel und Immanuel Stieß vom ISOE haben für ihren Artikel im Routledge-Handbuch „Gender and Environment“ nun den Ansatz sozial-ökologischer Forschung beschrieben, der auf die Analyse von Problemen an der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft abzielt.

Wie können – dies ist die Leitfrage der Sozialen Ökologie – die krisenhaften Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur erkannt, begriffen und gestaltet werden? Welche Beziehungsmuster zwischen Gesellschaft und Natur bringen sozial-ökologische Probleme hervor und welche Rolle spielen die Geschlechterverhältnisse dabei? Der sozial-ökologische Ansatz betrachtet Geschlechterverhältnisse als inter- und transdisziplinäre Kategorie und zieht deren Einfluss auf Alltagshandeln und Bedingungen von Gestaltungsoptionen in Betracht. Die Analyse geschlechtsspezifischer Dimensionen ermöglicht ein besseres Verständnis zum Beispiel von Konsumpraktiken und Entscheidungsmustern, die Nachhaltigkeit fördern oder verhindern.

Nachhaltige Entwicklung – die Perspektive der Genderforschung

Der Buchbeitrag „Social ecology: a transdisciplinary approach to gender and environment research“ von Diana Hummel und Immanuel Stieß beschreibt den transdisziplinären Forschungsansatz und wichtige theoretische und methodische Fragen der Sozialen Ökologie im Hinblick auf die Bedeutung der Geschlechter-Kategorie. Da die meisten Forschungsergebnisse hierzu bisher nur auf Deutsch erschienen sind, bietet ihr Buchkapitel einen neuen Zugang zu diesem Ansatz für englischsprachige Leserinnen und Leser. Hummel und Stieß führen aus, wie die Genderperspektive in der Forschungspraxis berücksichtigt werden kann und geben hierzu drei Beispiele aus den Bereichen Nahrungskonsum, Energieverbrauch und Abfall. „Wir zeigen damit, wie transdisziplinäre sozial-ökologische Forschung im Bereich ‚Gender und Umwelt‘ operationalisiert werden kann und wie damit politikrelevantes Wissen erzeugt werden kann“, sagt ISOE-Forscherin Diana Hummel. Das Routledge Handbook of Gender and Environment versammelt historische Abrisse, kritische Analysen und empirische Forschungsergebnisse von führenden Vertreterinnen und Vertretern der Genderforschung und gibt Handlungsempfehlungen mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung.

Hummel, Diana/Immanuel Stieß (2017): Social ecology: a transdisciplinary approach to gender and environment research. In: MacGregor, Sherilyn (Ed.): Routledge Handbook on Gender and Environment. London/New York: Routledge, 186-201
https://www.routledge.com/Routledge-Handbook-of-Gender-and-Environment/MacGregor/p/book/9780415707749


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