Forschungsprogramm „Frankfurter Soziale Ökologie“

Schon der Begriff verrät es: Angewandte Forschung ist ohne Grundlagenforschung nicht denkbar. Dieser Maxime folgt auch das ISOE mit seinem Forschungsprogramm der „Frankfurter Sozialen Ökologie“. Doch welche Funktion hat dieses Programm am ISOE, wie wird es in der täglichen Forschung mit Leben erfüllt?

Allgemein sollen Forschungsprogramme helfen, weiterführende Hypothesen über den Forschungsgegenstand zu formulieren und Forschungsprozesse zu strukturieren, um jene methodisch zu prüfen. Das gilt auch für die Soziale Ökologie. Sie erlaubt uns, gezielt zu fragen, wie Gesellschaften ihre Beziehungen zu Natur regulieren und wann Gefahr besteht, dass diese sich nicht nachhaltig entwickeln. Und sie hilft uns zu entscheiden, welches Wissen wir benötigen und wie wir es integrieren müssen, um diese Fragen zu beantworten.

Unser Programm geht aber noch einen Schritt weiter. Denn wir wollen die gesellschaftlichen Naturverhältnisse nicht nur besser verstehen. Wir wollen dieses Grundlagenwissen auch nutzen, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich nachhaltig gestalten lassen. Genau dies tun wir in unseren transdisziplinären Forschungsprojekten an gesellschaftlichen Problemen wie zum Beispiel bei der Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser oder dem Verlust an Artenvielfalt. Was wir aus diesen konkreten Fällen lernen, verallgemeinern wir und erweitern auf diese Weise beständig unsere sozial-ökologische Wissensbasis.

Die Verbindung von Verstehen und Gestalten in der Sozialen Ökologie stellt besondere Anforderungen an die Forschung und an die beteiligten Wissenschaftler*innen. Sie bedeutet nämlich, dass wir zugleich analytische Beobachter*innen und Teilnehmende an gesellschaftlichen Transformationsprozessen sind. Für die wissenschaftliche Arbeit ist es aber entscheidend, diese beiden Rollen zu trennen, also das Deskriptive und das Normative auseinanderzuhalten. Unser Forschungsprogramm stellt die Mittel bereit, um diese selbst-reflexive und (selbst-)kritische Aufgabe zu leisten.

Diese Art des Arbeitens an und mit einem Forschungsprogramm stellt uns vor zwei Aufgaben, die sich nur bedingt im Rahmen unserer projektgetriebenen Forschung bewältigen lassen: Erstens müssen wir die Soziale Ökologie kontinuierlich weiterentwickeln, auch indem wir die Fortschritte in den relevanten Wissenschaftsbereichen integrieren. Zweitens müssen wir besonders auch unsere neuen Mitarbeiter*innen darin befähigen, die Grundkonzepte der Frankfurter Sozialen Ökologie erfolgreich anzuwenden. Beide Aufgaben verfolgen wir im Projekt „KI3 – Kognitive Integration und Innovation“, das aus Mitteln der institutionellen Förderung des Landes finanziert wird.

Publikationen

Egon Becker, Thomas Jahn (Hg.) (2006): Soziale Ökologie. Grundzüge einer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen. Campus Verlag

Social Ecology. State of the Art and Future Prospects. Special Issue Sustainability 2017, 9(7)