Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

04.12.2018

Keep on Moving: Wie das Ökosystem der mongolischen Steppe bewahrt werden kann

Die Mongolei ist derzeit durch starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen geprägt. Das hat auch Auswirkungen auf die östliche Steppe des Landes, eines der größten intakten Grasland-Ökosysteme der Welt. Die Urbanisierung nimmt zu und die nomadische Weidebewirtschaftung beschränkt sich immer stärker auf siedlungsnahe Gebiete, wobei die Größe der Tierherden stetig wächst. Die Folgen dieser Entwicklung sind Wasserknappheit und Bodendegradation – Prozesse, die durch den Klimawandel noch verstärkt werden. Im aktuellen ISOE Policy Brief beschäftigen sich Autorinnen und Autoren des Forschungsprojekts MORE STEP mit der Frage, wie trotz anhaltender Land-Stadt-Migration die Hirten eine moderne nomadische Lebensweise führen und gleichzeitig das Ökosystem vor irreversiblen Schäden bewahren können.


Landschaft in der Mongolei

Seit den 1990er-Jahren wächst die Bedeutung der Rohstoffindustrie, des Bergbaus und der Ölförderung für die mongolische Wirtschaft. Der Trend zur Urbanisierung drängt die ehemals wichtigste ökonomische Aktivität des Landes in die Steppe zurück: die pastorale Landwirtschaft, also die Landnutzung mit mobiler Weidewirtschaft auf natürlich gewachsenem Grasland. Ziel des deutsch-mongolischen Forschungsprojekts MORE STEP ist es, möglichst frühzeitig zu erkennen, an welchen Punkten diese Entwicklungen dazu führen können, dass das Steppenökosystem kippt. Dies ist wichtig, damit irreversible Prozesse wie Bodendegradation oder Verlust der Migrationsfähigkeit der Wildtiere (z.B. Gazellen), aber auch gesellschaftliche Prozesse wie Verlust der nomadischen Lebensweise künftig verhindert werden können. Diese sozial-ökologische Fragestellung ist Gegenstand des interdisziplinären Forschungsprojekts MORE STEP.

Mobilität von Nomaden ist Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung der Steppe

Die Mobilität der Viehhirten und ihrer Tiere ist ein entscheidender Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung der Steppe – und damit zentral für das Landnutzungsmanagement. Es gilt, Bedingungen zu schaffen, die die Mobilität der Viehhirten erhält beziehungsweise wieder erhöht. Hier drängt die Zeit, denn inzwischen wächst eine neue Generation heran, die im städtischen Umfeld aufwächst und mit der tradierten nomadischen Lebensweise nicht mehr vertraut ist. Damit geht nicht nur die ehemals enge Verbindung zwischen Mensch und Natur verloren, sondern es droht auch der Verlust von Biodiversität und von Wissen im Umgang mit Weidetieren, Pflanzen und Boden.

Der Policy Brief „Keep on moving. How to facilitate nomadic pastoralism in Mongolia in the light of current societal transformation processes“ beschreibt, welche Unterstützung vonseiten der Administration und Regierung notwendig ist, damit die nomadische Lebensweise fortbestehen kann, und wie ein Mehrebenen-Governance-Ansatz die Attraktivität des nomadischen Pastoralismus erhöhen kann.

Transformation verstehen: Stakeholder-Workshop in Ulaanbaatar

Um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformationen im Land besser zu verstehen, arbeitet das Forschungsteam eng mit relevanten Akteuren vor Ort zusammen und untersucht, welchen Einfluss so unterschiedliche Gruppen wie Nomaden, Bergbau- oder Ölunternehmen, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen auf die Entwicklungsprozesse haben. Diese Fragen werden unter der Leitung des ISOE auf Stakeholder-Workshops gemeinsam mit den genannten Akteuren erörtert. Ergänzende Experteninterviews sowie qualitative Interviews mit Vertretern relevanter gesellschaftlicher Gruppen dienen außerdem dazu, die Wahrnehmung und Bewertung der vorherrschenden gesellschaftlichen Transformationsprozesse in der Mongolei zu erfassen.

Zum ersten Stakeholder-Workshop im September 2017 in Ulaanbaatar, Mongolei liegt inzwischen eine Dokumentation und Analyse vor. „Mobility at risk: Sustaining the Mongolian Steppe Ecosystem – societal transformation processes“ ist in der Reihe ISOE-Materialen Soziale Ökologie erschienen und steht ebenfalls als Download zur Verfügung.

Publikationen

Mehring, Marion et al. (2018): Keep on moving - How to facilitate nomadic pastoralism in Mongolia in the light of current societal transformation processes. ISOE Policy Brief, 7. Frankfurt am Main

Mehring, Marion et al. (2018): Mobility at risk: Sustaining the Mongolian Steppe Ecosystem - societal transformation processes. Stakeholder analysis and identification of drivers and potential solution pathways. ISOE-Materialien Soziale Ökologie, 52. Frankfurt am Main


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Ansprechpartnerinnen

Nicola Schuldt-Baumgart

Nicola Schuldt-Baumgart
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neugart(at)isoe.de

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