Übergänge

in eine nachhaltige Entwicklung

11.06.2018

ÖPNV-Forum Stuttgart: Ergebnisse der Studie Mobiles Baden-Württemberg

Wie kann eine nachhaltige Verkehrsgestaltung in Baden-Württemberg aussehen, die nicht nur den Ressourcen- und Klimaschutz in den Blick nimmt, sondern auch das Verkehrsverhalten der Bevölkerung. Zu dieser Frage hat die Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit dem BUND-Landesverband eine Analyse in Auftrag gegeben. Mobilitätsexperte Konrad Götz vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung stellte die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Mobiles Baden Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität“ beim 9. Stuttgarter ÖPNV-Forum am 14. Juni vor.


Multioptionalität

Die Studie, die von Öko-Institut, Fraunhofer IAO, IMU-Institut und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung erarbeitet wurde, beschreibt mögliche Entwicklungen von 2030 bis 2050, aus denen drei Zukunftsszenarien abgeleitet wurden. Gemeinsam war ihnen neben dem Ziel, die Erderwärmung zu bremsen auch die Annahme, dass sich das autonome Fahren bis 2050 durchgesetzt und sich der CO2-Ausstoss des Fahrzeugantriebs durch Elektrifizierung und den Einsatz erneuerbarer Energien stark verbessert hat. Darauf basierend stellen die Szenarien eine veränderte Verkehrsmittelwahl der Bevölkerung dar sowie mögliche Umweltwirkungen, aber auch Folgen, die sich aus einem veränderten Mobilitätsverhalten für die Beschäftigung ergeben können. Bei dem jährlichen Treffen baden-württembergischer Verkehrsexpert*innen, das auf Einladung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart VVS stattfindet, griff ISOE-Mobilitätsforscher Konrad Götz die wichtigsten Fragen der Studie auf.

Unter welchen Umständen könnte Baden-Württemberg eine Pionierregion für nachhaltige Mobilität werden? Wie muss sich die Verkehrsmittelwahl der Bevölkerung ändern und welche Auswirkungen hat das in der Mobilitätswirtschaft? Die Szenarien zur Beantwortung dieser Fragen wurden gemeinsam mit zentralen gesellschaftlichen Akteuren Baden-Württembergs entwickelt. Dabei gingen die Autor*innen der Studie davon aus, dass Baden-Württemberg den Weg hin zu einer nachhaltigen Mobilität nicht etwa isoliert geht, sondern dass alle Staaten, die das Pariser Klimaabkommen ratifiziert haben, eine nachhaltige Verkehrsgestaltung umsetzen, um so das Erreichen der international vereinbarten und völkerrechtlich bindenden Klimaschutzziele zu gewährleisten.

Szenarien für eine nachhaltige Mobilität

Je nachdem, wie stark es gelingt, die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs zurückzudrängen und durch ein Verkehrssystem zu ersetzen, das den ÖPNV-Anteil deutlich erhöht und ihn mit neuen Formen eines hybriden, öffentlich-individuellen Verkehrs vernetzt, zeichnen sich unterschiedliche Folgen für Wirtschaft und Umwelt ab: Je stärker die Verkehrsgestaltung in Zukunft auf kurze Wege und einen flexibilisierten öffentlichen Verkehrs setzt, umso größer sind die positiven Effekte für Umwelt und Gesundheit. So erhöht sich der Anteil des öffentlichen Verkehrs in dem Szenario „Neue Mobilitätskultur“ von (heute) 10% auf 21%, wobei der klassische ÖV 13% ausmacht, neue Formen des öffentlichen Ride-Sharing aber 8%.

Nur ein deutlicher Rückgang der Pkw-Fahrleistung und des Pkw-Bestandes kann den Wandel zu einer Mobilität leisten, die die Belastungsgrenzen von Umwelt und Gesundheit nicht überschreitet. Eine solche Veränderung wäre gravierend und hätte auch deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Mobilitätswirtschaft. Die Studie weist aber auch auf die Chancen für die baden-württembergische Automobilwirtschaft hin. Bei einer raschen Weichenstellung in Richtung zukünftiger Märkte könne Baden-Württemberg das Pionierland für ökologische Industriepolitik im Mobilitätssektor und Vorreiter eines nachhaltigkeitsorientierten Transformationsprozesses werden. 


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