ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ Akutelle Informationen vom ISOE. https://www.isoe.de/fileadmin/Resources/Corporate/Public/icons/favicon-32x32.png ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ 32 32 en-gb ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main Fri, 19 Jul 2024 19:18:15 +0200 Fri, 19 Jul 2024 19:18:15 +0200 ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main news-851 Fri, 21 Jun 2024 17:19:00 +0200 Künstlerische Forschung - Kunst erfahren – Biodiversität wertschätzen? Tanzperformance zur Bedeutung von Insekten in der Stadt  https://www.isoe.de/news/kunst-erfahren-biodiversitaet-wertschaetzen-tanzperformance-zur-bedeutung-von-insekten-in-der-stadt/ Die Insektenbiodiversität ist essenziell für das Leben auf unserem Planeten. Doch durch die Veränderungen der Landnutzung ist diese Vielfalt akut bedroht. Gleichzeitig zeigt sich, dass Städte inzwischen auch Rückzugsorte für Insekten sind. Das Frankfurter Forschungsprojekt „SLInBio“ untersucht, wie unsere Lebensstile mit dem Rückgang der Insektenvielfalt zusammenhängen und welchen Beitrag wir leisten können, um die Lebensbedingungen für Insekten zu verbessern. Künstlerische Formate gewinnen bei der Vermittlung dieses Wissens an Bedeutung. Im Juni und Juli wird eine öffentliche Tanzperformance gezeigt, die im Rahmen des Projektes entstanden ist.  Anfang des Jahres hat das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung unter dem Titel „Insectopolis“ ein Projektstipendium für die Entwicklung und Umsetzung einer künstlerischen Arbeit vergeben. Aus 60 Bewerbungen wählte eine interdisziplinäre Jury den Projektentwurf von Anno Bolender „I don’t hear Bugs in the City – Eine choreografische Erinnerung an die kleinen Lebewesen unter uns“ aus.

Anno Bolender arbeitet regional wie international und befasst sich mit den Überschneidungsbereichen sozialer und politischer Themen mit künstlerischen Perspektiven. Im Rahmen des Stipendiums wurden in den letzten Wochen die Forscher*innen des Projekts, aber auch interessierte Bürger*innen in die Entwicklung einer Choreografie einbezogen: In partizipativen Workshops haben sich die Teilnehmer*innen der Beziehung zwischen Menschen und Insekten im Raum der Stadt gewidmet und dafür körperliche Ausdrucksweisen gefunden. Inspiriert von der Methode des Deep Listening der Komponistin Pauline Oliveros leitete Bolender die Teilnehmenden der Workshops an, die Bewegungspotenziale des eigenen Körpers zu erkunden. Daraus entwickelte Anno Bolender eine Solo-Performance, die den Zuschauer*innen eine ästhetisch vielfältige Erfahrung des Themas „Insekten in der Stadt“ bieten und an die „kleinen Lebewesen unter uns“ erinnern soll. Die Performance ist im Juni und Juli an verschiedenen öffentlichen Orten im Stadtraum in Frankfurt und Offenbach zu sehen.

„Wir freuen uns sehr, der Frankfurter Stadtgesellschaft diesen künstlerischen Zugang zur Insektenvielfalt in der Stadt anbieten zu können“, betont Marion Mehring vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Sie leitet das Forschungsprojekt SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität, in dessen Rahmen das Projektstipendium vergeben wurde. „Insbesondere der partizipative Ansatz von Anno Bolender hat die Jury überzeugt, denn solche Angebote können dazu beitragen, einen neuen Blick auf die Insektenwelt zu entwickeln. Und genau diesen brauchen wir dringend, um ein Bewusstsein für die Bedeutung von Insekten zu entwickeln und dem Insektensterben entgegenzuwirken.“

Die Performance wird an folgenden Terminen gezeigt: 

  • Premiere: Freitag, 28. Juni 2024, 18:30 Uhr Campus Bockenheim, Jügelstraße, zentraler Platz zwischen Mensa und Juridicum (bei schlechtem Wetter im Festsaal im Studierendenhaus)
  • Montag, 8. Juli 2024, 17:30 Uhr Grüneburgpark, Wiese am Park-Café, August-Siebert-Straße, 60323 Frankfurt am Main (mit anschließendem Publikumsgespräch) 
  • Mittwoch, 10. Juli, 18:00 Uhr Bornheimer Fünffingerplätzchen
  • Samstag, 13. Juli, 21:30 Uhr Hugenottenplatz Offenbach 

Weitere Informationen über das Projektstipendium „Insectopolis“: www.isoe.de/insectopolis  

Das Projekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität: Libellen, Heuschrecken, Hummeln und Co.“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „BiodiWert – Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ als Teil der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert. Weitere Informationen: www.insektenvielfalt-frankfurt.org 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Florian Dirk Schneider
Tel. +49 69 707 6919-71
 
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news-850 Thu, 20 Jun 2024 10:21:12 +0200 Ernährungswende - Wie Kommunen nachhaltige Ernährung mit planetarer Gesundheit verbinden und fördern können https://www.isoe.de/news/wie-kommunen-nachhaltige-ernaehrung-mit-planetarer-gesundheit-verbinden-und-foerdern-koennen/ Die Art der Ernährung kann entscheidend sein – für die eigene Gesundheit und für die des Planeten. Vor allem die Ernährungsweise im globalen Norden gilt als wesentlicher Treiber der globalen Umweltzerstörung und als Verursacher vieler gesundheitlicher Probleme. Die „Planetary Health Diet“ will eine gesunde Ernährung für alle Menschen auf der Erde ermöglichen, ohne die Ökosysteme des Planeten zu überlasten. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Konzepts hat ein Forschungsteam des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung mit Praxispartnern untersucht, wie Planetary Health als Leitbild für eine lokale Ernährungswende genutzt werden kann. Zentrale Empfehlungen des durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts liegen nun als Policy Brief vor, der am 25. Juni 2024 bei einem „Sustainable Lunch Break“ vorgestellt werden wird. Das Konzept der Planetary Health Diet steht für eine stärker pflanzenbasierte Ernährungsweise, die sich durch einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Saaten und Nüssen sowie pflanzlichem Eiweiß, etwa aus Hülsenfrüchten, auszeichnet, während der Anteil an Fleisch und Milchprodukten gering ist. Die Empfehlungen der Planetary Health Diet beziehen sich auf eine globale Ebene und müssen an jeweilige lokale Gegebenheiten angepasst werden, damit Kommunen die Ernährungswende unterstützen können. Denn bislang ist die Ernährungsweise vieler Menschen noch weit von den Empfehlungen entfernt. Beispiel Frankfurt am Main: Hier ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch dreimal so hoch wie von der Planetary Health Diet empfohlen.

Wie gelingt eine Ernährungsumstellung, die die individuelle Gesundheit schützt und die natürliche Umwelt entlastet? Ein Forschungsteam des ISOE hat in dem transdisziplinären Forschungsprojekt „PlaNE – Planetare Gesundheit und nachhaltige Ernährung“ gemeinsam mit Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren untersucht, inwiefern Planetare Gesundheit bereits in lokalen Projekten, Initiativen und Strategien für eine nachhaltige Ernährung verankert ist. Anhand von Verzehrdaten wurden die Umwelt- und Gesundheitswirkungen der aktuellen Ernährungsweise für die Städte Frankfurt am Main und Marburg ermittelt und abgeschätzt, welche Entlastungen durch die Umstellung auf die Planetary Health Diet erzielt werden können. 

Planetary Health Diet: Globales Konzept lokal umsetzen

Aus den Untersuchungen ergaben sich übergeordnete Einschätzungen und Empfehlungen für die kommunale Ernährungswende, die die Forschenden in einem ISOE-Policy Brief zusammengefasst haben. So weisen die Autoren Immanuel Stieß, Lukas Drees und Lukas Sattlegger etwa auf die notwendige Stärkung der ökologischen und regionalen Lebensmittelproduktion hin sowie auf die Förderung eines Angebots von gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln, das leicht für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich ist.

Ein großes Potenzial für eine verbesserte Umsetzung der lokalen Ernährungswende sehen die ISOE-Forscher im Zusammendenken von Ökologie und Gesundheit. Insbesondere die Akteure aus dem Gesundheitssektor seien wichtige Multiplikatoren für eine kommunale Ernährungspolitik. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung des Konzepts Planetary Health Diet auf kommunaler Ebene seien daher neue Allianzen zwischen den kommunalen Akteuren aus dem Umwelt-, Ernährungs- und Gesundheitsbereich. Alle zentralen Ziele, Handlungsfelder und Empfehlungen liegen im ISOE-Policy Brief 10 „Planetare Gesundheit und nachhaltige Ernährung in Kommunen“ vor.

Publikation

Stieß, Immanuel/Lukas Drees/Lukas Sattlegger (2024): Planetare Gesundheit und nachhaltige Ernährung in Kommunen: Ein Orientierungsrahmen für die kommunale Ernährungswende. ISOE Policy Brief Nr. 10. Frankfurt am Main DOI: 10.5281/zenodo.11209674  

Über das Projekt PlaNE

Das Projekt „PlaNE – Planetare Gesundheit und Nachhaltige Ernährung: Nachhaltigkeitsstrategien kommunaler Ernährungspolitik in Hessen und ihre Auswirkungen auf Planetary Health-Indikatoren am Beispiel der Städte Frankfurt und Marburg“ wurde gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Beteiligte Praxispartner waren die Städte Frankfurt am Main und Marburg, die Ernährungsräte Frankfurt und Marburg und Umgebung (EMU) sowie das BNE-Netzwerk Marburg.

Veranstaltung Sustainable Lunch Break

Sustainable Lunch Break am 25. Juni 2024 von 12.00 bis 13.15 Uhr anlässlich der Veröffentlichung des ISOE Policy Brief „Planetare Gesundheit und nachhaltige Ernährung in Kommunen. Ein Orientierungsrahmen für die kommunale Ernährungswende.“ Die Zahl der Teilnehmenden für diese Onlineveranstaltung ist begrenzt. Daher bitten wir um Ihre Anmeldung bis zum 24.06.2024 bei Lukas Drees (lukas.drees@isoe.de). Mehr Informationen zum Programm

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Dr. Immanuel Stieß
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news-847 Mon, 17 Jun 2024 10:42:07 +0200 Ökosysteme im Klimawandel - Die Bedeutung von sozial-ökologischen Kipppunkten für die Savannen Namibias https://www.isoe.de/news/die-bedeutung-von-sozial-oekologischen-kipppunkten-fuer-die-savannen-namibias/ Der Klimawandel verschärft die Wasserknappheit vor allem in den ariden Gebieten der Erde. Besonders betroffen ist Namibia mit seinen Savannenlandschaften. Diese Ökosysteme gehören zu den trockensten Regionen der Welt. Sie sind schon heute durch die klimatischen Veränderungen und zunehmenden Landnutzungsdruck bedroht: Konventionelle Formen der Viehhaltung führen zu einer Verschlechterung der Weideflächen, das Ökosystem Savanne läuft auf Kipppunkte zu. Ein aktuelles Forschungsprojekt des ISOE mit Partnern in Deutschland und Namibia untersucht, wie klimatische, ökologische und soziale Faktoren die Landdegradation in Trockengebieten antreiben. In ariden Ländern wie Namibia haben Landwirte schon seit langem Erfahrungen mit unregelmäßigen Niederschlägen und Dürren. Ende Mai hat das Land wegen der anhaltenden Dürre den Notstand ausgerufen. Der Klimawandel wird diese Entwicklung noch weiter verstärken. Bis Ende der 2070er Jahre wird für Namibia ein Temperaturanstieg von bis zu 4,5°C erwartet. Damit wächst auch der Druck auf die Ökosysteme der Savannenlandschaften, die durch eine intensive Weidewirtschaft bereits heute übernutzt sind. Die dadurch angestoßenen Prozesse der Desertifikation können zukünftig zu Kipppunkten führen, mit gravierenden Veränderungen im Ökosystem und gesellschaftlichen System.

Desertifikation: Wie Ökologie und Gesellschaft zusammenhängen

Kipppunkte stehen für Stabilitätsgrenzen eines sozial-ökologischen Systems, an dem eine kleine zusätzliche Veränderung zu einer qualitativen Veränderung des gesamten Systems führen kann. Durch die enge Wechselbeziehung zwischen Ökosystemen und der Gesellschaft infolge unterschiedlicher Formen der Nutzung sind ökologische Kipppunkte typischerweise mit sozialen Kipppunkten verknüpft. Gehen Weideflächen für die Bewirtschaftung verloren, wandern zum Beispiel auch die Farmer ab, da sie weniger Einkommen erzielen können. Das Forschungsprojekt „NamTip: Eine namibische Perspektive auf Desertifikations-Kipppunkte im Kontext des Klimawandels“ nimmt daher auch sozial-ökologische Kipppunkte – also das Zusammenwirken von ökologischen und gesellschaftlichen Veränderungen – in den Blick. Damit versucht das Projektteam eine Leerstelle zu schließen – bislang gibt es sehr wenige konzeptionelle Ansätze und empirische Studien zu sozial-ökologischen Kippunkten.

NamTip-Projektregion Waterberg

Während die Forschung zu ökologischen Kipppunkten bereits etabliert ist, ist die Übertragung des konzeptionellen Ansatzes auf soziale Systeme noch relativ neu. Die Charakteristika von ökologischen Kipppunkten werden auch für soziale Kipppunkte übernommen: abrupte, schwer umkehrbare Statusveränderungen eines sozialen Systems, die durch sich verstärkende Rückkopplungsschleifen entstehen. Als Teil der Erarbeitung eines Konzepts sozial-ökologischer Kipppunkte untersucht das Forschungsteam vor Ort in der namibischen Waterberg-Region, wie ökologische und soziale Kipppunkte miteinander verkoppelt sind. Ziel ist es, am Beispiel der Waterberg-Region das sozial-ökologische System der Weidewirtschaft im bedrohten Savannenökosystem besser zu verstehen und geeigneten Maßnahmen zu entwickeln, um Desertifikationsprozesse zu verhindern und die Wiederherstellung des Weidelandes zu fördern. 

Mehr zum Projekt:

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/namtip-2    
www.uni-potsdam.de/en/namtip  

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Markus Rauchecker
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news-844 Tue, 11 Jun 2024 13:51:48 +0200 ISOE im RePack-Netzwerk - Kunststoffe in Lebensmittelverpackungen reduzieren https://www.isoe.de/news/kunststoffe-in-lebensmittelverpackungen-reduzieren/ Zwölf Projekte mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entwickeln Verpackungsinnovationen für die Lebensmittelbranche: von Papier- oder Biokunststoffverpackungen über Recycling bis hin zu Mehrwegsystemen. Forscher des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung unterstützen die Vernetzungs- und Transfermaßnahme „RePack-Netzwerk“ mit ihrer Expertise zu Kunststoffverpackungen. Das Netzwerk wird vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) geleitet und verfolgt das Ziel, Innovationsprozesse zu unterstützen und Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft sowie Verbraucherinnen und Verbraucher auszusprechen. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland dürfte dies vertraut sein: Die gelbe Tonne zur Entsorgung von Verpackungen ist schnell voll. Das liegt auch an Einweg-Lebensmittelverpackungen aus Kunststoffen, deren Einsatz in den letzten Jahren beständig zugenommen hat. Damit sich dieser Trend ändert, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Innovationen für Lebensmittelverpackungen: von biobasierten, kompostierbaren Verpackungen über das Recycling der eingesetzten Materialien bis hin zu Mehrwegsystemen oder dem Ersatz von Kunststoff etwa durch Papier. 

Zwölf Innovationsprojekte entwickeln neue Lösungen, um Lebensmittel nachhaltiger zu verpacken und den Einsatz von Kunststoffen zu reduzieren. Am 11. Juni 2024 kommen die Akteure aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Handel erstmals in Berlin zusammen, um sich ihre Strategien vorzustellen und darüber zu diskutieren. Das neu gegründete RePack-Netzwerk versammelt die Projekte für vier Jahre unter einem Dach und möchte so eine breite Marktdurchdringung der innovativen Ansätze unterstützen. 

Ressourcenverbrauch verringern, Umwelt schützen

„Lebensmittelverpackungen werden nur kurz genutzt und selten wiederverwendet. Etwa zwei Drittel werden zwar recycelt, doch werden die Materialien kaum wieder in Verpackungen eingesetzt“, erklärt Frieder Rubik, Experte für nachhaltige Produktion und Konsum am IÖW und Projektleiter des RePack-Netzwerks. „Neben dem erheblichen Ressourcenverbrauch wird die Umwelt zudem durch Makro- und Mikroplastik belastet.“ Anliegen des RePack-Netzwerks ist es, die in dem Förderprogramm entwickelten Innovationen in die Breite zu tragen, damit sie Kunststoffe in der Lebensmittelkette spürbar reduzieren.

Recycling und biobasierte Kunststoffe vor dem Durchbruch?

„Heute ist es noch so, dass Kunststoffverwerter nach Absatzmärkten für ihre recycelten Materialien suchen müssen. Dieser Markt wird sich – aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben zur Einsatzquote von Rezyklaten – absehbar von einem Käufermarkt in einen Verkäufermarkt drehen”, erwartet Kurt Schüler von der GVM. „Alle Kunststoffverarbeiter werden händeringend nach Rezyklaten suchen, im Markt für PET-Rezyklate und Rezyklate mit Lebensmittelzulassung zeigt sich das schon heute.“

Um Verpackungen aus Biokunststoffen ist es in den letzten Jahren ruhig geworden, so die GVM. „Zu Unrecht“, sagt Schüler, „denn das Ziel, weniger fossile Rohstoffe einzusetzen, kann beim Lebensmittelkonsum nur erreicht werden, wenn auch Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe verwendet werden.“

Verbraucherakzeptanz: Alternative Verpackungen müssen alltagskompatibel sein

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen sich besorgt über die allgegenwärtige Verbreitung langlebiger Plastikrückstände in der Umwelt und sie sehen es als eines der dringlichsten Umweltprobleme an“, erklärt Lukas Sattlegger, Experte für Plastikmüll und Verpackungen am ISOE. Doch führt diese Einstellung nicht automatisch dazu, plastikfreie oder weniger umweltbelastende Verpackungsalternativen zu wählen. Entscheidend für den Erfolg alternativer Verpackungssysteme ist nicht nur ihre Akzeptanz, sondern auch ihre Praktikabilität bei den alltäglichen Einkaufs- und Konsumroutinen.

„Um etwa Unverpackt-Angebote auszuweiten, braucht es neben Unverpacktläden auch Unverpackt-Segmente in klassischen Supermärkten, unverpackte Bestellangebote, unverpackten Marktverkauf und unverpackte Lieferketten – und das alles möglichst flächendeckend und in unterschiedlichen Produkt- und Preissegmenten“, sagt Sattlegger.

Über das RePack-Netzwerk 

Das RePack-Netzwerk ist eine Vernetzungs- und Transfermaßnahme zur Förderung von Innovationen zur Reduzierung von Kunststoffverpackungen entlang der Lebensmittelkette, mit der das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seit 2022 zwölf Innovationsprojekte unterstützt. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) leitet die Vernetzungs- und Transfermaßnahme. Projektpartner sind die Evaluationsforschungseinrichtung CEval, die GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und das Sustainable Packaging Institute der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Das Vorhaben wird im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), vertreten durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), durchgeführt und über das Programm zur Innovationsförderung des BMEL finanziert. Das Vorhaben läuft von Dezember 2023 bis November 2027.

Weitere Informationen

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news-842 Fri, 07 Jun 2024 14:07:00 +0200 Nachhaltiges Grundwassermanagement - Ein Landkreis macht’s vor: So geht guter Umgang mit Grundwasser https://www.isoe.de/news/ein-landkreis-machts-vor-so-geht-guter-umgang-mit-grundwasser/ Der besonders von Trockenheit und Hochwasser betroffene Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt zeigt, wie vorausschauendes Grundwassermanagement aussehen kann. Eine Projektgruppe unter Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat ein Papier mit Pioniercharakter erarbeitet: Alle Interessengruppen, von der Landwirtschaft über den Wasserversorger bis hin zu Landesbetrieben und Umweltverwaltung, haben gemeinsam Lösungsvorschläge zum nachhaltigen Schutz des Grundwassers entwickelt. Das „Leitbild 2040 Grundwasser – Ziele und Maßnahmen für ein nachhaltiges Grundwassermanagement im Landkreis Mansfeld-Südharz“ wird heute an den Landrat übergeben.  Die Grundwasserkörper sollen in einem guten Zustand sein. Das fordern Umweltschützer, die sie als ökologischen Lebensraum erhalten wollen, genauso wie Land- und Forstwirte, die sie als Lebensgrundlage für ihre Kulturen brauchen, und Wasserversorger, die Trinkwasser für die Bevölkerung gewinnen. Als Folge von Klimawandel und menschlicher Einwirkung sind Menge und Qualität des Grundwassers in Deutschland aber nicht überall nachhaltig gesichert. 

Im Landkreis Mansfeld-Südharz hat sich der örtliche Wasserversorger wegen Uranfunden im Grundwasser bereits 2018 für einen Anschluss an die Fernwasserversorgung entschieden. Seitdem ist der Landkreis weitgehend abhängig von der Rappbodetalsperre als einziger Versorgungsquelle. Durch den Verlust von Wasserschutzgebieten und die Auswirkungen des Klimawandels könnten Grundwasservorkommen in Zukunft erheblich beeinträchtigt sein und wichtige Funktionen wie die Notversorgung nicht mehr garantieren. 

Solche Herausforderungen und Unsicherheiten ebneten den Weg für die ISOE-Nachwuchsforschungsgruppe regulate, als sie 2021 versuchte, alle identifizierbaren Interessenvertreter*innen im Landkreis an einen Tisch zu bringen. Dass ein präventives Grundwassermanagement vor Ort notwendig ist, sahen auch die Stakeholder so – und konnten für die vierjährige Mitarbeit in der Projektgruppe gewonnen werden.

Gegenläufige Interessen konstruktiv zusammengebracht

Beim Thema Wasser stehen sich im politischen Alltag Bauernverbände, Forstwirte, Wasserversorger, Umweltschützer, Landesbetriebe für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft und die Verwaltung oft unversöhnlich gegenüber. Dass die Projektgruppe alle an der Wassernutzung interessierten Parteien erfolgreich an einen Tisch gebracht hat, ist wegweisend. Dr. Fanny Frick-Trzebitzky, Co-Projektleiterin am ISOE, zeigt sich überzeugt: „Es ist gelungen, gemeinsam Lösungsvorschläge zum nachhaltigen Schutz des Grundwassers zu formulieren. Die Ergebnisse werden nun von den Projektteilnehmenden aktiv in ihre Verbände und Institutionen getragen.“ Was es für die Kreisverwaltung deutlich leichter mache, die Umsetzung anzugehen. 

Mehr Schutz, mehr Zusammenarbeit: Das empfiehlt das Leitbild

Um Quantität und Qualität des Grundwassers vor Ort bis 2040 und darüber hinaus zu sichern, empfiehlt das gemeinsam erarbeitete Leitbild nun: 

  • das Messstellen-Netz zu erweitern, um eine bessere Datenbasis über das verfügbare Grundwasser sowie über menschgemachte Verschmutzungen zu erhalten. 
  • das Datenmanagement zu zentralisieren, damit Behörden, Versorger, Landwirtschaft und Wissenschaft gemeinsam die Daten nutzen können. 
  • das Wasserentnahmeentgelt („Wassercent“) anzuheben, um Schutzmaßnahmen zu finanzieren; etwa um Landwirte zu entschädigen, die nicht düngen und so das Grundwasser schützen. 
  • Grundwasserschutzzonen einzurichten und Flächen zu entsiegeln bzw. nicht neu zu versiegeln. 
  • durch Umweltbildung den Wert von Grundwasser für Privatpersonen erfahrbar zu machen. 

Die Beteiligten drängen insbesondere auf die Gründung einer ständigen Arbeitsgruppe („Wasserrat Mansfeld-Südharz“), um die angeregten Maßnahmen besser zu unterstützen. 

Kick-off für den Umsetzungsprozess

Der Maßnahmenkatalog, der heute an die Stellvertreterin des Landrats, Frau Christiane Beyer, übergeben wird, sei dabei als weit gesteckte Handlungsempfehlung zu verstehen, die die Mobilisierung „einiger Ressourcen“ erfordere, so Frick-Trzebitzky vom ISOE. Steffen Hooper vom Umweltamt des Landkreises Mansfeld-Südharz ergänzt: „Es braucht nun zusätzliches Geld und Personal, um Prioritäten zu bestimmen, Konflikten im Verwaltungsalltag vorzubeugen und zumindest zu einer punktuellen Umsetzung des Leitbilds zu kommen.“ 

Zur Entstehung des „Leitbilds 2040“ 

Das „Leitbild 2040 Grundwasser – Ziele und Maßnahmen für ein nachhaltiges Grundwassermanagement im Landkreis Mansfeld-Südharz“ ist zwischen 2021 und 2024 im Rahmen des Forschungsprojekts „regulate – Regulation von Grundwasser in telegekoppelten sozial-ökologischen Systemen“ entstanden, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)“ gefördert wird. Telekopplung meint die an einem Ort spürbaren ökologischen und sozialen Auswirkungen von Ressourcennutzung an einem anderen Ort. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hatte die Projektleitung inne. 

Neben den Forscher*innen von ISOE, Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Rheinland-Pfälzischer Technischer Universität Kaiserslautern-Landau waren am Leitbildprozess folgende Interessengruppen beteiligt: das Umweltamt des Landkreises Mansfeld-Südharz, der Fachbereich Stadtentwicklung und Bauen der Stadt Sangerhausen, der Bauernverband Mansfeld-Südharz e.V., der Wasserverband Südharz, der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, die Agrargesellschaft Riestedt mbH & Co. KG, das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz, der Forstbetrieb Beyme GbR sowie die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH. 

Das „Leitbild“ steht als Download zur Verfügung:
www.isoe.de/fileadmin/Edit/PDF/Pr/regulate/isoe_regulate_Leitbild-2040-Grundwasser.pdf  

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Fanny Frick-Trzebitzky
Leiterin des Bereichs Praktiken und Infrastrukturen, 
Leiterin der Nachwuchsgruppe regulate
Tel. +49 69 707 6919-55

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news-833 Mon, 06 May 2024 11:05:00 +0200 Umweltrisiken - Wissenschaftskommunikation zu Risiken von Ewigkeitschemikalien https://www.isoe.de/news/wissenschaftskommunikation-zu-risiken-von-ewigkeitschemikalien/ PFAS – hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich die umstrittene Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen. Da sie wasser-, fett- und schmutzabweisend sind, werden diese Chemikalien in vielen Alltagsprodukten eingesetzt. Genau wegen dieser Eigenschaften sind PFAS aber kaum abbaubar: Die „Ewigkeitschemikalien“ konnten bereits im menschlichen Blut und in der Muttermilch nachgewiesen werden. Die EU prüft daher eine Beschränkung von PFAS. Die mit den PFAS verbundenen Risiken werden allerdings unterschiedlich dargestellt und bewertet. Vor diesem Hintergrund untersucht ein neues Forschungsprojekt des ISOE die Kommunikation von Organisationen über die Risiken von PFAS.  Die Beschränkung des Einsatzes von PFAS ist aufgrund der Komplexität und Vielfalt der Stoffgruppe und des hohen Nichtwissens nicht nur politisch umkämpft, sondern selbst innerhalb der Wissenschaft strittig, mit unterschiedlichen Positionen und Begründungen dazu, ob die gesamte Stoffgruppe verboten oder die Toxizität aller Stoffe einzeln bewertet werden sollte. Entsprechend kontrovers wird derzeit die Debatte über die Beschränkung von PFAS geführt. 

In der Forschung über Wissenschaftskommunikation gibt es jedoch bislang kaum konzeptionelle und empirische Untersuchungen dazu, wie nichtwissenschaftliche Organisationen sich in ihrer Kommunikation auf die Wissenschaft als Ressource zur Legitimierung ihrer Interessen berufen. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt „ChemKom – Strategische Wissenschaftskommunikation zu Risiken von Ewigkeitschemikalien“ die strategische Wissenschaftskommunikation von Organisationen über die Risiken von Ewigkeitschemikalien (PFAS). Das vom ISOE geleitete Projekt wird gemeinsam durchgeführt mit dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen e.V. (UfU) sowie der Universität Hamburg, Fachbereich Sozialwissenschaften. 

Wissenschaftlerinnen des ISOE analysieren die innerwissenschaftliche Debatte zu PFAS und arbeiten heraus, welche Argumente für oder gegen die Regulierung von PFAS herangezogen werden. Das Projektteam des ISOE untersucht zudem, wie Hochschulen, aber auch nichtwissenschaftliche Organisationen wie Industrieverbände, Behörden oder NGOs wissenschaftliche Inhalte über PFAS kommunizieren und wie wissenschaftliches Wissen, aber auch Unsicherheiten für die strategische Kommunikation genutzt werden. Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg erstellen eine Medienanalyse und untersuchen, welche Sprecher*innen, Positionen und Frames das Thema PFAS in traditionellen und sozialen Medienarenen prägen. Dabei spielt auch eine Rolle, wie wissenschaftliches (Nicht-)Wissen in der PFAS-Debatte als Ressource eingesetzt wird.

Bessere Partizipation von Bürger*innen 

Wissenschaftler*innen des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) werfen schließlich einen Blick auf die Öffentlichkeit: Wie blicken die Adressat*innen, also zum Beispiel Bürger*innen, auf die Ewigkeitschemikalien? Um diese Frage zu beantworten, werden Fokusgruppen und Interviews durchgeführt. So kann ein umfassendes Bild zur Kommunikation über PFAS und deren Rezeption erlangt werden.

Das Projektteam erprobt gemeinsam mit Bürger*innen ein Dialogformat, in dem sie über die unterschiedlichen Positionen von Wissenschaft, NGOs, Unternehmen und Behörden zur Beschränkung von PFAS informiert werden. Ziel dieses Formats ist zum einen, eine bessere Partizipation von Bürger*innen an der PFAS-Debatte zu ermöglichen. Zum anderen wird geprüft, ob das erprobte Dialogformat einen Beitrag leisten kann zu einer Wissenschaftskommunikation über PFAS, bei der auch Bürger*innen eine aktivere Rolle einnehmen. Mit diesem breiten Forschungsansatz will das Projekt einerseits einen Beitrag zum wachsendes Feld der organisationalen strategischen Wissenschaftskommunikation leisten, andererseits sollen am Beispiel der PFAS verallgemeinerbare Erkenntnisse darüber erarbeitet werden, wie Organisationen strategisch über Chemikalien und ihre Risiken kommunizieren.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Mehr zum Projekt:

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/chemkom 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerinnen:

Dr. Johanna Kramm 
Tel. +49 69 707 6919-16
  

PD Dr. Carolin Völker
Tel. +49 69 707 6919-59
 

Pressekontakt:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 

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news-832 Fri, 03 May 2024 10:50:46 +0200 Künstlerische Forschung - Projektstipendium „Insectopolis“ vergeben https://www.isoe.de/news/projektstipendium-insectopolis-vergeben/ Das ISOE hat ein Stipendium für die Entwicklung und Umsetzung einer künstlerischen Arbeit vergeben. Das Projektstipendium „Insectopolis“ ist eingebunden in ein Forschungsprojekt zur Förderung der Biodiversität in Städten. Eine Jury hat aus 60 Bewerbungen jetzt den Entwurf von Anno Bolender „I Don’t Hear Bugs in the City“ ausgewählt. Die Ergebnisse der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Projektteam und Künstler*in werden im Juli in Frankfurt am Main vorgestellt. Die Urbanisierung ist neben vielen anderen ein wesentlicher Treiber für den Verlust der Insektenvielfalt. Forschungen zeigen inzwischen, dass es wichtig ist, die Bedeutung der Insektenvielfalt, etwa für Landwirtschaft und Ernährung, stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Denn dann steigt häufig auch die Bereitschaft, Insekten zukünftig noch besser zu schützen. Gerade in Städten fehlen aber Orte und Gelegenheiten für ein positives Erleben der Insekten und ihrer Vielfalt.  

Vor diesem Hintergrund entwickelt das Forschungsprojekt SLInBio –  Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität“ gemeinsam mit den Bürger*innen Frankfurts praxistaugliche Ansätze zur Verbesserung der Insektenvielfalt in der Stadt. Eine wichtige Aufgabe übernehmen in dem vom ISOE geleiteten Forschungsprojekt künstlerische Arbeiten, die der Frankfurter Stadtgesellschaft Räume für neue und andere Naturerfahrungen anbieten: Hier können Bürger*innen eigene Vorstellungen und Erfahrungen in Bezug auf Insekten reflektieren sowie neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln.

Anno Bolenders Projektentwurf „I Don’t Hear Bugs in the City – Eine choreografische Erinnerung an die kleinen Lebewesen unter uns“ nimmt die Beziehungen zwischen Menschen und Insekten in der Stadt in den Blick. Das performative Projekt erforscht die Bewegungspotenziale des menschlichen Körpers und ist inspiriert von der Theorie des „Deep Listening“ der Komponistin Pauline Oliveros. Die tänzerische Performance entwickelt Anno Bolender in einer transdisziplinären Zusammenarbeit mit dem Projektteam von SLInBio. Hier geht es um das Zusammenwirken von wissenschaftlicher Arbeit und künstlerisch-ästhetischen Perspektiven mit dem Ziel, neue Erzählungen über das urbane Zusammenleben von Menschen und Insekten zu entwickeln. Die künstlerische Forschung entwirft poetische Interpretationen der Natur und hinterfragt im Dialog mit der wissenschaftlichen Forschung etablierte Begriffe, Standpunkte und Gewohnheiten zum Zusammenleben von Menschen und Insekten im Anthropozän.  

Die tänzerische Performance zeigt Anno Bolender im Juli an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum der Stadt Frankfurt am Main. Die genauen Daten und Orte werden frühzeitig bekannt gegeben unter #Insectopolis bei X, LinkedIn, Instagram und Facebook sowie auf den Websites des ISOE und des Forschungsprojekts SLInBio.

Über das Projekt

Forschungsprojekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität“ untersuchen Frankfurter Forschungsinstitute gemeinsam mit Partnern aus der Praxis unter der Leitung des ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung die Zusammenhänge zwischen städtischen Lebensstilen und Insektenvielfalt und bieten Bürger*innen vielfältige Möglichkeiten, die Insektendiversität zu erleben und sich an ihrer Erforschung zu beteiligen. SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „BiodiWert – Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ als Teil der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Florian Dirk Schneider
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news-825 Mon, 15 Apr 2024 11:18:29 +0200 Sommersemester 2024 - Soziale Ökologie und Transdisziplinarität in der Lehre https://www.isoe.de/news/soziale-oekologie-und-transdisziplinaritaet-in-der-lehre-1/ Auch im Sommersemester 2024 bieten Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wieder Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen an. Am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität leiten PD Dr. Carolin Völker und Dr. Johanna Kramm ein Seminar zu Strukturaspekten von Umweltproblemen, Prof. Dr. Diana Hummel bietet das Seminar „Biologische Vielfalt und Bevölkerungsdynamik im Anthropozän“ gemeinsam mit Prof. Dr. Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE und Professorin für Soziale Ökologie, an. Beide Seminare sind Lehrveranstaltungen im Rahmen des Masterstudiengangs Umweltwissenschaften im Schwerpunktfach Soziale Ökologie. Dr. Robert Lütkemeier betreut zudem ein Projektseminar am Fachbereich Geowissenschaften der Goethe-Universität. Darüber hinaus finden auch eine Vorlesung und ein Seminar an der TU Darmstadt statt. An der Goethe-Universität Frankfurt bieten PD Dr. Carolin Völker und Dr. Johanna Kramm im Sommersemester ein interdisziplinäres Seminar an. Sie bringen Studierenden im Master Umweltwissenschaften sowie Studierenden der Gesellschaftswissenschaften strukturelle Umweltprobleme näher – am Beispiel synthetischer Chemikalien. Einerseits sind Chemikalien ein funktionaler Bestandteil moderner Gesellschaften, andererseits können sie negative Auswirkungen auf Umwelt und Ökosysteme haben. Trotz regulatorischer Maßnahmen gibt es starke Hinweise, dass die planetaren Belastungsgrenzen für chemische Verschmutzung bereits überschritten sind. Die Studierenden entwickeln anhand dieses Beispiels ein sozial-ökologisches Problemverständnis und beschäftigen sich mit Gestaltungsoptionen von Transformationsprozessen.

Biologische Vielfalt und Bevölkerungsdynamik im Anthropozän

Nicht nur der anthropogene Klimawandel, sondern auch der Rückgang der biologischen Vielfalt sowie die globale Bevölkerungsdynamik werden heute vielfach unter dem Begriff des Anthropozäns, dem „Zeitalter der Menschen“, diskutiert. Im Seminar beleuchten Prof. Dr. Diana Hummel und Prof. Dr. Flurina Schneider insbesondere folgende Fragen aus politikwissenschaftlichen sowie interdisziplinären Blickwinkeln: Wie werden die Bevölkerungsentwicklung und der Rückgang der biologischen Vielfalt im Diskurs um das Anthropozän thematisiert und aufeinander bezogen? Welche Annahmen liegen dem Diskurs zugrunde bezüglich der Zusammenhänge von demografischen Prozessen, Ressourcenverfügbarkeit, gesellschaftlicher Entwicklung und politischer Steuerung? Master-Studierende der Politikwissenschaften und der Umweltwissenschaften erhalten Einblick in die wissenschaftlichen Diskurse rund um das Anthropozän.

Projektseminar an der Goethe-Universität

Am Institut für Physische Geographie bietet Dr. Robert Lütkemeier für Bachelorstudierende ein Projektseminar mit dem Titel „Soziale Hydrologie – Spannungsfeld zwischen Wasserverfügbarkeit und Wasserbedarfen verstehen, analysieren und bearbeiten“ an, bei dem eine komplexe angewandte Fragestellung bearbeitet wird. Die Studierenden lernen dabei die verschiedenen Projektphasen des Projektmanagements kennen, von der Projektplanung über die Wahl und Anwendung geeigneter Methoden, Messungen und Analysen bis hin zur Abfassung eines Berichts bzw. eines Gutachtens.

Lehre an der TU Darmstadt

Für Studierende im Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der Technischen Universität Darmstadt hält Dr. Martin Zimmermann eine Vorlesung und ein Seminar zum Thema nachhaltige Wasserversorgungswirtschaft. Hierbei geht es unter anderem um die Frage, welche Herausforderungen der Klimawandel für die Wasserversorgung mit sich bringt. Welche alternativen Wasserquellen lassen sich neben Trinkwasser beispielsweise noch erschließen und im Gebäudesektor implementieren?

Die ISOE-Lehrveranstaltungen auf einen Blick: www.isoe.de/lehre/lehrveranstaltungen  

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news-824 Fri, 12 Apr 2024 11:18:01 +0200 Biodiversität - Ökologische Kipppunkte in der mongolischen Steppe erkennen und vermeiden https://www.isoe.de/news/oekologische-kipppunkte-in-der-mongolischen-steppe-erkennen-und-vermeiden/ In der Mongolei gibt es eines der letzten intakten Steppenökosysteme mit traditioneller Landnutzung und einer bemerkenswerten Artenvielfalt. Die Mobilität von wilden und domestizierten Herdentieren spielt eine wichtige Rolle für das Fortbestehen dieses Ökosystems, das sich im Zuge des Klimawandels verändert. Gleichzeitig ist die nomadische Lebensweise in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Das Forschungsprojekt MORE STEP untersucht die komplexen Wechselbeziehungen und Rückkopplungen zwischen Natur und Gesellschaft, um irreversible Prozesse – sogenannte Kipppunkte – zu erkennen und damit frühzeitig zu verhindern.  Für die Graslandschaft in der Mongolei spielt die Mobilität der Nomaden und die damit einhergehende Weidewirtschaft eine entscheidende Rolle. Diese seit Jahrtausenden praktizierte Lebensweise ist einer der wichtigsten Faktoren für das Funktionieren dieses Ökosystems. Die Verbreitung von Pflanzensamen wird beispielsweise durch die Tiere der Nomaden gewährleistet. Allerdings gehen weltweite Veränderungen, etwa durch Urbanisierung und Klimawandel, nicht spurlos an dem ostasiatischen Land vorbei: Die Zahl der Familien mit Viehherden nimmt ab, da der wirtschaftliche Wandel des Landes neue Einnahmequellen eröffnet. Zudem verändert der Abbau von Bodenschätzen die Steppe. Das sind nur zwei der Gründe, warum das deutsch-mongolische Projektteam mit Beteiligung des ISOE die Dynamiken und Prozesse der Veränderungen der Landschaft in den Blick nimmt. Das Ziel des interdisziplinären Projekts ist es, die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu verstehen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, damit Kipppunkte, die das Ökosystem gefährden, nicht überschritten werden.

In der ersten Phase des Projekts von 2019 bis 2023 wurden unter anderem die gesellschaftlichen Veränderungen und die Auswirkungen auf die Mobilität der Nomaden sowie auf das Ökosystem der Steppe genauer untersucht und die Erkenntnisse in Workshops mit Nomaden, Vertreter*innen der Industrie sowie Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen diskutiert. Dort wurden auch die wichtigsten Probleme identifiziert und die bisherigen Schutzmaßnahmen für die Natur sowie die Haupttreiber für den gesellschaftlichen Wandel vorgestellt.

Erarbeitung von Politikempfehlungen

Seit 2023 läuft die zweite Projektphase, die die Auswirkungen sowohl des Klimawandels als auch des gesellschaftlichen Wandels auf die Mobilität von Wildtieren und Hirten in der Mongolei genauer erforscht. Dabei geht es unter anderem um die Probleme, denen die Nomaden in der Steppe aufgrund des Klimawandels ausgesetzt sind. Mit Modellierungsmethoden wird untersucht, welche Strategien zur Klimawandelanpassung die Nomaden haben. Auch die Mechanismen, die zu einem Rückgang dieser Lebensweise führen, werden identifiziert. Zudem werden Maßnahmen erarbeitet, die die aus den Veränderungen resultierenden Kipppunkte im Ökosystem verhindern können. 

Für das Jahr 2025 ist eine “joint learning expedition” geplant, bei der das Projektteam in verschiedenen Provinzen Workshops durchführt. Mit lokalen Vertreter*innen der Viehhirten und Verwaltungen sollen gemeinsame Empfehlungen für die Politik erarbeitet werden, zudem wird eine Konferenz mit Vertreter*innen aus Wissenschaft und Politik in der Hauptstadt Ulaanbaatar veranstaltet.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt in der Fördermaßnahme „Kipppunkte, Dynamik und Wechselwirkungen von sozialen und ökologischen Systemen (GlobalTip)“.

Mehr zum Projekt

https://www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/more-step-ii/ 

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Dr. Marion Mehring 
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news-819 Mon, 18 Mar 2024 10:07:55 +0100 ISOE-Interview zum Weltwassertag - Dürren und Wasserverfügbarkeit in Deutschland: „Veränderung ist das neue Normal“ https://www.isoe.de/news/duerren-und-wasserverfuegbarkeit-in-deutschland-veraenderung-ist-das-neue-normal/ Seit 2018 hatte Deutschland mit Dürren zu kämpfen. Extrem trockene Böden sorgten für Ernteausfälle in der Landwirtschaft. Waldbrände und ausgetrocknete Flüsse haben die Erinnerungen vieler an die letzten Sommer geprägt. In einigen Landkreisen wurden zudem Verbote für Wasserentnahmen verhängt, mancherorts waren die Grundwasserstände bedenklich niedrig. Die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser in Deutschland wurde erstmals breit diskutiert. Nun lässt eine Nachricht aufhorchen: Laut dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ist die extreme Trockenheit nach dem nassen Herbst und Winter 2023/24 überwunden. Ein Gespräch mit ISOE-Forscher Robert Lütkemeier über Grundwasserpegel, hydrologische Extreme und Normalzustände. Die Dürrejahre liegen in Deutschland hinter uns, so schätzen es Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ein. Woran erkennt man, dass eine Dürre vorbei ist?

Robert Lütkemeier: Das Ende einer Dürre lässt sich nicht anhand eines einzigen Merkmals feststellen. Wir müssen dazu drei Ebenen betrachten, die sich vor allem im Zeitrahmen unterscheiden: die meteorologische, die landwirtschaftliche beziehungsweise hydrologische und die sozioökonomische. Von einer meteorologischen Dürre sprechen wir, wenn zum Beispiel die aktuellen Regenmengen stark unter dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre liegen. Bleiben diese Niederschlagsdefizite über längere Zeiträume bestehen, paust sich das in den Bodenwasserspeicher, das Grundwasser und die Flüsse durch. Das bedeutet, den Pflanzen fehlt es an Wasser zum Wachsen und Flüsse führen deutlich weniger Wasser. Das bezeichnen wir als landwirtschaftliche oder hydrologische Dürre. Bei der sozioökonomischen Dürre betrachten wir noch längere Zeiträume und schauen, ob Gesellschaft und Wirtschaft unter Wasserknappheit leiden, die sowohl natürlich als auch durch Missmanagement verursacht sein kann. Eine Dürre ist letztlich dann vorbei, wenn die aktuelle Wassersituation im Hinblick auf diese Dürreformen wieder im langjährigen Mittel liegt.

Was heißt das für die Jahre seit 2018, in denen Dürren in Deutschland immer wieder ein Thema waren?

Robert Lütkemeier: Wenn wir uns die Zeit seit 2018 ansehen, haben wir alle drei Formen der Dürre in unterschiedlicher Intensität erlebt. Aktuell sieht es nun in der Tat so aus, dass sich die Grundwasserstände in Deutschland durch den feuchten Winter regeneriert haben. Die Erholung der Grundwasserstände ist ein positives Zeichen, aber doch leider nur eine Momentaufnahme. Und die Situation sieht in anderen europäischen Ländern, wie etwa in Spanien, derzeit ganz anders aus. Dort kämpfen die Menschen mit einer sehr intensiven Trockenheit.

Aber in Deutschland haben die Grundwasserbestände nach all den Dürrejahren einen Normalzustand erreicht?

Robert Lütkemeier: In vielen Regionen Deutschlands liegen die Grundwasserpegel wieder auf Normalniveau oder gar darüber. In Hessen weisen nur noch vier Prozent der Grundwassermessstellen einen „sehr niedrigen Stand“ auf, das hatten wir zuletzt vor sechs Jahren. Aber ehrlicherweise muss man dazusagen, dass die Frage, was eigentlich ein „Normalzustand“ ist, nicht trivial ist, sondern im Gegenteil sehr komplex.

Was macht die Einschätzung so schwierig?

Robert Lütkemeier: Die Definition von „normal“ hängt bislang von langjährigen, meist 30-jährigen Durchschnittswerten ab. Die gängige, wissenschaftliche Annahme ist, dass sich kurzfristige Schwankungen in diesem Zeitraum herausmitteln. Allerdings könnte mit dem Klimawandel diese Grundannahme ins Wanken kommen, denn es könnte sich bei solchen Dürreereignissen nicht um die normale Variabilität des Klimas handeln, sondern um einen Trend hin zu häufigeren und intensiveren Trockenphasen. Das bedeutet, dass unsere Managementstrategien für eine sichere Wasserversorgung flexibler werden müssen.

Das Ende der Dürre ist also nur eine Momentaufnahme, die uns nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass wir es weiterhin mit extremen Hitzeperioden im Sommer zu tun haben werden?

Robert Lütkemeier: Leider ja. Der Klimawandel stellt eine signifikante Unsicherheit dar, die es erschwert, langfristige Prognosen über den Zustand unserer Wasserressourcen zu machen. Die Bandbreite der Klimamodelle zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen wie Hitzeperioden, Dürren, Starkniederschlägen und Hochwasser grundsätzlich zunehmen wird – in welcher Höhe und wo, ist jedoch unklar. Die Zeit seit 2018 könnte in dieser Hinsicht ein Vorbote sein für wiederkehrende mehrjährige Knappheitsphasen, mit denen wir uns in Zukunft auseinandersetzen müssen. Deshalb müssen wir uns als Gesellschaft so aufstellen, dass wir von Extremereignissen nicht überrascht werden, sondern im Idealfall sogar aus ihnen lernen und damit einen Nutzen ziehen können.

Das vollständige ISOE-Interview mit Robert Lütkemeier finden Sie in unserem Blog Soziale Ökologie: 
„Veränderung ist das neue Normal.“ ISOE-Wasserforscher Robert Lütkemeier über Dürren und Wasserverfügbarkeit in Deutschland

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Robert Lütkemeier
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news-817 Thu, 14 Mar 2024 14:11:00 +0100 Wald der Zukunft - Gemeinsam statt gegeneinander: Waldkonflikte konstruktiv lösen https://www.isoe.de/news/gemeinsam-statt-gegeneinander-waldkonflikte-konstruktiv-loesen/ Der Wald von heute kann nicht der Wald von morgen sein, soviel ist klar. Doch wie die Wälder der Zukunft in Deutschland aussehen sollen, ist umstritten. Auf ihnen lasten viele Ansprüche: Sie sollen Erholung bieten, Flora, Fauna und Klima schützen und Holz produzieren. Immer wieder führt das zu großen lokalen Konflikten – und die verzögern den Weg zum klimagerechten Wald für alle. Können neue Dialogformate helfen, schneller Kompromisse zu finden? Das erforschen Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Projekt „Konflikte um den Wald der Zukunft“, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert wird. Als es im Sommer 2022 zu mehreren Bränden im Nationalpark Harz kam, flammte auch die Debatte um das Totholz wieder auf. Lokale Politiker*innen forderten: Altes Holz, das im Wald liegen bleibt, sei ein Brandbeschleuniger und Sicherheitsrisiko, es behindere die Feuerwehr und müsse weg. Der Landesforstminister schob einen Plan zur Prävention weiterer Brände im Nationalpark an, der genau das vorsah – das lästige Totholz zu räumen und Brandschneisen zu schlagen.

Doch das Totholz hatte nicht nur Feinde, sondern auch Freunde. Es ist wertvoller Lebensraum. Und so stoppte eine Umweltorganisation die geplante Räumung im Harz im Eilverfahren. Die Brände waren deutlich kleiner als angenommen und hatten eine Vielzahl von Ursachen – allen voran die kleine Eisenbahn, die regelmäßig Tourist*innen den Berg hinauffährt und entlang ihrer Schmalspurgleise mit Funken sprüht. Dazu kamen Lagerfeuer, kranke Fichten und die jahrelang anhaltende Dürre.

Totholz gerät schnell in Verdacht. Manchmal weckt es aber auch Begehrlichkeiten. In der Energiekrise, die der Krieg gegen die Ukraine auslöste, meldeten Bürger*innen Bedarf an. Ob man das Holz nicht wie früher zum Heizen sammeln dürfe? Viele Förster*innen sahen das kritisch, schließlich nutzen tausende im Wald lebende Arten das alte Holz als Lebensraum. Moderndes Holz versorgt außerdem Böden und Bäume mit Nährstoffen, bindet Feuchtigkeit und schützt sogar vor Bränden. Es birgt aber auch Risiken für Unfälle, wenn Äste von Bäumen fallen oder Stämme zur Stolperfalle werden.

Hitzige Debatten um den Wald der Zukunft

Der Umgang mit dem Totholz ist also kompliziert. Und er ist nur eines von vielen Konfliktthemen in der hitzigen Debatte um die Zukunft der deutschen Wälder. Es geht um Naturschutz, Klimaschutz, Windkraft, Baumarten, Wasser, Schädlinge, Tourismus, Holzwirtschaft und Jagd. In den Medien liest man dann oft von unvereinbaren Positionen: „Naturschützer und Verteidiger des Wirtschaftswaldes stehen sich unversöhnlich gegenüber“.

Aber ist das wirklich so? Sind die Debatten um den Wald tatsächlich so polarisiert und die Konflikte unlösbar? Anna Brietzke vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main sieht das anders. Sie ist Sozial- und Kulturanthropologin und erforscht die Kontroversen um die künftige Nutzung der deutschen Wälder im Projekt „Waldkonflikte“. Für Brietzke vereinfachen die Medien die Konflikte um den Wald der Zukunft zu stark: „Es ist nicht einfach so, dass die einen aufforsten und die anderen den Wald sich selbst überlassen wollen, oder dass die einen Totholz liegen lassen und die anderen es wegräumen wollen. Die Konflikte um den Wald sind deutlich verwobener und vielschichtiger.“

Um Kompromisse zu finden, so die Wissenschaftlerin, müsse man die Positionen und die zugrundeliegenden Bedürfnisse der Beteiligten noch besser verstehen. Und das habe Potenzial, so Brietzke: „In unserer Forschung zeichnet sich bereits jetzt ab, dass es bei allen Konflikten durchaus auch verbindende Werte gibt. Denn wir haben von vielen Gesprächspartner*innen gehört, dass sie den nächsten Generationen einen gesunden und widerstandsfähigen Wald hinterlassen wollen.“

Mediation statt Eskalation: Wie gestalten wir den Wald der Zukunft?

Die Wissenschaftler*innen am ISOE erforschen daher gezielt ausgewählte, aktuelle Beispiele für Waldkonflikte. Dabei setzen sie auf Dialog, etwa in Form von Gesprächen mit Mediation, Rollen- und Planspielen. Ihre zentrale Frage lautet: Welche Art des Austauschs und der Kommunikation kann helfen, trotz unterschiedlicher Interessen und Werte zu guten Lösungen für alle zu kommen und damit den Weg zum Wald der Zukunft zu ebnen?

Dazu laden die Forschenden seit 2024 zu Runden Tischen ein. Beteiligte aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung kommen dabei vertraulich zusammen und tauschen sich aus – unter Beteiligung professioneller Moderator*innen. Mit an den Runden Tischen sitzt Transformationsforscher Michael Kreß-Ludwig, der das Waldkonflikte-Projekt mit leitet. „Wir bearbeiten bei den Runden Tischen nur Konflikte, bei denen die Fronten noch nicht so festgefahren sind, dass die Parteien gar nicht mehr miteinander reden können“, sagt Kreß-Ludwig. „Es geht also darum, Konflikte gar nicht erst eskalieren zu lassen.“

Dazu analysieren die Wissenschaftler*innen das Geschehen: Was genau ist der Kern der Konflikte, welche unterschiedlichen Akteure und Interessen spielen eine Rolle? Welche Hindernisse und Fallstricke stehen einer Einigung im Weg? Und wie entwickeln die Teilnehmenden selbst Strategien zur Lösung der Konflikte?

Ziel des ISOE-Projekts ist, anhand der Fallbeispiele allgemeine Methoden der Konfliktbearbeitung zu entwickeln und der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen: Welche Ergebnisse sind auf andere Konflikte, Regionen und Konstellationen übertragbar? „Idealerweise tragen wir zur Lösung oder zumindest Verbesserung der untersuchten Konflikte vor Ort bei – und entwickeln dabei Methoden, die auch auf andere Konflikte und Regionen anwendbar sind“, sagt Michael Kreß-Ludwig. Die Beteiligten sollen Mittel an die Hand bekommen, um Konflikte schon zu erkennen und zu bearbeiten, bevor sie sich hochschaukeln.

Offener Austausch zu Konfliktthemen am Runden Tisch

Gisela Wachinger ist als externe Moderatorin bei den Runden Tischen dabei. „Ganz wichtig ist natürlich, die Menschen mit am Tisch zu haben, die betroffen sind und die, die die Situation beeinflussen können, zum Beispiel, weil sie ein Waldgebiet besitzen oder in einer wichtigen Entscheidungsposition sitzen“, sagt sie. „Aber auch diejenigen sollten vertreten sein, die später etwas gegen die erarbeitete Lösung haben könnten. Im konkreten Ablauf der Runden Tische schaffen wir dann den Raum, in dem alle Anwesenden ihre Perspektive offen darstellen können, ohne dass sich jemand als benachteiligt oder nicht gehört wahrnimmt.“

Für Landnutzungsexpertin Deike Lüdtke, Co-Leiterin des Projekts, ist das ein dringendes Anliegen. Der aktuelle Waldzustandsbericht zeige, wie schlecht es den Wäldern geht. „Die Auswirkungen sind mittlerweile so offensichtlich, dass das Thema in der öffentlichen Debatte sehr präsent ist“, sagt Lüdtke. „Ich glaube, alle sind sich einig, dass wir dringend etwas zum Erhalt unserer Wälder unternehmen müssen, weil sie extrem wichtig für unsere Gesellschaft sind.“

Das haben auch die unterschiedlichen Interessengruppen im Harz wohl am Ende so gesehen. Sie konnten sich auf einen Vergleich einigen: Das Totholz wird nicht überall komplett geräumt, sondern nur an den Stellen, wo es für die Sicherheit wichtig ist und dem Naturschutz nicht schadet – etwa entlang von Wegen. Auch bei trockenem Nadelholz in der Nähe von Häusern oder wichtiger Infrastruktur kann eine Räumung angebracht sein. Ansonsten wird der Wald nicht aufgeräumt.

Über das Projekt

Das Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft – Analyse und kooperative Bearbeitung von waldbezogenen Aushandlungsprozessen im Kontext des Klimawandels“ wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

Weitere Informationen:

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Deike Lüdtke
Tel. +49 69 707 6919-28
 

Dr. Michael Kreß-Ludwig
Tel. +49 69 707 6919-62

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news-809 Mon, 19 Feb 2024 13:05:49 +0100 Leseempfehlung - Wie gelangt unser Wissen aus der Forschung an die richtigen Stellen? Erfolgsfaktoren für gelingenden Wissenstransfer https://www.isoe.de/news/wie-gelangt-unser-wissen-aus-der-forschung-an-die-richtigen-stellen-erfolgsfaktoren-fuer-gelingenden/ Gerade in der missionsorientierten Forschung gewinnt der Wissenstransfer aktuell an Bedeutung. Allerdings funktioniert der so oft formulierte Dreiklang aus „Forschung – Transfer – Impact“ nur in Ausnahmefällen, das zeigt sich insbesondere in der Nachhaltigkeitsforschung. Denn forschungsbasierter Wissenstransfer braucht andere Voraussetzungen und Ressourcen als Technologietransfer: Warum gelingende Kommunikations- und Lernprozesse dabei zentral sind, zeigen die ISOE-Expertinnen für Wissenstransfer Nicola Schuldt-Baumgart und Verena Rossow in einem aktuellen Artikel in der Zeitschrift „Transfer & Innovation“. Bislang fehlt ein breit geteiltes Verständnis von Wissenstransfer. Gleichzeitig wachsen die Wissensbedarfe: Klimaschutzbeauftragte in Kommunen, die eine Energieberatung aufbauen wollen, Forstwirt*innen, die nach Baumarten suchen, die dem Klimawandel standhalten, oder Bürger*innen, die sich fragen, wie sie sparsamer mit Trinkwasser umgehen können – diese Beispiele zeigen, dass wissenschaftliches Wissen ein zentraler Faktor in den anstehenden Veränderungsprozessen ist. Aber wie kann der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis noch besser gelingen? Welche Barrieren erschweren den Wissenstransfer? Was zeichnet erfolgreiche Transferformate aus? 

Nicola Schuldt-Baumgart und Verena Rossow, Kommunikations- und Transferexpertinnen des ISOE, zeigen in ihrem Artikel, wie der gesellschaftliche Nutzen von Forschung durch Wissenstransfer verbessert werden kann. „Kommunikation und Transfer sollten als integrale Bestandteile von Forschung verstanden und von Beginn an mitgedacht werden“, sagt Nicola Schuldt-Baumgart. Unabdingbar sei auch eine große Sensibilität für die Gelingensbedingungen kommunikativer Prozesse. „Bei den Transferverantwortlichen braucht es die Fähigkeit zum Perspektivwechsel und ein Verstehen der Wissensbedarfe der Zielgruppen“, ergänzt Verena Rossow. Wichtig sei außerdem das Adressieren der Wissensbedarfe mit geeigneten dialogischen, medialen und digitalen Formaten.

In ihrem Beitrag diskutieren die Autorinnen zunächst den Begriff „Wissenstransfer“, um dann auf den Unterschied zwischen Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation einzugehen und ein Modell für gelungene Transferprozesse zu zeigen. Anschließend beschreiben sie anhand von Beispielen aus der Nachhaltigkeitsforschung fünf Erfolgsfaktoren für gelingende Transferprozesse. Abschließend wird das Format „Learning Expedition“ vorgestellt, das sich an institutionelle Akteure des Wandels richtet.

Zum Artikel: 

Schuldt-Baumgart, Nicola/Verena Rossow (2023): Da machen wir eine schöne Broschüre draus! Der Mehrwert von Wissenstransfer gegenüber Wissenschaftskommunikation und wie er sich erfolgreich gestalten lässt. Transfer & Innovation (4) 

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart 
Tel. +49 69 707 6919-30

Dr. Verena Rossow
Tel. +49 69 707 6919-657

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news-807 Tue, 13 Feb 2024 08:02:00 +0100 Ecornet - Flurina Schneider zur neuen Ecornet-Sprecherin gewählt https://www.isoe.de/news/flurina-schneider-zur-neuen-ecornet-sprecherin-gewaehlt/ Prof. Dr. Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, ist neue Ko-Sprecherin des Ecornet (Ecological Research Network). Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Flurina Schneider wurde von den Geschäftsführer*innen der Ecornet-Mitgliedsinstitute zur Ko-Sprecherin des Ecornet gewählt. Sie folgt damit auf Jan Peter Schemmel, ehemaliger Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Institut e.V., der die Funktion bis Ende November 2023 innehatte. Flurina Schneider wird diese Aufgabe gemeinsam mit Thomas Korbun, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), ausüben. Thomas Korbun ist seit 2012 einer von zwei Sprecher*innen des Ecornet. Er wurde jetzt für eine weitere Amtszeit gewählt. 

Schneider ist wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE und Professorin für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie ist außerdem Sprecherin des Tätigkeitsschwerpunktes „Ökosystemleistungen und Klima“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Klimabeirats. Die Schweizer Nachhaltigkeitsforscherin hat sich 2016 zum Thema transdisziplinäre und transformative Forschung für Nachhaltige Governance von natürlichen Ressourcen mit Blick auf Generationengerechtigkeit an der Universität Bern habilitiert, wo sie bis 2020 das Cluster Landressourcen des Zentrums für Entwicklung und Umwelt (CDE) leitete. Ihre Forschung beschäftigt sich mit Lernen und Handeln für Nachhaltigkeitstransformationen, transdisziplinärer Forschung und Wissenschaftspolitik.

Über das Ecornet

Das Ecornet ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Ihre gemeinsame Mission: den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren. Seit ihrer Gründung haben sich die Ecornet-Institute darauf spezialisiert, komplexe Probleme praxisnah und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu bearbeiten. Sie haben sich zum Ecornet zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auch gebündelt in die Forschungslandschaft einzubringen. Mitglieder des Ecornets sind:

  • Ecologic Institut
  • ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
  • Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
  • ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
  • IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
  • Öko-Institut
  • Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU)
  • Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

www.ecornet.eu 

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news-799 Mon, 05 Feb 2024 10:09:34 +0100 Wissenschaftsfreiheit - Für Demokratie und Vielfalt – gegen Rechtsextremismus https://www.isoe.de/news/fuer-demokratie-und-vielfalt-gegen-rechtsextremismus/ Mehrere Hunderttausend Menschen haben in den vergangenen Wochen gegen Rechtsextremismus demonstriert – auch in Frankfurt. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung schließt sich dem Aufruf „Frankfurt steht auf für Demokratie“ an und tritt gemeinsam mit vielen anderen Institutionen und Unterstützer*innen der Frankfurter Stadtgesellschaft für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Am 23. Mai dieses Jahres wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 75 Jahre alt. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist die Grundlage unseres politischen und gesellschaftlichen Handelns. In den aktuellen politischen Diskussionen wird dieses Fundament angegriffen. Seit Wochen demonstrieren deshalb im ganzen Land Hunderttausende Menschen für Demokratie und Menschenrechte.

Ein offener und wertschätzender Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven und divergierenden Werten sind für das Institut und seine mehr als 80 Mitarbeitenden Kernwerte der Arbeit in Forschung und Lehre. Das ISOE steht für eine verantwortungsvolle, transparente und inklusive Wissenschaft und tritt entschieden gegen jede Form von Demokratie- und Menschenfeindlichkeit ein. 

Aber auch Hetze und Hass und eine zunehmende Verrohung öffentlicher Debatten bedrohen die grundlegenden Freiheits- und Gleichheitsrechte unseres Zusammenlebens. „Gerade mit Blick auf die aktuellen Krisen und die langfristigen Herausforderungen wie den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität brauchen wir öffentliche Debatten, an denen alle Menschen teilhaben und in denen Konflikte konstruktiv ausgehandelt werden“, sagt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE und Professorin für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das ISOE wolle daher gemeinsam mit zahlreichen Unterstützer*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie der Frankfurter Stadtgesellschaft ein Zeichen setzen und Präsenz zeigen: „für eine liberale, gerechte, offene und soziale Gesellschaft“, betont Schneider.

Deshalb schließt sich das ISOE dem Aufruf zur Demonstration am 5. Februar 2024 ab 17:00 Uhr am Frankfurter Römerberg an. 

Unterstützt wird die Demonstration neben dem ISOE von den staatlichen Hochschulen der Stadt sowie u.a. der Bildungsstätte Anne Frank, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, beramí berufliche Integration e.V., der Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF), den demokratischen Parteien im Römer und vielen mehr. 
https://roemerbergbuendnis.de 

Termin: Montag, 5. Februar 2024, 17:00 Uhr
Ort: Römerberg, Frankfurt am Main

Kontakt:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
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Pressemitteilung
news-778 Thu, 01 Feb 2024 10:45:00 +0100 ISOE-Lecture mit Lisen Schultz an der Goethe-Universität Frankfurt - Soziale Ökologie für Entscheidungsträger*innen https://www.isoe.de/news/soziale-oekologie-fuer-entscheidungstraegerinnen/ Die Erde kommt an ihre Grenzen: Im Anthropozän haben die Menschen die ökologischen Lebensgrundlagen so grundlegend verändert, dass die planetaren Belastungsgrenzen mehrerer Erdsysteme erreicht sind. Die Symptome wie Erderwärmung, Artensterben und Wasserknappheit sind hinreichend bekannt, doch die notwendige Trendwende im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen bleibt aus. Wie lassen sich Entscheidungsträger*innen für nachhaltige Lösungen gewinnen? Dieser Frage ging die schwedische Nachhaltigkeitsforscherin Lisen Schultz in der ISOE-Lecture 2024 nach. Ihr Vortrag „Bringing ecology to decision-makers – a comparison of approaches“ fand am 8. Februar an der Goethe-Universität Frankfurt statt, eine Audioversion ist nun verfügbar. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main setzte im Wintersemester 2023/24 seine jährliche „ISOE-Lecture“ an der Goethe-Universität Frankfurt fort – eine Veranstaltung, die sich seit 2012 aktuellen Fragen der Nachhaltigkeitsforschung widmet. Gastrednerin der diesjährigen ISOE-Lecture am 8. Februar war die schwedische Wissenschaftlerin Lisen Schultz. Sie ist außerordentliche Professorin an der Universität Stockholm und seit Juli 2023 stellvertretende Direktorin des renommierten Stockholm Resilience Centre. In ihrem Vortrag in englischer Sprache rekapitulierte die Nachhaltigkeitsforscherin zunächst die Entwicklung menschlicher Ressourcenwirtschaft.

Die Menschen haben die ökologischen Lebensgrundlagen des Planten Erde durch ihre Aktivitäten wie Land- und Forstwirtschaft, Verstädterung, Energie- und Ressourcenverbrauch grundlegend verändert. Weltweit haben industrielle Aktivitäten das globale Ökosystem mehr und mehr in ein Produktionssystem verwandelt, das für bestimmte Dienstleistungen und Waren wie Kraftstoffe, Nahrungsmittel oder Textilfasern optimiert scheint. Dies hat viele Jahrzehnte lang durchaus zu mehr Wohlstand und Gesundheit für viele Menschen geführt. Doch die natürlichen Lebensgrundlagen auf der Erde wurden über die Maßen strapaziert. Sowohl der Weltklimarat IPCC als auch der Weltbiodiversitätsrat IPBES fordern deshalb einen grundlegenden Wandel, doch unklar ist, wie er gelingen kann. 

Die Nachhaltigkeitsforscherin Lisen Schultz fragte: Wie finden die für den Wandel notwendigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ihren Weg in die Umsetzung? Und wie können Forschungsergebnisse die Entwicklungswege in der Praxis in Richtung Nachhaltigkeit und Regeneration verschieben? Lisen Schultz forscht am Stockholm Resilience Centre unter anderem zu Lernen für Nachhaltigkeit und zur Ko-Produktion von Wissen. In der ISOE-Lecture stellte sie experimentelle Wege vor, über die einflussreiche Akteure für nachhaltiges Handeln erreicht werden können. Schultz zeigte Beispiele dafür auf und erläuterte, welche Lehren sich im Umgang mit komplexen sozial-ökologischen Systemen ziehen lassen. 

Über die ISOE-Lecture

Die jeweils im Wintersemester stattfindende Lecture  des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung widmet sich aktuellen Fragen der Nachhaltigkeitsforschung sowie konkreten Beispielen aus Wissenschaft und Forschung. Die „ISOE-Lecture Nachhaltige Wissenschaft“ möchte insbesondere Studierenden und jungen Wissenschaftler*innen, aber auch der interessierten Öffentlichkeit Denkanstöße geben, wie Übergänge in eine nachhaltige Entwicklung gelingen können und welche Rolle der Hochschule und der Wissenschaft dabei zukommt. Mehr Informationen zur ISOE-Lecture: www.isoe.de/lehre/isoe-lecture/

ISOE-Lecture WS 2023/2024

“Bringing ecology to decision-makers – a comparison of approaches”
Lisen Schultz
Stellvertretende Direktorin Stockholm Resilience Centre, Schweden

Datum und Uhrzeit: 8. Februar 2024, 18:15 – 19:45 Uhr
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend. Casino Raum 1.811 
Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Kooperation mit dem Schwerpunkt Industrie- und Organisationssoziologie, Umweltsoziologie, FB 03, Goethe-Universität
Mitdiskutieren: #ISOE_Lecture
Hinweis: Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. 

Download Präsentation (pdf) | Audioaufzeichnung (mp3)

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

PD Dr. Diana Hummel
Tel. +49 69 707 6919-33
 
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news-798 Wed, 31 Jan 2024 13:27:00 +0100 Transdisziplinäre Forschung - ISOE startet Runde Tische zu Waldkonflikten https://www.isoe.de/news/isoe-startet-runde-tische-zu-waldkonflikten/ Der Klimawandel macht den Umbau unserer Wälder notwendig. Wie genau dieser Umbau aussehen soll, ist häufig jedoch umstritten. Dabei geht es beispielsweise um die Art der Wiederbewaldung, der Jagd, der Holzernte oder der Waldbrandprävention. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung startet jetzt Runde Tische zu aktuellen Konflikten um den Wald der Zukunft. Die Ergebnisse sollen helfen, künftig in ähnlichen Fällen schneller zu besseren Lösungen zwischen unterschiedlichen Interessengruppen zu kommen.  Der Waldumbau im Zeichen des Klimaschutzes löst in ganz Deutschland Kontroversen aus. Im Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft“ untersucht ein Forschungsteam des ISOE, welche konkreten Konflikte um den Wald der Zukunft entstehen und wie sich die unterschiedlichen Perspektiven der Konfliktparteien konstruktiv zusammenbringen und scheinbar unvereinbare Argumente und Interessen überwinden lassen. Dabei gibt es nicht den einen Weg aus dem Konflikt. Vielmehr müssen abhängig von den konkreten Konfliktthemen, den individuellen Beteiligten und den Gegebenheiten der jeweiligen Region passende Lösungen entwickelt werden. Ziel des Forschungsprojekts ist es, an lokalen Fallbeispielen zu erforschen, welche Arten des Dialogs die Parteien näher zueinanderbringen, anstatt sie weiter voneinander zu entfernen. Zum anderen sollen die Konfliktkonstellationen in den Fallbeispielen durch konstruktive, ergebnisoffene Dialoge entschärft werden.

Runde Tische

Entscheidend hierfür ist es, alle beteiligten Konfliktparteien zusammenzubringen. Hierfür hat das ISOE das Format der Runden Tische ausgewählt. Die Runden Tische schaffen einen Raum, in dem alle Anwesenden ihre jeweiligen Perspektiven auf den Konflikt darstellen können, und werden von einer professionellen Mediatorin geleitet. Der Mediationsprozess läuft in fünf Phasen ab: In der ersten Phase klären die Teilnehmenden Rahmenbedingungen und Gesprächsregeln, in der zweiten legen sie Themen und Agenda fest. In Phase drei geht es daran, die Konflikte zu bearbeiten, um in Phase vier Lösungsoptionen zu suchen. In der fünften und letzten Phase wird dann eine Vereinbarung geschlossen. Diese Phasen umfassen insgesamt meist mehrere Sitzungen des Runden Tisches. Die Auftaktveranstaltungen der Runden Tische finden von Januar bis März 2024 in unterschiedlichen Regionen statt. Es handelt sich dabei um einen für den Prozess wichtigen vertraulichen Austausch, daher tagen die Runden Tische nicht öffentlich.

Das Forschungsprojekt 

Das Forschungsprojekt „Konflikte um den Wald der Zukunft – Analyse und kooperative Bearbeitung von waldbezogenen Aushandlungsprozessen im Kontext des Klimawandels“ wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Es läuft von Oktober 2022 bis Oktober 2025.

Über das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main

Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Es entwickelt wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen. Hierfür forscht das ISOE transdisziplinär zu globalen Problemen wie Wasserknappheit, Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Landdegradation und findet tragfähige Lösungen, die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Bedingungen berücksichtigen. 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Michael Kreß-Ludwig
Tel. +49 69 707 6919-62
 

Dr. Deike Lüdtke
Tel. +49 69 707 6919-28

ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main

Weitere Informationen:

www.waldkonflikte.de

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/wald-der-zukunft

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news-795 Tue, 23 Jan 2024 16:07:47 +0100 Forschungsprojekt CapTain Rain - Wie gelingt die Anpassung an Starkregen? Innovative Lösungen in Jordanien https://www.isoe.de/news/wie-gelingt-die-anpassung-an-starkregen-innovative-loesungen-in-jordanien/ Der Einfluss des Klimawandels auf Extremwetterereignisse wird immer sichtbarer. Folgen wie durch Starkregen verursachte Sturzfluten sind dadurch stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt: Nicht zuletzt die Ahrtalkatastrophe hat auch in Deutschland dazu geführt, dass die Gefahren nach heftigen Regenfällen bekannt sind und Kommunen nach Anpassungsstrategien suchen. Doch Starkregenereignisse werfen weltweit die gleiche Frage auf: Wie kann die Bevölkerung besser vor Sturzfluten geschützt werden? Das untersucht ein internationales Forschungsteam von „CapTain Rain“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Jordanien. Jordanien ist besonders stark von Extremwetterereignissen betroffen. Hier gab es in den letzten 50 Jahren viele Todesfälle und Schäden durch Sturzfluten. Das Paradoxe an der Situation: Das Land im Nahen Osten ist zugleich eines der wasserärmsten Länder der Welt. Wie schafft man es also einerseits, die Bevölkerung besser vor Schäden durch Starkregen zu schützen, und andererseits, mehr Wasser zu gewinnen? Der Ansatz des Projektes „CapTain Rain“ (Capture and retain heavy rainfalls in Jordan) steckt schon im Namen – „capture“ and „retain“, also „sammeln“ und „behalten“.

In dem Forschungsprojekt wird nach Lösungen gesucht, um das Wasser bei Starkregen einzufangen und dann abzuleiten, sodass es weiterverwendet werden kann. Eine Voraussetzung dafür ist, dass vorhandene Methoden und Instrumente zur Sturzflutvorhersage und das Risikomanagement verbessert werden. Dafür schauen sich die Forscher*innen die Wechselwirkungen von Landnutzung, wasserbauliche Maßnahmen und Klimaveränderungen an. Zudem werden auch sogenannte Vulnerabilitätsanalysen durchgeführt, um Schwachstellen gezielt zu ermitteln. Mit diesem Wissen können dann Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung abgeleitet werden.

Forschungsbeitrag zu den Sustainable Development Goals (SDG)

Im Dezember 2023 trafen sich rund 30 Projektpartner*innen und jordanische Expert*innen in der Hauptstadt Amman, um aktuelle Forschungsergebnisse auszutauschen und Szenarien für die integrierte Modellierung und Vulnerabilitätsanalyse zu erarbeiten. Das Forschungsteam von CapTain Rain kam in weiteren Treffen mit Projektpartner*innen und Stakeholdern zusammen, auch in einem Workshop in Wadi Musa. Hier lag der Fokus auf gemeinsamen Planungszielen für die Region Wadi Musa und auf geeigneten Maßnahmen, die Schäden von Sturzfluten dort verringern können. In Wadi Musa liegt die Felsenstadt Petra, die in der Folge starker Regenfälle wiederholt evakuiert werden musste. 2018 verloren in der überschwemmten Weltkulturerbe-Stätte zwölf Menschen ihr Leben. 

Die in CapTain Rain entwickelten Vorschläge sollen auch die Gemeinde Wadi Musa in die Lage versetzen, Maßnahmen umzusetzen, die nicht nur den Schutz vor Sturzfluten, sondern auch die Nutzbarmachung des Regenwassers in den Fokus nehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt CapTain Rain im Rahmen der Fördermaßnahme „CLIENT II – Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“. Auf der CLIENT II-Webseite wird aktuell auf den Erfolg des Verbundprojekts in Bezug auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen hingewiesen, die Sustainable Development Goals – kurz SDG: Vor allem zu SDG 13 „Klimaschutz“ leistet CapTain Rain einen wertvollen Beitrag in Jordanien, aber auch SDG 6 zum Themenfeld Wasser und SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ werden umgesetzt. 

Mehr zum Projekt

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/captain-rain 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Katja Brinkmann 
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news-787 Tue, 16 Jan 2024 15:26:00 +0100 Frankfurter Bürger-Universität - Gesundheitsfolgen des Klimawandels: Frankfurts Wege zur Klimaanpassung https://www.isoe.de/news/gesundheitsfolgen-des-klimawandels-frankfurts-wege-zur-klimaanpassung-1/ Für Frankfurt werden zukünftig ähnliche klimatische Bedingungen wie bisher für südfranzösische Städte erwartet. Was bedeuten diese Veränderungen für die Bürger*innen? Wie kommen sie gut durch längere und heißere Sommer? Und wie muss sich die Stadt zum Beispiel an Starkregenereignisse anpassen? Diesen Fragen widmet sich das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität. Sie findet am 23. Januar 2024 in Kooperation mit dem Frankfurter Gesundheitsamt statt. Die Folgen des Klimawandels zeigen sich längst auch in Deutschland, etwa an zunehmenden Extremwetterlagen mit hohen Temperaturen, Wassermangel, Dürren und Waldbränden. Die häufiger werdenden Hitzewellen von über 30 Grad Celsius wirken sich auch negativ auf die Gesundheit aus. Für manche Bevölkerungsgruppen wie Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Ältere und chronisch Kranke können sie sogar lebensbedrohlich sein. Und auch für gesunde Menschen gehen von den Hitzeereignissen Gefahren aus, zum Beispiel für Herz und Kreislauf. 

Umso dringender sind Kommunen in der Pflicht, konsequent Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Wie steht es in Frankfurt am Main um den Gesundheitsschutz mit Blick auf die Folgen des Klimawandels? Wie sehen stadtplanerische Anpassungsmaßnahmen und Hitzeaktionspläne für die Metropole aus und was kann jede und jeder Einzelne tun? Diese Fragen werden bei der Frankfurter Bürger-Uni diskutiert, die das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main am 23. Januar 2024 veranstaltet. 

Der Diskussionsabend mit Impulsen von ISOE-Forscherin Martina Winker und Gesundheitswissenschaftlerin Anette Christ findet im Auditorium des Frankfurter Gesundheitsamtes statt und wird von hr-iNFO-Moderator Stephan Hübner begleitet. Um Anmeldung wird gebeten.

Frankfurter Bürger-Universität
Gesundheitsfolgen des Klimawandels: Frankfurts Wege zur Klimaanpassung 

Datum und Uhrzeit: 23. Januar 2024, 18.00–20.00 Uhr

Ort: Gesundheitsamt, Breite Gasse 28 (Auditorium), 60311 Frankfurt am Main

Referentinnen: Dr. Martina Winker (ISOE), Dr. Anette Christ (Gesundheitsamt)

Ansprechpartnerin: Dr. Verena Rossow, verena.rossow(at)isoe.de  

Moderation: Stephan Hübner (hr-iNFO)

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main

Anmeldung: https://www.isoe.de/termin/gesundheitsfolgen-des-klimawandels-frankfurts-wege-zur-klimaanpassung/

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Dr. Verena Rossow
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news-792 Thu, 14 Dec 2023 15:18:40 +0100 Wassersicherheit in Hessen - ISOE ist Partner im Kompetenzzentrum Wasser Hessen  https://www.isoe.de/news/isoe-ist-partner-im-kompetenzzentrum-wasser-hessen/ Die Wasserwirtschaft in Hessen steht insbesondere durch den Klimawandel vor großen Herausforderungen. Um auch zukünftig die Wasserversorgung nachhaltig zu sichern, vernetzt das Land im Kompetenzzentrum Wasser Hessen (KWH) Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Umweltministerium, Landesämter und Regierungspräsidien. Auch das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung bringt als unabhängiges Institut der Nachhaltigkeitsforschung seine Expertise im Wassersektor ein. Die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat das an der Goethe-Universität Frankfurt ansässige Kompetenzzentrum am 11. Dezember 2023 eröffnet.  Ziel des neuen Kompetenzzentrums Wasser Hessen ist, Probleme in der Wasserversorgung systematisch zu lösen und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die wasserwirtschaftliche Praxis zu überführen. Dazu vernetzen sich regionale Akteure aus Wissenschaft und Bildung, Verwaltung, Politik und Wasserwirtschaft. Wie alle Bundesländer steht auch das Land Hessen mit Blick auf das Management seiner Wasserressourcen vor großen Herausforderungen, gleich mehrere tiefgreifende Veränderungen erhöhen den Druck auf den Wassersektor. Dazu gehören etwa die häufiger werdenden Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels. Anhaltende Dürren schädigen Ökosysteme und führen schon jetzt zu Wasserstress und zu Konkurrenzen um die Nutzung der Ressource – dabei werden allein die Wasserbedarfe der Landwirtschaft künftig noch weiter steigen. Die zunehmenden Hitzeperioden sind auch eine Herausforderung für Wasserbetriebe, die in Zeiten von Spitzenbedarfen an ihre Versorgungsgrenzen kommen. 

Die Veränderungen zeigen sich auch an den mitunter folgenschweren Starkregenereignissen, die Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen nach sich ziehen. Zudem setzen der demografische Wandel und sich verändernde Nutzungspraktiken der Wasserwirtschaft zu: Die wachsenden Bevölkerungszahlen in den Ballungsräumen führen zu einem steigenden Wasserbedarf in den kommenden Jahren. Die Abnahme der Bevölkerung in Teilen des ländlichen Raums dagegen haben steigende Kosten für die Bereitstellung einer ausreichenden Wasser- und Abwasserinfrastruktur zur Folge. Wasserver- und -entsorger haben darüber hinaus mit anthropogenen – also von Menschen gemachten – Einträgen von Spurenstoffen im Wasserkreislauf zu kämpfen. Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln und anderen Chemikalien können schon in geringen Konzentrationen Folgen für die Umwelt und die Gesundheit haben.

Forschung und Beratung des ISOE: Weitreichende Expertise im Fachgebiet Wasser

Angesichts dieser Herausforderungen und damit verbundener Zielkonflikte zwischen Schutz und Nutzung der Ressource Wasser sind innovative und nachhaltige Umsetzungslösungen für die vielen beteiligten Akteure zu suchen und zu finden. Hessen geht diese Herausforderungen durch eine Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit von Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Praxis und Bildung an: Am Montag, den 11. Dezember 2023 eröffnete Umweltministerin Priska Hinz das Hessische Kompetenzzentrum Wasser (KWH), in dem das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV), das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), die Regierungspräsidien, alle hessischen Universitäten, viele hessische Hochschulen sowie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ihre jeweilige Expertise einbringen und kooperieren werden. 

Das ISOE in Frankfurt am Main kann aufgrund einer Vielzahl an Forschungs- und Beratungsprojekten seit seiner Gründung im Jahr 1989 auf eine weitreichende Expertise zu Fragen des Wasserressourcenmanagements, Wasserinfrastrukturen, wasserbezogenen Risiken und Wasserbedarfsprognosen zurückgreifen. Gemeinsam mit 16 weiteren Akteuren des Kompetenzzentrums unterstützt das ISOE von nun an das Land Hessen darin, den Klimaplan und den Zukunftsplan Wasser umzusetzen, die notwendigen Anpassungen an den Klimawandel zu begleiten und dabei neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Lösungen zu berücksichtigen. Eine solche Bündelung der hessischen Wasserkompetenz eröffnet neue Perspektiven für die Durchführung von angewandten Forschungsprojekten zu in Hessen relevanten Themen für ein nachhaltiges Management der Ressource Wasser, einschließlich der Vermittlung von entsprechenden Kompetenzen, sowie für die Politikberatung. 

Über das Kompetenzzentrum Wasser Hessen (KWH)

Als hessisches Kompetenzzentrum Wasser ist das KWH ein Bindeglied zwischen Akteuren im Wasserbereich aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Bildung und wasserwirtschaftlicher Praxis. Das KWH wird auch mit assoziierten Partnern kooperieren. Dies können nichtbehördliche Organisationen, Vereine oder im Wassersektor tätige Unternehmen sein. Ein Kooperationsvertrag regelt die künftige Zusammenarbeit der institutionellen Partner:

  • Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
  • Regierungspräsidien Darmstadt, Gießen und Kassel
  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Philipps-Universität Marburg
  • Technische Universität Darmstadt
  • Universität Kassel
  • Hochschule Darmstadt
  • Hochschule Fresenius
  • Hochschule Geisenheim University
  • Hochschule RheinMain
  • Technische Hochschule Mittelhessen
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
  • ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung 


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news-781 Thu, 14 Dec 2023 15:04:00 +0100 „Insectopolis“ - ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung vergibt Kunststipendium zum Thema Insektenvielfalt in der Stadt https://www.isoe.de/news/isoe-institut-fuer-sozial-oekologische-forschung-vergibt-kunststipendium-zum-thema-insektenvielfalt/ Um den Trend des weltweiten Insektenschwunds aufzuhalten, müssen Insekten Lebensräume zurückgewinnen, in Agrarlandschaften wie in Städten. Voraussetzung dafür ist, dass Menschen wertschätzend auf Insekten und ihre Ökosystemleistungen blicken und die Bereitschaft aufbringen, zum Insektenschutz beizutragen. Hierfür werden im Forschungsprojekt SLInBio unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Erlebnisräume entwickelt, in denen Bürger*innen die Vielfalt der Insekten auf positive Weise erleben können – etwa durch künstlerische Arbeiten zum Wert der Insektenvielfalt im öffentlichen Raum. Für eine solche Arbeit vergibt das ISOE im Zuge des Projekts nun ein Stipendium. Nicht nur Wissenschaft und Forschung können Ergebnisse hervorbringen, die den Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen verändern helfen. Auch Kunst kann dazu anregen, Fragen zu komplexen Themen auf einer persönlichen wie auch gesellschaftlichen Ebene so zu reflektieren, dass transformative Kräfte entstehen – eine Grundvoraussetzung für Veränderungen. „In der Verbindung von Kunst und Wissenschaft liegt deshalb ein großes Potenzial für sozial-ökologische Transformationen“, sagt ISOE-Biodiversitätsforscher Florian Dirk Schneider. 

Dieses Potenzial macht sich das transdisziplinäre Forschungsprojekt SLInBio unter der Leitung des ISOE zunutze, das sich dem Erhalt von Insektenvielfalt in der Stadt widmet: „Im Zusammenspiel von wissenschaftlichen Erkenntnissen und künstlerisch-ästhetischen Perspektiven können nicht nur neue Erlebnis- und Denkräume entstehen“, erklärt Schneider, „die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Disziplinen kann auch neues Wissen und dringend notwendige neue Narrative hervorbringen, mit denen sich Menschen für den Schutz der Insektenvielfalt gewinnen lassen.“ 

Wissen um notwendige Koexistenz von Insekten und Menschen fördern

Um diese Kommunikation zu unterstützen, schreibt das ISOE-Forschungsteam von SLInBio das Projektstipendium „Insectopolis“ aus, das sich an im Rhein-Main-Gebiet ansässige Künstler*innen wendet. Es ist eingebettet in ein transdisziplinäres Begleitprogramm und hat zum Ziel, den ko-produktiven Prozess zwischen Kunst und Wissenschaft zu fördern. Gesucht wird eine künstlerische Arbeit für den öffentlichen Raum im Stadtgebiet von Frankfurt am Main, die sich dem Thema Insektenbiodiversität widmet und den städtischen Diskurs zu diesem Thema anregt.

„Wir sind gespannt auf Bewerbungen und Projektvorschläge, die das Potenzial haben, die bestehenden Beziehungen zwischen Menschen und Insekten zu reflektieren“, sagt Nina Queissner, die das Projekt „Insectopolis“ als künstlerische Kuratorin begleitet. „Im Kern geht es darum, Betrachter*innen des Werks über eine ästhetische Erfahrung dafür zu sensibilisieren, dass die Koexistenz von Menschen und Insekten eine zwingende Voraussetzung zum Leben und Überleben im Anthropozän bedeutet.“ 

Bewerbungsschluss für „Insectopolis“ am 31. Januar 2024

Die Bewerbungsskizzen, die bis 31. Januar 2024 eingereicht werden können, sollen entsprechend Bezug nehmen auf die vielfältigen Beziehungen zwischen Menschen und Insekten sowie deren ineinander verschränkten Lebensräume und Lebensbedingen in der Stadt. „Insectopolis“ wird zwischen April und Juli 2024 in enger Kooperation mit ISOE-Forschenden und den Partnerorganisationen wie dem Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main oder dem Senckenberg Naturmuseum realisiert. 

Der ausgewählte Projektvorschlag wird durch ein Honorar für die Konzeptualisierung und Recherche in Kooperation mit den Forschenden sowie die Umsetzung inklusive Ausstellungsrecht mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 5000 € vergütet. Zusätzlich wird für die Realisierung der Projektarbeit im öffentlichen Raum ein Sachkostenbudget in Höhe von 4500 € zur Verfügung gestellt. Detailliertere Informationen zu Teilnahmebedingungen und Bewerbungsprozess unter www.isoe.de/insectopolis

Über das Projekt

Forschungsprojekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität“ untersuchen Frankfurter Forschungsinstitute gemeinsam mit Partnern aus der Praxis unter der Leitung des ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung die Zusammenhänge zwischen städtischen Lebensstilen und Insektenvielfalt und bieten Bürger*innen vielfältige Möglichkeiten, die Insektendiversität zu erleben und sich an ihrer Erforschung zu beteiligen. SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „BiodiWert – Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ als Teil der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert. Mehr zum Projekt: www.insektenvielfalt-frankfurt.org      

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news-788 Thu, 14 Dec 2023 12:57:50 +0100 Biodiversitätsforschung - Bedrohte Insektenvielfalt in Naturschutzgebieten – Empfehlungen aus dem Forschungsprojekt DINA https://www.isoe.de/news/bedrohte-insektenvielfalt-in-naturschutzgebieten-empfehlungen-aus-dem-forschungsprojekt-dina/ Der Rückgang des Insektenaufkommens ist seit Jahrzehnten dokumentiert. Auch in deutschen Naturschutzgebieten geht die Zahl der Insekten insgesamt zurück, zudem ist die Artenvielfalt rückläufig. Das Forschungsteam im Projekt „DINA“ hat untersucht, woran das liegt und wie Lösungen zum Schutz der Insekten aussehen könnten. In einer aktuellen Publikation in der Zeitschrift „Environmental Sciences Europe“ stellt das Autorenteam, zu dem auch Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gehören, Empfehlungen für einen wirksamen Insektenschutz vor. Entscheidend ist der lokale Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Um den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen und das Insektensterben aufzuhalten, sind auch in Naturschutzgebieten große Anstrengungen nötig. Denn auch in den Schutzzonen ist die Insektenbiomasse seit den 1990er-Jahren besorgniserregend stark gesunken. Wie ließe sich der Trend umkehren? Dieser Frage ist ein transdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung des NABU – Naturschutzbund im Forschungsprojekt „DINA – Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen“ nachgegangen. Dafür wurde an 21 repräsentativen Beobachtungsstandorten eine bisher einzigartige Erhebung von Daten zur Biodiversität und möglichen Schadursachen durchgeführt. Neben der Erfassung von Pflanzenvielfalt und Insektendiversität durch neuartige DNA-Analysen wurden auch Daten zu Landnutzung und Pestizidbelastung von Böden und Insekten erhoben. 

Die Daten zeigten, dass landwirtschaftliche Aktivität im Umfeld von Naturschutzgebieten die Insektenvielfalt in Schutzgebieten negativ beeinflusst: Gibt es im Umfeld der Schutzgebiete einen hohen Anteil an Ackerflächen, ist eine niedrige Insektenvielfalt nachweisbar. Auch die Anzahl von Pflanzenschutzmitteln, mit denen Insekten in Kontakt kommen, ist demnach abhängig vom Agrarflächenanteil. Die naturwissenschaftliche Analyse der Daten hat zudem gezeigt, dass die negativen Einflüsse durch landwirtschaftliche Flächen im Umfeld eines Beobachtungsstandorts selbst in großen Naturschutzflächen nicht kompensiert werden können.

Schlüsselfaktor für eine Trendumkehr beim Insektensterben: Lokale Dialoge

Im jüngst erschienenen Artikel „Recommendations for effective insect conservation in nature protected areas based on a transdisciplinary project in Germany“ beschreiben Sebastian Köthe und weitere Autor*innen zum einen, wie sich negative Auswirkungen von Düngemitteln und synthetischen Pestiziden durch eine umweltverträglichere Landnutzung im Umfeld der Schutzgebiete vermeiden lassen und die Insektendiversität geschützt werden könnte. Zugleich plädieren sie für kooperative Lösungen unter Einbeziehung aller betroffenen Akteure, um mögliche Ertragsverluste der Landwirtschaft zu kompensieren und zu vermitteln. Neben Maßnahmenvorschlägen zur verbesserten Wirksamkeit von Schutzgebieten betonen die Wissenschaftler*innen, wie wichtig es ist, dass alle beteiligten Akteure miteinander ins Gespräch über Insektenschutz und mögliche Zielkonflikte kommen. 

In der Kommunikation zwischen Verantwortlichen der Landwirtschaft und des Naturschutzes und deren gemeinsamem Engagement für den Insektenschutz sehen die Autor*innen sogar einen Schlüsselfaktor zur Trendumkehr. Um dem Insektensterben in Naturschutzgebieten zu begegnen, werden deshalb aus Sicht der DINA-Forscher*innen geeignete Beratungs- und Finanzierungsmöglichkeiten benötigt, um lokale Dialogprozesse zur Entwicklung einvernehmlicher Lösungen durchzuführen. Die Einbindung von Interessengruppen auf lokaler Ebene könne das Naturschutzmanagement erheblich fördern. Dazu gehörten auch Umweltbildungsmaßnahmen und agrarökologische Schulungen für Praktiker*innen, um das Wissen der Interessengruppen und der lokalen Bevölkerung über wirksamen Insektenschutz zu verbessern. „Um eine breite gesellschaftliche Unterstützung zu ermöglichen, sollten die biologische Vielfalt und ihr Schutz als Bestandteil der Bildung für nachhaltige Entwicklung etabliert werden“, schlussfolgern die Autor*innen. 

Über die Studie 

Die Studie „Recommendations for effective insect conservation in nature protected areas based on a transdisciplinary project in Germany” ist in der Open-Access-Zeitschrift Environmental Sciences Europe volume 35, Article number: 102 (2023) erschienen und im Zuge des Forschungsprojektes „DINA – Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen“ entstanden. In dem transdisziplinären Forschungsprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde, arbeiteten von 2019 bis 2023 neun Partnerinstitute unter der Leitung des NABU zur Insektenvielfalt in Naturschutzgebieten. An repräsentativen Standorten wurden Fluginsekten mittels Malaisefallen durch den Entomologischen Verein Krefeld und Ehrenamtliche des NABU erfasst und dokumentiert. Die Auswertung mit modernen molekularen Methoden der Artbestimmung über DNA-Analysen (Metabarcoding) erfolgte durch das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Bonn, Vegetationsanalysen durch die Universität Kassel und die Spurenstoffanalytik durch die Universität Koblenz-Landau. Das IÖR (Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung) analysierte Geodaten rund um die Untersuchungsstandorte. Die sozialwissenschaftlichen Analysen wurden vom IZNE der Hochschule Bonn Rhein-Sieg vorgenommen. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung führte Dialogworkshops in drei Naturschutzgebieten in Deutschland durch.

Weitere Informationen unter www.dina-insektenforschung.de 

Recommendations for effective insect conservation in nature protected areas based on a transdisciplinary project in Germany. Sebastian Köthe, Nikita Bakanov, Carsten A. Brühl, Lisa Eichler, Thomas Fickel, Birgit Gemeinholzer, Thomas Hörren, Aleksandra Jurewicz, Alexandra Lux, Gotthard Meinel, Roland Mühlethaler, Livia Schäffler, Christoph Scherber, Florian D. Schneider, Martin Sorg, Stephanie J. Swenson, Wiltrud Terlau, Angela Turck & Gerlind U. C. Lehmann (2023). Environmental Sciences Europe volume 35 (102). https://doi.org/10.1186/s12302-023-00813-5  

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Florian Dirk Schneider
Biodiversitätsforscher ISOE
Tel. +49 (0)69 707 6919-71

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Dr. Sebastian Köthe
Data Scientist NABU
Tel.: +49 (0)172 160 7894

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Melanie Neugart
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news-777 Wed, 06 Dec 2023 12:09:32 +0100 Transdisziplinäre Forschung - Mehrwert für die Wissenschaft https://www.isoe.de/news/mehrwert-fuer-die-wissenschaft/ Transdisziplinäre Forschung will einen Beitrag zum Verständnis und zur Förderung gesellschaftlicher Veränderungen leisten. Diese gesellschaftlichen Wirkungen machen die Popularität des Forschungsmodus aus, der unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und auch nichtwissenschaftliche Akteure einbezieht. Wie aber wirkt der transdisziplinäre Forschungsmodus eigentlich auf die Wissenschaft? Lena Theiler und Oskar Marg vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung sind der Frage nach dem Mehrwert transdisziplinärer Forschung für die Wissenschaft nachgegangen. Ihre Beobachtungen haben sie in einem peer-reviewten Artikel in der Zeitschrift „Research Evaluation“ publiziert.  Für ihren Artikel „Effects of transdisciplinary research on scientific knowledge and reflexivity” haben die beiden ISOE-Forschenden Lena Theiler und Oskar Marg Wissenschaftler*innen aus drei Disziplinen interviewt, die sowohl über Erfahrungen in der disziplinären als auch in der transdisziplinären Forschung verfügen. Von den Wissenschaftler*innen aus den Disziplinen Umweltsoziologie, nachhaltige Chemie und partizipative Gesundheitsforschung wollten Theiler und Marg wissen: Welche wissenschaftlichen Effekte hat der transdisziplinäre (TD) Forschungsmodus? Kommt er der Wissenschaft zugute? Und wenn ja, in welcher Weise? Mit dieser Fragestellung wird eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur adressiert, die sich bislang fast ausschließlich auf die gesellschaftlichen Wirkungen transdisziplinärer Forschung konzentriert. 

Gesellschaftliche Wirkungen sind in der TD-Forschung naheliegend und intendiert, denn sie untersucht komplexe, realweltliche Fragestellungen. Angestrebt wird praxisnahes, anwendbares Wissen, das Gesellschaften benötigen, um Prozesse oder Situationen nachhaltiger zu gestalten. Dafür werden das Wissen und die Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen und auch gesellschaftlicher Akteure hinzugezogen und systematisch in den Forschungsprozess integriert. Zu den gesellschaftlichen Wirkungen zählen Veränderungen von Kommunikationsprozessen oder Infrastrukturen, die zum Beispiel in Reallaboren angestoßen werden können. 

Forschungsmodus mit gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Wirkungen 

Aber wie steht es um die wissenschaftlichen Wirkungen der TD-Forschung? Auf der Grundlage der qualitativen Interviews kamen Theiler und Marg zu dem Ergebnis, dass transdisziplinäre Forschung auch das Potenzial für Veränderungen in der Wissenschaft hat. Wirkungen zeigen sich in drei Bereichen: In ihrer Studie konnten die beiden Wissenschaftler*innen positive Veränderungen im Verständnis wissenschaftlicher Probleme ermitteln, ebenso Verbesserungen in der Qualität wissenschaftlicher Erkenntnisse und darüber hinaus eine erhöhte Reflexivität bei den Befragten gegenüber ihrer wissenschaftlichen Arbeit. 

Das Zusammenspiel von gesellschaftlich-politischen und wissenschaftlich-analytischen Forschungs- bzw. Entscheidungsprozessen, wie es für den transdisziplinären Forschungsmodus typisch ist, kann demnach nicht nur anwendbares Wissen für die Praxis hervorbringen, sondern auch neuartige Erkenntnisse für die Wissenschaft. Dass TD-Forschung gleichzeitig den Blick und das Denken der Forschenden in Bezug auf ihre eigene Disziplin und auf das gesamte wissenschaftliche System schärfen kann, ist für Theiler und Marg ein wissenschaftlicher Mehrwert, der die Attraktivität dieses Forschungsmodus für die Wissenschaft unterstreicht. 

Publikation

Marg, Oskar/Lena Theiler (2023): Effects of transdisciplinary research on scientific knowledge and reflexivity. Research Evaluation, rvad033 
https://academic.oup.com/rev/advance-article/doi/10.1093/reseval/rvad033/7335870 

Wissenschaftliche Ansprechpartner*innen:

Lena Theiler 
Tel. +49 69 707 6919-56
 

Dr. Oskar Marg 
Tel. +49 69 707 6919-26
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de 
www.isoe.de  
 

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news-775 Tue, 28 Nov 2023 18:08:00 +0100 Nachhaltige Mobilität - Pendelmobilität nachhaltiger gestalten: Empfehlungen aus dem Forschungsprojekt „PendelLabor“ https://www.isoe.de/news/pendelmobilitaet-nachhaltiger-gestalten-empfehlungen-aus-dem-forschungsprojekt-pendellabor/ Der Pendelverkehr in Deutschland steigt und die Pendelwege werden länger. Das führt nicht nur zu Umweltbelastungen. Die gegenwärtigen Pendelaktivitäten wirken sich auch negativ auf den Alltag der Betroffenen aus. Wie lässt sich der Weg zur Arbeit ökologisch und sozial verträglicher gestalten? Das hat das Forschungsteam von „PendelLabor“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung unter anderem mit einem Realexperiment untersucht. Eine Broschüre mit umfangreichen Empfehlungen für Kommunen, Mobilitätsdienstleiter, Arbeitgeber und Pendler*innen fasst zentrale Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts zusammen. Beispiel Region Frankfurt Rhein-Main: Allein hier pendeln an die zwei Millionen Menschen innerhalb und über Gemeindegrenzen – überwiegend mit dem Auto. Das hat Folgen für die Umwelt und Konsequenzen für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen – derer, die pendeln ebenso wie der Bewohner*innen in den Ein- und Auspendler-Städten. Im BMBF-Forschungsprojekt „PendelLabor“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung haben Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Praxisakteuren nach verträglicheren Alternativen zu gängigen Pendelroutinen gesucht und dabei eine neue Perspektive auf das Pendeln entwickelt. „Wir wollten wissen, zu welchen Ergebnissen wir kommen, wenn wir den Blickwinkel auf die Pendelmobilität erweitern“, sagt Projektleiter Luca Nitschke. „Deshalb haben wir nicht nur die individuellen Arbeitswege und Entscheidungen der Pendler*innen näher untersucht, sondern auch gefragt, welche Gestaltungsspielräume es für nachhaltigere Alltagspraktiken gibt. Und zwar nicht nur bei den Pendelnden selbst, sondern auch bei Kommunen, Mobilitätsdienstleistern und Arbeitgebern.“

„Wer Pendeln nachhaltig verändern will, muss den restlichen Alltag mitdenken“

Die Forschungsergebnisse, die unter anderem auf einem Realexperiment in der Region Rhein-Main basieren, zeigen: „Nachhaltiges Pendeln ist keine Angelegenheit, die Pendler*innen individuell lösen können, denn die Entscheidungen darüber, ob man zum Beispiel mit dem Auto oder dem ÖPNV pendelt, hängt mit vielen Aspekten zusammen, die von den Pendelnden selbst oft nicht beeinflussbar sind,“ sagt ISOE-Mobilitätsexperte Nitschke. Das Forschungsprojekt PendelLabor habe durch Fallbeispiele und Interviews sehr deutlich gezeigt, dass Pendeln immer Teil eines komplexen Alltags ist und dass externe Rahmenbedingungen so gestaltet werden müssen, dass sich Pendelwege besser in den Tagesablauf integrieren lassen. Das beginne schon bei der Ausweisung neuer Siedlungsflächen, so Frank Othengrafen, Projektpartner an der TU Dortmund: „Für die nachhaltige Gestaltung von Pendelmobilität muss die Siedlungs- und Raumplanung kurze Wege zwischen Wohn- und Arbeitsort sowie Betreuungseinrichtungen für Kinder und Versorgungs- beziehungsweise Freizeiteinrichtungen ermöglichen. Wer Pendeln nachhaltig verändern will, muss den restlichen Alltag mitdenken und Prozesse verändern.“

Kernbotschaften für lokale und regionale Akteure

Die Kernbotschaften, die das Forschungsteam herausgearbeitet und in der Broschüre „Pendelmobilität nachhaltiger Gestalten. Empfehlungen für lokale und regionale Akteure“ zusammengefasst hat, zielen vor allem darauf ab, den Akteuren ein Bündel sinnvoller Maßnahmen an die Hand zu geben, die sich unmittelbar umsetzen lassen. „Tatsächlich zeigt das Projekt deutlich, dass es auch jenseits des oft langwierigen Ausbaus von Wegen, Straßen und Schienen viele Möglichkeiten gibt, um bei der Pendelmobilität so schnell wie möglich umzusteuern und damit die Mobilitätswende zu befördern“, sagt Projektleiter Nitschke. Neben Infrastrukturen seien auch Fähigkeiten zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel wichtig, ebenso die Berücksichtigung emotionaler Aspekte: Pendler*innen, die vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen, sei zum Beispiel mit Arbeits- und Ruhebereichen in den Fahrzeugen geholfen, mit verlässlichem WLAN und mit mehr sicheren Fahrradstellplätzen. Für ein besseres Pendelangebot erwiesen sich zudem gut organisierte Mobilitätsstationen mit multioptionalen Verkehrsangeboten als sinnvoll. Auch sei ein optimiertes betriebliches Mobilitätsmanagement hilfreich, wie etwa das Programm „Besser zur Arbeit“ (www.besserzurarbeit.de), das Arbeitgeber der Region Frankfurt Rhein-Main unterstützt. Darüber hinaus sei auch die Schaffung flexibler Arbeitsorte und -zeiten eine Option, um Berufspendler*innen den Alltag zu erleichtern. „Entscheidend für die Wirksamkeit der Maßnahmenbündel ist, die Maßnahmen so zu kombinieren, dass alle Aspekte des Pendelns adressiert werden und damit passgenaue Lösungen für Pendler*innen entstehen“, sagt André Bruns, Projektpartner an der Hochschule RheinMain. „Voraussetzung hierfür ist, dass die unterschiedlichen Akteure, von den Kommunen über Verkehrs- und Mobilitätsdienstleister bis hin zu Wirtschaftsförderern und Arbeitgebern offen sind für Kooperation und wissen, wie sie Verantwortung für nachhaltige Lösungsansätze übernehmen können.“

Gelegenheiten schaffen: Experimentierräume ermöglichen den Einstieg in den Umstieg

Zu den Kernbotschaften der Projektbroschüre gehören Vorschläge, wie lokale und regionale Akteure gut miteinander kooperieren, Maßnahmen entwickeln und Synergien nutzen können. Die Broschüre zeigt, wie Kommunen und Arbeitgeber Experimentierräume für Pendelalternativen schaffen und damit den Einstieg in nachhaltige Pendelpraktiken erleichtern können. Im Forschungsprojekt wurde in Kooperation mit dem Kreis Groß-Gerau und dem Hochtaunuskreis mit einem Reallabor ein niederschwelliger Zugang ermöglicht, um unverbindlich neue Pendelpraktiken auszuprobieren und neue Pendelroutinen entwickeln zu können. Im „PendelLabor“ haben 40 Personen in einem Zeitraum von acht Monaten versucht, ihre Pendelpraxis umzustellen. Drei von vier Teilnehmenden sind langfristig umgestiegen, zum Beispiel vom Auto mit Verbrennungsmotor auf ein E-Auto, auf ein E-Bike oder auf den öffentlichen Personennachverkehr.

Rolle von Kommunen und öffentlichen Akteuren für eine nachhaltige Pendelmobilität

„Das Reallabor im Forschungsprojekt hat uns die Möglichkeit eröffnet, Pendler*innen bei dem Durchbrechen ihrer Pendelroutinen zu unterstützen und ihnen nachhaltigere Alternativen für den individuellen Arbeitsweg aufzuzeigen“, resümiert Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises. „Der niedrigschwellige und unverbindliche Zugang zu Pendelalternativen wurde von den Teilnehmenden sehr gut angenommen. Gleichzeitig wurden konkret vor Ort Hürden und Hemmnisse sichtbar, die im Dialog aber gut überwunden werden konnten“, sagt Thomas Will, Landrat des Kreises Groß-Gerau. Beide danken dem gesamten Projektteam für die gute Zusammenarbeit und die Möglichkeit, nachhaltige Pendelmobilität konkret und in den Landkreisen vor Ort zu entwickeln.

Um Pendelmobilität langfristig neu zu denken, empfiehlt die Broschüre Städten, Gemeinden und Kreisen Planspiele oder Co-Design-Prozesse durchzuführen, mit denen die Komplexität notwendiger Maßnahmen ebenso sichtbar wird wie die Bedürfnisse und Verantwortungen der verschiedenen Akteure. „Von den Kommunen kann die Entwicklung einer nachhaltigen Pendelmobilität in die Breite ausgehen, wenn sie geeignete Planungsinstrumente und passende lokale und regionale Kooperationspartner identifizieren“, ist sich Projektleiter Nitschke sicher. Dafür sei ein organisatorischer und prozessualer Rahmen zum Testen von neuen Pendelpraktiken nötig, der mit den Partnern in der Region verstetigt werden kann. Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der regionalen Gesellschaft für integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (ivm) ergänzt: „Als regionale Koordinierungsstelle für das betriebliche und kommunale Mobilitätsmanagement haben wir das Forschungsprojekt mit Gewinn begleitet. Wir werden die erfolgreich erprobten Ansätze deshalb nun in ein regionales und dauerhaftes Angebot überführen.“

Über das Forschungsprojekt

Das Projekt „PendelLabor – Wege zu einer nachhaltigen Stadt-Umland-Mobilität am Beispiel der Region Frankfurt Rhein-Main“ wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung im Förderbereich MobilitätsZukunftsLabor 2050 gefördert. Forschungs- und Praxispartner waren das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Verbundleitung), die TU Dortmund (Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung), die ivm GmbH – Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain, die Hochschule Rhein-Main (Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen) sowie die Stadt Frankfurt am Main, der Regionalverband FrankfurtRheinMain, der Kreis Groß-Gerau und der Hochtaunuskreis.

Ergebnisbroschüre

Pendelmobilität nachhaltiger gestalten - Empfehlungen für lokale und regionale Akteure. Nitschke, Luca/Vivien Albers/André Bruns/Jost Buscher/Jutta Deffner/Heike Mühlhans/Paula Quentin/Svenja Weber (2023): Frankfurt am Main: ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Auswahl weiterer Forschungsergebnisse:

Pendeln in der Region Frankfurt Rhein-Main – Ergebnisse einer repräsentativen Befragung zum Pendeln. Nitschke, Luca/Georg Sunderer/Melina Stein/Nico Tiemeyer (2023): ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Frankfurt am Main. https://doi.org/10.5281/zenodo.10017341 (in Kürze verfügbar)

„Das ist für mich so Pendelfreizeit". Ergebnisse einer qualitativ-sozialwissenschaftlichen Befragung zu Pendelpraktiken. Stein, Melina/Luca Nitschke/Laura Trost/Jutta Deffner (2023). ISOE-Materialien Soziale Ökologie, 69. Frankfurt am Main

Pendeln verstehen: Status quo, Forschungsstand und Perspektiven. Nitschke, Luca/Paula Quentin/Fabian Kanisius/Kai Schluckebier/Nora Sofie Burlon/Jost Buscher/Jutta Deffner/André Bruns/Melina Stein/Heike Mühlhans/Frank Othengrafen/Jan-Marc Joost (2022): ISOE-Materialien Soziale Ökologie, 67. Frankfurt am Main: ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

„Das Experiment hat uns überrascht“ – wie nachhaltiges Pendeln durch einen Reallabor-Versuch gelingen kann. Interview mit „PendelLabor“-Projektleiter Dr. Luca Nitschke auf dem ISOE-Blog (2023).

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Grafik Zwischenstopps auf dem Pendelweg (Quelle: ISOE)

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Luca Nitschke
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Melanie Neugart
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Pressemitteilung
news-773 Wed, 22 Nov 2023 12:21:00 +0100 Mobilitätsstudie für die Region Rhein-Main-Neckar - Bausteine für eine multimodale und klimaschonende Mobilität https://www.isoe.de/news/bausteine-fuer-eine-multimodale-und-klimaschonende-mobilitaet/ Die Region Rhein-Main-Neckar hat großes Potenzial, die Herausforderungen der dringend notwendigen Verkehrswende durch die Unterstützung zahlreicher regionaler Akteure zu meistern. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag des ENTEGA NATURpur Instituts vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt am Main durchgeführt wurde. Der Verkehrssektor trägt etwa 25 Prozent zu den Treibhausgasemissionen Deutschlands bei, notwendige Minderungen sind bislang kaum erfolgt. Zur Erreichung der Klimaziele ist deshalb in den nächsten Jahren ein breites Engagement von Akteuren auf allen Ebenen notwendig, um grundlegende Änderungen umzusetzen – von der Antriebswende über multimodale Mobilitätsangebote bis hin zu Veränderungen im Mobilitätsverhalten. Der regulative und fiskalische Rahmen dafür wird zwar auf der EU-, Bundes- oder Landesebene bestimmt, doch auch auf regionaler Ebene gibt es zahlreiche Einflussmöglichkeiten, die für ein Gelingen der Verkehrswende, also der Kombination aus Mobilitätswende und Antriebswende, zentral sind.

In der jüngst veröffentlichten Mobilitätsstudie haben das ifeu und das ISOE untersucht, welchen Beitrag Akteure in der Region Rhein-Main-Neckar für eine erfolgreiche Verkehrswende leisten können. Hierfür ermittelte das Forschungsteam sowohl Rahmenbedingungen als auch Handlungsansätze und konkrete Beispiele für lokale Akteure. Für die Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Mobilität und den Verkehr vor Ort sowie der vorhandenen Barrieren und Potenziale für eine erfolgreiche Mobilitätswende wurden leitende Personen von 42 Institutionen und Unternehmen der Region aus Kommunalpolitik, kommunaler Verwaltung, Privatwirtschaft, Forschung und Entwicklung sowie Zivilgesellschaft befragt. Zudem wurde eine für die Region repräsentative Bevölkerungsbefragung mit über 1.000 Personen durchgeführt.

Empfehlung für Akteure: Kombinierte Mobilitätsangebote ausbauen

„Die Gespräche mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zeigten, dass Elektromobilität als ein wichtiges Element für eine klimaschonende Fortbewegung gesehen wird und hier auch schon viele Aktivitäten in der Region stattfinden“, sagt Studienleiter Udo Lambrecht vom ifeu-Institut. „Doch sind weitere Bausteine für eine Verkehrswende unbedingt zu berücksichtigen und miteinander als optional nutzbares Angebot zu verknüpfen, um die verschiedenen Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung bestmöglich mit unterschiedlichen umweltweltfreundlichen Verkehrsmitteln abzudecken. Neben dem städtischen Bereich muss hier insbesondere der ländliche Bereich stärker in den Fokus genommen werden. So kann eine Verkehrswende gelingen.“

Aus Sicht des Forschungsteams ist für den Umstieg auf miteinander vernetzte Verkehrsmittel zudem noch Überzeugungsarbeit zu leisten. „Die Bevölkerungsbefragung zeigt eine weiterhin starke Orientierung am Auto, wobei sich die meisten Befragten noch nicht eingehend mit dem Thema Elektromobilität auseinandergesetzt haben“, berichtet ISOE-Mobilitätsexpertin Jutta Deffner. Nach wie vor sei das eigene Auto das Verkehrsmittel, das am häufigsten genutzt wird (53 Prozent), gefolgt vom Fahrrad mit 24 Prozent. Alternative Mobilitätsoptionen müssten deshalb für Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit stehen, und sie müssten Spaß machen, damit Menschen sie in ihren Alltag integrieren. „Alle Akteure in der Region Südhessen müssen gemeinsam viel stärker an kombinierten Mobilitätsangeboten arbeiten“, sagt Deffner, „denn die Befragung hat auch gezeigt, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung einen Verkehrsmittelmix, also eine multimodale Mobilität, attraktiv findet und diese gerne viel öfter praktizieren würde. Dafür müssen Gelegenheiten geschaffen werden, aus denen Routinen werden können.“

Studie zur Verkehrswende in der Region Rhein-Main-Neckar

Die Studie wurde im Auftrag des ENTEGA NATURpur Instituts vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main, durchgeführt. Für die Untersuchung wurde im Zeitraum von knapp zwei Jahren zunächst der Status quo der Verkehrswende in der Region um die Städte Darmstadt, Heppenheim und Höchst im Odenwald sowie Odenwaldkreis, große Teile der Landkreise Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und Offenbach sowie wenige Kommunen bzw. Teile von Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis im Neckartal erfasst. Dazu wertete das interdisziplinäre Forscherteam zwischen 2021 und 2022 statistische Daten, Medienberichte und Fachliteratur aus und führte Experteninterviews mit regionalen Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, kommunalen Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

In der Studie „Bausteine für eine multimodale und klimaschonende Mobilität – was Akteure in der Region Rhein-Main-Neckar tun können“ wurden die sechs Themenfelder E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Carsharing, Radmobilität, öffentlicher Personennahverkehr, Nutzfahrzeuge sowie Governance/Regionalpolitik untersucht. Auf Basis der Stakeholder-Interviews und der Bevölkerungsbefragung erarbeitete das Forschungsteam strategische Handlungsempfehlungen für die regionalen Akteure. Diese umfassen sechs aufeinander aufbauende und ineinandergreifende, für die regionale Verkehrswende zentrale Themenfelder: Rahmenbedingungen, öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Multimodalität, Elektromobilität, Rad- und Fußverkehr sowie Kommunikation. Als Ergebnis der Studie wurden bedarfsorientierte Handlungsempfehlungen formuliert, die an die regionalen Gegebenheiten der urbanen, suburbanen und ländlichen Gebiete der Betrachtungsregion Rhein-Main-Neckar angepasst sind.

Zentrale Handlungsempfehlungen der Studie

Die Handlungsempfehlungen setzen – soweit wie möglich – auf bereits in der Region laufende Aktivitäten auf. Zentrale Ergebnisse sind:

  • Rahmenbedingungen für die Verkehrswende schaffen durch Ziele und konkrete Umsetzungspläne: Konkrete Ziele und Strategien sollten in Mobilitätsleitbildern und -plänen verankert werden. Zudem sollten zielgerichtete Push- und Pull-Faktoren (Anreize und Regulierungen) für die Verkehrswende eingesetzt werden. Für Fachthemen müssen angemessene personelle Kapazitäten vorhanden sein.
  • Durch zielgruppenorientierte Kommunikation und lokale Kooperationen Hürden abbauen: Herausfordernde Projekte können in regionalen Mobilitätskooperationen einfacher umgesetzt werden, außerdem kann die Beteiligung von Bürger*innen an Mobilitätsplanungen die Akzeptanz und Attraktivität entsprechender Maßnahmen erhöhen und zu neuen Ideen führen. Neue Mobilitätsangebote haben mit zielgruppenangepasster Öffentlichkeitsarbeit mehr Chancen darauf, erfolgreich zu sein. Für gemeinsame Projekte sind Kooperationen zwischen Kommunen essenziell.
  • Elektromobilität für Pkw und Lkw weiterentwickeln und ausbauen: Der Ausbau öffentlicher und privater Ladeinfrastruktur muss verstärkt werden. Für eine umfassende Durchdringung mit E-Carsharing müssen Geschäftsmodelle für eine einfache Nutzung verfügbar sein, zum Beispiel mit Stellflächen im Wohnquartier, der Einbindung in das Betriebliche Mobilitätsmanagement oder Ankernutzungskonzepten für gewerbliches E-Carsharing. Zudem kann die Elektrifizierung im urbanen und regionalen Güterverkehr zeitnah umgesetzt werden – und so der erste Schritt zur Antriebswende in der Logistik sein.
  • Mit attraktiven multimodalen Angeboten einen Umstieg auf den Umweltverbund, also den Fuß-, Rad- und öffentlichen Personen(nah)verkehr, ermöglichen: Die Verkehrswende erfordert die Kombination von umweltfreundlichen Fortbewegungsformen (z.B. Bus-, Bahn-, Fahrrad-, Fußverkehr und Carsharing) – auch in Randzeiten und dünner besiedelten Gebieten. Für die Nutzung multimodaler Mobilitätsangebote sollten bestehende digitale Dienstleistungen ausgebaut und kombiniert werden. Außerdem können durch Implementieren eines betrieblichen Mobilitätsmanagements bei Kommunen und Unternehmen Emissionen reduziert und Mobilitätsroutinen verändert werden.
  • Den öffentlichen Personennahverkehr als Grundpfeiler der Verkehrswende etablieren: Für eine bessere Erreichbarkeit, Verfügbarkeit und Taktung des ÖPNV ist ein Infrastruktur-Ausbau zwingend notwendig. Zudem erlaubt ein einheitliches Tarifsystem über Verbundgrenzen hinweg eine kundenfreundliche und einfachere Nutzung. Für spezifische Zielgruppen sowie Randzeiten und -bereiche sollten entsprechende Angebote eine flächendeckende Anbindung ermöglichen.
  • Durch gut ausgebaute Infrastruktur einen sicheren Rad- und Fußverkehr schaffen: Eine sozial gerechte Mobilität beruht auf einer sicheren und gut auf- und ausgebauten Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur. So müssen zur Nutzung von multimodalen Angeboten auch Verknüpfungspunkte auf- und ausgebaut werden. Die Verstetigung von Rad- und Fußmobilität beruht auf einer Vorrangberechtigung für diese Fortbewegungsarten.

Die gesamte Studie „Bausteine für eine multimodale und klimaschonende Mobilität – was Akteure in der Region Rhein-Main-Neckar tun können“ ist im Internet unter www.naturpur-institut.de zu finden.

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Udo Lambrecht
ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung
Tel. +49 6221 47 67 35
udo.lambrecht(at)ifeu.de
www.ifeu.de

Dr. Jutta Deffner
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 6919-38

www.isoe.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de
www.isoe.de

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Pressemitteilung
news-772 Mon, 13 Nov 2023 10:05:28 +0100 Stellungnahme des Wissenschaftlichen Klimabeirates - Hessischer Klimabeirat appelliert an Koalitionsparteien: Land Hessen muss beim Klimaschutz entschieden handeln https://www.isoe.de/news/hessischer-klimabeirat-appelliert-an-koalitionsparteien-land-hessen-muss-beim-klimaschutz-entschied/ Der Wissenschaftliche Klimabeirat des Landes Hessen ruft anlässlich der anstehenden Koalitionsverhandlungen die beteiligten Parteien zu konsequentem Klimaschutz auf. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme empfehlen die fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Klimasofortprogramm zur Reduktion der CO2-Emissionen auf Netto Null und beschreiben notwendige Schritte hin zur Klimaneutralität Hessens bis 2045. Dem unabhängigen Expertengremium gehört auch Flurina Schneider als stellvertretende Vorsitzende an. Sie ist die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Professorin für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der Goethe-Universität Frankfurt. „Angesichts der großen Risiken, die eine weitere Erwärmung des Klimas mit sich bringt, müssen wir auf dem eingeschlagenen Weg schneller und konsequenter vorankommen“, erklärt Prof. Dr. Sven Linow, Vorsitzender des Beirats. Da absehbar ist, dass die hessischen Klimaziele für das Jahr 2025 nicht erreicht werden, braucht das Land aus Sicht der Expertinnen und Experten eine solide Planungsgrundlage, die den Weg zur Klimaneutralität in 2045 aufzeigt. Aufgrund des hohen Zeitdrucks ist die Umsetzung geeigneter Maßnahmen parallel zur Erstellung der Planung unbedingt erforderlich. 

Auch wenn dem Bund eine maßgebliche Verantwortung für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zukommt, empfiehlt der Klimabeirat dringend die Umsetzung von insbesondere solchen Maßnahmen, die auf Landesebene vergleichsweise kurzfristig realisierbar sind. Damit dies gelingt, fordert der Beirat ein konsequentes Umdenken in Politik und Verwaltung: Ab sofort muss Klimaschutz bei allen Vorhaben angemessen berücksichtigt werden, nur so lassen sich die im Hessischen Klimagesetz verankerten Ziele realisieren.

CO2-Einsparungen: Bisherige Maßnahmen unzureichend

Insbesondere im Verkehrssektor ist der Handlungsdruck aufgrund überdurchschnittlicher CO2- Einsparnotwendigkeiten besonders hoch. Doch gerade hier erweisen sich die bisher ergriffenen Maßnahmen als völlig unzureichend. Für einen wirksamen Klimaschutz müssen darüber hinaus auch im Bausektor und bei der Strom- und Wärmeversorgung weitreichende Maßnahmen umgesetzt werden. Diese werden in der Stellungnahme beispielhaft benannt, wie die Vermeidung von Flächenversiegelung, der Einsatz ressourcenschonender, kreislauffähiger Baustoffe oder die Gebäudeausstattung mit Anlagen der erneuerbaren Energien. 

„Auf der Landesebene werden bereits viele Weichen gestellt, die Umsetzung von Maßnahmen erfolgt aber häufig in den Landkreisen, Städten und Gemeinden. Hier darf Klimaschutz keine Kür sein, sondern muss zur kommunalen Pflichtaufgabe werden“, sagt Linow und betont: „Die Kommunen müssen dabei mit aller Kraft unterstützt werden.“ 

Energiesuffizienz zentraler Baustein für wirksamen Klimaschutz

Der Klimabeirat geht davon aus, dass der Einsatz neuer Technologien zur Bereitstellung von Wasserstoff oder technische Senken zwar einen wichtigen Beitrag zur Emissionsminderung leisten kann. „Neue Technologien und effiziente Prozesse alleine genügen jedoch nicht, um die Klimaziele zu erreichen,“ sagt Prof. Dr. Flurina Schneider, stellvertretende Vorsitzende des Klimabeirats. „Zentraler Baustein eines wirksamen Klimaschutzes ist auch Energiesuffizienz.“ Das bedeutet, den Bedarf an Energie zu senken, sowohl durch Verhaltensänderungen auf individueller Ebene als auch durch strukturelle Maßnahmen oder Regularien, die eine Abkehr von energieintensiven Lebensweisen begünstigen. 

Der Klimabeirat betont hierbei die Bedeutung gesellschaftlicher Teilhabe. „Notwendig ist ein Verständnis und eine strategische Ausrichtung von Klimaschutzmaßnahmen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und eine soziale Spaltung vermeidet“, sagt Schneider. Damit Klimaschutz gelingen kann, müssen partizipative Prozesse gestärkt werden. Zudem muss explizit auf die unterschiedlichen sozioökonomischen Ausgangsbedingungen Rücksicht genommen werden.

Über den Wissenschaftlichen Klimabeirat

Der Wissenschaftliche Klimabeirat wurde im April 2023 von der hessischen Landesregierung berufen. Er ist ein unabhängiges Beratungsgremium für Klimaschutz und Klimaanpassung. Dem wissenschaftlichen Klimabeirat gehören folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an: Prof. Dr. Ulrike Jordan (Universität Kassel, Solar- und Anlagentechnik), Prof. Dr. Martin Lanzendorf (Goethe-Universität Frankfurt, Mobilitätsforschung), Prof. Dr. Sven Linow (Hochschule Darmstadt, Wärmelehre und Umwelttechnik), Prof. Dr.-Ing. Iris Steinberg (Hochschule Darmstadt, Umweltingenieurwesen), Prof. Dr. Flurina Schneider (ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Goethe-Universität Frankfurt, Soziale Ökologie und Transdisziplinarität).


Zur Stellungnahme des Wissenschaftlichen Klimabeirats 
  

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Flurina Schneider
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news-771 Fri, 03 Nov 2023 09:47:40 +0100 Kommunen im Klimawandel - Bundesweite Befragung zur Klimaanpassung in Deutschland erfolgreich abgeschlossen https://www.isoe.de/news/bundesweite-befragung-zur-klimaanpassung-in-deutschland-erfolgreich-abgeschlossen/ Städte und Gemeinden müssen klimafest werden, doch die Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen stellt Kommunen vor große Herausforderungen. Welche Maßnahmen werden bereits umgesetzt, wo kommen Kommunen an ihre Grenzen und wie können sie bestmöglich unterstützt werden? Das Forschungsteam von „KomKlAn“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat dazu im Auftrag des Umweltbundesamtes eine repräsentative Kommunalbefragung durchgeführt, an der sich mehr als 1000 Kommunen beteiligt haben. Mit dem hohen Rücklauf an der „Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023“ liegt der umfassendste Datensatz zum Stand und Fortschritt der Klimaanpassungsmaßnahmen in deutschen Kommunen vor – eine notwendige empirische Grundlage, um Kommunen künftig noch besser unterstützen zu können.  Deutschland muss sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen wie Hitze, Dürre und Starkregen nimmt durch den Klimawandel zu und gefährdet damit die Bevölkerung und die öffentlichen Infrastrukturen. Dies erfordert von Städten, Gemeinden und Landkreisen rasche und umfangreiche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, um die Bewohner*innen vor gesundheitlichen Folgen zu schützen und die zentralen Aufgaben der Daseinsvorsorge aufrechtzuerhalten, wie etwa die öffentliche Trinkwasserversorgung oder den präventiven Hochwasserschutz. 

Das Bundeskabinett hat deshalb im Juli 2023 einen Entwurf für ein Klimaanpassungsgesetz verabschiedet, der auf allen staatlichen Ebenen konkrete Pläne zur Anpassung an Klimafolgen vorsieht. „Die Herausforderungen der kommunalen Klimaanpassung, etwa zur Starkregenvorsorge oder zum Hitzeschutz, müssen Städte, Gemeinden und Landkreise zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben stemmen. Das kann vor allem kleinere Kommunen an ihre Kapazitätsgrenzen führen“, sagt Thomas Friedrich, Leiter des Forschungsprojekts „KomKlAn“ am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. „Wir wissen aber auch, dass auf kommunaler Ebene bereits vielfältige Klimaanpassungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden und werden“, so Friedrich. Was bisher allerdings fehle, sei ein vollständiges Bild über den aktuellen Stand und Fortschritt sowie die Bedarfe der kommunalen Akteure.

Auf dem Weg zur klimaresilienten Kommune: Stand, Fortschritt und Herausforderungen

Mit der breit angelegten Kommunalbefragung, die Mitte September im Rahmen der „Woche der Klimaanpassung“ gestartet war, will das Forschungsteam von „KomKlAn“ diesen Stand erfassen und die Wissensbasis über kommunale Klimaanpassung in Deutschland verbessern. „Ein besseres Verständnis der kommunalen Aktivitäten zur Klimaanpassung ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaresilienz in Deutschland“, sagt Friedrich. „Deshalb ist es enorm hilfreich, dass im Befragungszeitraum mehr als 1000 Kommunen an der Online-Befragung teilgenommen haben. Die hohe Beteiligung schafft die notwendige empirische Grundlage, damit Kommunen künftig noch besser unterstützt werden können.“ Mithilfe der repräsentativ erhobenen Daten könne nun besser erkannt werden, welche Fortschritte und konkreten Unterstützungsbedarfe zum Beispiel für unterschiedliche Kommunentypen vorliegen, erläutert Projektleiter Friedrich. 

Große Unterstützung bei „Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023“ durch Verbände

Die „Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023“ endete am 3. November und wurde vom Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt. „Die hohe Beteiligung durch kommunale Akteure führen wir auch auf die Unterstützung der kommunalen Spitzenverbände zurück, denen wir hierfür ausdrücklich danken“, sagt Friedrich. Sie spiegle zugleich die Dringlichkeit des Themas Klimaanpassung wider. 

Das Forschungsprojekt „KomKlAn – Wo stehen die Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel und wie kommen sie zu multifunktionalen und transformativen Anpassungslösungen?“ ist ein Auftrag des Umweltbundesamts. Forschungspartner sind neben dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Leitung) die UP Transfer GmbH an der Universität Potsdam, das SOKO Institut für Sozialforschung & Kommunikation GmbH, die Factorial GmbH sowie die e-fect dialog evaluation consulting eG. 

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/komklan 
 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Thomas Friedrich
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news-770 Mon, 30 Oct 2023 14:23:11 +0100 ISOE-Veranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen - Wasserknappheit – eine unterschätzte Gefahr? https://www.isoe.de/news/wasserknappheit-eine-unterschaetzte-gefahr/ Der Klimawandel, eine intensive Landwirtschaft sowie großzügige Wassernutzung haben Trinkwasser in vielen Regionen Europas zu einer knappen und mitunter umkämpften Ressource werden lassen: In Spanien vertrocknen im Sommer ganze Landstriche, sogar streng geschützte Naturschutzgebiete, als Folge einer wasserintensiven und exportorientierten Landwirtschaft. In Italien zeigen sich sinkende Wasserpegel an Seen und Flüssen. Ebenso wie in Deutschland, wo die Schifffahrt auf dem Rhein wegen des niedrigen Wasserstands zeitweise eingestellt werden musste. Nur drei Beispiele, die zu der Frage führen: Unterschätzen wir die Gefahren, die mit Wasserknappheit einhergehen? Am 22. November 2023 findet dazu ein Diskussionsabend der Heinrich-Böll-Stiftung und des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main statt.  Deutschland gilt als wasserreiches Land, und noch gibt es ausreichend Trinkwasser. Doch regional kommt es in den letzten Jahren auch hierzulande immer häufiger zu Wasserknappheit und zu Konflikten um die Nutzung der vorhandenen Ressource. Entsprechend wandelt sich auch das öffentliche Bewusstsein für Wasserknappheit. Nachdem die Gefahren zurückgehender Wasserressourcen lange in weit entfernten Breitengraden verortet wurden, wächst nun die Aufmerksamkeit für die Relevanz des Themas – nicht zuletzt aufgrund der Veränderungen, die der Klimawandel gerade auch für die Wasserversorgung mit sich bringt. Der Schutz unserer Wasserressourcen und die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser sind auf der Agenda der großen Herausforderungen deutlich nach oben gerückt. 

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben Bund und auch einige Bundesländer Wasserstrategien entwickelt. Wie sehen die nationale Wasserstrategie bzw. ihr hessisches Pendant, der „Zukunftsplan Wasser“, im Kern aus, auf was zielen sie ab? Was muss sich in den Bereichen Siedlungs- und Infrastrukturplanung sowie Wirtschaft ändern, um unsere Wasserressourcen zu schützen? Brauchen wir mehr ordnungsrechtliche Maßnahmen, sprich Gesetze, Vorgaben, Kontrollen, Sanktionen? Oder sind Anreize, etwa durch Preisgestaltung und Rabatte, ausreichend? Wie könnte uns ein Brauchwassersystem helfen? Wie kann ein zukunftsfähiger Umgang mit Wasser konkret aussehen? Viele Bundesländer haben einen Wassercent – was kann er leisten?

Diese Fragen greift die Kooperationsveranstaltung „Wasserknappheit – eine unterschätzte Gefahr?“ des ISOE und der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen auf. Die Diskussionsveranstaltung am 22. November 2023 beginnt um 19:30 in der Evangelischen Akademie Frankfurt mit einem Einführungsvortrag von ISOE-Wasserexpertin Martina Winker. Der Eintritt ist frei. 


Wasserknappheit – eine unterschätzte Gefahr? Eine Kooperationsveranstaltung des ISOE mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen in der Reihe Böll Ökologie

Datum: Mittwoch, 22. November 2023

Uhrzeit: 19:30 Uhr

Ort: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

Einführungsvortrag: Martina Winker, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Diskussion mit: 

  • Astrid Bischoff, Referentin Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz HMUKLV
  • Hans-Joachim Grommelt, Sprecher des Arbeitskreises Wasser, BUND Hessen
  • Bettina Hoffmann, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Bündnis 90/Die Grünen (angefragt)
  • Elisabeth Jreisat, Geschäftsführerin Hessenwasser
  • Martina Winker, Mitglied der Institutsleitung ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Moderation: Ariane Wick, Moderatorin und TV-Reporterin Hessischer Rundfunk. 

Veranstalter: Heinrich-Böll-Stiftung Hessen in Kooperation mit ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung 


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Martina Winker
Tel. +49 69 707 6919-53
 
www.isoe.de  

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
www.isoe.de 
 

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news-764 Mon, 16 Oct 2023 09:42:01 +0200 Wintersemester 2023/24 - Lehrveranstaltungen des ISOE zur Sozialen Ökologie https://www.isoe.de/news/lehrveranstaltungen-des-isoe-zur-sozialen-oekologie-2/ Auch im Wintersemester 2023/24 bieten Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wieder Lehrveranstaltungen zu Themen aus der Nachhaltigkeitsforschung und zur Sozialen Ökologie an. An der Frankfurter Goethe-Universität (GU) ist das ISOE mit der Professur für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität vertreten. Zusätzlich haben Kolleg*innen auch in den Fachbereichen Geowissenschaften und Geographie sowie Sprach- und Kulturwissenschaften Lehraufträge. Weitere ISOE-Lehrveranstaltungen finden an der TU Darmstadt und an der Universität Trier statt.  Im Rahmen des Masterstudiengangs Umweltwissenschaften der GU werden zwei Lehrveranstaltungen angeboten: Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE und Professorin für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität am Fachbereich Biowissenschaften der GU, bietet zusammen mit Dr. Johanna Kramm, Ko-Leiterin des Bereichs Wissensprozesse und Transformationen am ISOE, das Seminar „Sozial-ökologische Problemanalyse und Gestaltungsoptionen an Fallbeispielen“ an. In diesem Seminar werden sozial-ökologische Gestaltungsmöglichkeiten in den Themenfeldern Biodiversität, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung sowie deren Wechselwirkungen in Form von Synergien und Trade-offs thematisiert. Die Studierenden befassen sich mit forschungspraktischen Problemen der transdisziplinären sozial-ökologischen Forschung. 

Prof. Dr. Flurina Schneider veranstaltet außerdem gemeinsam mit Apl. Prof. Dr. Diana Hummel das Seminar „Soziale Ökologie. Einführung in Grundbegriffe, Methoden und Anwendungsfelder“ an. Charakteristisch für die Soziale Ökologie ist ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz, der die wechselseitigen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur und deren Veränderungen untersucht. Beispiele reichen von der Risikoforschung und -kommunikation zu Mikroplastik über Klimawandel und Energienutzung bis hin zu sozial-ökologischer Wasserforschung. 

Lehrveranstaltungen mit Schwerpunkt Wasser- und Landnutzung

Ebenfalls an der Goethe-Universität bietet Dr. Robert Lütkemeier, Leiter des Forschungsfelds Wasser und Landnutzung am ISOE, ein zweiteiliges Seminar für Studierende im Bachelor Physische Geographie an. Der erste Teil legt im Wintersemester die Grundlagen für Projektarbeiten, die dann im Sommersemester behandelt werden. Studierende erarbeiten an Fallbeispielen, wie wissenschaftliche physisch-geographische Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt und für Planungsfragen genutzt werden. 

Dženeta Hodžić aus der ISOE-Nachwuchsgruppe regulate befasst sich im Seminar „WaterMultiple – Ethnographizing, knowing and managing liquidities“ mit der ethnographischen Perspektive auf Wasserressourcen. Im Seminar diskutieren Studierende der Science and Technology Studies die Forschung zum Thema Wasser und untersuchen, wie Wasser in seiner Vielfalt, Materialität und Ontologie konzeptualisiert wurde.

Lehre an der TU Darmstadt und an der Universität Trier

Dr. Martin Zimmermann, Leiter des Forschungsfelds Gekoppelte Infrastrukturen am ISOE, bietet für Studierende im Masterstudium Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Technischen Universität Darmstadt eine kombinierte Lehrveranstaltung aus Seminar und Vorlesung mit dem Titel „Wassertechnik und Wassermanagement für aride Zonen“ an. Hier geht es um Integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM). Im Seminar werden ökologische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte von Wassertechnik und Wassermanagement für aride Zonen vermittelt. Zudem werden Methoden und Beispiele aus aktuellen Forschungsprojekten behandelt.

An der Universität Trier bietet Dr. Fanny Frick-Trzebitzky im Februar 2024 das Blockseminar „Social Hydrology. Transformation Conflicts in the Underground“ an. Dies erfolgt komplementär zur gleichnamigen Vorlesung von Prof. Antje Bruns im Wintersemester 2023/24. Im Rahmen dieser Veranstaltungen sind die Teilnehmenden am 12.12.2023 auch zu einer Exkursion ins ISOE nach Frankfurt am Main eingeladen. Seminar und Vorlesung sind offen für Studierende der Humangeographie und der Umweltwissenschaften. 

Alle Lehrveranstaltungen des ISOE im Überblick:

www.isoe.de/lehre/lehrveranstaltungen 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Apl. Prof. Dr. Diana Hummel
Tel. +49 69 707 6919-33
 
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Melanie Neugart
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news-763 Wed, 11 Oct 2023 10:45:56 +0200 FEdA-Studie befragt Land- und Forstwirt*innen zu Biodiversität - Wie eine Trendwende beim Biodiversitätsschutz gelingen kann https://www.isoe.de/news/wie-eine-trendwende-beim-biodiversitaetsschutz-gelingen-kann/ Land- und Forstwirt*innen in Deutschland haben ein hohes Problembewusstsein für den Verlust der Artenvielfalt und möchten einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten. Bei der Umsetzung von Maßnahmen sehen sie sich jedoch hohen Hürden gegenüber. Das zeigt die Studie „Zielvorstellung Biodiversität – Biodiversitätsbewusstsein in der Land- und Forstwirtschaft“, für die rund 500 Landwirt*innen und 500 Forstwirt*innen zu ihren Einstellungen gegenüber Biodiversität, zu ihrer Bereitschaft und zu ihren Möglichkeiten für Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt befragt wurden.  Die biologische Vielfalt ist auch in Deutschland stark zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig, als eine der Hauptursachen gilt jedoch eine nicht nachhaltige Landnutzung. Etwa 50% der Flächennutzung in Deutschland entfallen auf Landwirtschaft und knapp 30% auf Wälder. Land- und Forstwirt*innen sind deshalb zentral für den Wandel hin zu einer biodiversitätsfreundlichen Bewirtschaftung von Äckern, Wiesen und Wäldern. Aber wie ist die Haltung von Land- und Forstwirt*innen gegenüber Biodiversitätsschutz, wie ihr Wissen um Artenvielfalt, welche Werte sind für sie handlungsleitend? Hier setzt die von der BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) in Auftrag gegebene und vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung durchgeführte Studie an, die am Mittwoch, den 11. Oktober 2023 in Frankfurt am Main vorgestellt wird. Die Studie zeigt neben repräsentativen Einstellungen auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft für ein biodiversitätsfreundliches Handeln auf. 

Problembewusst und handlungsbereit 

Der Studie zufolge haben 83% der Befragten in der Forstwirtschaft (FWS) und 67% in der Landwirtschaft (LWS) ein hohes Problembewusstsein, die Mehrheit fühlt sich persönlich dafür verantwortlich, etwas für den Biodiversitätsschutz zu unternehmen (81% FWS, 85% LWS). Allerdings gibt es auch eine nicht ganz kleine Gruppe, die sich bei dem Thema überfordert fühlt (45% FWS, 24% LWS). 87% der Landwirt*innen sind frustriert darüber, dass ihnen die Ursachenverantwortung für den Biodiversitätsverlust zugeschrieben wird. In beiden Gruppen zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Biodiversitätsbewusstsein und der Bewertung von Ökosystemleistungen – das sind die Leistungen, die die Natur kostenfrei bereitstellt: Wer einen hohen Nutzen in der Biodiversität sieht, hat auch ein höheres Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt.

„Die Befragung zeigt deutlich, dass Land- und Forstwirt*innen eine hohe intrinsische Motivation haben, zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen“, betont Marion Mehring vom ISOE, Leitautorin der Studie. „Schwierigkeiten bei der Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen sind vor allem praktischer Art und nicht etwa Zweifel an der Sinnhaftigkeit.“ 92% beider Gruppen gaben an, bereits Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität im eigenen Betrieb umgesetzt zu haben. Eine Mehrheit zeigt sich jedoch unzufrieden und berichtet über einen Mangel an Handlungsmöglichkeiten, konkrete Hemmnisse sehen die Befragten in der fehlenden Flexibilität der Maßnahmen oder einem zu hohen Dokumentationsaufwand. Eine weitere Hürde liegt in der Sorge vor möglichen Schäden und Nachteilen, Biodiversität wird in der Umfrage auch als Risiko in Form von Schädlingsbefall wahrgenommen.

Akteure besser in Umwelt- und Biodiversitätsschutz einbeziehen

„Land- und Forstwirt*innen haben wertvolles Expertenwissen über die lokale Situation, in der sie arbeiten, und können am besten beurteilen, welche Maßnahmen wirklich dem Biodiversitätsschutz dienen, ohne zu hohe betriebliche Mehrkosten zu erzeugen“, erklärt Volker Mosbrugger, Ko-Autor der Studie und Sprecher der FEdA. „Für uns war es daher essenziell, ein besseres Verständnis von den Motiven und Herausforderungen der Akteure gegenüber Biodiversität zu erhalten, damit wir Land- und Forstwirt*innen künftig zielgerichtet in den Umwelt- und Biodiversitätsschutz einbeziehen können.“ Dafür sei eine zielgruppenspezifische Ansprache notwendig. Die Studie „Zielvorstellung Biodiversität“ unterscheidet anhand des Biodiversitätsbewusstseins, der Bewertung des Nutzens von Ökosystemleistungen sowie der Einschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten fünf (LWS) bzw. vier (FWS) Gruppen.

Die relativ kleine Gruppe der „wenig Überzeugten“ sowohl in Land- als auch in Forstwirtschaft (15% LWS, 10% FWS) hat ein niedriges Biodiversitätsbewusstsein, das die Hauptbarriere für den Biodiversitätsschutz darstellt. Die verhältnismäßig große Gruppe mit hohem Biodiversitätsbewusstsein ist dagegen grundlegend ansprechbar für Biodiversitätsschutz und lässt sich über andere Barrieren in unterschiedliche Gruppen unterteilen: Die „Zurückhaltenden“ (16% LWS, 44% FWS) sehen nicht nur den Nutzen, sondern auch potenzielle Risiken der Biodiversität und berichten von einem Mangel an Handlungsmöglichkeiten. Die „Vorsichtigen“, die es mit 10% nur in der Landwirtschaft gibt, eint die Sorge vor Risiken der Biodiversität, einen Mangel an Handlungsmöglichkeiten sehen sie dagegen eher nicht. Die „Handlungsbereiten“ wiederum berichten vor allem einen Mangel an Handlungsmöglichkeiten, während die Risiken eher kein Problem für sie darstellen (31% LWS, 28% FWS). Zudem identifiziert die Studie die Gruppe der „Überzeugten“ (26% LWS, 17% FWS). Sie haben ein hohes Biodiversitätsbewusstsein und sehen weder die Risiken von Biodiversität noch die Handlungsmöglichkeiten als Barriere für den Biodiversitätsschutz.

Für eine zielgruppenspezifische Ansprache legt die Studie nahe, die „wenig Überzeugten“ mit einer gezielten Information über Funktion und Rolle von Biodiversität zu gewinnen. Die „Zurückhaltenden“ spreche man mit dem Abbau der Sorgen vor möglichen Risiken an. Die „Vorsichtigen“ sollten mithilfe von Best-Practice-Beispielen unterstützt werden und den „Handlungsbereiten“ sollte ermöglicht werden, Barrieren bei der Maßnahmenergreifung abzubauen. „Die Gruppe der Überzeugten kann wiederum aufgrund ihrer Expertise und Erfahrungen aktiv angesprochen werden“, betont Mehring. „Um eine Trendwende für die Artenvielfalt zu erreichen, braucht es ein breites Engagement und neue Bündnisse zwischen allen beteiligten Akteuren. Die Studie zeigt auf, wie dies über die Entwicklung gemeinsamer Zielvorstellungen auf der Grundlage von geteilter Motivation für den Schutz der Biodiversität gelingen kann.“ 

Zielvorstellung Biodiversität – Biodiversitätsbewusstsein in der Land- und Forstwirtschaft. Konzeptentwicklung und Ergebnisse einer standardisierten Befragung in Deutschland Marion Mehring, Naomi Bi, Anna Brietzke, Konrad Götz, Vladimir Gross, Volker Mosbrugger, Philipp Sprenger, Melina Stein, Immanuel Stieß, Georg Sunderer, Julian Taffner (2023). ISOE-Materialien Soziale Ökologie 72. Frankfurt am Main 
https://isoe-publikationen.de/fileadmin/redaktion/ISOE-Reihen/msoe/msoe-72-isoe-2023.pdf 

Hinweis auf vertiefende Podiumsdiskussion

Die Studienergebnisse werden im Rahmen eines Fachgesprächs mit Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft, Forst- und Landwirtschaft im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und per Livestream vertieft. Auf dem Podium diskutieren Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments, Dr. Marion Mehring, ISOE, Dr. Tina Baumann, Stadtforst Frankfurt, und Steffen Pingen, Deutscher Bauernverband e.V. Die Diskussionsrunde moderiert die Wissenschaftsjournalistin Susan Schädlich. 

Podiumsdiskussion am 11. Oktober 2023 ab 18 Uhr im Grünen Hörsaal, Robert-Mayer-Str. 2, Frankfurt und live per Zoom. Programm und Anmeldung: https://www.feda.bio/de/podiumsdiskussion-zur-praesentation-der-studien-ergebnisse-zielvorstellung-biodiversitaet/  

Wissenschaftliche Ansprechpartner*innen:

Dr. Marion Mehring
Leiterin des Forschungsfelds Biodiversität und Gesellschaft
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main

Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger und Dr. Julian Taffner
BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de 
www.isoe.de

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news-762 Tue, 10 Oct 2023 10:09:00 +0200 Kommunen im Klimawandel - Bundesweite Befragung zur Klimaanpassung in Deutschland erfolgreich gestartet https://www.isoe.de/news/bundesweite-befragung-zur-klimaanpassung-in-deutschland-erfolgreich-gestartet/ Städte und Gemeinden müssen klimafest werden, doch die Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen stellt Kommunen vor große Herausforderungen. Welche Maßnahmen sind geeignet, welche werden bereits umgesetzt, wo kommen Kommunen an ihre Grenzen und wie können sie bestmöglich unterstützt werden? Ein Forschungsteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat dazu im Auftrag des Umweltbundesamtes eine repräsentative Kommunalbefragung gestartet. Mehr als 650 Kommunen haben bereits an der „Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023“ im Forschungsprojekt „KomKlAn“ teilgenommen. Sie bietet kommunalen Akteuren noch bis Anfang November 2023 die Möglichkeit, Stand, Fortschritt und aktuelle Bedarfe ihrer Anpassungsaktivitäten abzubilden.  Deutschland muss sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen wie Hitze, Dürre und Starkregen nimmt durch den Klimawandel zu und gefährdet damit die Bevölkerung und die öffentlichen Infrastrukturen. Dies erfordert von Städten, Gemeinden und Landkreisen rasche und umfangreiche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, um die Bewohner*innen vor gesundheitlichen Folgen zu schützen und die zentralen Aufgaben der Daseinsvorsorge aufrechtzuerhalten, wie etwa die öffentliche Trinkwasserversorgung oder den präventiven Hochwasserschutz. 

Das Bundeskabinett hat deshalb im Juli 2023 einen Entwurf für ein Klimaanpassungsgesetz verabschiedet, der auf allen staatlichen Ebenen konkrete Pläne zur Anpassung an Klimafolgen vorsieht. „Die Herausforderungen der kommunalen Klimaanpassung, etwa zur Starkregenvorsorge oder zum Hitzeschutz, müssen Städte, Gemeinden und Landkreise zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben stemmen. Das kann vor allem kleinere Kommunen an ihre Kapazitätsgrenzen führen“, sagt Thomas Friedrich, Leiter des Forschungsprojekts „KomKlAn“ am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. „Wir wissen aber auch, dass auf kommunaler Ebene bereits vielfältige Klimaanpassungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden und werden“, so Friedrich. Was bisher allerdings fehle, sei ein vollständiges Bild über den aktuellen Stand und Fortschritt sowie die Bedarfe der kommunalen Akteure.

Auf dem Weg zur klimaresilienten Kommune: Stand, Fortschritt und Herausforderungen

Mit einer breit angelegten Kommunalbefragung, die Mitte September im Rahmen der „Woche der Klimaanpassung“ gestartet ist, will das Forschungsteam von „KomKlAn“ diesen Stand erfassen und die Wissensbasis über kommunale Klimaanpassung in Deutschland verbessern. „Ein besseres Verständnis der kommunalen Aktivitäten zur Klimaanpassung ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaresilienz in Deutschland“, sagt Friedrich. Deshalb sei es erfreulich, dass seit dem Beginn der Befragung schon mehr als 650 Kommunen an der Online-Befragung teilgenommen haben. 

„Wir wünschen uns natürlich weiterhin einen hohen Rücklauf, denn je mehr der angefragten Kommunen an der Befragung teilnehmen, desto repräsentativere Aussagen können wir für Deutschland treffen“, erläutert Projektleiter Friedrich. „Auch können wir so besser verstehen, welche Fortschritte und konkreten Unterstützungsbedarfe für die unterschiedlichen Kommunentypen vorliegen.“ Ziel des Forschungsprojekts „KomKlAn“ sei zudem, dass Kommunen künftig den eigenen Anpassungsfortschritt selbst erfassen und bewerten können. Hierfür entwickelt und testet das Forschungsteam in einem nächsten Schritt ein Online-Scoring-Tool. 

Kommunale Akteure: Teilnahme an der Online-Befragung noch bis November 

Die etwa 4700 zur Befragung aufgeforderten Kommunen können an der Online-Befragung, die ausdrücklich vom Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund begrüßt wird, noch bis Anfang November teilnehmen. „Wir setzen uns dafür ein, Städte, Landkreise und Gemeinden darin zu stärken, die erforderlichen Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu ergreifen“, heißt es in einem gemeinsamen Empfehlungsschreiben der kommunalen Spitzenverbände. „Deswegen unterstützen wir die Kommunalbefragung Klimaanpassung 2023 des Umweltbundesamtes.“ 
Das Forschungsprojekt „KomKlAn – Wo stehen die Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel und wie kommen sie zu multifunktionalen und transformativen Anpassungslösungen?“ ist ein Auftrag des Umweltbundesamts. Forschungspartner sind neben dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Leitung) die UP Transfer GmbH an der Universität Potsdam, die Factorial GmbH, das SOKO Institut für Sozialforschung & Kommunikation GmbH sowie die e-fect dialog evaluation consulting eG. 
https://www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/komklan/ 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Thomas Friedrich
Tel. +49 69 707 6919-60
 
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Pressekontakt:

Melanie Neugart
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