ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ Akutelle Informationen vom ISOE. https://www.isoe.de/fileadmin/Resources/Corporate/Public/icons/favicon-32x32.png ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ 32 32 en-gb ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main Tue, 29 Nov 2022 12:00:52 +0100 Tue, 29 Nov 2022 12:00:52 +0100 ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main news-618 Tue, 15 Nov 2022 14:01:00 +0100 Biodiversität - Studie weist vielfältigen Nutzen von Wiesen- und Weideflächen für Ökosystemleistungen nach https://www.isoe.de/news/studie-weist-vielfaeltigen-nutzen-von-wiesen-und-weideflaechen-fuer-oekosystemleistungen-nach/ Ein Team aus Frankfurter Biodiversitätsforscher*innen hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist. Die nun in der Zeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienene Studie weitet dabei erstmals den Blick auf insgesamt 16 Ökosystemleistungen – von ökologisch bis kulturell – und betrachtet die Biodiversität landwirtschaftlich genutzter Wiesen- und Weideflächen im großen Maßstab. Das internationale Forschungsteam, zu dem auch ISOE-Biodiversitätsexpertin Sophie Peter gehört, zeigt: Von einer hohen Pflanzendiversität können lokale Akteur*innen von Tourismus bis zur Landwirtschaft profitieren.  Wo artenreiche Wiesenflächen Lebensraum für Bienen und andere Insekten bieten, profitiert neben der Natur auch die Landwirtschaft durch Ökosystemleistungen wie Bestäubung oder natürliche Schädlingsbekämpfung. Wie aber sieht es mit weniger offensichtlichen Ökosystemleistungen aus, die von Organismen unter der Erde erbracht werden und die Bodenqualität betreffen? Und wie genau wirkt sich eine hohe Biodiversität auf das Naturerlebnis aus, das als Freizeitaktivität und Erholungsmöglichkeit auch für den lokalen Tourismus eine wichtige Rolle spielt?

Um ein umfassendes Bild dieser Biodiversitätsdynamiken zu erhalten, hat ein internationales Forschungsteam um Gaëtane Le Provost und Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt landwirtschaftlich genutzte Wiesen- und Weideflächen in verschiedenen ländlichen Regionen Deutschlands untersucht. Dabei werteten sie Daten aus, die seit 2006 im Rahmen des Projekts „Biodiversity Exploratories“ kontinuierlich für Flächen in der Schwäbischen Alb, der mitteldeutschen Hainich-Dün-Region und dem Brandenburgischen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin erhoben werden. 

Langzeitbeobachtung von Ökosystemleistungen

„Die Flächen unterscheiden sich in Klima und Topographie und sind gleichzeitig beispielhaft für unterschiedliche Arten typischer Wiesennutzung in Mitteleuropa“, erklärt Gaëtane Le Provost und fährt fort: „Wir haben insgesamt 150 Wiesenflächen über den Zeitraum von 2006 bis 2018 untersucht und dabei erstmals insgesamt 16 Ökosystemleistungen in den Blick genommen – von Futterqualität und Bestäubung über eine Vielzahl von Faktoren zur Bodenqualität wie Kohlenstoffspeicherung oder Grundwasserneubildung bis zu sogenannten kulturellen Ökosystemleistungen, die unser Naturerlebnis betreffen.

Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit zur Vogelbeobachtung – oder schlicht der wohltuende Anblick einer üppig blühenden Wiese und der akustische Reichtum, den eine artenreiche Wiesenfläche durch Vogelgesang und andere Naturgeräusche bietet. Bei allen Ökosystemleistungen konnten wir einen positiven Effekt durch hohe Pflanzendiversität nachweisen“. 

Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus

Erstmals nahmen die Forschenden für ihre nun im Journal „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlichte Studie auch die Bedeutung der Ökosystemleistungen für verschiedene lokale Interessengruppen in den Blick: In Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt wurden unter anderem Anwohner*innen sowie Vertreter*innen von Naturschutzorganisationen und der Agrar- und Tourismuswirtschaft zu Workshops eingeladen und repräsentativ befragt. „Wir haben festgestellt, dass ausnahmslos alle befragten Gruppen von einer hohen Biodiversität profitieren könnten – von Anwohner*innen bis zum Tourismus,“ berichtet ISOE-Biodiversitätsexpertin Sophie Peter.

Zuletzt konnte das Forschungsteam den Nutzen hoher Pflanzendiversität nicht nur für kleinere Flächen nachweisen, sondern es nahm auch die Biodiversitätsdynamiken in Bezug auf die weitere Umgebung in den Blick. „Dass die Pflanzendiversität der Umgebung Einfluss auf die Bereitstellung verschiedener Ökosystemleistungen hat, ist eine wichtige Grundlage für lokale Entscheidungsträger*innen,“ betont Peter Manning und fasst zusammen: „Politische Entscheidungen zur Landnutzung werden meist im großen Flächenmaßstab getroffen. Dass auch in diesen Dimensionen eine hohe Pflanzendiversität Vorteile für alle Beteiligten bringt – das ist mit unseren Daten nachweisbar.“

Link zur Studie: 

https://doi.org/10.1038/s41559-022-01918-5

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news-617 Thu, 10 Nov 2022 10:42:28 +0100 Empfehlung der Ecornet-Institute - Bundesforschungsministerium sollte Zukunftsstrategie nachbessern https://www.isoe.de/news/bundesforschungsministerium-sollte-zukunftsstrategie-nachbessern/ Führende Institute der Nachhaltigkeits- und Zukunftsforschung begrüßen die Entwicklung einer „Zukunftsstrategie Forschung und Innovation“ des Bundesforschungsministeriums (BMBF). Die Institute des Ecological Research Network (Ecornet), zu denen auch das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gehört, weisen jedoch darauf hin, dass der vorgelegte Entwurf trotz wichtiger Impulse den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht vollständig gerecht werde. Die Bedeutung sozialer Innovationen müsse stärker ins Zentrum der Zukunftsstrategie gerückt werden. Um die Klimakrise zu mindern, Biodiversität zu schützen, globale Gerechtigkeit zu erreichen und den sozialen Zusammenhalt, Teilhabe und Daseinsvorsorge zu garantieren, brauche es auch partizipative Forschungsmethoden, die die Gesellschaft einbinden. Die Ecornet-Institute empfehlen dem BMBF daher, die Schwerpunktsetzung der Strategie nachzubessern.  Der Entwurf der Zukunftsstrategie fokussiere bislang auf technische Innovationen, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung neuer, marktbasierter Geschäftsmodelle. Diese seien aus Sicht der Ecornet-Institute zwar wichtig, reichen aber aufgrund der aktuellen Transformationsherausforderungen, die die Gesellschaft insgesamt betreffen, nicht aus. Der Entwurf sollte partizipativer ausgerichtet werden, meint Camilla Bausch, Direktorin des Ecologic Instituts und Sprecherin von Ecornet. „Wir brauchen ein Forschungs- und Innovationssystem, das der Notwendigkeit des Wandels noch stärker gerecht wird. Noch ist unklar, wie die Strategie weiter ausgearbeitet werden soll. Wir empfehlen einen transparenten Prozess und eine öffentliche Debatte unter Einbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. In die Gestaltung einer Zukunftsstrategie müssen alle relevanten Gruppen eingebunden werden,“ so Klima- und Energieforscherin Bausch.

Zukunftsorientierung ist mehr als Fokus auf Technologie und Innovation

„Die Zukunftsstrategie sollte stärker auf Innovationen fokussieren, die zur Lösung aktueller und zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Denn nicht jede Innovation ist auch ein Fortschritt. Dafür sollte die Strategie konsequent an der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens ausgerichtet sein“, sagt Ecornet-Sprecher Thomas Korbun, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). „Der Entwurf der Strategie sollte dem innovativen Potenzial von Zivilgesellschaft, öffentlichen Institutionen oder Nutzer*innen stärkeres Gewicht geben. Denn Innovationen entstehen nicht nur in Wissenschaft und Wirtschaft.“ 

Dies betont auch Flurina Schneider. Die wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE vermisst im gegenwärtigen Entwurf der BMBF-Zukunftsstrategie zudem eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Frage, welche Zukunft eigentlich angestrebt und gestaltet werden soll. „Es gibt zwar ein klares Bekenntnis zu den Sustainable Development Goals. Dies steht aber unverbunden neben den Schlüsselthemen der Strategie, nämlich Fortschritt und Innovationen.“ Größere Aufmerksamkeit müsse auch den Krisen und Konflikten gewidmet werden, die in breit angelegten Veränderungsprozessen unvermeidbar seien. Hier brauche es deutlich mehr Forschung. „Zu begrüßen ist zwar, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2025 auf 3,5 Prozent steigen sollen. Doch das allein reicht nicht. Es fehlen Antworten auf die Frage, wie sich das Wissenschafts- und Innovationssystem insgesamt ändern muss, um die neuen Wissensbedarfe aufnehmen zu können.“ 

Mehr systemisches Denken und Perspektivenvielfalt

Die Beschäftigung mit diesen grundlegenden Fragen rücke aus Schneiders Sicht auch das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft stärker in den Blick. Die Konzentration auf Technologietransfer greife zu kurz. Vielmehr sei ein breiteres Verständnis von Transfer notwendig. Dieses stelle gesellschaftliche Lernprozesse in den Mittelpunkt und damit auch soziale Innovationen. Zudem sei der Aufbau langfristiger und stabiler Partnerschaften wichtig, um Wissensbedarfe unmittelbarer aufgreifen und umgekehrt neues Wissen schneller in die Praxis bringen zu können. Schließlich sollten gesellschaftlich Akteur*innen viel stärker als bislang in Forschungs- und Innovationsprozesse eingebunden werden. Zwar finden sich nach Einschätzung der Ecornet-Institute im Entwurf gute Ansätze, wie gesellschaftliche Akteur*innen in Forschungs- und Innovationsprozesse eingebunden werden sollen. Doch zielt das Verständnis von Beteiligung häufig allein darauf, Akzeptanz zu schaffen und Risikoaversionen in der Gesellschaft zu überwinden.

„Um die komplexen und verwobenen gesellschaftlichen Krisen zu lösen, braucht es mehr vernetztes, systemisches Denken," sagt Camilla Bausch. „Technologische und soziale Innovationen sollten als Teil eines gesellschaftlichen Gestaltungsprozesses verstanden werden. Daher sollte in der Zukunftsstrategie der Aspekt der transdisziplinären Forschung deutlich gestärkt werden.“ Das heißt für Flurina Schneider vor allem: Perspektivenvielfalt und die Integration unterschiedlicher Akteur*innen und Wissensformen von Anfang an. Nur so könne es gelingen, den bestehenden Herausforderungen gerecht zu werden und den notwendigen gesellschaftlichen Rückhalt zu bekommen. Noch sei aber genau diese transdisziplinäre Forschung, die zivilgesellschaftliche Akteur*innen frühzeitig und umfassend in den Forschungsprozess einbindet, in der Zukunftsstrategie kaum präsent.

Vorhandenes Wissen berücksichtigen

Im Rahmenprogramm zur Forschung für Nachhaltigkeit (FONA) und insbesondere im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung (SÖF) wurden in den letzten Jahrzehnten international herausragende Erfahrungen bei der Erforschung sozial-ökologischer Krisen und Transformationspfade erarbeitet. Diese betreffen auch das Forschungs- und Innovationssystem selbst. Der Strategieentwurf greift jedoch kaum auf diese Erfahrungen zurück. Im Gegenteil: Das Forschungsministerium hat in diesen Programmen seine Förderung deutlich gekürzt.

Um die Leistungsfähigkeit der deutschen Innovationslandschaft langfristig abzusichern und Fehlentwicklungen zu vermeiden, sei es deshalb aus Sicht der Ecornet-Institute wichtig, technologische Schwerpunkte der Strategie mit den Erkenntnissen aus FONA und SÖF anzureichern – zum Beispiel in Bezug auf nachhaltige Mobilitätskonzepte. Auch sollte die Strategie bestehendes Wissen zu methodischen Zugängen, zur Integration unterschiedlicher disziplinärer Zugänge, zu Prozessdesign und Zielorientierung im Innovationsprozess stärker verankern und für Förderformate nutzbar machen. Dazu zählen insbesondere transdisziplinäre Forschungsansätze, die sozialwissenschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Praxis in Innovationsprozesse integrieren sowie technische Entwicklungen kritisch und konstruktiv begleiten.

Neues Innovationsverständnis für den sozial-ökologischen Wandel

Die Ecornet-Institute betonen: Sozial-ökologischer Wandel erfordert, dass technische und soziale Innovationen Hand in Hand gehen, um angemessen auf die multiplen Krisen reagieren zu können. Sie begrüßen deshalb, dass soziale Innovationen stärker gefördert werden sollen. Doch damit diese wirkungsvoll werden können, sollte der Strategieentwurf noch konkreter aufzeigen, wie sie mit gesellschaftlichen Herausforderungen oder technologischen Innovationen zusammenhängen. Die Strategie sollte technische und soziale Fragen stärker zusammendenken.

Um bestehende Pfadabhängigkeiten aufzubrechen und bereits in Nischen existierenden sozialen und technischen Innovationen zum Durchbruch zu verhelfen, sei es wichtig, dass die Förderung sozialer Innovationen auch institutionelle Innovationen in den Blick nimmt. Ecornet empfiehlt dem Bundesforschungsministerium, in der Strategie ein Innovationsverständnis zu entwickeln, das erfolgreiche Innovationen nicht allein am Markterfolg misst. Die Institute weisen zudem darauf hin, dass nicht nur Wissen fehlt, sondern auch Know-how darüber, wie Fähigkeiten und Kompetenzen auch im Sinne einer „transformative literacy“ verbessert werden können. Hier brauche es weitergehende Ansätze, als sie die Zukunftsstrategie bislang mit Bezugnahme auf die Bildungskampagne „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beschreibt.

Über das Ecological Research Network (Ecornet)

Ecornet ist ein Netzwerk aus acht Forschungseinrichtungen mit zusammen über 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Institute forschen praxisnah an der Lösung gesellschaftlicher Probleme, mit dem Ziel, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Sie teilen einen konsequent transdisziplinären Forschungsansatz: Sie verbinden das Wissen und die Werkzeuge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu neuen Erkenntnissen und Forschungsmethoden und beziehen von Beginn an Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in den Forschungsprozess ein.

Mitglieder im Ecornet sind:

  • Ecologic Institut
  • ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
  • ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
  • Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
  • IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
  • Öko-Institut e.V.
  • Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU)
  • Wuppertal Institut

Kontakt für Presseanfragen:

www.ecornet.eu | Ecornet auf Twitter

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Flurina Schneider
Tel. +49 69 707 6919-0
 
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news-614 Mon, 07 Nov 2022 08:18:00 +0100 Allianz zur Abfallvermeidung - ISOE unterstützt Zero Waste Lab in Frankfurt https://www.isoe.de/news/isoe-unterstuetzt-zero-waste-lab-in-frankfurt/ Städte kämpfen mit immer mehr Abfall auf öffentlichen Plätzen, Straßen und in Parks. Viele entwickeln daher Strategien gegen das „Littering“ – das Wegwerfen von Pizzakartons, benutzten Kaffeebechern oder Altglas. Doch Kontrollen durch Müll-Scouts oder extra Stadtreinigungsschichten lösen das Problem nur zum Teil. Am Ende bleibt zu viel Müll, vor allem Plastikverpackungen, die unter hohem Energie- und Kostenaufwand entsorgt oder recycelt werden müssen. Frankfurt am Main geht deshalb einen anderen Weg. Die Mainmetropole hat sich vorgenommen, „Zero Waste City“ zu werden. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung unterstützt die Stadt dabei.  Dazu hat die Stadt Frankfurt das Zero Waste Lab gegründet, eine Denkfabrik, deren Mitglieder eine Allianz zur Abfallvermeidung geschmiedet haben. Auf Einladung von Frankfurts Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) kamen am 1. November 2022 alle Partner zusammen, die die Stadt bei der Umsetzung ihrer Null-Müll-Strategie unterstützen wollen. Dazu soll zunächst bis 2035 die Restabfallmenge pro Kopf im Jahr von derzeit 205 auf 120 Kilo gesenkt werden. Für dieses ehrgeizige Ziel setzt die Allianz auf eine rege Bürgerbeteiligung. Vorschläge aus der Zivilgesellschaft sind erwünscht und werden auf ihre Machbarkeitspotenziale überprüft.

Engagierte Frankfurter*innen können auf der Internetseite www.zerowaste-lab.de ihre Anregungen und Ideen zum Vermeiden von Abfall einreichen. Zudem dient dieses Online-Laboratorium dazu, bereits vorhandenes ehrenamtliches Engagement zum Thema Sauberkeit unter einem Dach zu vernetzen. So greift etwa das Entsorgungsunternehmen FES bereits auf ein Netzwerk von mehr als 400 Freiwilligen zurück, die als Multiplikator*innen den Zero Waste-Gedanken in die Gesellschaft tragen.

Ideen für Transformationsprozesse – Alltagspraktiken verändern

Für das ISOE beteiligt sich Konsumforscher Lukas Sattlegger in der Allianz. Der Soziologe hat gerade in der ISOE-Forschungsgruppe PlastX zum Thema Verpackungen und nachhaltiger Konsum promoviert und dabei „Schwierigkeiten und Potenziale der Verpackungsvermeidung“ – so der Titel seiner Dissertation – ausgelotet. Es sei aus seiner Sicht eine große Chance, mit dem Zero Waste Lab die kreativen Ideen der Bürger*innen für Müllvermeidung und Müllentsorgung zusammenzubringen mit den infrastrukturellen Anforderungen und Möglichkeiten der Entsorgungsbetriebe. „Es wird spannend zu sehen, welche Ideen aus der Gesellschaft tatsächlich das Potenzial haben, Alltagspraktiken zu verändern und langfristige Transformationsprozesse hin zu Zero Waste zu unterstützen“, sagt Sattlegger. Und er betont, dass neben dem zivilgesellschaftlichen Engagement auch die Verpackungsindustrie und der Handel in der Verantwortung seien, noch schneller Strategien für Müllvermeidung umzusetzen.

Das Beratungsgremium, das die eingegangenen Vorschläge auf ihre Müllvermeidungspotenziale und Alltagstauglichkeit hin prüfen wird, setzt sich neben dem ISOE, der Stadt Frankfurt mit Umweltamt und Entsorgungsunternehmen FES aus der IHK Frankfurt am Main, der Frankfurt University of Applied Sciences, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft sowie dem Ernährungsrat Frankfurt zusammen. Die FES, die mehrheitlich der Stadt gehört, finanziert und organisiert die Arbeit des Waste Zero Lab.

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news-604 Fri, 14 Oct 2022 09:17:30 +0200 Wintersemester 2022/23 - Lehrveranstaltungen des ISOE zur Sozialen Ökologie https://www.isoe.de/news/lehrveranstaltungen-des-isoe-zur-sozialen-oekologie-1/ Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung bieten auch im Wintersemester 2022/2023 wieder Lehrveranstaltungen zu Themen aus der Nachhaltigkeitsforschung und zur Sozialen Ökologie an. Mit der Professur für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität ist das ISOE an der Frankfurter Goethe-Universität (GU) vertreten, Studierende können dort verschiedene Seminarangebote im Umweltmaster wahrnehmen. Weitere ISOE-Lehrveranstaltungen finden an der TU Darmstadt, der Leuphana Universität Lüneburg sowie der Uni Trier statt. Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE und Professorin für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der GU, bietet zusammen mit Immanuel Stieß das Seminar „Sozial-ökologische Problemanalyse und Gestaltungsoptionen an Fallbeispielen“ an. In diesem Seminar werden sozial-ökologische Gestaltungsmöglichkeiten in den Themenfeldern Biodiversität, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung sowie deren Wechselwirkungen in Form von Synergien und Trade-offs thematisiert. Die Studierenden befassen sich mit forschungspraktischen Problemen der transdisziplinären sozial-ökologischen Forschung. 

Diana Hummel wird im Umweltmaster der Goethe-Universität wieder mit einem Seminar zur Einführung in die Soziale Ökologie vertreten sein. Charakteristisch für dieses Wissenschaftsgebiet ist eine inter- und transdisziplinäre Vorgehensweise, die die wechselseitigen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur und krisenhafte Entwicklungen gesellschaftlicher Naturverhältnisse untersucht. Im Seminar werden zentrale theoretische Ansätze, methodische Konzepte und Anwendungsfelder der Sozialen Ökologie behandelt. Beispiele aus der Forschungspraxis reichen von der Risikoforschung und -kommunikation zu Mikroplastik über Klimawandel und Energienutzung bis hin zu sozial-ökologischer Wasserforschung. 

Ebenfalls an der Goethe-Universität startet Robert Lütkemeier mit einem zweiteiligen Seminar für Studierende im Bachelor Physische Geographie. Der erste Teil legt im Wintersemester die Grundlagen für Projektarbeiten, die dann im Sommersemester folgen. Studierende erarbeiten an Fallbeispielen, wie wissenschaftliche physisch-geographische Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden und für Planungsfragen genutzt werden. 

Lehre an der TU Darmstadt, der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Trier

Martin Zimmermann, Leiter des Forschungsschwerpunkts Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen, bietet für Studierende im Masterstudium Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Technischen Universität Darmstadt eine kombinierte Lehrveranstaltung aus Seminar und Vorlesung an. Hier geht es um Integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM). Zimmermann vermittelt ökologische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte von Wassertechnik und Wassermanagement für aride Zonen und stellt neben Methoden auch Beispiele aus aktuellen Forschungsprojekten vor.

An der Leuphana Universität in Lüneburg führt ISOE-Forscher Matthias Bergmann mit Masterstudierenden der Nachhaltigkeitswissenschaft ein transdisziplinäres Forschungsprojekt durch. Unter dem Titel „Nachhaltige Kommunalentwicklung in den Biosphärenreservaten der Metropolregion Hamburg“ entwickeln die Studierenden Visionen und konkrete Maßnahmen für interkommunale Nachhaltigkeitsprozesse und Initiativen. Als Grundsage hierfür ist im vorausgegangenen Sommersemester bereits eine Beschreibung der Biosphärenregion erarbeitet worden. 

An der Universität Trier bietet Fanny Frick-Trzebitzky das Seminar „Socio Hydrology/Soziale Hydrologie“ an. Das Seminar begleitet die gleichnamige Vorlesung für Studierende im Master Angewandte Humangeographie, Environmental Sciences und sonstiger Fachrichtungen.

Alle Lehrveranstaltungen des ISOE im Überblick:
www.isoe.de/lehre/lehrveranstaltungen

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news-602 Thu, 13 Oct 2022 11:23:00 +0200 Studie zur Betriebswassernutzung - Wie Frankfurt am Main künftig Trinkwasser ersetzen könnte https://www.isoe.de/news/wie-frankfurt-am-main-kuenftig-trinkwasser-ersetzen-koennte/ Die öffentliche Trinkwasserversorgung gerät insbesondere in Städten durch Bevölkerungswachstum und den Klimawandel immer stärker unter Druck. Lang anhaltende Trockenzeiten und große Hitze bringen auch in Frankfurt am Main das komplexe Wasserversorgungssystem in Phasen des Spitzenbedarfs an seine Grenzen. Im Auftrag des Wasserbeschaffungsunternehmens Hessenwasser hat das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung untersucht, in welchem Umfang Trinkwasser in der Metropole durch Betriebswasser aus alternativen Ressourcen ersetzt werden könnte. In zwei Szenarien zeigen Forscher*innen die Potenziale häuslicher Betriebswassernutzung bis zum Jahr 2050. Wie könnten die vorhandenen Ressourcen in Frankfurt am Main so genutzt werden, dass der absehbar zusätzliche Wasserbedarf – durch Bevölkerungswachstum und klimatische Veränderungen – künftig gedeckt wird? Welcher Anteil der Trinkwassermenge könnte beispielsweise im Bereich der Haushalte durch Betriebswasser, auch als Brauchwasser bezeichnet, ersetzt werden? Welche Maßnahmen wären dafür nötig? Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat das unter anderem am Beispiel eines Bestands- und eines Neubaugebiets in Frankfurt untersucht. Die Studie „Abschätzung theoretischer Trinkwasser-substitutionspotenziale in Frankfurt am Main“ basiert auf umfangreichen Erhebungen und vorhandenen Gutachten und umfasst zwei Szenarien mit einem zeitlichen Horizont bis 2050.

Häuslicher Trinkwassertagesbedarf pro Kopf: Rechnerisch 39 Liter ersetzbar

Ausgehend vom durchschnittlichen Trinkwasserbedarf der Haushalte einschließlich Kleingewerbe von täglich 118 Litern pro Einwohner*in haben ISOE-Wasserexpert*innen untersucht: Wie viel davon könnte durch Wasser ersetzt werden, das zwar keine Trinkwasserqualität aufweist, für eine Verwendung im Haushalt aber dennoch unbedenklich ist? Gemeint ist Betriebs- bzw. Brauchwasser, das sich aus Regen- oder Flusswasser gewinnen lässt. Dazu zählt auch gereinigtes Grauwasser oder Grundwasser, das etwa beim Bau von Hochhäusern abgepumpt werden muss und für bestimmte Bedarfe im Haushalt, insbesondere für Toilettenspülung, Raumreinigung und Gartenbewässerung genutzt werden kann. „Rein rechnerisch lassen sich mit alternativen Wasserressourcen in Frankfurt am Main 33 Prozent des Trinkwassers im häuslichen Bereich ersetzen“, sagt ISOE-Wasserexperte und Erstautor der Studie Engelbert Schramm. „Das sind 39 Liter des durchschnittlichen häuslichen Tagesverbrauchs einer Person in der Stadt.“ In welchem Umfang sich diese grundsätzlich mögliche Substitutionsmenge bis zum Jahr 2050 erreichen lässt, zeigen die beiden Szenarien „Trend“ und „Besondere Anstrengung“.

Szenario „Besondere Anstrengung“ – Betriebswasser kann Mehrbedarf ersetzen

Im Szenario „Besondere Anstrengung“ ließen sich durch eine konsequente Betriebswassernutzung bis 2050 etwa 13 Prozent an Trinkwasser im häuslichen Bereich ersetzen. Das entspricht einem Einsparvolumen von 5,5 Millionen Kubikmeter im Jahr. Mit einer erweiterten Betriebswassernutzung auch in anderen Bereichen ließe sich das Substitutionspotenzial in diesem Szenario sogar auf 6,6 Millionen Kubikmeter erhöhen. „Theoretisch ist es möglich, den bis 2050 prognostizierten Mehrbedarf an Trinkwasser mit allen derzeit möglichen Maßnahmen durch Betriebswasser zu ersetzen“, sagt Schramm. Dafür müsse die Stadt auf einen Ressourcenmix aus Mainwasser, Grundwasser, Grau- und Regenwasser zurückgreifen und den Umbau der vorhandenen Infrastrukturen angehen. „Dieses Szenario setzt vonseiten der Kommune eine politische Entscheidung für eine öffentliche Betriebswasserversorgung durch lokale Betriebswassernetze insbesondere auch im Wohnungsbestand und deren Mitgestaltung voraus“, betont Schramm. Für die Haushalte seien durch die Betriebswassernutzung keine Komforteinbußen verbunden. Mit Blick auf die untersuchten Quartiere zeige sich, dass die Kosten von der gewählten Betriebswasservariante abhingen und sich in etwa im Rahmen der Kosten des bestehenden Wasser- und Abwassersystems bewegten. 

Szenario „Trend“ – Ersetzbare Trinkwassermenge gering

In einem zweiten Szenario hat das ISOE untersucht, was passiert, wenn bis 2050 nur solche Betriebswassernutzungen umgesetzt werden, die ohne größere Anstrengungen realisierbar sind. „Die ersetzbare Trinkwassermenge bleibt im Szenario, das sich am gegenwärtigen Trend orientiert, mit 0,5 Millionen Kubikmeter Wasser sehr gering und bringt deshalb keinen Entlastungseffekt“, sagt Schramm. Eine naheliegende Schlussfolgerung aus der Untersuchung sei vielleicht wenig überraschend, meint Mitautor Martin Zimmermann, der am ISOE den Forschungsschwerpunkt Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen leitet. „Die Stadt Frankfurt muss mittel- und langfristig neue Wege bei der Trinkwasserversorgung gehen, auch um den Druck auf die Wasservorkommen im Umland möglichst gering zu halten. Deshalb muss die Stadt jetzt dringend prüfen, welche Angebote sie zum Ersetzen von Trinkwasser machen kann.“ 

Nachhaltige Transformation der Wasserversorgung

Die ISOE-Studie im Auftrag von Hessenwasser bietet der Stadt Frankfurt eine Grundlage, um kommunalpolitische Entscheidungen über die künftige Strategie bei der Wasserversorgung vorzubereiten. „Ein nachhaltiges Wasserversorgungssystem setzt die Betriebswassernutzung als akzeptierten Standard voraus“, sagt Zimmermann. Dafür sei eine Kombination aus Technik, Ordnungs-, Preis- und Anreizpolitik notwendig. „Die Nutzung von Betriebswasser ist juristisch, technisch und ökonomisch realisierbar und sozioökonomisch denkbar, insofern sich Bewohner*innen für den Ersatz von Trinkwasser durch alternative Wasserressourcen offen zeigen“, so Zimmermann. „Die Studie zeigt, dass die wichtigsten Voraussetzungen für die Transformation der Wasserversorgung in Richtung Nachhaltigkeit und hin zu einer Betriebswasserkultur in Frankfurt am Main gegeben sind.“ 

Zur Studie 

Die Studie „Abschätzung theoretischer Trinkwassersubstitutionspotenziale in Frankfurt am Main“ ist im Auftrag der Wasserbeschaffungsgesellschaft Hessenwasser entstanden und steht als Download zur Verfügung.

Schramm, Engelbert/Martina Winker/Michaela Rohrbach/Martin Zimmermann/Christian Remy (2022): Abschätzung theoretischer Trinkwassersubstitutionspotenziale in Frankfurt am Main. Optionen der Betriebswassernutzung und deren ökonomische und ökologische Auswirkungen im Betrachtungshorizont bis 2050. Unter Mitarbeit von Christoph Meyer. ISOE-Studientexte, 26. Frankfurt am Main: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Martin Zimmermann
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news-603 Tue, 11 Oct 2022 14:46:23 +0200 Auszeichnung der Goethe-Universität - Frankfurter Preis für Umwelt und Nachhaltigkeit geht an ISOE-Forschende https://www.isoe.de/news/frankfurter-preis-fuer-umwelt-und-nachhaltigkeit-geht-an-isoe-forschende/ Die Goethe-Universität Frankfurt zeichnet auch 2022 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende Qualifikationsarbeiten im Feld der Umwelt- und sozial-ökologischen Nachhaltigkeitsforschung aus. Die beiden Hauptpreise gehen dieses Jahr an Lisa Zimmermann und Lukas Sattlegger aus der ISOE-Forschungsgruppe „PlastX – Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme“. Die Preisverleihung findet am 21. November 2022 statt. Lisa Zimmermann und Lukas Sattlegger nehmen den Hauptpreis für ihre Dissertationen in den Fachbereichen Biowissenschaften beziehungsweise Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität entgegen. Beide haben ihre Arbeiten im Zuge der Forschungsarbeiten in „PlastX“ realisiert. Diese vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte SÖF-Nachwuchsgruppe war von 2015 bis 2021 am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt verankert und wurde von Johanna Kramm und Carolin Völker geleitet. Die Projektforschung in PlastX war interdisziplinär angelegt, um die Risiken, die mit dem Material Plastik durch die Herstellung, Verwendung und Entsorgung verbunden sind, aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen.

Lukas Sattlegger hat sich in seiner Dissertation im Fach Soziologie mit Schwierigkeiten und Potenzialen der Verpackungsvermeidung beschäftigt. Aus praxistheoretischer Perspektive hat er sich mit der Frage befasst, wie im Lebensmittelhandel mit und an Verpackungen gearbeitet wird. Sattlegger hat dafür in verschiedenen Bereichen des Lebensmittelhandels ethnografisch geforscht und eine Vielzahl von Verpackungsfunktionen insbesondere im Supermarkt identifiziert, die bei einer Transformation hin zu einer nachhaltigeren Verpackung berücksichtigt werden müssen. Seine Analyse zeige, dass nicht einfach auf Plastik verzichtet werden kann, sondern erst neue Praktiken für den Umgang mit dem Plastikersatz entwickelt werden müssen, so die Gutachter*innen der Goethe-Universität.

Risiken des Plastikkonsums: sozial- und naturwissenschaftliche Perspektive

Lisa Zimmermann erhält den Hauptpreis für ihre naturwissenschaftliche Untersuchung von Plastikprodukten im Fach Aquatische Ökotoxikologie. Die Gutachter*innen verweisen auf die umfassende toxikologische und chemische Charakterisierung der chemischen Gemische, die Zimmermann in einem Großteil von Alltagskunststoffen nachweisen konnte. In den von ihr untersuchten Alltagsprodukten aus herkömmlichem Plastik ließen sich ebenso wie in den Produkten aus biobasierten und bioabbaubaren Materialien mehr als 1400 Chemikalien nachweisen. Die PlastX-Forscherin konnte nachweisen, dass diese mehrheitlich nicht mit chemischer Analytik identifizierbar sind und somit in Risikobewertungen nicht berücksichtigt werden. Ihre Untersuchung zeigt, dass auch die als nachhaltiger geltenden „Bio-Alternativen“ mit problematischen Ersatzstoffen versehen sind. 
Die Umweltpreise der Goethe-Universität werden am 21. November 2022 ab 14 Uhr im Renate von Metzler-Saal (Casino) auf dem Campus Westend verliehen. 

Mehr über die Forschungsgruppe PlastX

www.isoe.de/forschung/nachwuchsgruppe-plastx  

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Johanna Kramm
Tel. +49 69 707 6919-16
 
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news-596 Tue, 20 Sep 2022 09:12:27 +0200 Biodiversität - Insektenvielfalt in der Stadt – Stadtspaziergang, Science Slam und Kinoreihe im Forschungsprojekt SLInBio https://www.isoe.de/news/slinbio-stadtspaziergang-science-slam-kinoreihe/ Für den Erhalt der Insektenvielfalt sind auch Stadtbewohner*innen gefragt. Ihr Wissen über Insekten, ihr Umgang mit Libellen, Hummeln und Artverwandten und ihre Wertschätzung haben einen erheblichen Einfluss auf deren Biodiversität. Im Forschungsprojekt SLInBio untersuchen Frankfurter Forschungs- und Praxispartner unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung diesen Zusammenhang am Beispiel der Mainmetropole genauer. Sie bieten zudem zahlreiche Gelegenheiten zum Mitmachen, Lernen und Erleben an. Zum umfangreichen Programm gehören unter anderem ein Stadtspaziergang, ein Science Slam und eine Kinoreihe.  Die Insektenvielfalt ist weltweit bedroht. Gleichzeitig werden Städte immer häufiger zu Rückzugsorten für Insekten. Da ihre Vielfalt trotz aller Bemühungen weiter abnimmt, ist es von großer Bedeutung, das Potenzial von Städten als Lebensraum für Insekten noch besser zu nutzen. Eine vielfältige Insektenwelt ist essenziell für den Erhalt der Ökosysteme. Doch nicht alle Insekten sind den Menschen gleich willkommen. Welche Rolle spielen Insekten für Frankfurter Gärtner*innen? Wie lassen sich neuartige Stechmücken auf umweltfreundliche Art bekämpfen? Und was ist zu beachten, wenn man im eigenen Garten einen Beitrag leisten möchte zum Schutz der Insektenvielfalt?

Insektenvielfalt in der Stadt – gemeinsamer Stadtspaziergang mit Wissenschaftler*innen 

Während des etwa zweistündigen Stadtspaziergangs durch den Botanischen Garten und den Grüneburgpark geben Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Einblicke in aktuelle Projekte der Biodiversitätsforschung – unter anderem in Frankfurt. Die Teilnehmenden erfahren dabei, was sie für den Erhalt der Insektenvielfalt in Städten konkret tun können. Der Stadtspaziergang ist ein Beitrag im Rahmen des 7. Hessischen Tages der Nachhaltigkeit am 29. September 2022.

Science Slam „No bees no Bembel“ im Palmengarten 

Warum Insektenvielfalt überhaupt wichtig sind und wo die Potenziale und Grenzen von Städten dafür liegen, sind Fragen, denen sich auch der Science Slam „No bees no Bembel“ im Musikpavillion des Palmengartens am 1. Oktober 2022 widmet. Er findet im Rahmen der Spätsommerschau und Aktionswochenende „Halt den Sommer fest“ des Frankfurter Palmengartens statt und wird von einem Wissenschaftsgespräch eröffnet. Daran nimmt neben  der Palmengarten-Direktorin Katja Heubach und der Autorin Frauke Fischer („Was hat die Mücke je für uns getan“) auch ISOE-Forscherin Marion Mehring teil und berichtet über die sozialwissenschaftliche Perspektive zum Stand der Biodiversitätsforschung. 

Kleine Insekten ganz groß – auf der Leinwand 

Eine ganz andere Form der Auseinandersetzung mit dem Thema Insekten bietet das ISOE mit einer Filmreihe an. Ob als instinktiver Schocker im Horror-Genre oder als Projektionsfläche für das „Fremde“ im SciFi-Film: Insekten mussten in der Filmgeschichte schon für vieles herhalten. Angesichts des Insektensterbens ist es nun höchste Zeit für einen neuen Blick, zu dem Interessierte an drei Terminen im Oktober in das Kino Orfeo‘s Erben eingeladen sind. Gezeigt werden die Klassiker und Arthouse-Filme „Starship Troopers“, „Tagebuch einer Biene“ und „Hmyz/Insects“. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Zu den Terminen: 

www.insektenvielfalt-frankfurt.org/termine 

Mehr zum Forschungsprojekt:

www.insektenvielfalt-frankfurt.org/das-projekt 
 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Marion Mehring
Tel. +49 69 707 6919-39
 
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Melanie Neugart
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news-595 Mon, 12 Sep 2022 15:47:43 +0200 ISOE-Diskussionsveranstaltung - Wo ist das Wasser? – Wege aus der Wasserkrise https://www.isoe.de/news/wo-ist-das-wasser-wege-aus-der-wasserkrise-1/ Anhaltende Dürren und extreme Hitzewellen: Was im Süden Europas schon länger Realität ist, bekommt auch der Westen Europas in diesem Sommer zu spüren. Flüsse und Seen fallen trocken, Trinkwasserquellen versiegen, weil zu viel Wasser verbraucht wird, während wenig Regen fällt. In vielen Regionen wird die Wassernutzung deshalb rationiert. In einer Online-Diskussionsveranstaltung des ISOE ‒ Institut für sozial-ökologische Forschung zeigen Wasserexpert*innen am 20. September 2022, welchen Einfluss der Klimawandel auf den Wasserkreislauf hat und welche Anpassungen notwendig sind, um die Wasserversorgung nachhaltig zu sichern. Es ist der trockenste und sonnenreichste Sommer Westeuropas seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Niederschlagsmuster haben sich großräumig verändert, das heißt:  Hitze und Dürre drohen in den kommenden Jahrzehnten in unseren Sommern zur Normalität zu werden. Gleichzeitig werden in anderen Teilen der Erde Sturzfluten Tausende von Menschenleben kosten und Millionen Menschen obdachlos machen, ein aktuelles Beispiel ist Pakistan. 

Was passiert da genau? Der Klimawandel beeinflusst den globalen Wasserkreislauf und verändert damit lokal die hydrologischen Bedingungen. Unsere über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen und Strategien im Wassermanagement sind an solch massive Änderungen nicht angepasst und stoßen immer häufiger an Grenzen. Deshalb sind dringend Anpassungen notwendig. Aber wie sehen Maßnahmen aus, die gezielt einen (klima-)gerechten Umgang mit Wasser ermöglichen? 

Der Einfluss des Menschen auf den natürlichen Wasserkreislauf 

In der Online-Veranstaltung des ISOE zeichnen die Wissenschaftler*innen Fanny Frick-Trzebitzky und Robert Lütkemeier den Einfluss des Menschen auf den natürlichen Wasserkreislauf in einem kurzen Impulsvortrag nach und stellen aktuelle Ergebnisse ihrer Wasserforschung zur Diskussion. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen in Deutschland und Europa unter neuen Bedingungen von Trockenheit aussehen kann. Welche konkreten Gestaltungsmöglichkeiten und -aufträge gibt es – für jeden Einzelnen, aber auch für die Politik und Unternehmen.

Dr. Fanny Frick-Trzebitzky und Dr. Robert Lütkemeier leiten die Nachwuchsgruppe „regulate zu nachhaltigem Management von Grundwasser unter Beachtung neuer räumlicher Zusammenhänge“. Das Projektteam untersucht aktuelle Herausforderungen im Management von Grundwasser in Europa vor dem Hintergrund akuter Trockenheit, qualitativer Belastungen, zunehmender Konflikte und komplexer institutioneller Rahmenbedingungen. Das Team aus Wissenschaftler*innen der Natur- und Sozialwissenschaften erarbeitet Strategien für einen nachhaltigen Umgang mit Grundwasser. Der Fokus liegt dabei auf sogenannten Telekopplungen, also Fernwirkungen, die lokal zu Problemen von Qualität und Verfügbarkeit führen, ihren Ursprung allerdings in sozioökonomischen und politischen Verflechtungen in anderen Regionen haben. Mehr unter: https://regulate-project.eu/

ISOE-Diskussionsveranstaltung

„Wo ist das Wasser? – Wege aus der Wasserkrise“

20. September 2022, 19.00 – 20.00 Uhr (online)
Anmeldungen unter https://isoe.clickmeeting.com/wasser

Ansprechpartnerin: 

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart

Veranstalter:

ISOE  Institut für sozial-ökologische Forschung

Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung
Mitdiskutieren: #Wasser #Wasserkrise #Klimawandel

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Fanny Frick-Trzebitzky 
+49 69 707 6919-55
 

Dr. Robert Lütkemeier
+49 69 707 6919-55

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Melanie Neugart
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news-588 Thu, 01 Sep 2022 16:56:46 +0200 Sozial-ökologische Transformationen - Forschungsprojekt netWORKS 4 virtuell auf Tournee  https://www.isoe.de/news/forschungsprojekt-networks-4-virtuell-auf-tournee/ Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Wie werden unsere Städte lebenswert, CO2-neutral, klimaangepasst, energie- und ressourceneffizient? Dazu haben rund 50 Forschungsteams aus unterschiedlichen Disziplinen praxisnahe Strategien und Produkte entwickelt. In einer virtuellen Deutschland-Tour werden schon seit Juni exemplarisch Ergebnisse aus dieser Zukunftsstadt-Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die beteiligten Städte vorgestellt. Nun macht die Tour virtuell in Berlin halt, unter anderem mit dem Projekt netWORKS 4, das das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) leitet. Quer durch die Berliner Bezirke wird in Reallaboren auf vielfältige Weise erforscht, wie Berlin nachhaltig in die Zukunft reisen kann. So bringt etwa Charlottenburg-Wilmersdorf die urbane Wärmewende mit einer nachhaltigen Wärmeversorgung voran und sorgt für innovative Logistiklösungen. In Reinickendorf wird das Zusammenleben in städtischen Quartieren neu gedacht, und in Pankow entstehen neue Verkehrs- und Mobilitätskonzepte. Ebenfalls in Pankow werden Ideen für eine klimaangepasste Wasserbewirtschaftung aus dem Forschungsprojekt netWORKS 4 erprobt.

Mit Regenwasser gegen den Klimawandel

Der Klimawandel ist auch in Berlin zu spüren: Überflutete Straßen, vertrocknete Wiesen – Starkregen und Hitze- sowie Trockenperioden wechseln sich stetig ab. Im Forschungsprojekt netWORKS 4 hat deshalb ein Wissenschaftsteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) untersucht, wie Klimaanpassung in Kommunen mithilfe einer klugen Wasserinfrastrukturplanung gelingen kann. Die Zukunftsstadt*Tour zeigt das am Beispiel des Stadtumbaugebiets Greifswalder Straße. Hier entwickelte netWORKS 4 gemeinsam mit dem Bezirksamt Pankow ein Konzept zur Wasserbewirtschaftung für die Sanierung und Erweiterung einer Kindertagesstätte.

Die frühzeitige integrative Planung der blau-grün-grauen Infrastrukturen lohne sich nicht nur für die Stadt Berlin gleich mehrfach, sind sich die Projektleitenden von netWORKS 4, Martina Winker (ISOE) und Jan Hendrik Trapp (Difu), sicher. Die Projektergebnisse hätten gezeigt, dass Ressourcen geschont und eine optimale, flächenschonende Anpassungsstrategie ermöglicht würde. Im Zuge des Projekts konnte auch die Zusammenarbeit des Bezirksamtes mit der Berliner Regenwasseragentur intensiviert werden, um künftig Regenwasserbewirtschaftung in den Stadtplanungsprozess zu integrieren.

Lösungen für die Zukunftsstadt als Vorbild für andere Kommunen

Die virtuelle Zukunftsstadt*Tour ist im Juni 2022 gestartet und zeigt nach und nach ausgewählte Konzepte und Produkte aus Forschungsprojekten unterschiedlicher Standorte in Deutschland. Die Online-Tournee zeigt damit exemplarisch innovative Lösungen, auf die Kommunen schon jetzt angewiesen sind, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Bis Dezember 2023 werden Projekte aus mehr als 20 Kommunen auf der Tour-Website www.nachhaltig-zukunftsstadt.de vorgestellt, um Erfahrungen mit interessierten Städten zu teilen. Podcasts, Leitfäden, Videos und Tool-Boxen geben dabei Einblicke in die wissenschaftlichen Ergebnisse.

Das Synthese- und Vernetzungsprojekt SynVer*Z initiiert die Zukunftsstadt*Tour und begleitet die Zukunftsstadt-Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Es wird gemeinsam getragen vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung sowie Gröschel Branding. Eine Besonderheit: Alle Projekte in diesem Verbund sind transdisziplinär angelegt und orientieren sich an zentralen Themen und Herausforderungen wie Klimaanpassung und urbane Resilienz, städtische Grünflächen und Freiräume, urbane Mobilität und Logistik, sozialer Zusammenhalt und Teilhabe, urbane Produktion sowie städtische Infrastrukturen. Dazu arbeiten Wissenschaftsteams, Kommunalpolitik und -verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in Reallaboren vor Ort zusammen.

Mehr zum Forschungsprojekt netWORKS 4

netWORKS 4 – Resilient networks: Beiträge städtischer Versorgungssysteme zur Klimagerechtigkeit 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Martina Winker
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news-586 Fri, 26 Aug 2022 16:04:44 +0200 Forschungsprojekt AQUA-Hub - Wissenstransfer zu nachhaltigen Wasserinfrastrukturen in Indien https://www.isoe.de/news/wissenstransfer-zu-nachhaltigen-wasserinfrastrukturen-in-indien/ Indiens schnell wachsende Städte benötigen eine leistungsfähige Infrastruktur für die Versorgung mit Wasser und für die Entsorgung von Abwasser. Doch der Ausbau der Wasserinfrastrukturen kann mit dem Bevölkerungswachstum kaum mithalten. Eine Forschungskooperation, an der auch das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung beteiligt ist, unterstützt deshalb mit dem Projekt „AQUA-Hub“ den Aufbau einer nachhaltigen Wasserinfrastruktur in der südindischen Stadt Coimbatore. Im Zentrum steht dabei eine Anlaufstelle für den deutsch-indischen Technologie- und Wissenstransfer, der sogenannte Water Innovation Hub. Aktuelles dazu berichtet das Forschungsteam nun regelmäßig im neuen Format „HubPost“. Mit ihren 1,7 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von knapp 260 Quadratkilometern ist die südindische Industriestadt Coimbatore eine typische schnell wachsende Metropole. Ihr wird in den nächsten 30 Jahren ein Bevölkerungszuwachs von einer weiteren Million Menschen prognostiziert. Doch schon jetzt gilt die Sicherstellung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung als eines der dringendsten Probleme. Die Konkurrenzen um die Wasserressourcen sind vielfältig, vielerorts ist die Trinkwasserversorgung auf nur wenige Stunden alle fünf bis zehn Tage beschränkt. Auch fehlen Abwassersysteme und Kläranlagen, und die weitreichende Seenlandschaft um die Stadt ist ebenso durch Abwässer belastet wie der Noyyal-Fluss, der durch das Stadtgebiet fließt.

Wie konnte es dazu kommen, dass die für ihre besondere Wassertradition bekannte Stadt Coimbatore mit ihrer jahrhundertalten, effizienten Wasserableitung heute vor so gewaltigen Problemen steht? In dem neuen Format für Wissenschaftskommunikation im Forschungsprojekt AQUA-Hub berichtet das deutsch-indische Team über die Hintergründe dieser Entwicklung. Hub-Managerin Sreya Prakash widmet sich im ersten und zweiten Teil der Reihe „HubPost“ der Geschichte Coimbatores und ihrem Ruf als „Manchester Südindiens“. Prakash zeichnet nach, wie die Ökosysteme der ausgedehnten Seenlandschaft durch Übernutzung seit dem Beginn der 1970er-Jahre zerstört wurden. „Die Seen haben sich um 50 Prozent verkleinert und sind im Wesentlichen zu Abwassertanks geworden“, berichtet Prakash im HubPost No. 2 „The Slow Death of the Lakes”.

Innovationen im Wassersektor: Deutsch-indisches Forschungsprojekt für Technologie- und Wissenstransfer

„Die Herausforderungen, die sich für die Stadt Coimbatore aus dem Missmanagement von Wasserressourcen in der Vergangenheit ergeben, sind beispielhaft für indische Metropolen“, sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr. Die Zeit dränge. „Wirksame Maßnahmen, um die Verschmutzung der städtischen Gewässer zu stoppen und die Wasserqualität zu verbessern, zu sichern und zu überwachen, müssen nicht nur in Coimbatore so schnell wie möglich umgesetzt werden.“ Als eine der hundert sogenannten „Smart Cities“ Indiens habe Coimbatore tatsächlich die Chance, beispielhafte Lösungen für eine innovative Wasserversorgung und Wasserentsorgung umzusetzen und damit die Weichen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu stellen.

Im Zuge des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Vorgängerprojekts Smart Water Future India (SWF India) hatte ein deutsch-indisches Forschungsteam dafür zunächst den Wassersektor von Coimbatore analysiert und den Bedarf an Umwelttechnologien und intelligenten Wassermanagementstrategien für eine nachhaltige Wasserver- und -entsorgung herausgearbeitet. Für den Wissens- und Technologietransfer der Ergebnisse wurde im aktuellen Projekt „AQUA-Hub“ nun an zwei Pilotstandorten das Konzept der Water Innovation Hubs als Netzwerk- und Projektzentren entwickelt. Neben Coimbatore ist auch in Solapur ein solches Zentrum eröffnet worden. Die Hubs verbinden das Angebot innovativer Wasserinfrastrukturlösungen mit der entsprechenden Nachfrage. Sie ermöglichen zudem Unternehmen und Forschungsinstituten aus Deutschland, ihre innovativen Technologien vor Ort bekannt zu machen, Pilotanlagen gemeinsam mit indischen Partnern zu testen und unter den spezifischen Bedingungen in Indien weiterzuentwickeln.

Das Forschungsprojekt AQUA-Hub wird im Rahmen des Programms „Exportinitiative Umweltschutz“ (EXI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert. Das Projekt wird vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnologie IGB geleitet. Forschungspartner sind das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, die Landesagentur Umwelttechnik BW (UTBW) sowie indische Partner und deutsche Unternehmen.

Zum Projekt AQUA-Hub auf der ISOE-Homepage

www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/aqua-hub/

Zu den beiden ersten Ausgaben der Reihe „HubPost“

Prakash, Sreya/Stefan Liehr/Marc Beckett/Marius Mohr (2022): Coimbatore's Lakes - An Introduction. Water Innovation Hub Coimbatore - HubPost, 1. Coimbatore, Frankfurt am Main, Stuttgart

Prakash, Sreya/Stefan Liehr/Marc Beckett/Marius Mohr (2022): The Slow Death of the Lakes. Water Innovation Hub Coimbatore - HubPost, 2. Coimbatore, Frankfurt am Main, Stuttgart

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr
Tel. +49 (0)69 707 6919-36
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Melanie Neugart
Tel. +49 (0)69 707 6919-51
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news-585 Thu, 18 Aug 2022 09:34:00 +0200 Befragung zu Klimaanpassung - Hessens Kommunen im Klimawandel https://www.isoe.de/news/hessens-kommunen-im-klimawandel/ Die Folgen des Klimawandels spüren auch Hessens Kommunen immer deutlicher. Mit dem derzeit aktuellen „Integrierten Klimaschutzplan 2025“ zielt das Land deshalb auf umfangreiche Maßnahmen zur Klimaanpassung. Doch bei der Umsetzung stehen Mitarbeitende in Städten und Gemeinden vor großen Herausforderungen. Welche Expertise haben oder benötigen sie, um Maßnahmen zur Klimaanpassung erfolgreich umzusetzen? Für eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme wendet sich das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung noch bis September 2022 mit einer Online-Befragung an kommunale Akteure in Hessen. Die Herausforderungen für Kommunen sind gewaltig, was die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen betrifft – nicht nur in Hessen. Der Aufgabenkatalog ist weitreichend. Er reicht von kleinräumigen Anpassungsmaßnahmen über umfassende Risikobewertungen bis hin zu fachübergreifenden Querschnittsaufgaben. Je nach Größe und Lage der Kommunen gestalten sich die Herausforderungen und die Wissensbedarfe daher sehr unterschiedlich. Oft fehlen in der kommunalen Alltagspraxis auch Zeit und Kapazitäten, um das breite Informationsangebot zu sichten. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel werden mithin für viele Städte und Gemeinden zum Kraftakt.

Mit der Frage, wie kommunale Akteure bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen noch besser unterstützt werden können, beschäftigt sich das Forschungsprojekt WissTransKlima. „Wir wollen besser verstehen, wie es in den hessischen Städten und Gemeinden um das Thema Klimaanpassung bestellt ist, um speziell für Kommunen zugeschnittene Informations- und Beratungsangebote zu entwickeln“, sagt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin des Forschungsprojekts.

WissTransKlima: Forschungsprojekt zur Unterstützung hessischer Kommunen

Das Forschungsteam ruft deshalb jene Mitarbeitende in den hessischen Kommunen zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Befragung auf, die sich mit dem Thema Klima und Klimaanpassung befassen. Die anonyme Umfrage wird online durchgeführt. Noch bis Mitte September können Mitarbeitende aus der kommunalen Verwaltungspraxis an der 10- bis 15-minütigen Umfrage teilnehmen. „Die Ergebnisse der Umfrage werden im kommenden Jahr mit Vertreterinnen und Vertretern einzelner Kommunen in moderierten Workshops diskutiert, um dann gemeinsam Lösungsstrategien und Maßnahmen zu erarbeiten“, erklärt ISOE-Klimaexperte Thomas Friedrich. „Die an der Befragung Teilnehmenden können uns im Rahmen der Befragung ihr Interesse an diesen Workshops sehr gern mitteilen.“

Das Forschungsprojekt „Wissenstransfer in Kommunen – Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine gelingende Klimaanpassung (WissTransKlima)“ wird durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gefördert und als Leitlinienprojekt umgesetzt. Das ISOE führt die transdisziplinäre Forschungs- und Praxisarbeit in dem dreijährigen Projekt zusammen mit dem Fachzentrum Klimawandel und Anpassung (FZK) noch bis September 2024 durch.

Mehr zum Projekt

WissTransKlima – Wissenstransfer für eine bessere Klimaanpassung in Kommunen
 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Thomas Friedrich 
Tel. +49 69 707 6919-60
 
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news-579 Fri, 05 Aug 2022 15:57:57 +0200 Leseempfehlung - Perspektiven sozialwissenschaftlicher Klimaforschung https://www.isoe.de/news/perspektiven-sozialwissenschaftlicher-klimaforschung/ Lange galten die Naturwissenschaften als „zuständig“ für die Klimaforschung. Entsprechend unterrepräsentiert waren die Sozialwissenschaften im Klimadiskurs. Doch inzwischen hat die Wahrnehmung vom Klimawandel als zentrales gesellschaftliches Problem zu einer Vielzahl an sozialwissenschaftlichen Publikationen geführt – und zu einer wachsenden Unübersichtlichkeit. Der Sammelband „Schlüsselwerke der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung“ will Orientierung geben und thematisiert zentrale Texte dieses Forschungsfeldes. Die ISOE-Forscher*innen Alexandra Lux, Lena Theiler und Thomas Friedrich haben sich für den Band mit Transdisziplinarität und Ethnologie in der Klimaforschung beschäftigt. Der Klimawandel ist ein komplexes gesellschaftliches Problem. Zu seiner Erforschung haben verschiedene wissenschaftliche Disziplinen bereits viel Wissen beigetragen. „Die naturwissenschaftliche Klimaforschung kann erklären, warum der Klimawandel entsteht und welche Auswirkungen er auf Ökosysteme hat. Die sozialwissenschaftliche Klimaforschung kann zeigen, wie fossile Rohstoffe gesellschaftliche Entwicklungen prägen, aber auch, wie Klimawandel als soziales Konstrukt in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären gerahmt und verhandelt wird“, schreiben Alexandra Lux und Lena Theiler im ihrem Beitrag über Transdisziplinarität als Forschungsmodus für integrative Klimaforschung. 

Es gehe beim Klimawandel nicht allein darum, das Problem wissenschaftlich zu verstehen, sondern auch um Lösungen für Politik und Gesellschaft. „Solche Fragen kann keine Disziplin allein beantworten, und für eine gute Umsetzung braucht es zusätzlich praktisches Wissen,“ betonen die Autorinnen und verweisen auf den transdisziplinären Forschungsmodus, der für solche komplexen Fragestellungen entwickelt wurde. In ihrem Beitrag skizzieren Lux und Theiler einen idealtypischen transdisziplinären Forschungsprozess und verweisen zugleich auf wissenschaftliche Schlüsseltexte, die für das Verständnis dieses integrativen Forschungsmodus hilfreich sind. 

Umweltethnologie eröffnet neue Forschungsperspektiven im Klimawandeldiskurs

ISOE-Forscher Thomas Friedrich konzentriert sich in seinem Beitrag für den Sammelband auf eine Unterdisziplin der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung, die Umweltethnologie, und deren frühe Prägung durch die Ethnologinnen Margaret Mead und Mary Douglas. Insbesondere Douglas Sichtweise habe dazu beigetragen, „dass ökologische Risiken heute nicht nur als objektiv-messbare Tatsachen erforscht werden, sondern auch als soziale Konstruktionen“. Damit seien neue Forschungsperspektiven im Klimawandeldiskurs eröffnet worden, die zur Entwicklung einer Klimawandelethnologie geführt haben. Diese Entwicklung zeichnet Friedrich in seinem Beitrag mit Hinweisen auf entscheidende wissenschaftliche Texte nach. 

Friedrich zeigt auch den Ursprung der noch jungen Disziplin in der Umweltethnologie auf. Hier waren Mensch-Umwelt-Beziehungen, die die Ethnologie traditionell in kleinen, oft isolierten Gesellschaften untersucht, von Beginn an zentraler Forschungsgegenstand. Der Blick auf gegenseitige Einflüsse von Wetter, Klima und Gesellschaften ebenso wie auf globale Zusammenhänge öffnete sich jedoch erst Ende des 20. Jahrhunderts durch die Katastrophenforschung. Friedrich zeigt, wie die Globalisierung zunehmend den Analyserahmen ökologischer Ethnographien auf lokale Kontexte sprengte und sich das Verständnis einer globalen Ökologie entwickelte, die Ursachen und Wirkungen berücksichtigte. Daran knüpfte die ethnologische Klimaforschung an, zu deren besonderen Herausforderungen es bis heute gehört, lokale, geografische und disziplinäre Grenzen zu überwinden, „da nur so die komplexen Verflechtungen, die der Klimawandelthematik innewohnen, angemessen berücksichtigt werden können.“

Friedrich, Thomas (2022): Ethnologische Klimawandelforschung. In: Ibrahim, Youssef/Simone Rödder (Hg.): Schlüsselwerke der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung. Bielefeld: transcript Verlag, 317-324

Theiler, Lena/Alexandra Lux (2022): Transdisziplinarität als Forschungsmodusfür integrative Klimaforschung. In: Ibrahim, Youssef/Simone Rödder (Hg.): Schlüsselwerke der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung. Bielefeld: transcript Verlag, 407-414

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Alexandra Lux
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news-578 Fri, 29 Jul 2022 10:32:28 +0200 ISOE-Interview zum Stopp der BMBF-Fördermaßnahme „BioTip“ - Konsequenzen für die internationale Biodiversitätsforschung https://www.isoe.de/news/konsequenzen-fuer-die-internationale-biodiversitaetsforschung/ In der Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „BioTip – Kipppunkte, Dynamik und Wechselwirkungen von sozialen und ökologischen Systemen“ forschen rund 130 Wissenschaftler*innen seit 2019 in sieben internationalen Projekten zu den Wirkungsketten, die Ökosysteme zum Kippen bringen können. An zwei dieser Projekte ist auch das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung beteiligt. Im Juni hat das BMBF das vorzeitige Ende der Fördermaßnahme angekündigt. Im ISOE-Blog sprechen Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE, und Marion Mehring, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Biodiversität und Bevölkerung, über die Konsequenzen dieser Entscheidung – für die Projekte, die Forschenden sowie für die internationale Biodiversitätsforschung.  Der voranschreitende Verlust der Artenvielfalt und ganzer Ökosysteme ist – neben dem Klimawandel – eine zentrale Herausforderung der Gegenwart. Um die Lebensgrundlage künftiger Generationen zu bewahren, ist es entscheidend, die Funktionsweise von Kipppunkten in Ökosystemen besser zu verstehen und zu erforschen, wie sozial-ökologische Systeme intakt bleiben. Dieser Forschung haben sich die internationalen Biodiversitätsprojekte der BMBF-Fördermaßnahme BioTip seit 2019 gewidmet. Das Ende der Förderung aller BioTip-Projekte kurz vor der Ergebnisphase kam auch für das ISOE überraschend. 

„Im ISOE erforschen wir gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern unter anderem das Problem der Bodendegradation, also der Verschlechterung von Böden bis hin zur Unfruchtbarkeit, in der mongolischen Steppe und in der namibischen Savanne“, berichtet Marion Mehring im ISOE-Interview. „Diese Graslandschaften sind Beispiele für die letzten intakten Ökosysteme ihrer Art mit traditioneller Landnutzung und bedeutender Biodiversität.“ Folgenschwer sei das nicht nur für die in den beiden Projekten NamTip und MORESTEP arbeitenden Nachwuchswissenschaftler*innen, sondern auch für alle Forschungs- und Praxispartner in Namibia und der Mongolei. 

Große Forschungslücken in der Kipppunktforschung

„Besonders gravierend ist es aber für die Biodiversitätsforschung selbst“, sagt Mehring. Denn nach der mehrjährigen Vorbereitung stehe jetzt in der zweiten Förderphase, die ausdrücklich von Anfang an durch das BMBF vorgesehen gewesen sei, der Transfer der entwickelten Handlungsstrategien in die Praxis an. Dabei sollten valide Forschungsergebnisse für die Kipppunktforschung erarbeitet werden.

Auch Flurina Schneider sieht in dem Stopp der Fördermaßnahmen schwerwiegende Konsequenzen: „Es gibt in der Biodiversitätsforschung tatsächlich noch große Wissenslücken, gerade in Bezug auf die Kipppunkte“, berichtet die Geografin. Die Forschung dazu sei auch deshalb so komplex, weil es viele Wechselwirkungen mit zum Teil negativen Rückkoppelungen auf die anderen Ökosysteme oder das globale Klima gebe. „Und es gibt keine Lösungen, die von einem auf das andere Ökosystem eins zu eins übertragen werden könnten“, sagt Flurina Schneider. „Deshalb hat es natürlich Konsequenzen für die internationale Biodiversitätsforschung, wenn wegen des drohenden Förderstopps keine konkreten Ergebnisse zu den gewählten Standorten gewonnen, ausgewertet und zusammengeführt werden können.“

„Der Kollaps der Ökosysteme pausiert nicht“

Die am ISOE beteiligten Forscherinnen und Forscher hoffen zur Schadensbegrenzung nun wenigstens auf eine Abschlussfinanzierung, damit sie ihre Forschungsarbeiten an den Standorten einigermaßen geregelt abschließen können. Eine gute Lösung sei das aber noch nicht, mahnt Biodiversitätsforscherin Marion Mehring, denn „der Kollaps der Ökosysteme pausiert nicht“. Und auch Flurina Schneider betont im ISOE-Interview: „Die Zeiten, in denen wir wie selbstverständlich Ökosysteme bedenkenlos nutzen konnten, sind endgültig vorbei. Wir benötigen daher unbedingt eine langfristige Perspektive für die sozial-ökologische Biodiversitätsforschung.“

Das vollständige ISOE-Interview mit Flurina Schneider und Marion Mehring finden Sie in unserem Blog Soziale Ökologie: 
„Der Impact ist zum Greifen nah“ – Warum der Förderstopp für „BioTip“ auch Konsequenzen für die internationale Biodiversitätsforschung hat

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Prof. Dr. Flurina Schneider
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news-577 Fri, 22 Jul 2022 12:05:50 +0200 Nachhaltige Mobilität - Der Bahnhof der Zukunft als Mobilitätsplattform https://www.isoe.de/news/der-bahnhof-der-zukunft-als-mobilitaetsplattform/ Reisen beginnen und enden nicht an Bahnhöfen. Wie können diese daher so gestaltet werden, dass Reisende zum Beispiel noch einfacher die „erste“ und „letzte“ Meile bewältigen können? Die intelligente Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln, aber auch die Steigerung der Attraktivität von Bahnhöfen als Aufenthaltsorte, sind wichtige Bausteine der Verkehrswende. Mit dem Projekt „Bahnhof der Zukunft“ hat das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) über das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) beim Eisenbahn-Bundesamt ein Konsortium unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung beauftragt, einen modularen Maßnahmenkatalog dafür zu entwickeln. Dem Verkehrsmittel Bahn kommt bei der Verkehrswende eine Schlüsselrolle zu. Im Fokus steht insbesondere die Verknüpfung des Schienenverkehrs mit anderen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, wie Straßenbahn, Bus, Rad oder Sharing-Angeboten. „Anschlussmobilität ist ein entscheidendes Kriterium für die Attraktivität der Bahnmobilität, die sogenannte „erste“ und „letzte“ Meile bilden das Nadelöhr zum Ziel- und Ankunftsort“, sagt Jutta Deffner, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Mobilität und Urbane Räume am ISOE. Für Akteure wie die Deutsche Bahn, Verkehrsunternehmen, Mobilitätsanbieter und Kommunen sei die komfortable, einfache und verlässliche Verknüpfung mit dem Verkehrsmittel der Wahl zum Bahnhof und zum Ziel eine echte Herausforderung. „Mit Blick auf den Erhalt von Bahnhöfen und ihre Modernisierungen sollten unterschiedliche Reiseansprüche berücksichtigt und Mobilitätsmöglichkeiten mit bedacht und für eine nachhaltige Mobilität umgesetzt werden.“ 

Nachhaltige Mobilitätsplattform und Ort mit mehr Aufenthaltsqualität

Im Projekt „Bahnhof der Zukunft“ untersucht ein Forschungs- und Praxisteam unter der Leitung des ISOE im Auftrag des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF), wie Bahnhöfe so gestaltet werden können, dass sie zu Knotenpunkten für eine nachhaltige Mobilität werden. „Wir forschen für einen konsequenten Wandel vom Bahnhof als Station des Schienenverkehrs hin zu einer Mobilitätsplattform, die einen Gewinn für Reisende und Gäste darstellt,“ sagt Mobilitätsexpertin Deffner. Ein Ziel im Projekt sei es deshalb auch, Maßnahmen zu identifizieren, wie die Attraktivität von Bahnhöfen und ihrem Umfeld erhöht werden können – indem sie zugleich Treffpunkte und Orte für Kultur, Gastronomie und Freizeit werden. 

Studie ermittelt Nutzerfreundlichkeit von Bahnhöfen 

Für die Studie werden sozial-empirische Erhebungen durchgeführt, um die Bedürfnisse von Reisenden an Bahnhöfen als multimodale Schnittstellen zu erheben. Darauf aufbauend werden Maßnahmen entwickelt, die nicht nur die technische Seite der Mobilitätsfunktion von Bahnhöfen in den Blick nehmen, wie zum Beispiel Wegweisung, Sicherheit oder Barrierefreiheit. „Es geht uns auch darum, symbolisch-emotionale Aspekte der Mobilität zu berücksichtigen,“ sagt Deffner. „Wir wollen auch die Bedeutung von Design und Anmutung, Sicherheit und Sauberkeit systematisch in die Maßnahmen aufnehmen“.

Machbarkeit durch Virtual-Reality-Simulationen

In einer Machbarkeitsanalyse wird die Umsetzbarkeit der möglichen Maßnahmen abgeschätzt und durch Befragungen potenzieller Nutzer*innen in Virtual-Reality-Simulationen sowie anhand von 2D-Visualisierungen von Bahnhofsbereichen geprüft. So soll ein modularer Maßnahmenkatalog entstehen, eine Art Werkzeugkasten aus unterschiedlichen Möglichkeiten, der es den beteiligten Akteuren – Bahnhofsbetreibern und Kommunen – ermöglicht, flexibel die für ihre Situation geeigneten Lösungen zu wählen. „Je nach Art, Ausstattung und Lage des Bahnhofs können spezifische Maßnahmen dann auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzer*innen zugeschnitten werden, um die Bahnhöfe im Sinne einer Mobilitätsplattform zukunftssicher machen zu können,“ so Jutta Deffner.

Forschungspartner 

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung leitet das Projekt „Bahnhof der Zukunft als Kern multimodaler Mobilitätsplattformen in Kommunen – Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs“. Das Projekt wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) durch das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZFS) beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vergeben. Forschungs- und Praxispartner sind das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) mit dem Designinstitut für Mobilität und Logistik (DML), Nuts One GmbH, Berlin, Gateways, Amsterdam sowie aproxima Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar GmbH. Die Laufzeit endet im Februar 2025.

Mehr zum Forschungsprojekt

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Jutta Deffner
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news-519 Mon, 11 Jul 2022 15:36:00 +0200 ISOE-Workshop - Making the Invisible Touchable – Neue Wege in der Wissenschaftskommunikation https://www.isoe.de/news/making-the-invisible-touchable-neue-wege-in-der-wissenschaftskommunikation/ Die Weltgemeinschaft sieht sich nicht erst seit Beginn der Covid-19-Pandemie mit großen Herausforderungen konfrontiert. Allein der Klimawandel, der Artenverlust oder die Verschmutzung der Meere erfordern weltweit ebenso rasche wie umfassende sozial-ökologische Transformationen. Doch dafür muss ein möglichst großer Teil der Gesellschaft zum Mitmachen gewonnen werden. Könnte Wissenschaftskommunikation neue Wege gehen, um noch mehr Menschen für nachhaltige Lebens- und Konsumformen zu erreichen? Eignen sich künstlerische Konzepte dafür? In einem Workshop in Kooperation mit der Schader-Stiftung und der bildenden Künstlerin Merja Herzog-Hellstén fragt das ISOE nach der Rolle der Kunst und diskutiert mit den Teilnehmenden über geeignete Kooperationsformen mit der Wissenschaftskommunikation. Der Workshop „Making the Invisible Touchable – Neue Wege in der Wissenschaftskommunikation“ findet am 27. September 2022 in den Räumen der Schader-Stiftung in Darmstadt statt. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung realisiert auch in 2022 wieder in Kooperation mit der Schader-Stiftung eine Veranstaltung zum Schwepunktthema Wissenschaftskommunikation. Der Workshop  „Making the Invisible Touchable – Neue Wege in der Wissenschaftskommunikation“ fragt nach der Bedeutung ästhetisch-visueller Kommunikation für die Vermittlung wissenschaftlichen Wissens. Hintergrund ist der laut vernehmliche Ruf nach notwendigen Transformationen, die die Beschaffenheit unserer Gesellschaft, Institutionen und Prozesse ganz grundlegend berühren. Um als Gesellschaft gemeinsam diese nachhaltige Entwicklung anzugehen, spielt es eine wichtige Rolle, auf welche Weise Wissen an Menschen kommuniziert wird. Denn erst, wenn wir alle wissen, wie genau eine sozial-ökologische Transformation auch für uns persönlich aussehen kann, wächst auch unsere Bereitschaft, Teil dieses Veränderungsprozesses zu sein. 

Aktuell dominieren jedoch noch abstrakte Ziele und Konzepte, die oft von unserem Lebensalltag sehr entfernt scheinen. Kunst und Kultur können hier neue Wege für die Wissenschaftskommunikation eröffnen. Eine Reflektion der realen Welt, aber auch der Zukunft, auf künstlerischem Wege bietet einen anderen Zugang zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung. Diese Öffnungen abseits traditioneller Wege der Wissenschaftskommunikation können so auch komplexe Fragestellungen und Themen an Menschen vermitteln und verschiedene Zukunftsvorstellungen erfahrbar machen. 

Welche Rolle kann Kunst in der Wissenschaftskommunikation übernehmen? 

Wie kann eine solche Wissenschaftskommunikation aussehen, die nicht nur Elemente aus Kunst und Kultur für ihre Zwecke nutzt, sondern sich ganz gezielt einer ästhetisch-visuellen Kommunikation widmet? Welche transdisziplinären Möglichkeiten eröffnen sich zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung, wenn Künstler*innen in den Prozess der Wissenschaftskommunikation miteinbezogen werden? Welche Rolle kann Kunst hier übernehmen? Wie kann sie die vorherrschenden Narrative in der Gesellschaft in Frage stellen oder sogar verändern? Gibt es aber auch ethische und ästhetische Grenzen für den Einsatz von Kunst in der Vermittlung von Wissenschaft? 

All diese Fragen sollen in dem vierstündigen Workshop „Making the Invisible Touchable“, wenn nicht komplett geklärt, aber auf jeden Fall beleuchtet und diskutiert werden. „Der Workshop selbst ist gewissermaßen schon ein neuer Weg in die Wissenschaftskommunikation,“ sagt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation am ISOE. „Wir gehen mit der Veranstaltung schon direkt in die Kooperation mit der bildenden Künstlerin Merja Herzog-Hellstén, um schon in der Konzeption des Workshops Perspektiven aus der Wissenschaftskommunikation und der Kunst zu betrachten und zu erproben.“ So werden Beiträge aus der Wissenschaft und der Kunst in drei inhaltlichen Blöcken erarbeitet und besprochen. Zusammen mit den Teilnehmenden des Workshops werden exemplarische Wege und Ansätze zur Einbindung von Kunst in der Wissenschaftskommunikation erarbeitet. 

Workshop
„Making the Invisible Touchable – Neue Wege in der Wissenschaftskommunikation“

Datum und Uhrzeit: 27. September 2022, 13:00 – 17:00 Uhr

Anmeldung unter: www.schader-stiftung.de/veranstaltungen

Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart 
Tel. +49 69 707 6919-30
schuldt-baumgart(at)isoe.de 
www.isoe.de  

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Melanie Neugart
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news-571 Wed, 22 Jun 2022 08:00:00 +0200 ISOE Policy Brief - Wissenstransfer als Schlüssel für nachhaltige Landnutzung in Namibia https://www.isoe.de/news/wissenstransfer-als-schluessel-fuer-nachhaltige-landnutzung-in-namibia/ Nachhaltige Entwicklung und Naturschutz sind komplexe und sehr dynamische Themen: Der Stand der Forschung wird durch neue Erkenntnisse aus ganz unterschiedlichen Disziplinen ständig erweitert und verändert. Das macht den zielgerichteten Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu einer besonderen Herausforderung, denn für Transformationsprozesse ist es entscheidend, dass alle beteiligten Akteure gut ausgebildet und informiert sind. Im aktuellen ISOE-Policy Brief zeigen Forscher*innen am Beispiel der Weidelandbewirtschaftung in Namibia, wie der Prozess eines Transfers aus der Wissenschaft zu gesellschaftlichen Akteuren strukturiert aufgebaut werden kann. Klimawandel, Landmanagement, demografische und wirtschaftliche Entwicklungen erhöhen weltweit den Druck auf die natürlichen Ressourcen. Dies führt häufig zu Nutzungskonflikten. Vielerorts sind sogenannte integrierte Managementstrategien notwendig, um diesen Konflikten zu begegnen – auch mit dem Ziel, das Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten. Dies gilt insbesondere für die semi-ariden Regionen im südlichen Afrika. Hier nehmen die Herausforderungen für die Sicherung der Lebensgrundlagen aus verschiedenen Gründen zu, etwa durch die Folgen des Klimawandels. 

„Ein Beispiel ist das Ökosystem der namibischen Savanne, das durch die veränderten Klimabedingungen und eine Übernutzung der Böden zunehmend gefährdet ist“, sagt Ökologin Deike Lüdtke. Einer der Gründe ist, dass die Viehhaltung die am weitesten verbreitete Form der Landnutzung ist. Dies führt häufig zu einer Übernutzung der Weideflächen. Neue Bewirtschaftungsstrategien, die das Potenzial, das in der Nutzung von Wildtieren liegt, einbeziehen, etwa die Fleischproduktion oder der Tourismus, werden in der Regel als geeignete Ansätze angesehen, um diese negativen Auswirkungen abzumildern. Dabei wird davon ausgegangen, dass einheimische Wildtiere besser an die lokalen Klimabedingungen angepasst sind als die eingeführten Nutztiere. „Wie jedoch geeignete Lösungen in die Praxis vermittelt werden können, ist alles andere als trivial“, sagt Lüdtke. „Zur komplexen Dynamik zwischen Klimawandel, Landnutzung und Ökosystem kommt hinzu, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in einen produktiven Austausch mit Farmern und anderen Akteuren der Savannenbewirtschaftung gebracht werden müssen, die jeweils sehr eigene Motivationen, Erfahrungen und Lebenswelten mitbringen“, sagt Lüdtke. 

Wissenstransfer entscheidend für erfolgreiche Transformationsprozesse 

Für erfolgreiche Anpassungsstrategien an den Klimawandel ist es deshalb entscheidend, dass sich Wissenschaft und Forscher*innen mit den Akteuren aus der Praxis – Farmer, Dorfgemeinschaften und Behörden – in Dialog befinden. In einem englischsprachigen Policy-Brief zeigen Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, wie Ergebnisse aus der Forschung – idealerweise transdisziplinär – in die Praxis kommen, um dort Veränderungsprozesse anzustoßen. Hierfür greifen sie auf Erfahrungen im Forschungsprojekt ORYCS zurück und stützen sich auch auf Interviews mit Akteuren vor Ort zum Thema eines für ihre Bedarfe angepassten Wissenstransfers. Die Autor*innen sind sich sicher, dass Transfermaßnahmen an den Wissensbedarfen der Praxisakteure ansetzen müssen und auf die jeweiligen Akteure und ihren Alltag zugeschnitten sein sollten. Damit haben Lösungen für eine nachhaltige Landnutzung, insbesondere auch im herangezogenen Fallbeispiel in Namibia, bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. 

Zum ISOE-Policy Brief:

How to reach people through knowledge transfer – Sustainability and conservation research: addressing Namibian land users. Deike U. Lüdtke, Verena Rossow, Nicola Schuldt-Baumgart, Stefan Liehr (2022). ISOE Policy Brief Nr. 9. Frankfurt am Main: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Download

Mehr über das Forschungsprojekt ORYCS – Wildtier-Managementstrategien in Namibia: 

www.orycs.org  
www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/orycs 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr
Tel. +49 69 707 6919-36
liehr(at)isoe.de  
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news-566 Tue, 14 Jun 2022 15:33:39 +0200 Suffizienz - Effiziente Wohnraumnutzung entlastet den Wohnungsmarkt und schützt das Klima https://www.isoe.de/news/effiziente-wohnraumnutzung-entlastet-den-wohnungsmarkt-und-schuetzt-das-klima/ Die Suche nach einer passenden, auch bezahlbaren Wohnung ist vor allem für Familien inzwischen ein Problem, nicht nur in Großstädten. Die Nachfrage ist groß, das Angebot begrenzt. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass immer weniger Personen in einem Haushalt leben. Nicht immer ist dies eine bewusst getroffene Entscheidung. Bei manchen hat es sich vielmehr so ergeben, etwa im Alter: Die Kinder sind ausgezogen, und sie bleiben alleine in einer oft nicht altersgerechten und sanierungsbedürftigen großen Wohnung zurück. Wie könnten Lösungen aussehen? Mit einer speziell konzipierten Orientierungsberatung können Kommunen eine sogenannte Wohnraummobilisierung anstoßen, indem Menschen beispielsweise ihre zu groß gewordenen Häuser in der Nachfamilienphase durch einen Umbau teilen, so dass eine neue zusätzliche Wohnung entsteht. Dadurch können vorhandene Wohnflächen nachhaltiger genutzt werden. Denn weniger Wohnfläche pro Person bedeutet beispielweise auch weniger Bedarf an Raumwärme pro Person. Auf diese Wiese wird auch das Klima geschützt. Im Forschungsprojekt „Lebensräume“ hat ein Forschungsteam von ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Öko-Institut und ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung schon 2021 gemeinsam mit dem Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen ein Beratungs- und Unterstützungskonzept entwickelt, das es Kommunen ermöglicht, ältere Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer gezielt für eine Wohnraummobilisierung anzusprechen.

In 60 Prozent der Eigenheime wohnen eine oder zwei Personen

Die Forschungsarbeit des ISOE zur demografischen Entwicklung und zu den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner im Kreis Steinfurt zeigte: Viele Menschen sind nicht abgeneigt, anders zu wohnen. Etwa drei Viertel der Befragten mit Eigenheim können sich grundsätzlich einen Umzug in eine altersgerechte barrierefreie Wohnung oder in ein kleineres Haus vorstellen. Im Jahr 2018 besaßen mehr als ein Drittel der deutschen Haushalte ein Ein- oder Zweifamilienhaus. 60 Prozent dieser Eigenheime werden von einer oder zwei Personen bewohnt, fast immer von Menschen in der Nachfamilienphase. Ihre Wohnflächen sind überdurchschnittlich groß und der energetische Standard niedrig.

Gleichzeitig entstehen an den Ortsrändern Neubaugebiete. Diese Gebiete benötigen neue Infrastruktur, verbrauchen neue Flächen und bringen Erschließungskosten mit sich. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten im Alter ab 55 Jahren gab an, über ungenutzte Räume im eigenen Haus zu verfügen. Etwa ein Drittel der Befragten wohnen in einem Haus, das über eine abgeteilte weitere Wohnung verfügt – 60 Prozent dieser Wohnungen sind nicht vermietet. Daraus ergibt sich ein großes Potenzial für den Klima- und Ressourcenschutz, denn damit kann ein Neubau eingespart werden und somit Energie und Ressourcen.

Die Orientierungsberatung und Öffentlichkeitsarbeit

Im Forschungsprojekt Lebensräume hat das Team deshalb ein Konzept zur Wohnraummobilisierung in Kommunen entwickelt: Erfolgreich erprobt wurde eine Orientierungsberatung, bei der auf Wunsch eine Beraterin oder ein Berater einen Hausbesuch macht, den Zustand des Gebäudes einschätzt und mit den Ratsuchenden Wohnwünsche und Wohnkriterien für das Alter ermittelt. Darauf aufbauend werden verschiedene Wohnmöglichkeiten vorgestellt, priorisiert und erste Schritte dorthin festgelegt.

Damit Kommunen erfolgreich eine Wohnraummobilisierung anstoßen können, ist zudem eine intensive Öffentlichkeitsarbeit notwendig, die Orientierungsberatung sollte von den Kommunen beworben und von weiterführenden Angeboten, wie einer Finanzierungs- oder Umbauberatung, begleitet werden.

Handreichung erklärt praktische Umsetzung – Erklärfilm zeigt Zusammenhänge

Das gesamte Konzept ist in der Handreichung „Wohnraummobilisierung – gut für Menschen, Kommune und Klima“ dargestellt. Sie zeigt in sechs Schritten, wie geeignete Zielgruppen auf ihr vorhandenes Wohnraumpotenzial angesprochen werden können und richtet sich an alle, die einen kommunalen Beratungsprozess initiieren und institutionalisieren können: an die Kommunalpolitik, an die Verwaltung, an Beratungsinstitutionen und beispielsweise Verbände. Auch ein Erklärfilm, den das ISOE entwickelt hat, damit die Zusammenhänge hinter einer bedürfnisorientierten Wohnraumnutzung deutlich werden können, steht Interessierten zur Verfügung.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Immanuel Stieß
Tel. +49 69 707 6919-19

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Melanie Neugart
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news-563 Fri, 10 Jun 2022 14:23:00 +0200 Frankfurter Bürger-Universität - Wie der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft den sozial-ökologischen Wandel unterstützen kann https://www.isoe.de/news/wie-der-dialog-zwischen-wissenschaft-und-gesellschaft-den-sozial-oekologischen-wandel-unterstuetzen-ka/ Wissenschaftliche Expertise gilt als wichtige Ressource, um Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Dafür muss Wissenschaft und explizit die Nachhaltigkeitsforschung auch gesellschaftliche Perspektiven auf diese Probleme miteinbeziehen. Der Dialog mit der Öffentlichkeit ist entscheidend, um Problemzusammenhänge zu verstehen und geeignete, wirkungsvolle Lösungskonzepte zu entwickeln. In einer aktuellen Online-Veranstaltung der Reihe Frankfurter Bürger-Universität stellt das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am 20. Juni 2022 den transdisziplinären Forschungsansatz vor und zeigt, wie dieser Forschungsmodus den sozial-ökologischen Wandel unterstützen kann.  Themen wie soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung, aber auch der Klima- und Umweltschutz bestimmen seit einigen Jahren die gesellschaftliche Debatte. Gleichzeitig sind sie Gegenstand intensiver wissenschaftspolitischer Debatten. Dabei geht es sowohl um Forschungsförderung als auch und die Frage, wie Wissenschaft gemeinsam mit Politik und Gesellschaft an Lösungen für die „Großen gesellschaftlichen Herausforderungen“ arbeiten kann. Angesprochen ist damit die transdisziplinäre Forschung: Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus der Praxis forschen gemeinsam und verbinden die Suche nach gesellschaftlichen Problemlösungen mit wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritten. 

In der aktuellen Veranstaltung der Frankfurter Bürger-Uni im Sommersemester 2022 stellt das ISOE den transdisziplinären Forschungsmodus vor. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Frankfurter Instituts zeigen am Beispiel konkreter Themen aus der Nachhaltigkeitsforschung – Stadtentwicklung, Mobilität und Biodiversität –, warum der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entscheidend ist, um sozial-ökologische Transformationen umzusetzen. Zugleich wird beispielhaft diskutiert, wo die Herausforderungen bei dieser wissenschaftlichen „Grenzüberschreitung“ zwischen fachlichen Disziplinen und Alltagswissen liegen. 

Podiumsdiskussion in der Reihe Frankfurter Bürger-Universität: 
Wissenschaft und Gesellschaft im Dialog – Wie transdisziplinäre Forschung den sozial-ökologischen Wandel unterstützen kann 

Mit Expert*innen des ISOE: Dr. Jutta Deffner, Dr. Michael Kreß-Ludwig, Dr. Alexandra Lux, Dr. Oskar Marg, Dr. Marion Mehring, Lena Theiler

Moderation: Dr. Nicola Schuldt-Baumgart (ISOE)

Datum und Uhrzeit: 20.06.2022, 18:30 – 20:00 Uhr

Ort: Online-Veranstaltung, Clickmeeting

Anmelden unter: https://isoe.clickmeeting.com/td-forschung/ 

Mitdiskutieren: #TransdiszplinärForschen

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität

Zur Aufzeichnung: https://vimeo.com/722858885  

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

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news-562 Thu, 09 Jun 2022 09:30:00 +0200 Kommunen im Klimawandel - Klimagerechte Stadtentwicklung: Neue Planungshilfe unterstützt Kommunen https://www.isoe.de/news/klimagerechte-stadtentwicklung-neue-planungshilfe-unterstuetzt-kommunen/ Kommunen stehen vor der Herausforderung, möglichst schnell Infrastrukturmaßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung umzusetzen. Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt netWORKS 4 zeigen, wie viel Potenzial kombinierte Lösungen auf Basis blauer, grüner und grauer Infrastrukturen dafür bieten. Damit diese Lösungen gezielt in der kommunalen Praxis umgesetzt werden können, hat das netWORKS 4-Forschungsteam eine Planungshilfe für eine klimagerechte Infrastrukturentwicklung in Kommunen konzipiert. Sie unterstützt anschaulich den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis und erleichtert die Zusammenarbeit von Verantwortlichen mit unterschiedlicher fachlicher Expertise. Hitzewellen und Starkregen setzen Städte unter Handlungsdruck, denn sie haben negative Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit der Menschen. Im Forschungsprojekt netWORKS4 untersuchte ein Wissenschaftsteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), wie Klimaanpassung in Kommunen durch eine gezielte Vernetzung der Wasser- und Grüninfrastrukturen in den Kommunen gelingen kann. Es geht darum, die graue, technische Wasserinfrastruktur mit blauen und grünen Infrastrukturen zu vernetzen – also mit Flüssen, Bächen oder Anlagen wie Springbrunnen oder Wasserspielplätzen und städtischem Grün wie Bäumen und Sträuchern in Parks, Wiesen oder Grünstreifen. So können in längeren Hitze- und Trockenperioden Bäume und Grünflächen etwa mit gespeichertem Regenwasser oder Betriebswasser aus aufbereitetem Grauwasser bewässert werden, damit sie weiterhin ökologische und klimatische Funktionen entfalten. 

Kombination einzelner Maßnahmen anstatt Pauschallösung

„Blaue, grüne und graue Infrastrukturen können vielfältig für eine klimagerechte Stadtentwicklung genutzt werden“, sagt Projektleiterin Martina Winker vom ISOE, „aber es gibt keine Pauschallösung für alle Kommunen, dazu sind die jeweiligen Voraussetzungen zu unterschiedlich und zu komplex.“ Die Lösungsmöglichkeiten liegen vielmehr in der Kombination klimagerechter Maßnahmen, die auf die jeweilige städtische Situation zugeschnitten sind. Diese zu identifizieren und miteinander zu kombinieren, stellt Kommunen vor neue Herausforderungen. „Wir haben im Forschungsprojekt netWORKS 4 untersucht, wie die Zusammenarbeit zwischen Verantwortlichen für klimagerechte Lösungen durch einen zielgerichteten Wissenstransfer besser gelingen kann“, sagt Winker. 

Klimaanpassung in Kommunen erfordert neue Entscheidungs- und Planungsprozesse

Im direkten Austausch mit Kommunen hat das Team die Forschungsergebnisse in Workshops diskutiert, angepasst und verfeinert. „Für eine gelungene Vernetzung von blauen, grünen und grauen Infrastrukturen in Kommunen müssen vor allem sich dabei verändernde Beziehungen in der Planung und Umsetzung mehr Berücksichtigung finden. Das betrifft zum Beispiel auch Abstimmungsverfahren zwischen Akteuren“, sagt Jan Hendrik Trapp vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Für den Erfolg sei wichtig, schon in der Vorplanungsphase eine frühzeitige Verständigung über gemeinsame Ziele zwischen Stadtentwicklung, Infrastrukturbetreibern und den Eigentümer*innen von Gebäuden und Grundstücken zu ermöglichen. So könne ein offener interdisziplinärer Austausch und Wissenstransfer zwischen den planenden Akteuren effektiv stattfinden. „Damit Klimaanpassungsmaßnahmen effektiv umgesetzt werden, ist es zudem wichtig, dass die planungs- und umsetzungsrelevanten Akteure den Mehrwert kennen, der sich aus den Investitionen für die Kopplung blau-grün-grauer Infrastrukturen ergibt“, sagt Trapp. Grünflächen blieben auch in Hitze- und Trockenperioden funktionsfähig und deren Aufenthaltsqualitäten erhalten. Auch werden Trinkwasserressourcen geschont. 

Wissenstransfer zur klimagerechten Infrastrukturentwicklung: Infokartenset für die Planung

Um für Kommunen die Details anschaulich zu machen, entwickelte das Projektteam ein Infokartenset, das mögliche Maßnahmen, Voraussetzungen, Effekte und Kombinationsmöglichkeiten blau-grün-grauer Infrastrukturen praxisorientiert darstellt. Das für die Planung klimagerechter Quartiere entwickelte Kartenset ermöglicht es, vielfältige Optionen aufzuzeigen und erleichtert so den Austausch: zwischen Akteuren der kommunalen Planung in den Bereichen Quartiersentwicklung, Grün- und Wasserinfrastrukturplanung sowie Betreibern der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung und zum Beispiel privaten Immobilienbesitzer*innen. Die im Set enthaltenen Infokarten und Chips bilden mögliche Klimaanpassungsmaßnahmen anschaulich als Einzellösungen ab und lassen sich miteinander kombinieren. „Das Kartenset bietet alle wichtigen Informationen zur Vernetzung blau-grün-grauer Infrastrukturen von Gebäudebegrünung über Betriebswassernutzung bis zur Bewässerung und dient als Planungshilfe und zur Vorbereitung kommunalpolitischer Entscheidungen“, sagt Martina Winker vom ISOE. Für viele Akteure sei der Vernetzungsgedanke noch neu und könne deshalb einen Mehraufwand in der Planung und anschließenden Umsetzung bedeuten. „Die frühzeitige integrative Planung der blau-grün-grauen Infrastrukturen lohnt sich für Kommunen mehrfach, da sie Ressourcen schont und damit eine optimale Anpassungsstrategie an den Klimawandel ermöglicht“, so Jan Hendrik Trapp vom Difu. Daraus ergeben sich Synergieeffekte, die den Folgen des Klimawandels gezielt entgegenwirken können.
 
Das netWORKS 4-Infokartenset kann hier bestellt oder als PDF heruntergeladen werden: 
https://networks-group.de/de/networks-4/infokarten.html 

Forschungsergebnisse

Vorträge und Poster der netWORKS 4 Online-Abschlusskonferenz „Stadtgrün und Wasser als Bausteine klimagerechter Quartiere“ am 25. März 2022
https://networks-group.de/de/publikationen/vortraege.html 

Zentrale Forschungsergebnisse als Handreichungen für unterschiedliche Zielgruppen:
https://networks-group.de/de/publikationen/broschueren.html 

Ausführliche Darstellungen der Forschungsergebnisse: 
https://networks-group.de/de/publikationen.html 

Über netWORKS 4

Das Projekt „Resilient networks: Beiträge von städtischen Versorgungssystemen zur Klimagerechtigkeit“ (netWORKS 4) (Transferphase) wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „Transformation urbaner Räume“ des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung gefördert. Forschungs- und Projektpartner waren das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), das Kompetenzzentrum Wasser Berlin, die Berliner Wasserbetriebe, die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Berlin sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin und die Stadt Norderstedt.

Download Pressefoto:

netWORKS 4-Infokartenset (jpg, 2,2 MB)
Bei Verwendung des Pressefotos bitte die Quelle kennzeichnen: © ISOE

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Martina Winker
ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Tel. +49 69 707 6919-53
 
www.isoe.de  

Jan Hendrik Trapp
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
Tel.: +49 30 39001-210
 
https://difu.de/  

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
www.isoe.de  

 

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Pressemitteilung
news-561 Tue, 07 Jun 2022 16:25:32 +0200 Nachhaltige Transformationen - Projekte aus der Zukunftsstadt-Forschung des BMBF gehen virtuell auf Tournee https://www.isoe.de/news/projekte-aus-der-zukunftsstadt-forschung-des-bmbf-gehen-virtuell-auf-tournee/ Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen? Wie werden unsere Städte lebenswert, CO2-neutral, klimaangepasst, energie- und ressourceneffizient? Dazu haben rund 50 Forschungsteams aus unterschiedlichen Disziplinen praxisnahe Strategien und Produkte entwickelt. In einer virtuellen Deutschland-Tour werden seit Anfang Juni exemplarisch Ergebnisse aus dieser Zukunftsstadt-Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die beteiligten Städte vorgestellt. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat diese Forschungsprojekte im Synthese- und Vernetzungsprojekt SynVer*Z wissenschaftlich begleitet. Den Auftakt der virtuellen Zukunftsstadt*Tour macht die Stadt Bochum, wo das Projektteam „UrbaneProduktion.Ruhr“ innovative Ideen für nachhaltige Produktionsweisen in der Stadt erprobt hat. In zwei Reallaboren wurden dafür vor Ort wegweisende Ansätze entwickelt, um die Produktion besonders in strukturschwachen Räumen zu fördern. Das Reallabor LutherLAB nutzte die ehemalige Lutherkirche im Stadtteil Langendreer-Alter Bahnhof und veranstaltete dort mit Anwohner*innen ein Festival, um gemeinsam Prozesse urbaner Produktion zu erproben und zu gestalten. Aus dem LutherLAB hat sich ein eigenständiger Verein entwickelt, der die Kirche als Experimentierraum für Begegnung, Bildung und Nachhaltigkeit betreibt.

Das zweite Reallabor begann als Pop-up-Lokal WatCraft in einem leer stehenden Laden in der Hochstraße – im Stadtteil Wattenscheid – und hat sich in einer ehemaligen Gaststätte zu einem Begegnungsraum für Kultur, Produktivität und Genuss weiterentwickelt. Inzwischen hat sich der Verein BYBOCHUM e.V. aus dem Netzwerk der Manufakturen gegründet, das von UrbaneProduktion.Ruhr initiiert wurde. Das Ziel: Unternehmen und Start-ups teilen hier ihr Knowhow, tauschen sich aus und produzieren nachhaltig. 

Exemplarische Lösungen für die Zukunftsstadt als Vorbild für andere Kommunen

Seit Anfang Juni kann die Zukunftsstadt*Tour mit der ersten Station in Bochum online besucht werden. Bis Dezember 2023 kommen nach und nach weitere Projekte aus mehr als 20 Kommunen auf der Tour-Website www.nachhaltig-zukunftsstadt.de hinzu. Auf Bochum folgen die Stadt Boizenburg an der Elbe mit dem Thema Klimaanpassung für Kleinstädte und die Stadt Köln, wo Lösungen für den Umgang mit Starkregen und Hitzeperioden erprobt wurden. Die für die virtuelle Tournee ausgewählten Konzepte und Produkte aus den Forschungsprojekten stehen exemplarisch für innovative Lösungen, auf die Kommunen schon jetzt angewiesen sind, um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. 

Alle Projekte im Rahmen des im Synthese- und Vernetzungsprojekt Zukunftsstadt SynVer*Z sind transdisziplinär angelegt und orientieren sich an zentralen Themen und Herausforderungen wie Klimaanpassung und urbane Resilienz, städtische Grünflächen und Freiräume, urbane Mobilität und Logistik, sozialer Zusammenhalt und Teilhabe, urbane Produktion sowie städtische Infrastrukturen. Dazu arbeiten Wissenschaftsteams, Kommunalpolitik und -verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in Reallaboren vor Ort zusammen. SynVer*Z wird im Auftrag des BMBF vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), bei dem die Projektleitung liegt, und dem ISOE sowie von Gröschel Branding begleitet, um zentrale Forschungsergebnisse aus den einzelnen Projekten gezielt zusammenzuführen sowie unterschiedliche Transformationsstrategien zu identifizieren und die Bedingungen zu ermitteln, unter denen die Innovationen in den Kommunen gelingen können. 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Alexandra Lux
Tel. +49 69 707 6919-27

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 

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news-559 Wed, 01 Jun 2022 16:18:38 +0200 Nachhaltige Mobilität - Wie Pendeln nachhaltiger werden kann: Studienteilnehmer für Experiment im Forschungsprojekt PendelLabor gesucht https://www.isoe.de/news/pendellabor-studienteilnehmer-gesucht/ Stau, Stress und lange Parkplatzsuche prägen den Alltag vieler Menschen, die regelmäßig zur Arbeit pendeln. Aber wie lässt sich der Weg zur Arbeit und zur Ausbildung verträglicher gestalten? Um diese Frage zu beantworten, bereitet das Forschungsteam in einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein Realexperiment in den Landkreisen Groß-Gerau und Hochtaunus vor. Hierfür werden Personen gesucht, die sich an dem Mobilitätsexperiment beteiligen. Sie bekommen die Möglichkeit, Alternativen zu ihrem gewohnten Pendelweg – kostenlos – auszuprobieren. Das Pendleraufkommen ist in Deutschland in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Allein in der Region Frankfurt Rhein-Main pendeln täglich mehr als eine halbe Million Menschen, überwiegend mit dem Auto. Das hat nicht nur Folgen für die Umwelt und für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, die pendeln, sondern auch für die Bewohner*innen in den sogenannten Einpendlerstädten. Im BMBF-Forschungsprojekt „PendelLabor“ unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung suchen Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Praxisakteuren nach tragfähigen Alternativen zu gängigen Pendelroutinen.

Dafür sind auch Experimente in den beiden hessischen Landkreisen Groß-Gerau und Hochtaunus geplant. „Wir wollen neue Lösungen entwickeln, die an den Bedürfnissen der Pendlerinnen und Pendler ansetzen und eine nachhaltige Pendelmobilität fördern“, sagt Projektleiterin und Mobilitätsforscherin Jutta Deffner vom ISOE. „Wir suchen deshalb Personen, die regelmäßig zum Arbeits- oder Ausbildungsort fahren müssen und offen dafür sind, über einen Zeitraum von mehreren Monaten, zwischen Juli und Dezember 2022, Alternativen zu ihren bisherigen Pendelpraktiken auszuprobieren.“

Voraussetzungen für die Teilnahme am Reallabor von Juli bis Dezember 2022

Interessierte ab 18 Jahren mit einem Wohnort im Hochtaunuskreis oder dem Landkreis Groß-Gerau müssen ihren Arbeitsplatz entweder in Frankfurt, im Hochtaunuskreis, im Kreis Groß-Gerau oder in einer an Frankfurt angrenzenden Kommune haben, dort studieren oder ihre Ausbildung machen. Der gesamte oder überwiegende Teil des Pendelwegs muss bisher regelmäßig mit dem Auto zurückgelegt worden sein und einfach mindestens drei Kilometer betragen. Dieser Weg muss mindestens zwei Mal in der Woche zurückgelegt werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kommt die Teilnahme infrage. Weitere Informationen dazu unter 
www.pendellabor.de/experiment  

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Luca Nitschke
Tel. +49 69 707 6919-20

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38

pendellabor(at)isoe.de
www.isoe.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de
www.isoe.de

 

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news-554 Fri, 20 May 2022 12:57:52 +0200 Bund-Länder-Förderinitiative - Konzept von Hochschule Geisenheim und ISOE überzeugt im Wettbewerb „Innovative Hochschule“  https://www.isoe.de/news/konzept-von-hochschule-geisenheim-und-isoe-ueberzeugt-im-wettbewerb-innovative-hochschule/ Mit dem Vorhaben „GeisTreich – Geisenheimer Transferprogramm für artenreichen und multifunktionalen Weinbau“ hat die Hochschule Geisenheim in Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ein Konzept erarbeitet, das im Wettbewerbsverfahren der Bund-Länder-Förderinitiative „Innovative Hochschule“ überzeugte. Mit Beginn des Jahres 2023 wird das Projekt für fünf Jahre von Bund und Land mit bis zu 2,16 Mio. Euro gefördert.  Die Hochschule wird so ihre Rolle als regionaler und überregionaler Innovationsmotor für die Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme und attraktiver Weinbaulandschaften maßgeblich ausbauen können. Gemeinsam mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt als Projektpartner werden über innovative dialog- und zielgruppenorientierte Formate des Wissenstransfers Lösungsstrategien für die großen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen, die einer von weinbaulicher Bewirtschaftung geprägten Region bevorstehen, erarbeitet.

Im Zuge des Projekts ist unter anderem die Einrichtung von Innovationslaboren als Experimentier- und Demonstrationsräume für die Entwicklung zukunftsfähiger Weinanbausysteme und einer multifunktionalen, artenreichen Kulturlandschaft geplant. Hierzu gehört zum Beispiel eine Ausstellung in einem mobilen „Tiny House“, die vor Ort in der Weinbergsflur, aber beispielsweise auch auf Schulhöfen oder zentralen Stadtplätzen der Region eingesetzt werden soll. Der Fokus liegt dabei auf dem interaktiven Wissenstransfer auch mittels neuer digitaler Hilfsmittel. Diese sollen helfen, die Veränderungen der Landschaft durch die Intensivierung des Weinbaus in den letzten Jahrzehnten nachzuvollziehen, Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten zu reflektieren und so gemeinsam Ideen für die zukünftige Gestaltung der Kulturlandschaft zu entwickeln und erlebbar zu machen. 

ISOE-Expertise für Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation 

Das ISOE begleitet das Vorhaben mit seiner einschlägigen Expertise in den Bereichen Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation. Zudem unterstützt das ISOE das Vorhaben mit einer wirkungsorientierten Evaluation, die das Ziel hat, die Wirkungen der Forschungsprozesse und Transferformate systematisch zu erfassen, um bei Bedarf zeitnah Anpassungen vornehmen zu können. Eingebunden werden die Akteurinnen und Akteure der Weinwirtschaft, Behörden (Weinbauämter, Naturschutz, Flurneuordnung, Wasserwirtschaft), Verbände und Organisationen sowie die regionale Öffentlichkeit. 

Weitere Adressatinnen und Adressaten sind Studierende insbesondere des Wein- und Gartenbaus, der Agrarwissenschaften, der Landschaftsplanung und des Naturschutzes sowie die Menschen als Nutzende der regionalen Kulturlandschaft. Dazu gehören explizit auch die Schülerinnen und Schüler der regionalen Schulen. Die geographische Lage der Hochschule an einer unmittelbaren Schnittstelle zwischen ländlichem Raum (Weinbaugebiet Rheingau, Naturpark Rhein-Taunus) und städtischem Ballungsgebiet (Rhein-Main-Gebiet) bietet für die Bearbeitung dieser Themen hervorragende Voraussetzungen.

Der Wettbewerb „Innovative Hochschule“

Das unabhängige Auswahlgremium der Förderinitiative „Innovative Hochschule“ hat in einem expertengeleiteten Wettbewerbsverfahren für die zweite Förderrunde der Bund-Länder-Initiative insgesamt 55 Hochschulen in 16 Einzel- und 13 Verbundvorhaben zur Förderung ausgewählt. Zwei Vorhaben aus Hessen waren erfolgreich: Neben der Hochschule Geisenheim ist dies ein Projekt der Universität Kassel. Beworben hatten sich insgesamt 165 Hochschulen. Dazu erklärte die Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, in einer Pressemitteilung: „Unsere Hochschulen für Angewandte Wissenschaft und Fachhochschulen sowie die kleinen und mittleren Universitäten sind mit ihrer Verankerung in der Region Innovationsmotoren für unser Land. Mit der Förderinitiative „Innovative Hochschule“ unterstützen wir ihre Stärken ganz gezielt.“

Die Bund-Länder-Initiative zur Förderung des forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfers – „Innovative Hochschule“ – wurde im Sommer 2016 von den Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern beschlossen. Sie soll das Innovationspotenzial insbesondere von Fachhochschulen sowie von kleinen und mittleren Universitäten fördern. Sie soll Hochschulen darin unterstützen, sich bei Transfer und Innovation, was neben Forschung und Lehre auch als „dritte Mission“ der Hochschulen bezeichnet wird, zu profilieren und ihre strategische Rolle im regionalen Innovationssystem zu stärken. Weitere Informationen zur Förderinitiative: www.innovative-hochschule.de

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 
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Pressekontakt:

Melanie Neugart
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news-552 Thu, 19 May 2022 16:34:00 +0200 Wasserwiederverwendung in der Landwirtschaft - Forschungsprojekt HypoWave+ auf der IFAT 2022 https://www.isoe.de/news/forschungsprojekt-hypowave-auf-der-ifat-2022/ Das im Forschungsprojekt HypoWave erfolgreich entwickelte Verfahren einer landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion mit recyceltem Wasser geht erstmals im großen Maßstab in die Anwendung. Im „kleinen Maßstab“ wird das Modell für die hydroponische Gemüseproduktion mit aufbereitetem Bewässerungswasser auf der IFAT in München zu sehen sein. Das Forschungsteam von HypoWave+ stellt das Projekt vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 in Halle B2 am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vor. Die landwirtschaftliche Gemüseproduktion ist wasserintensiv. Doch Wasserknappheit ist inzwischen ein weltweites Problem, das durch den voranschreitenden Klimawandel noch verstärkt wird. Um möglichst ertragreiche Ernten zu sichern, werden neue, wassersparende Anbauverfahren gesucht. Mit dem Forschungsprojekt HypoWave+ unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Umsetzung einer alternativen landwirtschaftlichen Anbauform in Kombination mit Wasserwiederverwendung im großtechnischen Maßstab. Das HypoWave-Verfahren ermöglicht einen regionalen, wasserschonenden und ganzjährigen Gemüseanbau im Gewächshaus und bietet damit eine Alternative zur herkömmlichen Gemüseproduktion. 

Regionale Lebensmittelerzeugung trotz Wasserknappheit

Das hydroponische Verfahren, bei dem Pflanzen in Gefäßen ohne Erde über eine Nährlösung unter Verwendung von recyceltem Wasser versorgt werden, wurde im Vorgängerprojekt im niedersächsischen Hattorf erfolgreich erprobt. Das Forschungsteam um Projektleiter Thomas Dockhorn von der TU Braunschweig und Projektkoordinatorin Martina Winker vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung stellt das Verfahren nun auf der Münchener IFAT vor. Am Messestand des BMBF präsentieren die Wissenschaftler*innen die Innovation im Modellmaßstab: Mit dem HypoWave-Verfahren kann zum einen eine Alternative zur Bewässerung mit Trink- und Grundwasser erschlossen werden. Die Anbauform bietet zudem eine optimierte Nährstoffversorgung, da den Pflanzen lebenswichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor aus dem aufbereiteten Wasser zugeführt werden. 

Das HypoWave-Verfahren auf der IFAT 2022

Besuchen Sie das Forschungsteam von HypoWave+ auf der IFAT vom 30. Mai bis 3. Juni 2022 in Halle B2 auf dem Gemeinschaftsstand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit der Standnummer 115/214. Wissenschaftler*innen der TU Braunschweig, des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, des Fraunhofer IGB und Vertreter*innen der Praxispartner Integar und Huber SE informieren Sie gerne über die Wasserwiederverwendung im hydroponischen Anbau und technische und nichttechnische Voraussetzungen für die Implementierung des Verfahrens. 

Das Forschungsprojekt HypoWave+

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt „HypoWave+ – Implementierung eines hydroponischen Systems als nachhaltige Innovation zur ressourceneffizienten landwirtschaftlichen Wasserwiederverwendung“ zur Fördermaßnahme „Wassertechnologien: Wasserwiederverwendung“ im Rahmen des Bundesprogramms „Wasser: N“. Wasser: N ist Teil der BMBF-Strategie Forschung für Nachhaltigkeit (FONA). Die Fördersumme beträgt 2,8 Millionen Euro. Die Projektpartner im Forschungsverbund unter der Leitung der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISWW), sind das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, die Universität Hohenheim (UHOH), der Abwasserverband Braunschweig (AVB), der Wasserverband Gifhorn (WVGF), IseBauern GmbH & Co. KG, aquatune GmbH (a Xylem brand), Ankermann GmbH & Co. KG, Huber SE und INTEGAR – Institut für Technologien im Gartenbau GmbH.

Informationen zum Forschungsprojekt: www.hypowave.de  

Zudem finden Sie Bildmaterial zu Ihrer Verwendung unter www.flickr.com/photos/102295333@N04/albums/72157688518183561 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr.-Ing. Martina Winker 
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news-532 Wed, 04 May 2022 13:10:00 +0200 ISOE-Forschungsprojekt zum Schutz der Ozeane - „SCIP plastics“: Kunststoffabfälle in Bangladesch reduzieren https://www.isoe.de/news/scip-plastics-kunststoffabfaelle-in-bangladesch-reduzieren/ Täglich landen rund 480 Tonnen Abfall auf den Straßen von Khulna, der größten Stadt im dichtbesiedelten Ganges-Delta. Darunter Unmengen an Kunststoff, der über die angrenzenden Gewässer Bangladeschs in die Ozeane geschwemmt wird. Ohne Gegenmaßnahmen wird die Verschmutzung der Meere weiter zunehmen. Ziel des Verbundprojektes SCIP plastics ist es daher, ein nachhaltiges Abfallsystem in Khulna zu etablieren, um Kunststoffabfälle langfristig zu reduzieren und den Lebensraum Wasser zu schützen. Das mit rund vier Millionen Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) geförderte Vorhaben wird von der Bauhaus-Universität Weimar in Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung bis 2024 umgesetzt.  Tüten, PET-Flaschen, Hygieneartikel – rund drei Viertel des Mülls im Meer besteht aus Kunststoff. Bis zur völligen Zersetzung können Tausende Jahre vergehen. Bis dahin verfallen die Kunststoffteile in immer kleinere Partikel. Ein Großteil der Abfälle wird von Land aus über die Flüsse in die Ozeane geschwemmt. Eines der Länder mit der höchsten Verschmutzung durch Kunststoff im Meer ist Bangladesch. Das Problem: In Städten wie Khulna fehlt eine zentrale Anlaufstelle, die die Abfallwirtschaft organisiert und koordiniert. Technische Anlagen zum Trennen und Recyceln gibt es nicht, sodass der meiste Abfall unsortiert und unbehandelt am Straßenrand sowie auf offenen Deponien landet. Die herumliegenden Abfälle können nicht nur Krankheiten verursachen, sondern gefährden auch Ökosysteme in den angrenzenden Gewässern. Ziel des Forschungsprojektes „Sustainable Capacity Building to Reduce Irreversible Pollution by Plastics“ (kurz: SCIP plastics) ist es daher, die Abfallwirtschaft in Bangladesch neu zu organisieren, um Kunststoffmüll erst gar nicht in die Umwelt gelangen zu lassen.

Vernetzen und aufklären im SCIP-Hub

Herzstück des Projektes ist das sogenannte „SCIP-Hub“, ein Wissenstransferzentrum, das auf dem Campus der Khulna University of Engineering and Technology (KUET) eingerichtet wird. Im Hub werden interdisziplinäre Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander vernetzt, um einen Masterplan zur Reorganisation der Abfallwirtschaft in Khulna zu entwickeln und verschiedene Pilotmaßnahmen im Bereich Kunststoffprävention umzusetzen. Geplant ist unter anderem, ein Awareness Center im Innenstadtbereich von Khulna einzurichten, um die Bevölkerung für das Sammeln, Trennen und Entsorgen von Müll zu sensibilisieren und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, Abfälle auch als Ressource zu gebrauchen.

Aus Pilotprojekten lernen

Grundlage des Vorhabens bildet zunächst die Untersuchung der bestehenden Wertstoffkette unter sozioökonomischen Gesichtspunkten. An vier Pilotanlagen soll die Sammlung von wiederverwertbaren Kunststoffen optimiert sowie neue Strategien zur emissionsarmen Entsorgung in den Deponien erprobt werden. Auch die bislang eher informell organisierten Recycling-Shops sollen in das Konzept integriert und nach ökologischen Standards verbessert werden. Ferner wird überprüft, inwiefern Kunststoffe langfristig durch lokal produzierte Jute ersetzt werden kann. Ergänzend analysiert eine Fallstudie im Hafen von Mongla, inwiefern die drohende Verschmutzung durch Kunststoff in Bangladeschs Häfen aufgehalten werden kann. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Hub ausgewertet und in Kooperation mit der Khulna City Corporation vor Ort umgesetzt. Langfristiges Ziel ist es, eine nationale Abfallstrategie zu entwickeln, die dabei hilft, Kunststoffabfälle zu vermeiden.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Martin Zimmermann
Tel. +49 69 707 6919-44

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news-548 Tue, 26 Apr 2022 17:03:00 +0200 Mobilitätsforschung - Pendeln verstehen: Status quo, Forschungsstand und Perspektiven https://www.isoe.de/news/pendeln-verstehen-status-quo-forschungsstand-und-perspektiven/ Der Pendelverkehr in Deutschland ging im Zuge der Corona-Pandemie deutlich zurück. Doch mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht könnte sich der ursprüngliche Trend fortsetzen: Das Pendelaufkommen hatte sich zuletzt stetig erhöht. Wie eine nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität zwischen Wohn- und Arbeitsort zukünftig aussehen kann, wird im Forschungsprojekt „PendelLabor“ am Beispiel der Region Frankfurt Rhein-Main untersucht. Das Projektteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat einen Report erstellt, der den Forschungsstand und Perspektiven zur Pendelmobilität zusammenfasst. Der Report ist in der ISOE-Publikationsreihe „Materialien Soziale Ökologie“ erschienen.  Die Folgen einer hohen Pendelaktivität wie in der Region Frankfurt Rhein-Main sind hinreichend bekannt und individuell und gesellschaftlich relevant – für Gesundheit, Lebensqualität und Ökologie. Aber wie kommt es zum Pendelaufkommen, welche Verkehrsmittel werden genutzt und welche Motive führen zu der Entscheidung, Pendelwege auf sich zu nehmen? Im Verbundprojekt „PendelLabor“ unter der Leitung des ISOE hat ein Team aus Forschung und Praxis die Datenlage zur Pendelmobilität für die Region Frankfurt und Umland ausgewertet und einen Forschungsansatz entwickelt, der es – auch für andere Regionen – ermöglicht, Pendeln ganzheitlich zu betrachten und die komplexen Wegeketten, Aktivitäten und Motive der Pendelnden zu erfassen.

In der Publikation „Pendeln verstehen: Status quo, Forschungsstand und Perspektiven“ stellen die Autor*innen diesen Ansatz sowie Szenarien für mögliche Entwicklungen vor. Sie haben hierfür eine weitreichende Literaturrecherche und Expert*innen-Workshops durchgeführt. Der Ansatz, den das Autorenteam verfolgt, geht davon aus, dass Pendeln weit mehr ist, als die herkömmliche Definition suggeriert. Demnach gelten lediglich Arbeitnehmer*innen, die für ihren Arbeitsweg zwischen Wohnung und Arbeitsort die Grenze der Wohngemeinde überschreiten, als pendelnd. Bei dieser Engführung der Definition werden Selbstständige, Beamte, Schüler*innen und Studierende jedoch nicht berücksichtigt. Zudem fallen Wege, die innerhalb einer Gemeinde verlaufen, nicht unter diese Definition. 

Hohes Pendelaufkommen: Symptomlinderung greift zu kurz

Dies bilde das Geschehen vor allem in Großstädten aus Sicht der Mobilitätsexpert*innen unzureichend ab. Für nachhaltige Lösungsansätze, die die Verkehrswende weiter voranbringen, sei ein vollständiges Bild von der komplexen Pendelmobilität notwendig. „Vor allem müssen wir zu Lösungen kommen, die Pendeln nicht nur als ein Verkehrsproblem verstehen, das mit verkehrlichen Maßnahmen gelöst werden kann. Das wäre nur eine Art Symptomlinderung“, sagt ISOE-Mobilitätsforscherin Jutta Deffner. Der Ausbau von Straßen oder die Empfehlung für Autofahrer*innen, auf den ÖPNV umzusteigen, löse die Pendelproblematik nicht im Kern. Vielmehr müssten die Alltagsorganisation und der Arbeitsalltag der Pendelnden besser miteinbezogen werden. 

In ihrer Publikation zeigen die Autor*innen deshalb nicht nur verkehrliche Ausprägungen der millionenfachen Arbeitswege von A nach B. Sie verdeutlichen die zurückgelegten Arbeitswege auch nach Regionstypen und soziodemografischen Merkmalen und erstellen etwa eine Übersicht über das Pendelaufkommen nach Branchen, Alter und Geschlecht vor. Dabei bestätigt sich der klare „Genderbias“, der sich auch in der Forschungsliteratur wiederfindet. Frauen seien stärker von den Auswirkungen auf Gesundheit und Partnerschaft betroffen als Männer. Gleichzeitig habe Pendeln nachweislich aber auch viele positive Effekte: Es könne grundlegend dafür sein, überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, ohne das soziale Umfeld aufgeben zu müssen. 

Arbeitsmodell bildet Komplexität des Pendelgeschehens ab

Die Autor*innen betonen zugleich die soziale, zeitliche und emotionale Dimension hinter den Zahlen, die zu den Pendelentscheidungen führen. „Für Millionen von Menschen ist Pendeln immer ein Transit zwischen Privatsphäre und Berufsleben, der fest in ihren Alltag integriert ist“, sagt Deffner. „Deshalb ist es wichtig, den Blick auf die Pendelmobilität zu weiten und Pendeln als soziale Praktik zu verstehen, für die es vielfältige Motive und komplexe Wirkungen auf andere Bereiche gibt.“ Als Arbeitsmodell haben die Autor*innen dafür ein „Wirkgefüge“ entwickelt, das zeigt, dass „klassische Einflussgrößen“ wie die Präferenz und Wahl des Verkehrsmittels nur ein Faktor in einem komplexen Zusammenhang sind. Auch die jeweilige Haushaltskonstellation, die Arbeitsorganisation oder die Wohnstruktur spielten eine wichtige Rolle. 

Der integrierte Blick auf die verschiedenen Einflüsse auf das Pendeln und die Wirkungen, die davon ausgehen, ermöglicht es den Forschenden, Zusammenhänge zwischen Pendelverkehr, Individuum und Haushalt, Erwerbsarbeit und Unternehmen sowie Siedlungs- und Raumstruktur zu ermitteln. Das sei eine wichtige Voraussetzung, um passende Maßnahmen für Pendler*innen, Kommunen und Unternehmen zu entwickeln und Pendeln künftig sozial- und umweltverträglicher zu gestalten. Im transdisziplinären Forschungsprojekt PendelLabor werden solche Maßnahmen in einem nächsten Schritt auf der Grundlage von sozialempirischen Ergebnissen in einem Realexperiment entwickelt. 

Über die Publikation

Die Publikation steht in der Reihe ISOE-Materialien Soziale Ökologie als Download zur Verfügung. 

Nitschke, Luca/Paula Quentin/Fabian Kanisius/Kai Schluckebier/Nora Sofie Burlon/Jost Buscher/Jutta Deffner/André Bruns/Melina Stein/Heike Mühlhans/Frank Othengrafen/Jan-Marc Joost (2022): Pendeln verstehen: Status quo, Forschungsstand und Perspektiven. ISOE-Materialien Soziale Ökologie, 67. Frankfurt am Main

Über das Projekt 

Das Projekt „PendelLabor – Wege zu einer nachhaltigen Stadt-Umland-Mobilität am Beispiel der Region Frankfurt Rhein-Main“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung im Förderbereich MobilitätsZukunftsLabor 2050 gefördert. Forschungs- und Praxispartner sind das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Verbundleitung), TU Dortmund (Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung), ivm GmbH, Hochschule Rhein-Main (Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen) sowie die Stadt Frankfurt am Main und der Regionalverband FrankfurtRheinMain. www.pendellabor.de  

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38
 

Dr. Luca Nitschke
Tel. +49 69 7076919-20
 

Pressekontakt:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart 
Tel. +49 69 707 6919-30

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Pressemitteilung
news-545 Fri, 22 Apr 2022 11:32:17 +0200 Diskussionsveranstaltung - „Mehr Zeit?! Wie wir die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit beschleunigen können“ https://www.isoe.de/news/mehr-zeit-wie-wir-die-transformation-zu-mehr-nachhaltigkeit-beschleunigen-koennen/ „Immer schneller, höher, weiter!“ Die Steigerungslogik der Moderne bezieht einen wesentlichen Antrieb aus einem ökonomischen Zeitverständnis: „Zeit-ist-Geld!“ Dieser Satz hat die moderne Gesellschaft aus dem Takt und den Planeten mit den Folgen des Klimawandels und des Biodiversitätsschwundes an den Rand des Kollapses gebracht. Wie wirkt sich der Umgang mit Zeit auf den Ressourcenverbrauch aus und welche Rolle spielt der Faktor Zeit mit Blick auf die dringend notwendigen Transformationen zu mehr Nachhaltigkeit? Darüber diskutieren der Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch und Flurina Schneider, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, bei einer Veranstaltung in der Evangelischen Stadtakademie am 16. Mai 2022. Sie findet in Präsenz statt und wird mit einem Livestream begleitet. In unserer Gegenwart sind wir es gewohnt, immer mehr in derselben Zeiteinheit zu erledigen. Die hohe Geschwindigkeit heizt dabei den Ressourcenverbrauch immer weiter an. Wäre Langsamkeit oder zumindest eine Entschleunigung also ein gutes Mittel, um nachhaltiger mit den natürlichen Ressourcen umzugehen? Eine nachhaltigere Lebens- und Wirtschaftsweise wird jedenfalls immer dringender, denn umgekehrt schreiten Klimawandel und Biodiversitätsverlust rasend schnell voran. Laut des jüngsten IPCC-Berichts bleibt nicht mehr viel Zeit, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen.

Auf Einladung des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach diskutieren Flurina Schneider, Professorin für Soziale Ökologie, und Harald Lesch, Professor für Astrophysik, über die Rolle von Zeit für die anstehenden sozial-ökologischen Transformationen der Gegenwart. Nur ein rascher systemischer Wandel wird heftigste Klimafolgen noch abwenden können, sind sich Klimaforschende sicher. Wie passen Eile in der Sache und Entschleunigung im Lebenswandel zusammen? Kann trotz Zeitknappheit sogar noch ein neuer Zeitwohlstand erreicht werden, der zugleich dem Ressourcenverbrauch zugute kommt? Und wie, lautet eine der Schlüsselfragen der Veranstaltung, kann vorhandenes Wissen über Nachhaltigkeitseffekte in unmittelbares Alltagshandeln gelangen?

Die Rolle von Wissen für sozial-ökologische Transformationen

Damit beschäftigt sich auch Flurina Schneider, die das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung leitet und an der Frankfurter Goethe-Universität Soziale Ökologie und Transdisziplinarität lehrt. Sie untersucht, wie Wissen den gesellschaftlichen Wandel zur Nachhaltigkeit befördern kann und welches Wissen dafür überhaupt benötigt wird. Über welche Wege wird etwa wissenschaftliches Wissen in der Gesellschaft wirksam? Was braucht es, damit Menschen sich auf Lernprozesse einlassen? Dabei geht es Flurina Schneider um eine langfristige Sicherung menschlicher Grundbedürfnisse, um Generationengerechtigkeit und um Gerechtigkeit zwischen den Menschen im reichen Norden und im globalen Süden.

„Mehr Zeit?! Wie wir die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit beschleunigen können“

Podiumsdiskussion in der Evangelischen Stadtakademie Frankfurt mit:

Prof. Dr. Flurina Schneider, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Prof. Dr. Harald Lesch, Institut für Astronomie und Astrophysik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Dr. Regina Oehler, Wissenschaftsjournalistin, ehem. HR-Info und HR 2 Kultur, und
Dr. Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung

Datum: 16. Mai 2022, 19.00–21.00 Uhr

Ort: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main 

Livestream: Die Veranstaltung wird zusätzlich auf dem YouTube-Kanal der Akademie gestreamt. Den Link zur Anmeldung finden Sie ab dem 12. Mai auf der Website der Akademie.
https://www.evangelische-akademie.de/kalender/mehr-zeit/59883/ 

Anmeldungen bis zum 6. Mai 2022 unter
https://www.evangelische-akademie.de/kalender/mehr-zeit/59883/ 
 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Flurina Schneider
Tel. +49 69 707 6919-0

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Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
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news-544 Tue, 19 Apr 2022 12:27:19 +0200 Klimaanpassung - Kommunen im Klimawandel – Forschung zum Wissenstransfer https://www.isoe.de/news/kommunen-im-klimawandel-forschung-zum-wissenstransfer/ Auch in Hessen sind die Folgen des Klimawandels immer deutlicher zu spüren. Das Bundesland reagiert darauf mit einer Vielzahl an Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung, die im integrierten Klimaschutzplan 2025 verankert sind. Für Kommunen ergeben sich daraus neue Herausforderungen: Sie müssen verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen Wissensbedarfen ansprechen. Aber wer benötigt welches Wissen für nachhaltiges Handeln? Welche Empfehlungen sind überhaupt sinnvoll und wie können sie gut vermittelt werden? Im Auftrag des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erforscht ein Team des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Fachzentrum Klimawandel und Anpassung (FZK), wie hessischen Kommunen der Wissenstransfer gelingen kann. Es gibt inzwischen durchaus Fortschritte beim Klimaschutz, viele Bürgerinnen und Bürger setzen bereits Maßnahmen zum Schutz des Klimas im Alltag um. Doch der jüngste Bericht des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) zeigt eindringlich, dass noch schneller und noch mehr CO₂ eingespart werden muss, damit das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Kommunen haben es sich auch in Hessen zur Aufgabe gemacht, die breite Öffentlichkeit für die Notwendigkeit des Klimaschutzes zu gewinnen. 

Doch für viele Städte und Gemeinden ist das ein Kraftakt. Praxisakteure und Klimaanpassungsmanager*innen bestätigen, dass immer wieder Situationen auftreten, in denen ihnen selbst wichtiges Wissen für die Vermittlung fehlt, etwa weil die Studienlage zu ganz unterschiedlichen Empfehlungen kommt oder weil schlichtweg Zeit und Kapazitäten fehlen, um das breite Informationsangebot zu sichten. 

Blaupausen für passgenaue Transferformate

In dem dreijährigen Forschungsprojekt „WissTransKlima“ soll deshalb erforscht werden, welche Wissensbedarfe und -barrieren bei kommunalen Entscheidungsträgern existieren und wie diese durch einen besseren Wissenstransfer adressiert werden können. Das ISOE hat diese Forschungs- und Praxisarbeit zur Unterstützung hessischer Kommunen mit Jahresbeginn zusammen mit dem Fachzentrum Klimawandel und Anpassung (FZK) aufgenommen. 

Das Projektteam verfolgt das Ziel, zunächst ein differenziertes Bild darüber zu erstellen, in welcher Form sich wissenschaftliches Wissen bereits in der kommunalen Praxis wiederfindet und wo es Wissens- wie auch Forschungslücken zur Klimaanpassung gibt. Auf dieser Grundlage werden die ISOE-Expert*innen für Energie und für Wissenstransfer passgenaue Transferangebote für die kommunalen Akteure der Klimaanpassung in Hessen entwickeln. Ziel ist es, Blaupausen zu schaffen, die über den regionalen Fokus hinaus angewendet werden können. 

Kommunale Akteure sind zentral für erfolgreiche Maßnahmen der Klimaanpassung

Das Forschungsprojekt WissTransKlima arbeitet dazu eng mit kommunalen Akteuren in Hessen zusammen, unter anderem mit Akteuren aus den sogenannten Klimakommunen. „Sie spielen eine zentrale Rolle im Bereich der Klimaanpassung“, sagt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des ISOE. Zu ihren Aufgaben gehören nicht nur das Erstellen von Risikobewertungen und von Informationen für ihre Region, sie müssen sich für eine gelingende Umsetzung zunächst relevantes Wissen zu Klimaanpassungsmaßahmen aneignen und zielgenau aufbereiten. „Es ist deshalb entscheidend, die kommunalen Akteure gewissermaßen mit an Bord unserer Forschung zu haben“, sagt Schuldt-Baumgart.

Die Besonderheit von WissTransKlima sieht die Expertin für Wissenstransfer in der Verbindung aus der umfangreichen Analyse des jeweiligen Wissenstands und Wissensbedarfs von Kommunen und Akteuren einerseits und dem gezielten Transfer von Wissen andererseits. Das Forschungsteam arbeitet hierfür sowohl mit empirischen Methoden als auch mit partizipativ entwickelten Transferformaten.

Mehr zum Projekt: https://www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/wisstransklima/ 
 

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news-541 Mon, 11 Apr 2022 14:39:00 +0200 Lehrveranstaltungen des ISOE im Sommersemester 2022 - Vorlesung und Seminare zu Sozialer Ökologie und Transdisziplinarität https://www.isoe.de/news/vorlesung-und-seminare-zu-sozialer-oekologie-und-transdisziplinaritaet/ Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung bieten auch im Sommersemester 2022 wieder Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen an. An der Frankfurter Goethe-Universität (GU) leitet Prof. Dr. Flurina Schneider mit Kolleg*innen ein Seminar zu Strukturaspekten von Umweltproblemen. PD Dr. Diana Hummel bietet das Seminar „Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän“ an. Darüber hinaus finden Seminare an der TU Darmstadt und an der Leuphana Universität Lüneburg statt.  Seit mehr als zehn Jahren lehren Mitarbeitende des ISOE an unterschiedlichen Hochschulen, etwa im Studiengang Umweltwissenschaften (Master of Science) der Goethe-Universität Frankfurt am Main. In diesem Masterstudiengang bietet Prof. Dr. Flurina Scheider im Sommersemester gemeinsam mit den ISOE-Kolleg*innen Dr. Carolin Völker und Dr. Thomas Friedrich ein interdisziplinäres Seminar an, das sich mit Umweltproblemen am Beispiel synthetischer Chemikalien auseinandersetzt. Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE, lehrt im Zuge ihrer Professur für Soziale Ökologie seit dem vergangenen Wintersemester an der GU.

Sozial-ökologisches Problemverständnis von Chemikalien in der Umwelt

Synthetische Chemikalien werden weltweit für viele unterschiedliche Zwecke eingesetzt und sind fester Bestandteil moderner Gesellschaften. Gleichzeitig verbreiten sich Chemikalien und Mobilität in der Umwelt und belasten Organismen und Ökosysteme. Das wirkt sich auf lebenswichtige Erdsystemprozesse aus. So gibt es Hinweise, dass die planetaren Belastungsgrenzen für die chemische Verschmutzung bereits überschritten sind. Das ISOE-Lehrangebot beschäftigt sich mit der globalen Verwendung und Auswirkung synthetischer Chemikalien und bietet den Studierenden die Möglichkeit, ein sozial-ökologisches Problemverständnis zu Ursachen und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu entwickeln und Prinzipien der Risikobewertung und Regulatorik zu erarbeiten. 

Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän

PD Dr. Diana Hummel ist mit dem Seminar „Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän“ vertreten. Im „Zeitalter des Menschen“ wird deutlich: Gesellschaft und Natur sind so eng miteinander verwoben, dass sie nicht mehr unabhängig voneinander untersucht werden können. Was bedeutet nachhaltige Entwicklung im Anthropozän? Wird ein neues Grundverständnis der Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur erkennbar? Und was bedeutet die neue Zeitdiagnose für die Wissenschaft, ihre Rolle und Verantwortung als eine kritische Instanz? Diese Fragen erörtern die Studierenden aus sozialwissenschaftlichen, insbesondere politikwissenschaftlichen sowie interdisziplinären Blickwinkeln. 

Wasserversorgung in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main auf dem Lehrplan

Das Projektseminar „Wasserversorgung der Metropolregion Frankfurt am Main“, geleitet von Dr. Robert Lütkemeier und Linda Söller, richtet sich an Bachelorstudierende der Physischen Geografie. Studierende erarbeiten zunächst an Fallbeispielen aus der Region, wie wissenschaftliche physisch-geographische Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden und für Planungsfragen genutzt werden. Im zweiten Teil geht es mithilfe einer konkreten Fragestellung darum, in Kleingruppen die unterschiedlichen Stadien eines Projekts praktisch nachzuvollziehen, von der Projektplanung über die Wahl und Anwendung geeigneter Methoden bis hin zur Abfassung eines Berichts bzw. eines Gutachtens.

Lehre an der TU Darmstadt und der Leuphana Universität Lüneburg

Für Studierende im Masterstudium Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Technischen Universität Darmstadt hält Dr. Martin Zimmermann, Leiter des ISOE-Forschungsschwerpunkts Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen, eine Vorlesung und ein Seminar zum Thema nachhaltige Wasserversorgungswirtschaft. Prof. Dr.-Ing. Matthias Bergmann bietet im Rahmen seiner Honorarprofessur an der Leuphana Universität ein transdisziplinäres Forschungsprojekt im Masterprogramm Nachhaltigkeitswissenschaft an. Hierbei geht es um die nachhaltige Kommunalentwicklung in den Biosphärenreservaten der Metropolregion Hamburg. Die Studierenden entwickeln konkrete Maßnahmen, um kommunale sowie interkommunale Nachhaltigkeitsprozesse und -initiativen zu befördern. 

Die ISOE-Lehrveranstaltungen auf einen Blick: www.isoe.de/lehre/lehrveranstaltungen  

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

PD Dr. Diana Hummel
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news-538 Tue, 05 Apr 2022 14:51:00 +0200 Energiewende - Wärmepumpen als Beitrag zu Energieunabhängigkeit und Klimaschutz: Wie die Umsetzung gelingt https://www.isoe.de/news/waermepumpen-als-beitrag-zu-energieunabhaengigkeit-und-klimaschutz-wie-die-umsetzung-gelingt/ Um die Klimaziele und mehr Energieunabhängigkeit zu erreichen, plant die Bundesregierung ein 100-Milliarden-Euro-Paket. Dabei rücken auch die CO2-Einsparziele im Gebäudebestand in den Fokus. Allein in der Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser liegt viel Potenzial: Energieeffiziente Wärmepumpen können die Abkehr von fossilen Brennstoffen unterstützen und zu Energieunabhängigkeit beitragen. Doch dafür muss der Bestand von derzeit einer Million Wärmepumpen auf vier bis sechs Millionen bis 2030 drastisch steigen. Energieexperten des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung haben untersucht, was die Umrüstung auf diese Technologie hemmt und wie Barrieren überwunden werden können. Beim ökologischen Umbau des Gebäudesektors, wie ihn die Bundesregierung plant, spielen Wärmepumpen eine zentrale Rolle. Langfristig können sie die herkömmlichen CO2-intensiven Öl- und Gasheizungen ersetzen. Dabei nutzen sie Umgebungswärme aus unterschiedlichen Quellen wie Boden, Grundwasser und Luft zum Heizen und können mit erneuerbar erzeugtem Strom betrieben werden. „Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, muss auch das Einsparpotenzial an Treibhausgasen im Gebäudebestand durch die Umrüstung auf Wärmepumpen so rasch wie möglich genutzt werden“, sagt ISOE-Energieexperte Immanuel Stieß. „Großer Nachholbedarf besteht insbesondere bei Mehrfamilienhäusern. Hier sind Wärmepumpen bislang noch kaum in Betrieb.“

Insbesondere als Teil von sogenannten Trigenerationssystemen, die Wärme-, Kälte- und Stromerzeugung kombinieren, können Wärmepumpen die Ökobilanz signifikant verbessern und zugleich Strom- und Heizkosten deutlich senken. In dem europäischen Forschungsverbund „TRI-HP – Trigenerationssysteme für die Nutzung verschiedener erneuerbarer Energiequellen“, an dem Immanuel Stieß und sein Team beteiligt waren, wurden solche Systeme untersucht. „Ein Großteil des für den Betrieb der Trigenerations-Wärmepumpen benötigten Stroms kann durch Photovoltaik vor Ort gewonnen werden“, sagt Stieß. „Die Nutzung von Sonnenenergie auf dem eigenen Dach macht den Betrieb dieser Wärmepumpen besonders energieeffizient, autark und kostengünstiger als fossil betriebene Heizungen.“

Technologie für die Wärmepumpen der nächsten Generation

Ein weiterer Vorteil dieser innovativen Wärmepumpensysteme ist, dass sie auch ohne synthetische Kältemittel auskommen, die ein sehr hohes Treibhauspotenzial haben. Stattdessen nutzen sie natürliche Kältemittel wie Propan oder CO2, wodurch sie im Betrieb besonders umwelt- und klimafreundlich sind. „In dieser Kombination stellen Trigenerationssysteme die Technologie für Wärmepumpen der nächsten Generation dar, eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, sagt Stieß.

Doch der ISOE-Forscher weiß auch: Technik alleine macht noch keinen Klimaschutz. Technische Innovationen müssten auch bekannt sein und von den Anwender*innen und Entscheidungsträger*innen akzeptiert werden. In einem mehrstufigen Dialogprozess mit Investor*innen, Architekt*innen, Eigentümer*innen von Immobilien sowie Installateur*innen in vier europäischen Ländern, darunter Deutschland, haben Stieß und Kollegen ermittelt, wo nicht-technische Hürden, Anreize und Widerstände beim Thema Wärmepumpen liegen und welche ökonomischen, organisatorischen und kommunikativen Anforderungen und Bedürfnisse zu berücksichtigen sind, damit diese Technologie erfolgreich eingesetzt werden kann.

Energieeffiziente Lösungen im Wärmesektor ökologisch und sozial notwendig

„Im Dialog mit den Praxisakteuren haben wir gesehen, dass im Gebäudebestand die größte Herausforderung für den Einbau von Wärmepumpensystemen liegt,“ sagt Immanuel Stieß. „Denn wie jede energetische Ertüchtigung in bestehenden Häusern und Wohnungen muss auch der Umstieg auf eine Wärmepumpe gut geplant werden. Das ist mit anfänglichen Investitionskosten verbunden, denen aber dann später Einsparungen im Betrieb gegenüberstehen.“ Doch mit Blick auf die Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, wonach ab 2025 jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden muss, ergibt sich aus Sicht des Energieexperten zumindest im Neubau ein Gelegenheitsfenster, um die energieeffizienten Systeme zu etablieren.

Die möglichst schnelle Abkehr von fossilen Brennstoffen für die Wärmeerzeugung sei aber nicht allein mit Blick auf Klimaziele, sondern auch aus sozialer Sicht entscheidend. „Vor allem Haushalte, die zur Miete wohnen, müssen wegen der aktuell enorm steigenden Preise für fossile Energieträger einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für Energiekosten aufwenden. Das trägt erheblich zur Belastung von geringen und mittleren Einkommensgruppen bei.“

Gesamtsystem verstehen: Schulungsoffensive für Fachverbände und Hersteller

Damit die Wärmewende vorankommt, müsse zunächst die ökologische Bedeutung von Wärmepumpen für die Einsparung von CO2 und Treibhausgasen ins öffentliche Bewusstsein rücken. Aber auch auf der Planungsebene bestehe Handlungsbedarf: Die befragten Stakeholder in Deutschland, der Schweiz, Spanien und Norwegen bezeichneten den höheren Aufwand für eine erfolgreiche Planung und Installation innovativer Wärmepumpen sowie die damit verbundenen hohen Investitions- und Vorlaufkosten als großes Hemmnis. „Es fehlen Blaupausen für eine vereinfachte Planung, die es Heizungsinstallateur*innen, Fachplaner*innen und Architekt*innen erleichtern, die Größe und Leistung einer Anlage an die Anforderungen von Gebäuden und Nutzer*innen anzupassen. Zudem ist vielfach das Fachwissen im Umgang mit den komplexen Systemen bei einigen zentralen Akteuren noch nicht vorhanden“, sagt Stieß.

Insgesamt komme der Aus- und Fortbildung der beteiligten Handwerker*innen eine besondere Bedeutung zu. Eine Schulungsoffensive sei notwendig, damit die innovativen Wärmepumpensysteme in Wohngebäuden routiniert geplant, installiert, in Betrieb genommen und gewartet werden können. Der akute Fachkräftemangel erschwere Aus- und Fortbildungsmaßnahmen allerdings, er wird von befragten Stakeholdern als Hürde wahrgenommen.

Standardisierte Lösungen entwickeln für bessere Marktakzeptanz

Zur Verbesserung der Marktakzeptanz empfehlen die ISOE-Forscher, dass Wärmepumpen zum einen stärker standardisiert und leichter installierbar werden. Kompakte, platzsparende Systeme oder Module, die fertig konfektioniert und einfach mit Komponenten anderer Hersteller kombiniert werden, erhöhen die Praxistauglichkeit sowohl für neue als auch für bestehende Gebäude. Die Lösungen müssen nach Einschätzung der Anwender leicht zu installieren und zu bedienen sein. Deshalb würden kombinierte Pakete, etwa eine Wärmepumpe mit Photovoltaik, intelligenter Steuerung und thermischem Speicher, von Investor*innen wie Architekt*innen sehr geschätzt.

Eine vergleichsweise übersichtliche Antragstellung zur Förderung von Wärmepumpensystemen durch interessierte Abnehmer wird ebenfalls als wichtig erachtet. Zudem gebe es einen Bedarf an neuen Finanzierungs- und Geschäftsmodellen, zum Beispiel eines sogenannten Wärme-Contracting, um die Marktverbreitung innovativer Wärmepumpensysteme zu verbessern.

Zum Projekt: https://www.tri-hp.eu/

Zum ISOE-Report:
Friedrich, Thomas/Immanuel Stieß (2021): Enhancing stakeholders’ acceptance of trigeneration heating and cooling systems: Recommendations from the TRI-HP stakeholder process. Brussels: European Commission. https://doi.org/10.5281/zenodo.5500482 

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

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Melanie Neugart
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Pressemitteilung
news-537 Fri, 01 Apr 2022 16:46:50 +0200 Appell aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft - Energiesuffizienz muss zu einem Leitprinzip der Politik werden https://www.isoe.de/news/energiesuffizienz-muss-zu-einem-leitprinzip-der-politik-werden/ Mit einem Appell wenden sich rund 40 ausgewiesene Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Energie- und Nachhaltigkeitsforschung an Politik, Unternehmen sowie an Bürgerinnen und Bürger: „Energiesuffizienz muss zu einem Leitprinzip der Politik werden“. Hintergrund ist die aktuelle Diskussion um die Frage, wie energiepolitisch auf den Krieg in der Ukraine zu reagieren sei. Dabei sehen die Unterzeichner*innen des Appells das Prinzip der Energieeffizienz zu wenig im öffentlichen Bewusstsein. Energie-, Konsum- und Mobilitätsforschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung haben an dem am 1. April 2022 veröffentlichten Thesenpapier mitgearbeitet und unterstützen den Appell.  Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine wird in Deutschland über Energiesicherheit diskutiert. Doch gegenwärtig überschlagen sich die Vorschläge für energiepolitische Lösungen geradezu. Dabei sehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Forschungsfeldern Energie, Konsum und Mobilität ein Schlüsselprinzip nicht ausreichend berücksichtigt. Mit einem Appell an Politik, Unternehmen und Bevölkerung wollen sie das „Schlüsselprinzip Energiesuffizienz“ ins öffentliche Bewusstsein rücken. 

Energiesuffizienz bedeutet, den Bedarf an Energie zu senken. Dabei lassen sich diese Nebeneffekte erzielen: Energiesuffizienz senkt Kosten, reduziert den Bedarf an Zukäufen, macht energiepolitisch unabhängiger und ist klimapolitisch hilfreich. Energiesuffizienz müsse deshalb zu einem zentralen Prinzip politischen Handelns werden. Das fordern auch die ISOE-Forscher*innen Jutta Deffner, Konrad Götz und Immanuel Stieß, die ebenso wie die wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE, Flurina Schneider, an dem gemeinsamen Thesenpapier mitgearbeitet haben. Das ISOE unterstützt den Apell als wissenschaftliche Einrichtung.

Suffizienz bietet Handlungsspielraum für Energiesicherheit

Neben vielen anderen drängenden Fragen muss sich Politik in der Folge des Krieges derzeit fragen: Lässt sich ein Öl-, Gas- oder Kohleembargo gegen Russland realisieren, ohne die Gesellschaft zu destabilisieren? Wie kann auf einen möglichen Lieferstopp aus Russland reagiert werden und wie kann rapide steigenden Energiepreisen begegnet werden? Politisch werden überwiegend Möglichkeiten wie eine kurzfristige Abfederung sozialer Härten, Verträge mit zusätzlichen Lieferländern und eine größere Vielfalt der Energiequellen diskutiert: schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch Atomkraft, Kohle oder Fracking-Gas. 

„Wir wissen, es gibt noch mehr Handlungsspielraum“, sagt ISOE-Energieexperte Immanuel Stieß, „nicht nur in privaten Haushalten, sondern auch in öffentlichen Gebäuden, Büros, Supermärkten und Schulen schlummern riesige, kurzfristig zu hebende Einsparpotenziale für Strom, Gas und Öl.“ Diese Einsparungen ließen sich durch Verhaltensänderungen erzielen, durch einfache technische oder ordnungsrechtliche Maßnahmen. „Wenn diese Energiesparmaßnahmen mit Investitionen in Technik und Infrastrukturen, die das Energiesparen unterstützen, Hand in Hand gehen, kann das langfristig die Abkehr von energieintensiven Lebensstilen einleiten“, sagt Stieß. 

Einsparpotenziale und positive Effekte von Energiesuffizienz

Im Thesenpapier zeigen die Unterzeichnenden nicht nur Einsparpotenziale in den Bereichen Verkehr, Wärme, öffentliche Gebäude, Gewerbe, Dienstleistungen und Handel sowie Industrie, Landwirtschaft und Digitalisierung auf, sie arbeiten auch die positiven Effekte von Energiesuffizienz heraus. Sie macht nach Ansicht der Expertinnen und Experten unabhängiger und widerstandsfähiger gegen Energie-Lieferausfälle und damit politisch handlungsfähiger. Zudem seien viele Energiesuffizienz-Maßnahmen kurzfristig umsetzbar und noch dazu günstig, da sie nur sehr geringe Investitionen und Infrastrukturen benötigen. Darüber hinaus ließen sich mit Energiesuffizienz neue Abhängigkeiten von klimaschädlichen Technologien ebenso verhindern wie Kompromisse mit Staaten, die Menschenrechte missachten. 

Der Aufruf zu energiesparendem Handeln richtet sich an Bürgerinnen und Bürger ebenso wie an Organisationen und Unternehmen und an die Politik, die Energieeffizienz als politische Strategie ernst nehmen und umsetzen solle. Die Forscherinnen und Forscher fordern die politisch Verantwortlichen dazu auf, umgehend damit zu beginnen, Deutschland und Europa durch Energiesuffizienz krisenfester zu machen. 

Zum Aufruf im Wortlaut:

https://isoe.blog/energiesparen-als-schluessel-zur-energiesicherheit-suffizienz-als-strategie/  

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