ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ Akutelle Informationen vom ISOE. https://www.isoe.de/fileadmin/Resources/Corporate/Public/icons/favicon-32x32.png ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ 32 32 en-gb ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main Thu, 23 Sep 2021 12:00:57 +0200 Thu, 23 Sep 2021 12:00:57 +0200 ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main news-476 Thu, 23 Sep 2021 17:34:00 +0200 ISOE-Symposium zur Verabschiedung von Thomas Jahn - Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/krise-katastrophe-normalitaet-die-verantwortung-der-wissenschaft-fuer-die-zukunftsgestaltung/ Die Krisen unserer Zeit sind vielfältig. Sie dominieren Schlagzeilen, Diskussionen und den Alltag vieler Menschen. Nicht nur die Corona-Pandemie offenbart dabei, wie konfliktreich und komplex Krisen der Gegenwart sein können und wie eng Katastrophe und Normalität beieinanderliegen. Welche Rolle kommt der Wissenschaft in diesen Zeiten zu? Dieser Frage widmet sich das Symposium „Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung“, das das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am 1. Oktober 2021 veranstaltet. Es findet anlässlich der Verabschiedung des ISOE-Mitbegründers Thomas Jahn als wissenschaftlichem Geschäftsführer statt. Gesellschaft und Politik ringen derzeit mit dem Realitätsschock, den multiple Krisen der Gegenwart ausgelöst haben. Ob oder in welcher Weise etwa die Corona-Pandemie eine Zäsur markiert, darüber zeichnet sich bisher kein Konsens ab. So bleibt der Wesenskern der Pandemie-Erfahrung auch nach eineinhalb Jahren nur schwer greifbar. Was bedeutet dies für die Rolle der Wissenschaft heute vor dem Hintergrund der Klimakrise, dem dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt, den wachsenden sozialen Ungleichheiten und der Erosion demokratischer Werte und Institutionen? Und was bedeutet es für das Verhältnis von Wissenschaft zu Gesellschaft und Politik? Wo liegt die Aufgabe der Wissenschaft für die Gestaltung der Zukunft?

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung lädt am 1. Oktober 2021 zur Diskussion dazu ein. Das Symposium „Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung“ findet anlässlich der offiziellen Verabschiedung des ISOE-Mitbegründers Thomas Jahn statt, der das Forschungsinstitut 1989 mitbegründet hat. Der Soziologe war bis März 2021 Sprecher der Institutsleitung des ISOE und wissenschaftlicher Geschäftsführer. Jahn hat im ISOE überwiegend zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen, transdisziplinären Methoden und Konzepten sowie zur sozial-ökologischen Wissenschaftsforschung gearbeitet. Promoviert hat er 1989 zum Thema „Krise als gesellschaftliche Erfahrungsform. Umrisse eines sozial-ökologischen Gesellschaftskonzepts“.

Programm

Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung

15:30 Uhr Eröffnung
PD Dr. Diana Hummel, ISOE

15:45 Uhr Einführungsvortrag „Die Macht des Wissens in der Krise“
PD Dr. Alexander Bogner, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA), Wien

16:15 Uhr Podiumsdiskussion
mit
PD Dr. Alexander Bogner
Dr. Thomas Jahn, ISOE
Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein
Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Ines Weller, Stellvertretende Sprecherin des artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit, Bremen

Moderation: Prof. Dr. Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, Frankfurt am Main

Pandemiebedingt findet die Veranstaltung im Frankfurter Haus am Dom nur unter stark eingeschränkten Präsenzmöglichkeiten statt. Die Teilnahme an dem Symposium wird deshalb mit einem Livestream ermöglicht. Medienvertreter*innen werden um eine Anmeldung per E-Mail an Dr. Nicola Schuldt-Baumgart gebeten.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51 

Pressefoto zum Download:

Porträtfoto Thomas Jahn (Foto: Anja Jahn)

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Pressemitteilung
news-475 Tue, 21 Sep 2021 14:49:34 +0200 Sustainable Development Goals - Modelle zur Messung von Nachhaltigkeit bilden gesellschaftliches Wohlergehen nur unvollständig ab https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/modelle-zur-messung-von-nachhaltigkeit-bilden-gesellschaftliches-wohlergehen-nur-unvollstaendig-ab/ Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme – die jüngsten Extremwetterereignisse haben verdeutlicht, was der aktuelle 6. Sachstandsbericht des IPCC wissenschaftlich beschreibt: Das Erdsystem ist in Turbulenzen geraten, seine planetaren Grenzen sind erreicht. Nicht nur das Klima ist betroffen, sondern auch die Biodiversität, das Süßwasser und die Landsysteme. In der Folge häufen sich humanitäre Katastrophen. Wie kann es gelingen, dass die planetaren Grenzen respektiert werden und gleichzeitig gesellschaftliches Wohlergehen gesteigert wird? Einen Erfolg versprechenden Beitrag dazu stellen die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDG), dar. Doch wie lässt sich der Erfolg dieser komplexen Zielsetzung messen? Wissenschaftler*innen des ISOE haben zwei wissenschaftliche Modelle dazu untersucht. In einer aktuellen Studie, die in der Zeitschrift „Ecological Indicators“ erschienen ist, vergleichen die ISOE-Forscher*innen Heide Kerber, Lukas Drees und Robert Lütkemeier zwei prominente Ansätze zur Erfassung des Zusammenhangs von gesellschaftlichem Wohlergehen und Grenzen des Erdsystems. Beide Ansätze folgen dem erdsystemwissenschaftlichen Konzept der planetaren Grenzen und kombinieren es mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, den SDGs. Das sind zum einen der Ansatz „Doughnut of social and planetary boundaries“ (kurz: „Doughnut“) und zum anderen das Projekt #SDGinPB. Die ISOE-Autor*innen bewerten die Fähigkeit dieser Ansätze, die Komplexität der SDGs abzubilden, und diskutieren allgemeine Herausforderungen wissenschaftlicher Modelle im Zusammenhang mit globalen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Autor*innen weisen auf die Auffälligkeit hin, dass beide Ansätze mit nur einem oder zwei Indikatoren pro SDG arbeiten, während die Vereinten Nationen sechs bis 27 Indikatoren verwenden, um die Entwicklung bei der Erreichung der Ziele darzustellen. Das diene zwar der Notwendigkeit, die Komplexität der realen Welt wie in jedem Modell zu reduzieren, es bestünde aber auch die Gefahr, dass wesentliche Aspekte übersehen werden. „Wenn zum Beispiel das Arbeitsmarktwachstum der einzige Indikator für das SDG 8 ‚Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum‘ ist und wichtige Aspekte wie Kinderarbeit oder grundlegende Arbeitsrechte unberücksichtigt bleiben, dann bringt das Modell ein sehr verzerrtes Bild hervor“, erklärt der Mitautor der Studie Lukas Drees. „Berechnungen des Ansatzes #SDGinPB, die dementsprechend etwa China auf der Zielmarke beim SDG 8 sehen, sollten Skepsis hervorrufen.“

Modelle unterstützen Wachstumsparadigma

Insgesamt zeigt die ISOE-Studie, wie stark die Auswahl der Indikatoren die Bewertung der SDG-Erreichung beeinflusst und dass Bewertungen, die sich auf einen einzigen Indikator pro Ziel stützen, der Komplexität der SDGs nicht gerecht werden. Das Projekt #SDGinPB zeige eine generelle Tendenz, den Fortschritt des globalen Nordens bei der Erreichung der SDGs zu überschätzen. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass fast alle verwendeten Indikatoren eine positive Korrelation mit dem Bruttoinlandsprodukt aufweisen. Folglich unterstützten die Modellergebnisse unhinterfragt das Paradigma des Wirtschaftswachstums, das außer Acht lasse, wie sehr das historische Wachstum im globalen Norden von der Ausbeutung des globalen Südens abhängt. „Bei der Erreichung der SDGs kann es aber ja nicht darum gehen, dass die Länder des globalen Südens den Entwicklungspfad der Länder des globalen Nordens kopieren“, sagt Drees.

Die Autor*innen kommen zu dem Schluss: Ansätze wie der „Doughnut“ und #SDGinPB seien sehr wertvoll, um die Öffentlichkeit für den Zusammenhang von planetaren Grenzen und Aspekten des menschlichen Wohlergehens zu sensibilisieren. Sie leisten einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie die Einhaltung der planetaren Grenzen gelingen und gleichzeitig mit den notwendigen Entwicklungsschritten hin zu einem globalen menschlichen Wohlergehen in Einklang gebracht werden kann. Wenn es jedoch um die konkrete Umsetzung in politische Empfehlungen geht, sei es unerlässlich, den lokalen Besonderheiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dies mit globalen Modellierungsansätzen möglich ist.

Zur Publikation:

Drees, Lukas/Robert Lütkemeier/Heide Kerber (2021): Necessary or oversimplification? On the strengths and limitations of current assessments to integrate social dimensions in planetary boundaries. Ecological Indicators 129 (October), 108009

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Lukas Drees
Tel. +49 69 707 6919-41
 

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Melanie Neugart
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news-469 Thu, 16 Sep 2021 10:55:51 +0200 Forschungsprojekt AQUA-Hub India - Technologie- und Wissenstransfer für nachhaltige Wasserinfrastrukturen https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/technologie-und-wissenstransfer-fuer-nachhaltige-wasserinfrastrukturen/ Indiens Städte wachsen rasant und benötigen eine leistungsfähige Infrastruktur für die Versorgung mit Wasser und für die Entsorgung von Abwasser. Doch der Ausbau der Infrastruktur kann mit dem Bevölkerungswachstum kaum mithalten. Eine Forschungskooperation von ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnologie IGB, Landesagentur Umwelttechnik BW (UTBW), indischen Partnern und deutschen Unternehmen unterstützt deshalb den Aufbau einer nachhaltigen Wasserinfrastruktur in Indien: „AQUA-Hub“ verbindet das Angebot von innovativen Lösungen mit der entsprechenden Nachfrage und fördert den Technologie- und Wissenstransfer zwischen deutschen Wassertechnologie-Anbietern und indischen Partnern. Mit den sogenannten Water Innovation Hubs in den indischen Städten Coimbatore und Solarpur bereiten die Forschungspartner des Projekts AQUA-Hub derzeit eine Plattform vor, um Blaupausen für Wasserinfrastrukturlösungen aufzuzeigen, die speziell für schnell wachsende Städte geeignet sind. Somit ist das Forschungsprojekt AQUA-Hub eine Anlaufstelle für deutsch-indische Kooperationen und zugleich ein Ergebnis aus einem vorausgegangenen gemeinsamen Forschungsprojekt von Fraunhofer IGB und ISOE. In diesem Projekt „Smart Water Future India“ wurden die Infrastrukturlösungen – beispielhaft für die Metropole Coimbatore – gemeinsam mit indischen Stakeholdern entwickelt.

Zum Hintergrund: In der Millionenstadt Coimbatore im Süden des Landes sind die lokalen Gewässer durch die städtischen Abwässer stark belastet. Die Seen im Stadtgebiet stellen aber gleichzeitig einen wichtigen natürlichen Regenwasserspeicher für die boomende Stadt dar und haben das Potenzial, als Naherholungsgebiet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Bevölkerung zu leisten. Coimbatore steht hier stellvertretend auch für andere Städte in Indien. Für diese spezifischen Bedingungen hatte das Forschungsteam die Herausforderungen genauer untersucht und Bedarfe an Umwelttechnologien und intelligenten Wassermanagementstrategien für eine nachhaltige Wasserver- und -entsorgung herausgearbeitet.

„Um Angebot und Nachfrage für die entwickelten Lösungen zusammenzubringen, etablieren wir im Nachfolgeprojekt AQUA-Hub gemeinsam mit dem Fraunhofer IGB nun eine Art Marktplatz“, sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr. „Unser Ziel ist es, nachhaltige Wassertechnologielösungen, die wir den indischen Akteuren aus dem Wasserbereich auf diesem Marktplatz demonstrieren, in die Anwendung zu bringen und damit letztlich die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu erhöhen, aber auch den Zustand der Gewässer und ihres Umfeldes zu verbessern.“

Nachhaltige Wasserinfrastrukturen und soziale Innovationen

Für den Erfolg von Lösungsansätzen auf dem indischen Markt seien mehrere Faktoren relevant. Die Herausforderungen liegen aus Sicht des ISOE-Wasserexperten insbesondere in der Verbindung von technischen und sozialen Innovationen. „Wenn neuen Verfahren der Wasserversorgung und -entsorgung und des Wasserqualitätsmonitorings langfristig in die Anwendung gehen sollen, benötigen die kommunalen Wasserbetriebe nicht nur technologische Komponenten, sondern ganzheitliche Lösungen, die auch soziale Innovationen mit einschließen“, sagt Stefan Liehr. Zu den sozialen Innovationen zählt Liehr etwa eine Umgestaltung von Praktiken für den Betrieb von Technologien, veränderte Verantwortlichkeitsstrukturen und angepasste Formen des Informationsaustauschs und der fachlichen Aneignung.

Damit der Technologietransfer gelinge, müssten die Lösungsansätze kompatibel sein und dem Bedarf und dem Wissen der politisch-institutionellen Entscheidungsträger entsprechen. Auch internationale Kooperationsangebote und lokale Partnerschaften vor Ort seien zentral für eine erfolgreiche Umsetzung der Wasserinfrastrukturlösungen. „Hierfür sollen die Water Innovation Hubs langfristig einen Beitrag leisten“, sagt Liehr. Die Plattform könne Unternehmen und Forschungsinstituten aus Deutschland die Möglichkeit bieten, ihre innovativen Technologien auf lokaler Ebene bekannt zu machen, in Pilotanlagen zu testen und unter den spezifischen Bedingungen in Indien weiterzuentwickeln, um sie letztlich gemeinsam mit Kunden in die Anwendung zu bringen. Als erstes Demonstrationsvorhaben des Water Innovation Hub in Coimbatore bereiten die Wissenschaftler*innen den Einsatz eines smarten Systems zum Online-Monitoring der Wasserqualität vor.

Das Forschungsprojekt AQUA-Hub wird im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien (EXI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Mehr zum Projekt: www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/aqua-hub

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr
Tel. +49 (0)69 707 6919-36
liehr(at)isoe.de

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Melanie Neugart
Tel. +49 (0)69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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news-449 Mon, 30 Aug 2021 11:52:00 +0200 Sustainable Development Solutions Network Germany - ISOE ist Mitglied im Netzwerk führender deutscher Wissensorganisationen https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/isoe-ist-mitglied-im-netzwerk-fuehrender-deutscher-wissensorganisationen/ Das ISOE ist im Sustainable Development Solutions Network Germany – kurz SDSN Germany – aufgenommen worden. In dem 2014 gegründeten Netzwerk kooperieren führende deutsche Wissensorganisationen sowie Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft, um eine nachhaltige Entwicklung Deutschlands und deutsches Engagement für nachhaltige Entwicklung in der Europäischen Union (EU) und weltweit zu fördern. Mit seiner Mitgliedschaft kann das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung seine Forschung für nachhaltige Entwicklung in nationalen wie internationalen Projekten sowie die Zusammenarbeit mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis weiter stärken.  SDSN Germany und seine Mitglieder sind Teil des globalen Netzwerks SDSN, das bereits seit 2012 unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen wissenschaftliche und technologische Expertise für nachhaltige Entwicklung fördert. SDSN Germany unterstützt mit seinen Mitgliedern und Partnern die Weiterentwicklung und Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und verbindet aktuelle wissenschaftliche Debatten mit Möglichkeiten konkreter Governance- und Umsetzungspraxis. Darüber hinaus zielt SDSN Germany auf eine europäische und internationale Perspektive und setzt sich dafür ein, Nachhaltigkeitsprozesse auf Länderebene, europäisch und international besser zu koordinieren. Das Netzwerk engagiert sich insbesondere für das Erreichen der Ziele der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und des Pariser Klimaabkommens. 

Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zur transdisziplinären Forschung 

„Wir freuen uns, dass sich das ISOE mit seiner Expertise aus der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung und seinen Forschungsprojekten auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene in das Netzwerk einbringen kann,“ sagt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt. „Wir sind zudem gespannt auf den Austausch, insbesondere mit Blick auf transdisziplinäre Dialog- und Kooperationsformate zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, die in dem Netzwerk eine wichtige Rolle spielen.“ Das ISOE arbeitet seit seiner Gründung 1989 mit dem transdisziplinären Forschungsmodus, der unterschiedliche Akteure zum Thema nachhaltige Entwicklung zusammenbringt.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.unsdsn.org

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin

PD Dr. Diana Hummel 
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news-448 Mon, 09 Aug 2021 12:32:47 +0200 Forschungskooperation mit Bangladesch für bessere Notfallmedizin bei Überflutungen - Katastrophenschutz weltweit stärken und voneinander lernen https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/katastrophenschutz-weltweit-staerken-und-voneinander-lernen/ Eine bessere medizinische Notfallversorgung bei Flutkatastrophen in Bangladesch sieht das Forschungsprojekt „FlutNetz“ von Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt, der RWTH Aachen und des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt zusammen mit Partnern aus Bangladesch vor. 2020 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Förderung des Projekts von 2,4 Millionen Euro zugesagt. Nach pandemiebedingter Verzögerung geht FlutNetz nun an den Start.  Bangladesch gehört zu den Ländern, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind. Auf Platz sieben des Klima-Risiko-Indexes, wird das Land jährlich während der Regenzeit von Flutkatastrophen heimgesucht. Wie die medizinische Versorgung im Land verbessert werden kann und Länder im Katastrophenschutz voneinander lernen können, untersucht nun das Forschungsprojekt „FlutNetz“ von Wissenschaftlern der Goethe-Universität, der RWTH Aachen und des ISOE Institut Frankfurt. Das Projekt wird im Rahmen der BMBF-Maßnahme "Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM“ gefördert, die seit 2018 im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung innovative, anwendungsrelevante Lösungsansätze zur Katastrophenprävention und -vermeidung unterstützt.

„Wegen seiner Erfahrung mit Zyklonen ist Bangladesch mittlerweile gut darauf vorbereitet, im Katastrophenfall große Teile der Bevölkerung rechtzeitig zu evakuieren“, sagt Dr. Ulrich Kuch vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität, der den Forschungsverbund koordiniert. „Trotzdem sterben dort bei Überflutungen viele Menschen, am häufigsten durch Ertrinken, Schlangenbisse, Blitze und defekte Stromleitungen; bei der Vorbeugung und Behandlung solcher Gefahren gibt es großen Nachholbedarf.“ Um zu erforschen, wie notfallmedizinische Versorgung während Flutkatastrophen wirkungsvoll verbessert werden kann, verfolgt das FlutNetz-Projekt eine mehrteilige Strategie.

Vorsorge für den Katastrophenfall in Bangladesch

Für die Wissenschaftler der Goethe-Universität stehen folgende Forschungsfragen im Zentrum: Welche Bevölkerungs- und Berufsgruppen in den am schlimmsten betroffenen Regionen können am besten zu Katastrophen- und Ersthelfern sowie professionellen Rettungskräften ausgebildet werden, nach wie langer Zeit können sie die neu gewonnenen Fähigkeiten noch richtig anwenden, und wie wirksam sind sie im Ernstfall? Parallel dazu wird ein mit speziell ausgebildeten Ärzten besetztes Notfallzentrum mit Telefon-Hotline eingerichtet, das Menschen in schwer erreichbaren Regionen erreichen soll.

Im Rahmen des Forschungsverbunds wird zudem ein unbemanntes Flugsystem eingesetzt, das Notfallpatienten mit lebensrettenden Medikamenten versorgen soll. Zu diesem Zweck wurde an der RWTH Aachen ein Flugsystem so angepasst, dass es in Bangladesch Medikamente wie Schlangengift-Antivenine transportieren und am Standort der Patienten abliefern kann. Um den herausfordernden Wetterbedingungen während der Regenzeit zu trotzen, wird ein Hochleistungs-Kippflügelsystem eingesetzt. Dieser Flugzeugtyp kann vollautomatisch bei Tag und Nacht über größere Distanzen betrieben werden und hält auch starken Winden stand.

Zugang von Frauen und Mädchen zur Notfallmedizin verbessern

In vielen Ländern haben Frauen und Mädchen sowie marginalisierte Gruppen aufgrund geschlechtsspezifischer Rollenerwartungen und gesellschaftlicher Normen einen schlechteren Zugang zur Versorgung bei und nach Flutkatastrophen – so auch in Bangladesch. Kinder und alte Menschen kommen deshalb in den Fluten häufiger zu Tode. Um wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für einen gerechteren Zugang zu medizinischer Versorgung in Katastrophensituationen geben zu können, müssen daher auch die Erfahrungen, Bedürfnisse und das Wissen unterschiedlicher betroffener Bevölkerungsgruppen und Akteure in der Notfallversorgung einbezogen werden. Hier bringt das ISOE seine Expertise zu Fragen der geschlechtersensiblen sozial-ökologischen Forschung ein: Projektübergreifend werden Daten zur Rolle der Geschlechterzugehörigkeit sowie der Zugehörigkeit zu ethnischen, kulturellen, religiösen, Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen gesammelt und ausgewertet.

„Im Kontext von Naturkatastrophen und Katastrophenschutz können wir von Bangladesch viel lernen. Umgekehrt gibt es dort großen Bedarf für Verbesserungen des Zugangs zu Gesundheitsversorgung und ihrer Qualität; dabei sind Innovationen und Erkenntnisse der zivilen Sicherheitsforschung Deutschlands ebenso gefragt wie die aus unserer Gesundheitsforschung“, erklärt Kuch. „Die Zusammenarbeit von Bangladesch und Deutschland bei diesem Thema dient aber auch anderen Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika, von denen viele bei Flutereignissen ganz ähnliche Risikolagen haben. Wir rechnen damit, dass sich Konzepte und Ergebnisse des FlutNetz-Projekts gut auf betroffene Regionen anderer Länder übertragen lassen.“

Neben der Goethe-Universität Frankfurt, der RWTH Aachen und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt arbeiten mehrere staatliche Organisationen wie die Gesundheits- und Katastrophenschutzministerien Bangladeschs sowie Universitätskliniken in Bangladesch, medizinische Fachgesellschaften und die Nicht-Regierungsorganisation Center for Injury Prevention and Research Bangladesh (CIPRB) in dem Projekt mit.

Projektumriss "FlutNetz" zum Download

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Diana Hummel
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news-446 Thu, 29 Jul 2021 12:30:00 +0200 Citizen-Science-Aufruf zum Erhalt der Artenvielfalt - Frankfurt am Main zählt seine Insektenhotels https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/frankfurt-am-main-zaehlt-seine-insektenhotels/ Städte können Rückzugsorte für Insekten sein. Abseits vom Pestizid- und Düngemitteleinsatz der Landwirtschaft bieten sich ihnen im urbanen Raum geeignete Habitate. Doch nicht alle Insekten sind den Menschen in der Stadt gleich willkommen. Das wollen Frankfurter Forschungs- und Umwelteinrichtungen unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ändern. Sie rufen zur Bildung einer Citizen-Science-Community auf, um gemeinsam mit der Stadtgesellschaft den Schutz der Insektenvielfalt in Frankfurt am Main zu stärken. Zum Auftakt der Citizen-Science-Aktionen ist eine Bestandsaufnahme von Insektenhotels geplant. Weil das Insektensterben sogar in Naturschutzgebieten drastisch voranschreitet, wird die Ansiedlung von Insekten wie Libellen, Heuschrecken oder Hummeln in den Städten immer wichtiger. „Trotz Licht und Lärm, Verkehr und Versiegelung können Stadträume durchaus Refugien für Insekten sein“, sagt Marion Mehring, Biodiversitätsforscherin am ISOE. „Damit können Städte einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.“ Aber nicht alle Insektenarten werden als neue Stadtbewohner gleichermaßen wertgeschätzt. „Wir wollen daher wissen, wie es gelingen kann, dass Bürger*innen die Stadt als Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten als selbstverständlich wahrnehmen und im Idealfall sogar fördern,“ so Mehring.

Um diese Frage zu beantworten, haben sich Frankfurter Institutionen mit ausgewiesener Expertise zu Biodiversität zusammengefunden: Unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung führen die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), die Goethe-Universität Frankfurt am Main, BioFrankfurt, der NABU Frankfurt und der Palmengarten der Stadt Frankfurt gemeinsame Citizen-Science-Aktivitäten durch, die Teil eines größeren Forschungsvorhabens sind, das im Oktober 2021 startet. 

„Insektensommer“: Aufruf an die Frankfurter Stadtgesellschaft 

„Die Frankfurter Stadtgesellschaft ist im Rahmen der NABU-Aktionstage ‚Insektensommer‘ vom 6. bis 15. August herzlich dazu eingeladen, an der Bestandsaufnahme von Insektenhotels mitzuwirken“, sagt Marion Mehring. Es geht darum, alle Insektenhotels zu zählen, die man auf einem 20-minütigen Beobachtungsgang durch die Stadt entdeckt. Der Startpunkt ist dabei frei wählbar. Die Anzahl der Insektenhotels wird in einem Online-Formular festgehalten. „Ziel ist es, eine Abschätzung darüber treffen zu können, welchen Beitrag Bürger*innen für den Insektenschutz in der Stadt leisten, indem sie Brut- und Nisthilfen in Form von Insektenhotels bereitstellen“, erklärt Mehring. 

Darüber hinaus sind auch Kurzinterviews geplant. Die Wissenschaftler*innen wollen mehr über die Einstellung Frankfurter Bürger*innen zu Insekten in der Stadt erfahren: Wie gehen sie mit Insekten um? Inwieweit sind sie bereit, Insektenhotels einzurichten und zu betreuen? Worin liegt die Motivation, Lebensraum für Insekten zu bieten, anstatt sie – wie beispielsweise Wespen – zu vertreiben? Als Dankeschön erhalten die Interview-Teilnehmer*innen je zwei Eintrittskarten für den Palmengarten Frankfurt oder das Senckenberg Museum Frankfurt. Interessent*innen für die Interviews können sich schon jetzt unter melden. 

Wertschätzung von Insekten als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt 

Die Ergebnisse aus diesen Citizen-Science-Aktionen fließen in das Forschungsprojekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität“ ein, das im Oktober startet und den Erhalt der Insektenvielfalt zum Ziel hat. Dem Verbundprojekt gehören neben den Forschungspartnern dieses Citizen-Science-Aufrufes das Umweltamt und das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main sowie die Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide als Praxispartner an. SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert. 

Aufruf zur Zählung von Insektenhotels beim NABU Frankfurt

Das ISOE hat begleitend zur Aktion einen Ratgeber veröffentlicht: 
„Winzige Nachbarn unter der Lupe. Das Insektenhotel im eigenen Garten als Beitrag zu Biodiversität und Umweltbildung“

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Marion Mehring
Tel. +49 69 707 6919-39
 

Dr. Florian Dirk Schneider
Tel. +49 69 707 6919-71
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
www.isoe.de 
 

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Pressemitteilung
news-444 Mon, 19 Jul 2021 10:43:31 +0200 Nachhaltigkeitsmanagement - ISOE als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/isoe-als-fahrradfreundlicher-arbeitgeber-ausgezeichnet/ Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ist mit der EU-weiten Zertifizierung „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet worden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der die Zertifizierung seit 2017 vergibt, verlieh dem Frankfurter Institut das Zertifikat in Silber. Als fahrradfreundlicher Arbeitgeber spart das ISOE Ressourcen und setzt Finanzen sinnvoll ein, etwa für im Vergleich zu PKW-Stellplätzen günstige und platzsparende Radabstellanlagen. Der ADFC bestätigte dem ISOE insgesamt eine „mustergültige Fahrradkultur“. Die Mitarbeiter*innen setzten ebenfalls ein Zeichen für Fahrradfreundlichkeit: Beim Wettbewerb „Stadtradeln“ hat das ISOE-Team mit über 5000 Radkilometern eine CO2-Einsparung von 773 Kilogramm erzielt – das entspricht den CO2-Emissionen, die ein Flug von München nach Athen verursacht.  Sara Tsudome, Projektleiterin beim ADFC-Bundesverband, formuliert es so: „Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung fördert den Radverkehr mit vielen verschiedenen Maßnahmen. Das bringt gleich mehrere Vorteile: Es stärkt die Mitarbeiterbindung sowie das Teamgefühl“. Das weiß auch Petra Hansen, die im ISOE für das betriebliche Gesundheits-, Umwelt- und Mobilitätsmanagement zuständig ist und in den vergangenen Jahren mit Weitsicht und großem Engagement viele Maßnahmen zur Fahrradfreundlichkeit angestoßen und umgesetzt hat. 

„Um mehr Mitarbeiter*innen für das Radfahren zu gewinnen, empfehlen wir regelmäßig die Teilnahme an Kampagnen wie ‚Stadtradeln‘ oder ‚Mit dem Rad zur Arbeit‘, sagt Petra Hansen. „Aber wir kümmern uns vor allem auch darum, dass unsere Radfahrer*innen ihre Fahrräder sicher, trocken und möglichst ebenerdig abstellen können.“ Der ADFC bewertete auch die Umkleidemöglichkeiten und Duschen positiv sowie Inhouse-Angebote im Servicebereich wie Fahrradreparatur, saisonale Fahrrad-Checks oder die Möglichkeit zur Anschaffung von Diensträdern. 

Mustergültige Fahrradkultur im ISOE für Umwelt und Gesundheit

Das ISOE kommt auf einen für den ADFC bemerkenswerten Radverkehrsanteil von 55 Prozent – mehr als die Hälfte der Belegschaft kommt also mit dem Rad ins Büro. Auch beim Wettbewerb „Stadtradeln“ haben mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden teilgenommen. Das sei vorbildhaft, denn wenn mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit kommen, werde damit Bewegungsmangel vorgebeugt. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit komme, habe im Schnitt ein Drittel weniger Krankheitstage und ein niedrigeres Infektionsrisiko. 

Fahrradfreundliche Maßnahmen tragen darüber hinaus zum betrieblichen Umweltmanagement bei und sind ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Mobilitätsmanagements. „Für uns als Institut mit einem besonderen Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ökologie ist es selbstverständlich, die Fahrradkultur zu unterstützen und in Fahrradinfrastruktur zu investieren“, sagt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE.

Links

Ansprechpartnerin:

Petra Hansen
Tel. +49 69 707 6919-15
 
www.isoe.de 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
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news-442 Fri, 09 Jul 2021 11:45:00 +0200 Unterhausdebatte - Neue Wege in die Stadt: Wie Frankfurt und das Umland das Problem des Pendelns lösen könnten  https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/neue-wege-in-die-stadt-wie-frankfurt-und-das-umland-das-problem-des-pendelns-loesen-koennten/ Die Metropole Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet boomen. Frankfurt droht der Verkehrskollaps. Die Bewohner*innen der Stadt sind immer weniger bereit, den städtischen Raum dem Auto zu opfern. Doch täglich pendeln mehr als eine halbe Million Menschen zwischen der Stadt und dem Umland – die meisten mit dem Auto. Aber muss das so bleiben? Wie kann nachhaltiges Pendeln gelingen, oder müssen wir ganz neue Konzepte fürs Arbeiten entwickeln? Die Wissenschaftsjournalist*innen Carina Frey und Rainer Kurlemann luden als ZukunftsReporter gemeinsam mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am 8. Juli 2021 zu einer ungewöhnlichen Online-Diskussion ein, in der das Publikum Position beziehen musste. Regelmäßig laden die ZukunftsReporter zu öffentlichen Veranstaltungen ein, bei denen es darum geht, die Auswirkungen aktueller Entwicklungen in Wissenschaft und Politik auf die Zukunft zu diskutieren. Dabei stellen die Journalist*innen dem Publikum wissenschaftlich fundierte Informationen zur Verfügung und bieten den Dialog über Zukunftstechnologien und -ideen an, die unseren Alltag deutlich verändern können. Wie bewerten Bürger*innen anstehende Transformationen, welche Wege können sie sich vorstellen und welche nicht? Bei der „Unterhausdebatte“ zum Thema Pendeln am 8. Juli 2021, die das ISOE mitveranstaltete, konnte und sollte das Publikum diskutieren, wenn es um entscheidende Zukunftsfragen der Mobilität am Beispiel der Region Frankfurt geht.

Wie können Pendler*innen die Stadt Frankfurt künftig erreichen? Lassen sich gängige Pendelroutinen durchbrechen, und was braucht es dafür? Warum steigen Menschen ins Auto, statt den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad zu nehmen? „Wir wollten vom Publikum wissen, welche Zukunft es sich mit Blick auf eine verträgliche Stadt-Umland-Mobilität wünscht“, sagt Jutta Deffner. Die ISOE-Mobilitätsforscherin stand in der Unterhausdebatte als Expertin Rede und Antwort und brachte erste Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt PendelLabor ein. Das ISOE untersucht in diesem Verbundprojekt gemeinsam mit der TU Dortmund, der Hochschule Rhein-Main, der ivm GmbH, dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und der Stadt Frankfurt die Pendelpraktiken und Planungspraktiken in der Region Rhein-Main.

Diskussion und Forschung zu einer nachhaltigen Stadt-Umland-Mobilität

Die Region gilt mit ihrem hohen Pendleraufkommen und ihren starken Pendelverflechtungen als exemplarisch für Deutschlands Metropolregionen. Die Wissenschaftler*innen im PendelLabor wollen wissen, wie eine nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität zwischen Wohn- und Arbeitsort aussehen kann, die dann auch als Blaupause für weitere Regionen dienen kann. In einem ersten Schritt hat sich das Forschungsteam einen Überblick über die Einflussfaktoren auf das Pendeln in Deutschland verschafft. Mithilfe einer umfassenden Literaturrecherche zum Forschungsstand haben sie raum- und arbeitsstrukturelle Rahmenbedingungen, die gegenwärtigen Mobilitätsangebote und -dienstleistungen sowie Wirkungen des Pendelns ausgewertet.

„Pendeln ist für die Betroffenen nicht nur ein Weg von A nach B“, sagt Jutta Deffner. „Es ist der regelmäßige Übergang zwischen Arbeits- und Privatsphäre.“ Für eine neue und nachhaltige Gestaltung des Pendelns, das mit der Überwindung der Corona-Pandemie deutlich wieder an Fahrt aufnehme, seien viele Faktoren zu berücksichtigen. „Wir müssen vor allem wissen, was Pendler*innen brauchen und was die Bewohner*innen der Stadt brauchen, in die gependelt wird, um gute, einvernehmliche und zugleich nachhaltige Lösungen zu finden“, so Deffner. Die Unterhausdebatte des ISOE und den ZukunftsReportern bot am 8. Juli 2021 die Möglichkeit, ein komplexes Thema in einem unterhaltsamen Format zu diskutieren. 

Online-Veranstaltung „Unterhausdebatte“
Neue Wege in die Stadt: Wie Frankfurt und das Umland das Problem des Pendelns lösen könnten 

Wann: Donnerstag, 8. Juli 2021, 19.30 bis 21.00 Uhr

Moderation: Carina Frey und Rainer Kurlemann

Mitdiskutieren: #PendelLabor #ZukunftsReporter

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, die ZukunftsReporter

Link zur Veranstaltungsseite:  www.isoe.de/veranstaltungen/neue-wege-in-die-stadt  

Veranstaltungsflyer

 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38
 
www.isoe.de 
www.pendellabor.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51

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Pressemitteilung
news-438 Fri, 25 Jun 2021 19:45:00 +0200 Zukunftsforum Ecornet - Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung? https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/wege-aus-der-biodiversitaetskrise-weiter-so-oder-neuausrichtung-1/ Die Artenvielfalt nimmt weltweit weiterhin dramatisch ab. Neue Politikinstrumente wie die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 oder die UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen 2021-2030 sorgen jedoch für neuen Optimismus und große politische Aufmerksamkeit. Reichen diese Prozesse aus, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen? Oder braucht es doch einen radikalen Wandel und ein Umdenken? Beim ZUKUNFTSFORUM ECORNET am 15. Juni 2021 wurden Lösungsansätze für den Schutz der Artenvielfalt diskutiert. Veranstalter des Online-Forums waren die beiden Ecornet-Institute ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Ecologic Institut. Das Jahr 2020 sollte eigentlich das "Biodiversitätsjahr" werden. Durch die pandemiebedingte Verschiebung der UN Biodiversity Conference (COP 15) auf das Jahr 2021 steht die wichtigste internationale Veranstaltung zu dem Thema nun noch bevor. Das sechste Zukunftsforum Ecornet fokussierte vor allem auf die nationale Perspektive: Was können wir aus den bisherigen Anstrengungen lernen und wie können wir diese Erfahrungen nutzen, um Anforderungen und Ansätze für einen effektiven Biodiversitätsschutz in Deutschland zu gestalten? Moderiert wurde die Veranstaltung von McKenna Davis, Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und naturbasierte Lösungen am Ecologic Institut.

Viele Ziele wurden nicht erreicht

Sandra Naumann, ebenfalls Senior Fellow und Koordinatorin im Bereich Biodiversität und naturbasierte Lösungen am Ecologic Institut, richtete ihren Blick zunächst auf die europäische Ebene. Die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 seien verfehlt worden. Dies werde nicht zuletzt am Zustand der Natur sichtbar, wo sich der Erhaltungszustand von Habitaten und Arten in den vergangenen Jahren sogar verschlechtert habe. Dabei sei die Gesetzgebung mit FFH-Richtlinie, Vogelschutzrichtlinie und weiteren Instrumenten im Grunde gut, deren Umsetzung in den Mitgliedsstaaten jedoch unzureichend. Viel Hoffnung sei daher mit dem „Biodiversitätsjahr“ 2021 verbunden, wie Sandra Naumann anhand der neuen EU-Biodiversitätsstrategie 2030 zeigte.

Till Hopf, Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland, begann in seinem Eingangsimpuls ebenfalls mit einer Rückschau. So seien auch auf nationaler Ebene die Biodiversitätsziele aus dem Koalitionsvertrag von 2017 nicht erreicht worden, unter anderem weil eine Integration in andere Politikfelder nicht gelang. Für einen erfolgreichen Schutz der biologischen Vielfalt brauche es klarere Verantwortlichkeiten und eine bessere Finanzierung, um beispielsweise verbindliche Renaturierungspläne wirksam zu machen. Vor dem Hintergrund der Dringlichkeit des Themas sei es jetzt besonders wichtig, schnell – spätestens ab Mitte der nächsten Legislatur – in die Umsetzung zu kommen.

Biodiversitätsschutz neu denken

Für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz fehle es an Handlungs- und Orientierungswissen, verdeutlichte Dr. Marion Mehring, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Biodiversität und Bevölkerung am ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung. In ihrem Kurzimpuls fokussierte sie auf sozial-ökologische Perspektiven und stellte die Frage, was für einen Biodiversitätsschutz es im 21. Jahrhundert brauche. Aus ihrer Sicht sei es dringend notwendig, das Thema neu zu denken und Biodiversitätsschutz über naturwissenschaftliche Ansätze hinaus breiter anzugehen, da die klassische Trennung von Natur und Gesellschaft aufgelöst sei. Anhand der vom ISOE entwickelten sozial-ökologischen Gestaltungsprinzipien zeigte sie, wie wir fundamentale Fragen neu stellen müssen: Warum wollen wir Natur weiterhin schützen? Und was verstehen wir künftig unter „natürlich“?

In der anschließenden Diskussion, die durch zahlreiche Fragen aus dem Publikum bereichert wurde, standen weitere Lösungsmöglichkeiten im Fokus. Sandra Naumann und Till Hopf betonten, dass es verbindliche Politikinstrumente mit klaren, sektorspezifischen (Zwischen-)Zielen brauche, da das Prinzip der Freiwilligkeit in der Vergangenheit nicht funktioniert habe. Diese Verbindlichkeit müsse aber auch durch Kontrollen und Nachschärfungen abgesichert werden. Ergänzend dazu fehle es noch an Hebeln, über die Expert*innen und Zivilgesellschaft Einfluss auf die Politikgestaltung nehmen könnten. Um letztlich vom Wissen zum Handeln zu kommen, so Dr. Marion Mehring, sei bei den relevanten Akteur*innen eine Mischung aus Fähigkeiten (Wissen und Kompetenzen), Motivation (persönliche Einstellung) und Gelegenheiten (Erfahrungsräume) notwendig.

Es braucht "einen großen Wurf"

Einig war sich die Expert*innenrunde, dass das Thema nur mit einer umfassenden Perspektive erfolgreich angegangen werden könne. So müssten beispielsweise auch auf Flächen außerhalb von Schutzgebieten vermehrt Biodiversitätsaspekte berücksichtigt werden – dies gelte vor allem für urbane Räume, wo Begrünungspläne als integraler Bestandteil von Planungsprozessen verankert werden müssten. Daneben sei es wichtig, neben der Biodiversität auch andere Umweltschutzgüter wie Boden oder Luft nicht zu vernachlässigen. Auch biete eine Verzahnung mit Themen wie Gesundheitsvorsorge, Ernährung und Konsum sowie Landwirtschaft Möglichkeiten, das Thema breiter zu denken und gleichzeitig Werbung für Belange des Biodiversitätsschutzes zu machen.

Expert*innenrunde: 
Sandra Naumann | Senior Fellow und Koordinatorin Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 
„EU Biodiversitätsstrategie 2030 – Der Schlüssel für einen erfolgreichen Schutz und Erhalt der Biodiversität?“

Till Hopf | Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland e. V. 

Dr. Marion Mehring | Leiterin des Forschungsschwerpunktes Biodiversität und Bevölkerung am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
„Biodiversitätsschutz neu denken: Die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Biodiversitätsverständnisses“

Moderation: 
McKenna Davis | Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 

Über das Ecornet 
Das Ecornet ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Ihre gemeinsame Mission: den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren. Seit ihrer Gründung haben sich die Ecornet-Institute darauf spezialisiert, komplexe Probleme praxisnah und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu bearbeiten. Sie haben sich zum Ecornet zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auch gebündelt in die Forschungslandschaft einzubringen. www.ecornet.eu 

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news-432 Thu, 24 Jun 2021 16:54:00 +0200 ISOE-Veranstaltung „Meet the Scientist“ - Erschöpft? Der Klimawandel und die Folgen für unser Wasser https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/buerger-universitaet-im-sommersemester-2022/ In einem Kreislauf geht nichts verloren. Oder doch? Verdunstung, Wolkenbildung, Regen und Gewässerbildung führen die Wasserressourcen der Erde im Kreislauf. Wasser kann demnach nicht zur Neige gehen, lernen wir schon in der Schule. Trotzdem ist von Wasserkrisen die Rede, ganze Städte sitzen auf dem Trockenen. Auch in Deutschland werden in Dürrephasen regional Trinkwasserbestände knapp. Welche anthropogenen Eingriffe verändern den Wasserkreislauf derart und wie sehen nachhaltige Nutzungskonzepte aus? In der Veranstaltung „Meet the Scientist“ am 23. Juni 2021 stellten Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Gespräch mit Bürger*innen aktuelle Ergebnisse aus der Wasserforschung vor. Weltweit warnen Wasserforschende seit vielen Jahren schon vor lokalen Wasserkrisen. Der Klimawandel stelle dabei eine gefährliche Verschärfung dar, denn er bringe durch Dürren, Fluten und Versalzung von Wasservorkommen den Wasserhaushalt des blauen Planeten aus dem Gleichgewicht. Hinzu kommen Verschmutzungen durch Siedlungs- und Industrieabwässer sowie die Landwirtschaft, welche die nutzbare Wassermenge weiter reduzieren. In weiten Teilen der Erde sind daher die vorhandenen Wasserressourcen bereits stark mengenmäßig übernutzt und qualitativ beeinträchtigt. Das gilt auch für viele Regionen in Europa und für einzelne in Deutschland, wo es in den letzten Dürrejahren lokal zu Engpässen in der Wasserversorgung kam. 

Die mitunter dramatischen Veränderungen im Wasserkreislauf zeigen sich aber nicht allein in Versorgungsengpässen, sondern auch in häufigeren Extremereignissen (Starkniederschläge und Dürren), in sinkenden Grundwasserspiegeln sowie in einer veränderten chemischen Zusammensetzung von Seen, Flüssen oder Grundwasserkörpern. Diese werden zudem wärmer, Regenmassen versickern schlechter, auf Trockenheit folgt Überflutung. Aktuelle Untersuchungen belegen: Die Art, wie Gesellschaften Wasser nutzen, wirkt sich unmittelbar auf diese Phänomene aus.

Neues Veranstaltungsformat im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni

Welche Schlüsse lassen sich daraus für eine nachhaltige Wassernutzung ziehen? Mit dem Veranstaltungsformat „Meet the Scientist“ im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni im Sommersemester 2021 nutzte das ISOE die Gelegenheit, aktuelle Ergebnisse aus der Wasserforschung vorzustellen. Die beiden ISOE-Wissenschaftler Stefan Liehr und Robert Lütkemeier führten die Online-Teilnehmer*innen zunächst in das Thema „Deutschland im Klimawandel“ am Beispiel der Wasserproblematik ein.

Im Anschluss an die Impulsvorträge diskutierten die Wissenschaftler*innen mit den Gästen, wie eine nachhaltige Nutzung unserer Wasserressourcen aussehen kann und welche konkreten Gestaltungsmöglichkeiten es in einer Stadt wie Frankfurt am Main gibt. hr-iNFO war Medienpartner dieser Bürger-Uni, die von dem Wissenschaftsjournalisten Stephan M. Hübner moderiert wurde.
 

Erschöpft? Der Klimawandel und die Folgen für unser Wasser

ISOE-Diskussionsveranstaltung „Meet the Scientist“ mit Dr. Stefan Liehr und Dr. Robert Lütkemeier 

Datum: 23. Juni 2021, 18.30–20.00 Uhr

Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung

Moderation: Stephan Hübner, hr-iNFO 

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Medienpartner hr-iNFO)

Link zur Aufzeichnung: https://vimeo.com/568395719 und auf unserer Facebook-Seite

Mitdiskutieren: #Wasserkrise

Veranstaltungsflyer
 

Ansprechpartner*in:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart 
Tel. +49 69 707 6919-0
 
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Melanie Neugart
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news-425 Wed, 16 Jun 2021 13:34:00 +0200 Abschlussveranstaltung im Forschungsprojekt Weschnitz Dialog - Zurück zur Natur? Wie die Renaturierung von Gewässern sozial-ökologisch gestaltet werden kann https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/zurueck-zur-natur-wie-die-renaturierung-von-gewaessern-sozial-oekologisch-gestaltet-werden-kann/ Europaweit sind Gewässer in keinem guten ökologischen Zustand. Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie der EU werden auch in Deutschland nicht erreicht. Das gilt auch für einige der Fließgewässer in Südhessen, wie etwa die Weschnitz oder die Modau. Der Handlungsdruck ist groß. Wie eine erfolgreiche Renaturierung aussehen könnte, darüber diskutierten Bürger*innen, Expert*innen und Wissenschaftler*innen bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts Weschnitz Dialog am 15. Juni 2021. Das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie der Gewässerverband Bergstraße luden zu dieser digitalen Veranstaltung ein. Rund 90 Prozent der deutschen Oberflächengewässer verfehlen die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie eines „guten ökologischen Zustandes“ – so auch die Weschnitz. Das soll sich mit der Renaturierung des Flusses und der Deichsanierung zwischen Biblis und Einhausen ändern. Damit dies gelingt, wurden im von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt Weschnitz Dialog Kommunikations- und Beteiligungsformate zur Konfliktvermeidung begleitet. So konnten gemeinsam mit allen Akteuren wirksame Lösungen zum Gewässer- und Hochwasserschutz geplant werden. 

Zum Abschluss des Projekts luden die Forschungspartner ISOE, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie der Gewässerverband Bergstraße zu einer Online-Diskussion ein, bei der es nicht nur um verständliche Wissenschaft, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und pragmatische Lösungen ging, sondern auch um literarische Entdeckungen. Zur Einstimmung in die Veranstaltung, die pandemiebedingt digital stattfinden musste, nahm Torsten Schäfer die Teilnehmenden mit auf eine Fluss-Entdeckungsreise in Südhessen: Der Professor für Journalismus an der Hochschule Darmstadt las aus seinem aktuellen Buch „Wasserpfade“. 

Konflikte um Renaturierungsmaßnahmen frühzeitig berücksichtigen

Bei dem anschließenden Fachgespräch ging es um wichtige Fragen und Erfahrungen im Zusammenhang mit Renaturierungsmaßnahmen: Welche Potenziale bietet die Renaturierung auf dem Weg „Zurück zur Natur“ und wie sieht der Prozess konkret aus? Welche Rahmenbedingungen sind für die Renaturierung wichtig und welche Konflikte können sich durch unterschiedliche Interessen seitens Landwirtschaft, Stadtplanung und Naturschutzes ergeben? 

Im Zuge der Veranstaltung zeigten die Projektbeteiligten am Beispiel des Forschungsprojekts Weschnitz Dialog, wie eine sozial-ökologische Gestaltung der Renaturierung aussehen kann und wie Nutzungskonflikte entlang eines Gewässers frühzeitig berücksichtigt werden können. Zudem wurde diskutiert, wie das Thema Gewässerschutz anschaulich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden kann. 

Mehr zum Projekt: www.weschnitz-dialog.de

Zurück zur Natur? Wie die Renaturierung unserer Gewässer sozial-ökologisch gestaltet werden kann

Diskussionsabend
Dienstag, 15. Juni 2021 – 18 Uhr
Online-Veranstaltung

Ablauf: 
Lesung Prof. Dr. Torsten Schäfer, Hochschule Darmstadt

Anschließend Fachgespräch mit: Ulrich Androsch (Gewässerverband Bergstraße, Lorsch), Dr. Jutta Weber (Geo-Naturpark Bergstraße Odenwald, Lorsch), Dr. Stefan Liehr (ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main), Prof. Dr. Jörg Oehlmann (Goethe Universität Frankfurt am Main), Matthias Beuth (Martin-Luther-Schule, Rimbach)

Moderation: Carla Schönfelder, Team Ewen, Darmstadt

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und dem Gewässerverband Bergstraße

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Katja Brinkmann
Tel. +49 69 707 6919-42
 

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Melanie Neugart
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news-433 Sat, 12 Jun 2021 17:10:00 +0200 Mobilitätsforschung - Rhein-Main-Region als Blaupause für nachhaltiges Pendeln https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/rhein-main-region-als-blaupause-fuer-nachhaltiges-pendeln/ Die Corona-Pandemie hat den Pendelverkehr in Deutschland verändert, der Berufsverkehr ging deutlich zurück. Doch mit der Rückkehr aus dem Homeoffice an den Arbeitsort könnte sich jener Trend fortsetzen, der sich vor der Pandemie deutlich abgezeichnet hat: Das Pendleraufkommen hatte sich zuletzt stetig erhöht. Wie eine nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität zwischen Wohn- und Arbeitsort aussehen kann, untersucht derzeit ein Forschungsteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Projekt „PendelLabor“. Am 11. Juni 2021 fand erstmals ein Austausch mit Stakeholdern aus der Projektregion Rhein-Main statt. Dabei stellte das Forschungsteam erste Zwischenergebnisse vor.  Knapp die Hälfte der 41 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland pendelte im Jahr 2016 über die Gemeindegrenze hinweg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Die Folgen einer derartig hohen Pendelaktivität sind individuell und gesellschaftlich relevant – für Gesundheit, Lebensqualität und Ökologie. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt „PendelLabor“ untersucht ein Team aus Wissenschaftler*innen und Partnern aus der Praxis, wie Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort nachhaltiger werden und einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. 

Das Team, das von der ISOE-Mobilitätsforscherin Jutta Deffner koordiniert wird, hat dafür exemplarisch die Pendlerregion Rhein-Main mit ihrem hohen Pendleraufkommen und starken Pendelverflechtungen gewählt. In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftler*innen und Praxispartner*innen des ISOE, der TU Dortmund, der Hochschule Rhein-Main, der ivm GmbH, des Regionalverbands FrankfurtRheinMain und der Stadt Frankfurt dafür den Status Quo der Einflussfaktoren auf das Pendeln in Deutschland zusammengeführt. Mithilfe einer umfassenden Literaturrecherche zum Forschungsstand haben sie raum- und arbeitsstrukturelle Rahmenbedingungen, die gegenwärtigen Mobilitätsangebote und -dienstleistungen sowie Wirkungen des Pendelns ausgewertet. 

Forschungsstand zur Pendelmobilität erstmals erfasst

„Wir sehen, dass Pendeln für die Betroffenen nicht nur die bloße Distanzüberwindung zwischen Wohnort und Arbeitsort bedeutet,“ sagt Jutta Deffner. „Vielmehr markiert das Pendeln den Übergang zwischen Arbeits- und Privatsphäre. Deswegen sind viele Faktoren relevant, etwa die Wohn- und Haushaltskonstellation bis hin zur Arbeitssituation und die topografisch-räumliche Situation.“ Gleichzeitig entstünden durch das Pendeln vielfältige negative Folgen wie gesundheitliche, soziale und ökologische Belastungen. „Es ist deshalb eine komplexe Aufgabe, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die alle Nachhaltigkeitsaspekte gleichermaßen berücksichtigen.“

Die vorliegenden Zwischenergebnisse bilden die Basis für die weitere Arbeit im Forschungsprojekt PendelLabor. „Sie zeigen uns, dass unser Ansatz, die Pendelpraktiken sehr genau zu untersuchen, um nachhaltige Maßnahmen zu finden, innovativ und sehr aussichtsreich ist“, sagt Deffner. Dabei gehe es darum, den Alltag der Pendlerinnen und Pendler und die Verwobenheit des Pendelns mit anderen alltäglichen Aktivitäten und Bedürfnissen genauer in den Blick zu nehmen – vom Einkauf bis zum Sportunterricht der Kinder und vom Gefühl der ruhigen, halben Stunde für sich allein im Auto bis zum Symbol der Fürsorge, wenn berufstätige Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule „begleiten“.

Lösungen gemeinsam mit betroffenen Kommunen und Pendler*innen entwickeln

Im weiteren Projektverlauf wollen die Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Akteuren aus ausgewählten Kommunen experimentelle Ansätze für den Pendelverkehr entwickeln. Ein Teil davon soll von Pendler*innen erprobt werden. Dabei wird es nicht nur um verkehrliche Maßnahmen, wie verbesserte Anbindung oder Radabstellanlagen an Bahnhöfen und in Unternehmen gehen, sondern auch um alternative Arbeitszeitmodelle und Co-Working-Bereiche in den Wohnorten.

Um die Potenziale dieser Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, werden im Forschungsprojekt PendelLabor Stakeholder-Dialoge durchgeführt, die am 11. Juni 2021 pandemiebedingt online starteten. Zusammen mit den beiden assoziierten Partnern, der Stadt Frankfurt und dem Regionalverband FrankfurtRheinMain, diskutierte das Projektteam bei der Auftaktveranstaltung die Bedürfnisse und Erwartungen an eine nachhaltige Pendelmobilität. 

Mehr Informationen finden Sie auf der Projektwebseite www.pendellabor.de und unter ISOE-Forschungsprojekte

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51

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news-415 Sat, 12 Jun 2021 10:46:00 +0200 Digitale Konferenz - Dilemmata der Nachhaltigkeit https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/dilemmata-der-nachhaltigkeit/ Ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien oder Alltag – der Ausdruck „Nachhaltigkeit“ hat sich längst im Sprachgebrauch etabliert. Nachhaltiges Handeln wird auf vielen Ebenen als ein positiver und berechtigter Anspruch thematisiert. Aber auch, wenn Nachhaltigkeit breit akzeptiert zu sein scheint, ergeben sich Widersprüche. So stehen Nachhaltigkeitsziele nicht selten in Konkurrenz zu sich selbst. Zudem verliert der Begriff an Schärfe, wenn er für alle Lebensbereiche gefordert wird, von gesunder Ernährung bis hin zum Schutz der Artenvielfalt. Zu einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit den vielfältigen Widersprüchen im Nachhaltigkeitsdiskurs luden Forschende im Zuge der digitalen Konferenz „Dilemmata der Nachhaltigkeit“ vom 9. bis 11. Juni 2021 ein. Die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs macht auch seine Widersprüche deutlich: Auf der einen Seite gilt die Legitimität des Ziels nachhaltiger Entwicklung heute als gestärkt. Auf der anderen Seite konkurrieren unterschiedliche Akteure heute regelrecht um Forderungen, Zielsetzungen und Definitionen. Deutlich wird dies beispielsweise an den ‚Sustainable Development Goals (SDG)‘ – zwischen den Nachhaltigkeitszielen und einzelnen Unterzielen der Vereinten Nationen bestehen teilweise Widersprüche. 

Wie kann verhindert werden, dass der Nachhaltigkeitsdiskurs und das übergeordnete Ziel der „Nachhaltigkeit“ an unvereinbaren Zielen, Kriterien, Interessen und Wissensarten Schaden nimmt? Wie kann der Begriff und wie können unterschiedliche Konzepte anschlussfähig bleiben? Das untersuchen Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Leitung), der Universität Passau und der Technischen Universität Braunschweig im Forschungsprojekt „Dilemmata der Nachhaltigkeit“.

Widersprüchlichkeiten und Ausweglosigkeiten im Nachhaltigkeitsdiskurs

Bei der gleichnamigen digitalen Konferenz vom 9. bis 11. Juni 2021 widmeten sich die Wissenschaftler*innen den Dilemmata der Nachhaltigkeit. Dazu nahmen sie die im Konzept der Nachhaltigen Entwicklung bereits angelegten Widersprüche und sich abzeichnende – vermeintliche – Ausweglosigkeiten in den Blick. Gefragt wurde nach den Zusammenhängen zwischen Widersprüchen und diversen Nachhaltigkeitsverständnissen in und zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Welche Bedeutung haben das Erkennen und Verstehen von Dilemmata der Nachhaltigkeit und ihr Umgang damit für die transformative Wissenschaft? Welche Rolle spielen dabei methodische Zugänge oder gesellschaftliche Werte?

Die Veranstalter*innen der digitalen Konferenz waren Bernd Siebenhüner, Karsten Speck, Sophie Berg und Ann-Kristin Müller von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Anna Henkel, Holli Gruber, Raphaela Casata und Laura Scheler von der Universität Passau; Nicole C. Karafyllis, Annekathrin Bellan und Dimitri Mader von der Technischen Universität Braunschweig sowie Thomas Jahn und Matthias Bergmann vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main.

Zum Programm
https://uol.de/dilemmata/digitale-konferenz-dilemmata-der-nachhaltigkeit/programm

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Thomas Jahn 
 

Prof. Dr. Matthias Bergmann

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Melanie Neugart
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news-430 Thu, 10 Jun 2021 11:11:00 +0200 ISOE Policy Brief - Kunststoffverpackungen vermeiden oder nachhaltig gestalten https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/kunststoffverpackungen-vermeiden-oder-nachhaltig-gestalten/ Am 3. Juli 2021 treten neue gesetzliche Regelungen zur Reduzierung von Verpackungsmüll in Kraft. Sie sollen entsprechend einer EU-Richtlinie die Flut an Plastikmüll eindämmen, indem etwa Produkte aus Einwegkunststoff wie Geschirr und Trinkhalme verboten oder Getränkeverpackungen mit neuen Pfandauflagen versehen werden. Industrie und Handel stehen dann vor einer großen Herausforderung: Wie sehen Nachhaltigkeitskriterien sowie Innovationen für den Ersatz und für die Umgestaltung kurzlebiger Plastikverpackungen aus? Im aktuellen Policy Brief des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung zeigen Wissenschaftler*innen der Forschungsgruppe PlastX Wege zur Vermeidung und nachhaltigen Gestaltung von Lebensmittelverpackungen auf.  Mit der Novelle des Verpackungsgesetzes und weiteren Verordnungen setzt die Bundesregierung zum 3. Juli 2021 die EU-Kunststoffrichtlinie um. Bestimmte Einwegkunststoffprodukte wie Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonstäbe oder Einweggeschirr aus konventionellem Plastik und sogenanntem „Bioplastik“ sind dann verboten. Auch To-go-Becher und Einwegbehälter aus Styropor dürfen nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. „Weil ein großer Teil des gegenwärtigen Plastikmülls aus nur kurzzeitig genutzten Einwegverpackungen stammt, ist es folgerichtig, dafür zu sorgen, dass der Einsatz von Kunststoffverpackungen grundlegend reduziert wird,“ sagt Carolin Völker, Leiterin der Forschungsgruppe PlastX. „Allerdings müssen wir weiterhin mit einem hohen Aufkommen an Plastikmüll rechnen, denn es gibt schlichtweg noch zu wenig Innovation und Nachhaltigkeitsmanagement im Umgang mit Kunststoffverpackungen.“ 

Plastikmüllaufkommen: Regulierung greift zur kurz

Aus Sicht der ISOE-Forscherin geht die Regulierung mit dem Fokus auf Vermeidung von Service- und To-go-Verpackungen sowie auf verstärktes Recycling nicht weit genug. Denn ein wesentlicher Teil des Kunststoffverpackungsmülls fällt durch klassische Produktverpackungen in Supermärkten an, die ebenfalls nur einmal verwendet werden. „Für diese Verpackungen sieht die neue Regelung aber lediglich eine Kennzeichnungspflicht vor,“ kritisiert Völker. „Ein spezielles Label, das Verbraucher*innen vor Umweltschäden durch Plastik warnt, ist natürlich nicht verkehrt, es greift jedoch zu kurz.“ Gerade für die herkömmlichen Produktverpackungen sei eine drastische Reduzierung und ein konsequenteres Ökodesign ebenso notwendig wie die Ausweitung von Mehrweglösungen.

Abschied von Standardlösungen – Verpackungen bedarfsorientiert und nachhaltig gestalten

Mit weiteren Wissenschaftler*innen der PlastX-Gruppe hat Völker die wichtigsten Empfehlungen für Unternehmen und Verbände in der Lebensmittelversorgung sowie für Entscheidungsträger*innen in Politik und Behörden in einem ISOE Policy Brief zusammengefasst. „Wer als Pionier der Nachhaltigkeit zur Lösung des Plastikmüllproblems beitragen will, muss sich von Standardlösungen verabschieden“, sagt PlastX-Forscher Lukas Sattlegger. „Zentral ist die Frage, wo Verpackungen weggelassen oder eingespart werden können“. Kritisch zu hinterfragen sei aber auch: Was muss eine Verpackung können? Was ist die nachhaltigste Verpackungslösung für den konkreten Anwendungsfall und wie lassen sich nachhaltige Innovationsprozesse dafür vorantreiben? „Verpackungen müssen grundsätzlich vom Bedarf und von der Nachhaltigkeit her gedacht werden“, sagt Sattlegger. 

Erweiterte Materialtests für neue Kunststoffverpackungen zur toxikologischen Sicherheit

Der ISOE Policy Brief Nr. 8 „Lebensmittelverpackungen – nachhaltig“ zeigt die Kriterien für eine nachhaltige Verpackungsauswahl auf, von der Ökobilanz über das Recyclingpotenzial bis hin zur chemischen Sicherheit. Explizit weisen die Wissenschaftler*innen darauf hin, dass die toxikologische Sicherheit von Verpackungsmaterial bislang nicht in gängigen Ökobilanzen berücksichtigt werde. „Es sind insbesondere die in Kunststoffen enthaltenen Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Farbstoffe, die an die Lebensmittel abgegeben werden können und deren toxikologischen Effekte in der Summe noch nicht ausreichend verstanden sind,“ sagt Ökotoxikologin Carolin Völker. Vor der Einführung neuer Verpackungen sollten deshalb grundsätzlich erweiterte Materialtests durchgeführt werden. Damit dies gewährleistet sei, hält sie eine gesetzliche Regulierung für notwendig. Darüber hinaus bieten die Handlungsempfehlungen wichtige Hinweise zur Reduzierung von Verpackung unter Berücksichtigung von Produkt- und Ladenpräsentation sowie der Warenlogistik. 

Lebensmittelverpackungen – nachhaltig. Wege zu einer nachhaltigen Gestaltung und Vermeidung von Verpackungen. Lukas Sattlegger, Tobias Haider, Lisa Zimmermann, Carolin Völker (2021): ISOE Policy Brief Nr. 8. Frankfurt am Main: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Download

Über die Forschungsgruppe PlastX 

Die interdisziplinäre Nachwuchsgruppe PlastX – Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)“ gefördert. PlastX ist darin Teil der Fördermaßnahme „SÖF – Sozial-ökologische Forschung“ im Förderbereich „Nachwuchsgruppen in der Sozial-ökologischen Forschung“. Seit 2016 untersuchen sechs Wissenschaftler*innen die Problematik von Kunststoffen aus sozial-ökologischer Perspektive. Forschungspartner sind dabei das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Leitung), das Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI), Abteilung Physikalische Chemie der Polymere und die Goethe-Universität Frankfurt, Abteilung Aquatische Ökotoxikologie. www.plastx.org 

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Carolin Völker 
Tel. +49 69 707 6919-59

Lukas Sattlegger
Tel. +49 69 707 6919-31
 

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news-423 Wed, 02 Jun 2021 18:16:19 +0200 Nachhaltige Entwicklung - Strategie-Kompass für globale Netzwerke der Nachhaltigkeitsforschung https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/strategie-kompass-fuer-globale-netzwerke-der-nachhaltigkeitsforschung/ Zur Lösung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme ist das Wissen vieler unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen gefragt. Aber auch Erfahrungs- und Alltagswissen von gesellschaftlichen Akteuren spielt eine entscheidende Rolle. Um wirkungsvolle Ergebnisse für gesellschaftliche Transformationen zu erzielen, muss sich Wissenschaft deshalb für die Koproduktion von Wissen öffnen. Forschungsnetzwerke können diesen Prozess unterstützen. Wissenschaftler*innen haben in einer Studie unter Federführung von Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, untersucht, worauf es dabei ankommt.  Der Global Sustainable Development Report 2019 der Vereinten Nationen benennt die Wissenschaft neben Governance, Wirtschaft und Finanzen sowie individuellem und kollektivem Handeln als einen von vier Ansatzpunkten zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals SDGs). Damit Wissenschaft aber wirksame Lösungen für die komplexen Fragestellungen der Nachhaltigkeitstransformation hervorbringen kann, wird immer häufiger die Transformation der Wissenschaft selbst gefordert. Dazu gehört etwa die Forderung nach einer veränderten Wissensproduktion. 

Um globale Herausforderungen wie zum Beispiel den Klimawandel zu bewältigen, reiche ein rein wissenschaftlich generiertes Wissen nicht aus, so die Begründung. Vielmehr müsse auch das Erfahrungswissen von gesellschaftlichen Akteuren berücksichtigt werden. Denn die gemeinsame „Produktion“ von Wissen erhöhe die Relevanz, Anschlussfähigkeit und die Umsetzbarkeit von Forschungsergebnissen. Die Vorgehensweise, über verschiedene Disziplinen hinweg auch neue Partnerschaften mit Akteuren aus Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft für die Koproduktion von Wissen einzugehen, ist in der Wissenschaft noch vergleichsweise neu. Eine aktuelle Studie hat nun erstmals untersucht, wie global vernetzte Institutionen der Nachhaltigkeitsforschung dazu beitragen können, die Koproduktion von Wissen zu fördern.

Netzwerk-Kompass für die Koproduktion von Wissen

Am Beispiel von elf globalen nachhaltigkeitsorientierten Forschungsnetzwerken wie dem Global Land Project, der Mountain Research Initiative oder der Alliance for Inter- and Transdisciplinary Research zeigen die Autor*innen um Flurina Schneider in ihrer Studie Co-Production of Knowledge and Sustainability Transformations: A Strategic Compass for Global Research Networks, wie viel Potenzial diese Netzwerke für die Intensivierung der Wissenskoproduktion in der Forschung haben und wie sie es mithilfe eines „Netzwerk-Kompass“ ausschöpfen können. „Der Netzwerk-Kompass hebt vier miteinander verknüpfte Handlungsfelder hervor, mit denen globale Netzwerke den gemeinsamen Prozess der Wissenskoproduktion effektiv unterstützen können“, erklärt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin am ISOE und Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt.

So können Forschungsnetzwerke zunächst einmal unterschiedliche Akteure zusammenbringen und dadurch die gemeinsame Wissensproduktion ermöglichen (z.B. über die Organisation von Konferenzen). Zudem können sie die einzelnen Mitgliedsinstitutionen ganz gezielt in ihrem Forschungsalltag bei der Koproduktion von Wissen unterstützen (z.B. durch Trainingskurse). Darüber hinaus spielt die Förderung von Koproduktionsprozessen zwischen den Mitgliedsinstitutionen eine wichtige Rolle, um ihre transformative Kraft insgesamt zu verstärken (z.B. über Synthesen für globale Assessment Bodies wie IPCC). Schließlich sind Innovationen innerhalb des Netzwerks selbst zentral: „Damit Netzwerke die Koproduktion von Wissen effektiv fördern können, müssen sie häufig ihre eigenen Strukturen und Prozesse verändern. Dies reicht von der Überarbeitung der Strategiepläne bis zur Durchführung von Modellprojekten,“ sagt Flurina Schneider. 

Strategie-Werkzeug für Planung und Evaluierung in der Nachhaltigkeitsforschung 

Hintergrund der Studie, die nun in der renommierten Zeitschrift Current Opinion in Environmental Sustainability erschienen ist, war die Beobachtung der Autor*innen, dass es bereits eine Vielzahl an Werkzeugen für die Koproduktion von Wissen im lokalen Kontext gibt, vor allem für konkrete Projekte. „Wir haben aber gesehen, dass die globalen Netzwerke bislang über kein geeignetes strategisches Werkzeug verfügen, um den Prozess der gemeinsamen Wissensproduktion und Nachhaltigkeitstransformation zu begleiten und zu verstärken“, so Schneider. Hierfür könne der Netzwerk-Kompass ein zentrales Instrument sein, da er den Forschungsnetzwerken nicht nur für die künftige Strategieplanung ein geeignetes Werkzeug bietet, sondern darüber hinaus auch für die Evaluierung vergangener Nachhaltigkeitsaktivitäten hilfreich sein kann. 


Schneider, Flurina/Theresa Tribaldos/Carolina Adler/Reinette (Oonsie) Biggs/Ariane de Bremond/Tobias Buser/Cornelia Krug/Marie-France Loutre/Sarah Moore/Albert V. Norström/Katsia Paulavets/Davnah Urbach/Eva Spehn/Gabriela Wülser/Ruben Zondervan (2021): Co-production of knowledge and sustainability transformations: a strategic compass for global research networks. Current Opinion in Environmental Sustainability 49 (April), 127-142 https://doi.org/10.1016/j.cosust.2021.04.007 

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news-412 Fri, 07 May 2021 07:20:00 +0200 Nachhaltigkeitskommunikation - Kommunikationskampagnen für nachhaltigen Konsum und gesellschaftliche Teilhabe  https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/kommunikationskampagnen-fuer-nachhaltigen-konsum-und-gesellschaftliche-teilhabe/ Wie können Konsument*innen mit Kommunikationskampagnen dazu angeregt werden, ihren Konsum zu reflektieren und zu ändern? Das hat das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in einem Kooperationsprojekt mit der Fachrichtung Kommunikationsdesign der Hochschule Mainz untersucht. Auf Grundlage empirischer Forschungsergebnisse gingen Studierende der Frage nach, wie die soziale Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen durch nachhaltigen Konsum verbessert werden kann. Im Fokus standen drei Gruppen, die bislang nicht im Zentrum des Nachhaltigkeitsdiskurses standen: Jugendliche, Migrant*innen sowie einkommensschwache Haushalte. Die Ergebnisse des Projekts wurden jetzt veröffentlicht. Im Rahmen der Nachhaltigkeitskommunikation gilt als gesichert, dass Konsument*innen nicht allein durch die bloße Vermittlung von Wissen ihr Handeln im Alltag verändern. Vielmehr beeinflusst eine Vielzahl von Faktoren die Wirkung von Kommunikationskampagnen. „Es ist wichtig zu verstehen, wie stark Alltagshandeln von Routinen geprägt ist“, sagt Immanuel Stieß, Experte für nachhaltigen Konsum am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. „Deshalb ist es so wichtig, das Alltagswissen und die Alltagserfahrung der Zielgruppen in den Blick zu nehmen.“ Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Kommunikationsansätze dann in der Praxis erfolgreich sind, wenn Informationen emotional und über Geschichten vermittelt werden. Dies gilt gerade mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene, weil für sie beim Konsum eher Motive wie soziale Teilhabe und Anerkennung und weniger das Thema Umwelt handlungsleitend sind.

Auf dieser Grundlage entwickelten Studierende des Masterstudiengangs Stuffed Birds der Hochschule Mainz in einem Kooperationsprojekt mit dem ISOE sechs Kampagnen zur Ansprache von Jugendlichen für nachhaltigen Konsum. „Ziel der Kampagnen war es, die Zielgruppen dazu zu bewegen, den eigenen Konsum zu hinterfragen und anders zu konsumieren,“ erklärt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation am ISOE. Dass der Fokus der Kampagnen auf Jugendliche aus prekären Milieus gerichtet war, die aufgrund ihrer ökonomischen Situation üblicherweise nicht zu den primären Zielgruppen des Marketings gehören, sei eine zusätzliche Herausforderung gewesen. „Die meisten Studierenden mussten sich in die Lebenswelten und Bedeutungshorizonte von Jugendlichen versetzen, die ganz anderen sozialen Milieus entstammen als sie selbst“, sagt Schuldt-Baumgart.

Die sechs Kampagnen der Studierenden umfassen klassische Werbeinstrumente wie Poster und Plakate, aber auch zielgruppenspezifische Social-Media-Formate wie Apps oder ein Online-Quiz zu nachhaltigem Konsum. Die Arbeiten basieren auf aktuellen Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt „Bürgerbeteiligung und soziale Teilhabe für nachhaltigen Konsum (NaKoDi)“, das das ISOE im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt hat. Die Kampagnen wurden in Fokusgruppen getestet. Grundlagen des Briefings der Studierenden waren zum einen eine Einführung in das Thema und die Ergebnisse des Forschungsprojekts NaKoDi sowie zum anderen die Einarbeitung in aktuelle Erkenntnisse der Wissenschafts-, Nachhaltigkeits- und Markenkommunikation.

Die Ergebnisse dieses Kooperationsprojektes sind jetzt in einer von Caroline Lenau (Hochschule Mainz) gestalteten Broschüre erschienen und hier abrufbar: 

Schröner, Charlotte/Eberhart Kirchhoff/Matthias Riedel/Monika Aichele/Karen Knoll/Nicola Schuldt-Baumgart/Immanuel Stieß (2021): Bratan, du zählst! Nachhaltiger Konsum und soziale Teilhabe für prekäre Zielgruppen. Mainz: Hochschule Mainz

Weitere Informationen: 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
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Pressemitteilung
news-389 Thu, 06 May 2021 19:45:00 +0200 Zukunftsforum Ecornet - Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung?  https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/wege-aus-der-biodiversitaetskrise-weiter-so-oder-neuausrichtung/ Weltweit geht die biologische Vielfalt mit rasanter Geschwindigkeit zurück. Das Massenaussterben von Pflanzen- und Tierarten markiert eine der größten Krisen der Gegenwart. Wie sehen gangbare Wege aus der Biodiversitätskrise aus? Dieser drängenden Frage widmet sich die Veranstaltungsreihe ZUKUNFTSFORUM ECORNET am 15. Juni 2021. Das Veranstaltungsformat, das aktuelle umwelt- und klimapolitische Themen aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet und Raum für Diskussionen mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bietet, findet erneut online statt. Veranstalter sind die beiden Ecornet-Institute ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Ecologic Institut. Die Artenvielfalt nimmt weltweit weiterhin dramatisch ab. Allein in Europa sind mehr als 80 Prozent aller Habitate und mehr als 60 Prozent aller geschützten Arten betroffen. In Deutschland sieht das Bild ähnlich aus. Die Ziele der im Jahr 2011 festgelegten Europäischen Biodiversitätsstrategie 2020 wurden weit verfehlt. Der Europäische Grüne Deal jedoch unterstreicht erneut die Notwendigkeit, das Naturkapital der EU zu schützen, zu bewahren und zu verbessern sowie die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen zu gewährleisten. Mit einem neuen Zehnjahresplan hat sich die EU in 2020 – dem Jahr der Biodiversität – neue Ziele gesteckt. Eine ambitionierte EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 wurde verabschiedet, und auf globaler Ebene wurde ein Biodiversitäts-Rahmenwerk post-2020 erarbeitet. Zudem wurde gerade die UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen 2021–2030 ausgerufen. 

Es gibt also neuen Optimismus und eine große politische Aufmerksamkeit. Aber reichen diese neuen Prozesse aus, um die Biodiversitätskrise erfolgreich zu bewältigen und den Artenverlust endgültig zu stoppen? Was können wir aus den bisherigen Anstrengungen lernen und wie können wir diese Erfahrungen nutzen, um Anforderungen und Ansätze für einen effektiven Biodiversitätsschutz in Deutschland zu gestalten? Braucht es nicht doch einen radikalen Wandel und ein Umdenken? An der Expert*innenrunde zu diesen Fragen im Rahmen der Veranstaltungsreihe ZUKUNFTSFORUM ECORNET nehmen die beiden Biodiversitätsforscherinnen Marion Mehring vom ISOE und Sandra Naumann vom Ecologic Institut sowie die Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) teil. Moderiert wird die Online-Veranstaltung von McKenna Davis, die ebenfalls zu Biodiversität am Ecologic Institut forscht. 

Die Veranstaltung findet digital statt und wird aufgezeichnet. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen sind über das Anmelde-Formular möglich. Die Einwahldaten erhalten die Teilnehmenden im Vorfeld der Veranstaltung per Mail. 

ZUKUNFTSFORUM ECORNET 
Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung? 

Dienstag, 15.06.2021 | 16:00–17:30 Uhr 
Digitale Veranstaltung 

Programm 

Begrüßung: 
Thomas Korbun | Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Co-Sprecher des Ecornet 

Expert*innenrunde: 
Sandra Naumann | Senior Fellow und Koordinatorin Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 
„EU Biodiversitätsstrategie 2030 – Der Schlüssel für einen erfolgreichen Schutz und Erhalt der Biodiversität?“

Till Hopf | Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland e. V. 

Dr. Marion Mehring | Leiterin des Forschungsschwerpunktes Biodiversität und Bevölkerung am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
„Biodiversitätsschutz neu denken: Die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Biodiversitätsverständnisses“

Moderation: 
McKenna Davis | Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, über den Chat Fragen einzubringen. 

Anmeldung: 
www.ecornet.eu/zukunftsforum/biodiversitaet  


Kontakt:
Ecological Research Network (Ecornet)
Roy Schwichtenberg
Tel.: +49 (30) 8845 9424

 

Über das Ecornet 
Das Ecornet ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Ihre gemeinsame Mission: den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren. Seit ihrer Gründung haben sich die Ecornet-Institute darauf spezialisiert, komplexe Probleme praxisnah und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu bearbeiten. Sie haben sich zum Ecornet zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auch gebündelt in die Forschungslandschaft einzubringen. www.ecornet.eu 


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin: 
Dr. Marion Mehring
Tel. +49 69 707 6919-39
 
www.isoe.de  


Pressekontakt: 
Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 
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Nachricht
news-411 Thu, 06 May 2021 17:19:51 +0200 Wissenschaftskommunikation - Navigating the Infodemic: Wege aus der Informationsflut https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/navigating-the-infodemic-wege-aus-der-informationsflut/ Die COVID-19-Pandemie zeigt, wie wichtig Wissenschaftskommunikation für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen ist: Das Vertrauen in die Arbeit von Wissenschaft und Forschung ist hoch, in weiten Teilen der Gesellschaft gibt es ein großes Interesse an wissenschaftlichen Themen. Viele Bürger*innen suchen geradezu den Dialog mit Wissenschaftler*innen. Andere lehnen diesen Dialog ab und stellen evidenzbasierte Fakten und Entscheidungen grundsätzlich infrage. Was bedeutet das für die Wissenschaftskommunikation? Damit setzte sich eine gemeinsame Veranstaltung des ISOE und der Schader-Stiftung im Rahmen der Darmstädter Tage der Transformation 2021 am 17. März auseinander. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung war auch 2021 wieder Kooperationspartner der Darmstädter Tage der Transformation DTdT. Gemeinsam mit der Schader-Stiftung hat das ISOE die Veranstaltung „Navigating the Infodemic. Wissenschafts-kommunikation heute: Weniger ist mehr!“ realisiert. Im Zentrum standen aktuelle Fragen nach Glaubwürdigkeit und Vertrauen von Bürger*innen in die Wissenschaft und deren Kommunikation. 

Der Anlass war brisant und aktuell gleichermaßen: Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hat die WHO die gegenwärtige Nachrichtenlage als „Infodemic“ bezeichnet: Niemals zuvor wurden Medien in solch einem Ausmaß genutzt, um Menschen zu informieren, aber auch um über die Krise und ihre Auswirkungen zu kommunizieren. Nun zeigen Studien aus der Forschung zur Wissenschaftskommunikation, dass das Vertrauen in die Arbeit der Wissenschaftler*innen wächst, wenn Wissenschaft und ihre Akteure sich für Dialog und Beteiligung öffnen und ehrlich und offen auch über Fehlanreize und Fehler in Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation diskutieren.. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Kommunikation? 

Wissenschaft braucht ein neues Kommunikationsverständnis

Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecherin des ISOE eröffnete den Workshop „Navigating the Infodemic“ mit einem ersten von fünf Impulsvorträgen. Mit einer „Landkarte“ zur Wissenschaftskommunikation gab sie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftskommunikation und plädierte für ein neues Kommunikationsverständnis. Als besondere Herausforderungen nannte Schuldt-Baumgart, dass das derzeit große Vertrauen in die Wissenschaft erhalten werden müsse. Dies setze voraus, dass Wissenschaft und Wissenschaftler*innen Integrität, Expertise und Gemeinwohlorientierung zugeschrieben werde. 

Ein offener Umgang mit unsicherem Wissen und Nicht-Wissen werde zukünftig immer wichtiger, betonte Schuldt-Baumgart. Zudem müssten Forschungsprozesse nachvollziehbarer und transparenter gemacht werden. Schließlich sei es wichtig, einen Umgang zu finden mit den jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Forschungsprozessen, öffentlich-medialen und politischen Prozessen. Zudem müsse die Dynamik, die durch die vielstimmige Medien- und Kommunikationslandschaft entsteht, stärker berücksichtigt werden. Schließlich seien die Adressaten der Nachrichten sehr heterogen und ihre Aufnahmebereitschaft von Informationen selektiv. Eine möglichst transparente Kommunikation auch von Versuch und Irrtum in der Forschung sowie der Mut, neue Formate auszuprobieren, könnten helfen, Wissenschaftskommunikation sichtbarer zu machen. 

Wege aus der Kommunikationsflut

Die Veranstaltung bot Raum für einen Austausch unter Kommunikator*innen aus Forschungsinstituten und Hochschulen, auch mit Journalist*innen. Weitere Impulsvorträge zu Ideen und Wegen aus der Kommunikationsflut hielten Philipp Schrögel vom Karlsruher Institut für Technologie – KIT, Martin Reisigl von der Universität Wien sowie Carina Frey von den RiffReportern und Achim Bubenzer von klimafakten.de. Einen ausführlichen Bericht dazu bietet die Schader-Stiftung: www.schader-stiftung.de/themen/nachhaltige-entwicklung/fokus/tage-der-transformation/artikel/rueckschau-navigating-the-infodemic-wissenschaftskommunikation-heute

Die Teilnehmenden diskutierten auf der Basis der Impulsvorträge über Vorzüge und Nachteile unterschiedlicher Kommunikationsformate sowie über die Herausforderung, für unterschiedliche Gruppen die jeweils richtige Ansprache und geeignete Formulierungen zu finden. Zudem wurden Praxiserfahrungen aus der Wissenschaftskommunikation geteilt. Die Ergebnisse der Diskussions- und Arbeitsrunden wurden in der digitalen Dependance der Schader-Stiftung auf Whiteboards festgehalten.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
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news-407 Mon, 03 May 2021 11:43:48 +0200 Nachhaltigkeitskommunikation - Umweltzeichen Blauer Engel – Kinder und Jugendliche durch Nachhaltigkeitskommunikation begeistern https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/umweltzeichen-blauer-engel-kinder-und-jugendliche-durch-nachhaltigkeitskommunikation-begeistern/ Der Schutz der Umwelt genießt bei Kindern und Jugendlichen hohe Wertschätzung. Doch in ihren gewohnten Kommunikationskanälen begegnen sie Umweltthemen eher selten. Auch ist für junge Menschen der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und eigenem Verhalten nicht immer nachvollziehbar. Wie sehen geeignete Instrumente und Maßnahmen zur Kommunikation nachhaltigen Konsums bei Kindern aus? Welche Rolle spielen glaubwürdige Umweltzeichen wie der Blaue Engel? Ein Team unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat im Auftrag des Umweltbundesamts im Forschungsprojekt „Blauer Engel – Umweltkommunikation für Kinder und Jugendliche“ Lehr- und Lernmaterialien für die Grundschule und außerschulische Betreuungseinrichtungen entwickelt. Der Blaue Engel ist eines der weltweit ältesten Umweltzeichen. Gerade in jüngeren Altersgruppen schwindet jedoch seine Bekanntheit. Dabei bietet sich das renommierte Label, das auf besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen hinweist, als Mittel in der Nachhaltigkeitskommunikation geradezu an: Als vertrauenswürdige Quelle von unabhängigen Umwelt- und Produktinformationen zum Thema nachhaltiger Konsum kann der Blaue Engel Verbraucher*innen helfen, sich im Informationsdschungel zu orientieren. 

Damit der Blaue Engel künftig auch für die Vermittlung von Umweltthemen bei der jungen Zielgruppe besser genutzt werden kann, hat ein Forschungsteam für die Zielgruppen Grundschulkinder sowie der Lehrer*innen und Pädagog*innen an Schulen und außerschulischen Betreuungseinrichtungen eine mehrtägige Unterrichtsreihe mit Lehr- und Lernmaterialien entwickelt. Sie wird von vier Kurzfilmen begleitet. Die Materialien wurden in einem Pilotprojekt in Schulen und in Fokusgruppen getestet und zielgruppengerecht aufbereitet. Das Konzept zur Ansprache von Schüler*innen und Lehrpersonal ist nun in der Broschüre „Umweltzeichen Blauer Engel – Kommunikation für Kinder und Jugendliche“ veröffentlicht worden. 

Mit dem „ökologischen Rucksack“ und dem Blauen Engel auf Entdeckungstour

„Bei der Entwicklung des Kommunikationskonzepts sind wir zum einen von den veränderten Kommunikationsbedürfnissen und -profilen junger Menschen und zum anderen von den Erwartungen von Lehrenden und Umweltbildner*innen ausgegangen,“ sagt Projektleiterin Nicola Schuldt-Baumgart vom ISOE. „Im Ergebnis haben wir nun Formate, die den Maßstäben einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gerecht werden, weil sie das Alltagswissen und die Alltagserfahrung von Kindern berücksichtigen und spielerisch die Begeisterung für eigene Gestaltungskompetenzen vermitteln können.“ 

Die Entdeckungstour mit dem Blauen Engel führt die Schüler*innen über „Umweltmonster“ zu wichtigen Umweltthemen wie Ressourcen- und Energieverbrauch oder umweltschädliche Substanzen. Sie begegnen einem realen „ökologischen Rucksack“ und eine Lernwerkstatt lädt zur offenen Unterrichtsform Stationenlernen oder wahlweise zu einer Umweltrallye ein. Das ISOE hat die Unterrichtsserie im Auftrag des Umweltbundesamts gemeinsam mit Monika Krocke und Kaya Klein vom Verein Umweltlernen in Frankfurt und Daniel Fischer vom Institut für Umweltkommunikation an der Leuphana Universität Lüneburg sowie ASU – Arizona State University, Tempe (USA), entwickelt. 

Publikation

Schuldt-Baumgart, Nicola/Barbara Birzle-Harder/Monika Krocke/Kaya Klein/Daniel Fischer (2021): Umweltzeichen Blauer Engel - Kommunikation für Kinder und Jugendliche. Abschlussbericht. UBA-Texte, 58. Dessau-Roßlau

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
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Melanie Neugart
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news-406 Thu, 29 Apr 2021 08:16:30 +0200 Citizen-Science-Aufruf in Frankfurt am Main - Stadtnatur-Entdeckungen im Lockdown: Frankfurter Forschungsprojekt sucht Videoclips von Bürger*innen https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/stadtnatur-entdeckungen-im-lockdown-frankfurter-forschungsprojekt-sucht-videoclips-von-buergerinnen/ Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen hat viele Menschen wieder mehr in die Natur gelockt. Weil beliebte Ausflugsziele in Zeiten des Lockdowns schwieriger zu erreichen sind, beginnt der „Corona-Spaziergang“ für viele direkt vor der Haustür. Auch in Frankfurt ist das Interesse an Stadtgrün offensichtlich: Parks und Grünflächen sind in der Pandemie gut besucht. Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung untersuchen, inwiefern sich das Verhältnis der Stadtbewohner*innen zur Natur im Corona-Jahr verändert hat und rufen zu einer Citizen-Science-Aktion auf. In kurzen Videoclips mögen Interessierte zeigen, wie sie der Stadtnatur im Lockdown neu begegnet sind. Welche Naturentdeckungen haben die Bürger*innen der Stadt Frankfurt im Zuge der Corona-Einschränkungen gemacht? Welche Tiere, Pflanzen, Biotope und Naturorte haben sie im letzten Jahr entdeckt? Was bedeutet ihnen die Stadtnatur? Um mehr darüber zu erfahren, rufen Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung die Frankfurter Bürger*innen dazu auf, ihre ganz persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Beobachtungen während des Lockdowns in kurzen Videoclips von ein bis zwei Minuten festzuhalten und in eigenen Worten zu kommentieren. 

Mitmachen ist ganz einfach: Zur persönlichen „Stadtnatur-Entdeckung“ in Frankfurt gehen, in einem kurzen Handyvideo filmen und beschreiben, was einem die besuchte Stadtnatur bedeutet und den Videoclip dann über diese Website hochladen: www.isoe.de/socodes-citizen-science 

Einsendeschluss für die Videoclips ist der 11. Juni 2021. Als Dankeschön gibt es wahlweise eine Tageseintrittskarte für den Frankfurter Palmengarten oder das Senckenberg Museum. Alternativ spendet das ISOE auf Wunsch zehn Euro für das Blumenwiesenprojekt des BUND Frankfurt zur Förderung der Stadtnatur. 

Aufbau einer Citizen-Science-Community für sozial-ökologische Forschung 

Die Auswertung des Videomaterials erfolgt im Zuge des Forschungsprojekts SoCoDES (Sozial-ökologische Dynamiken von Ökosystemleistungen), in dem das ISOE in Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), Frankfurt am Main und der Goethe-Universität Frankfurt die wechselseitige Beeinflussung von Bevölkerungsentwicklung und Ökosystemleistungen untersucht.

Zu den zentralen Fragen im Forschungsprojekt SoCoDES gehört die nach den Beziehungen der Stadtbewohner*innen zu ihrer unmittelbaren Stadtnatur. Wie nehmen Frankfurter Bürger*innen Stadtgrün wahr, wie bewerten und nutzen sie sie? Wie hängen symbolische Dimensionen der Natur, wie etwa der Wohlfühlfaktor, mit materiellen Dimensionen, also der Gestaltung von Grünräumen oder ihrer Zugänglichkeit, zusammen? Im Zuge dieses Projekts will das Forschungsteam die Kooperation mit Frankfurts Stadtbewohner*innen intensivieren. 

„Lockdown-Spaziergänge“ für die Forschung im Mai und Juni geplant

„Der Mehrwert der gesellschaftlichen Teilhabe in der Wissenschaft ist vielfältig, Citizen Science kann die Akzeptanz und das Verständnis für Probleme fördern sowie innovative Zugänge und Ideen in die Wissenschaft einbringen,“ sagt ISOE-Forscher Florian Dirk Schneider. „Wir wollen deshalb über den aktuellen Video-Aufruf hinaus, langfristig eine Citizen-Science-Community in Frankfurt gewinnen, die sich für die sozial-ökologische Forschung interessiert und dieses Interesse auch aktiv einbringt.“ 

Neben der Videoauswertung planen Forschende des ISOE im Mai und Juni 2021 zudem „Go-along-Interviews“, bei denen sie Frankfurter*innen bei ihren typischerweise im Lockdown praktizierten Spaziergängen in die Stadtnatur begleiten und dazu befragen. „Diese ‚Lockdown-Spaziergänge‘ dienen uns als ein Brennglas für die Analyse der Wahrnehmung, Nutzung und Bewertung der Stadtnatur,“ sagt Schneider. Interessierte Bürger*innen können sich bereits jetzt unter stadtnatur@isoe.de anmelden.

Projektverantwortliche: Florian Schneider, Lukas Sattlegger

Mehr Infos auf: www.isoe.de/socodes-citizen-science 

Das ISOE begleitet die Citizen-Science-Aktion zudem auf twitter.com/isoewikom, facebook.com/ISOE.Forschungsinstitut und instagram.com/isoe_institut #StadtnaturEntdeckung

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Florian Dirk Schneider 
Tel. +49 69 707 6919-71

Lukas Sattlegger
Tel. +49 69 7076919-31

Pressekontakt:

Melanie Neugart/Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-51

 

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Pressemitteilung
news-387 Tue, 13 Apr 2021 11:37:00 +0200 Gesellschaft und Natur - Sozial-ökologischer Biodiversitätsschutz kann das Risiko für Pandemien verringern https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/sozial-oekologischer-biodiversitaetsschutz-kann-das-risiko-fuer-pandemien-verringern/ Der UN-Biodiversitätsrat warnt davor, dass Pandemien zunehmen werden, sollten Natur und Artenvielfalt nicht besser geschützt werden. Mit pauschalen Verordnungen kann die Erhaltung der biologischen Vielfalt jedoch nicht gewährleistet werden, warnen Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Damit Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt eine präventive Wirkung gegen künftige Pandemien entfalten, müssen sie regionale und lokale Besonderheiten ebenso berücksichtigen wie das lokale Wissen und die Bedürfnisse der Menschen. Diese Empfehlungen für einen sozial-ökologischen Gestaltungsansatz sind in der Zeitschrift Global Sustainability erschienen. Die große Mehrheit der neu auftretenden Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung im Kontakt von Menschen mit wildlebenden Tierarten sowie in der immer stärkeren Nutzung natürlicher Ressourcen. Viehzucht, Acker- und Bergbau vernichten weltweit ursprüngliche Natur, Savannen und Wälder. Durch das Vordringen in unberührte Lebensräume kommen Menschen und ihre Nutztiere immer öfter mit natürlich vorkommenden Krankheitserregern in Kontakt. Die Übertragung dieser Erreger von Tieren auf Menschen, sogenannte Zoonosen, und der Ausbruch von Pandemien wie COVID-19 werden dadurch wahrscheinlicher. Der legale wie auch illegale Wildtierhandel beschleunigt diese Dynamik. In ihrem jüngsten Bericht warnen die Wissenschaftler*innen des IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) deshalb eindringlich vor einem Fortschreiten der Umweltzerstörung als Ursache von Zoonosen. Um das Risiko künftiger Pandemien zu verringern, fordern sie strengere Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und den Schutz von Wildtieren.

Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft besser verstehen

„Weltweit gültige Schutzvorschriften zum Erhalt der Biodiversität sind wichtiger als je zuvor, aber sie lösen nicht automatisch das Problem der zunehmenden Wildtier-Kontakte und Zoonosen“, sagt Biodiversitätsexperte Florian Dirk Schneider, Erstautor der Publikation, die gerade in der Zeitschrift Global Sustainability erschienen ist. Um wirksame und vor allem gerechte Maßnahmen für Biodiversitätsschutz als Prävention von Zoonosen zu entwickeln, müsse das Augenmerk auf die spezifischen regionalen und lokalen Bedingungen gelenkt werden. Denn Art und Ausmaß, wie Menschen die Natur nutzen, können regional sehr verschieden und auch unterschiedlich motiviert sein. „Gesellschaftliche und ökologische Bedingungen beeinflussen Bedürfnisse und Lebensstile, die wiederum weitreichende Auswirkungen auf die Nutzungsintensität von natürlichen Ressourcen haben können“, sagt Schneider. So könne der Hinzugewinn von landwirtschaftlichen Flächen oder die Wilderei von ökonomischen Zwängen und Anreizen getrieben werden und für Menschen vor Ort bisweilen alternativlos erscheinen. Ähnliches gelte für die Marktbedingungen der Viehhaltung in Industrieländern, die kaum Spielraum für Gesundheitsüberlegungen zuließen. Schneider betont: „Wir müssen diese Beziehungen und Nutzungsdynamiken zwischen der Gesellschaft und der Natur besser verstehen.“ 

Pauschale Vorschriften zum Biodiversitätsschutz sind nicht ausreichend

Anstatt rigide von oben pauschale Vorschriften zu verordnen, empfehlen die ISOE-Autor*innen, bestehende Nutzungen und Praktiken genauer zu verstehen und in Entscheidungen für Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz einzubeziehen. „Es ist zwingend notwendig, dass die verschiedenen Werte, Traditionen und sozialen Normen, die den gesellschaftlichen Umgang mit der Natur in unterschiedlichen Gemeinschaften in Regionen der südlichen wie der nördlichen Hemisphäre, in städtischen wie in ländlichen Lebensräumen prägen, verstanden und in gemeinsame Lösungen zum Erhalt der Artenvielfalt einbezogen werden“, betont auch Marion Mehring, Mitautorin und Leiterin des Forschungsschwerpunkts Biodiversität und Bevölkerung am ISOE. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass getroffene Maßnahmen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung nicht adäquat widerspiegeln und somit entweder nicht akzeptiert werden oder an den Bedürfnissen vorbeigehen. 

Komplexe Dynamik von Naturnutzung, Artenvielfalt und Zoonosen

Um Artenschutz gleichzeitig als wirksame Prävention gegen künftige Zoonosen zu entwickeln, seien gerade das vielfältige, lokale Wissen der Bevölkerung ebenso wie Institutionen und angewandte Technologien vor Ort unerlässlich, schreiben die ISOE-Autor*innen. „Die Anstrengungen zum Erhalt der Biodiversität müssen mehr denn je inter- und transdisziplinär gestärkt werden“, betont Mehring. „Wir können die Dynamik im Zusammenspiel von Naturnutzung, Artenvielfalt und der Entstehung zoonotischer Krankheiten nur aufbrechen, wenn wir die vielfältigen sozial-ökologischen Wechselwirkungen und Abhängigkeiten verstehen, die dieser Dynamik zugrunde liegt. Dafür greift eine rein naturwissenschaftliche Sicht zu kurz.“ In ihrer Publikation beschreiben die Autor*innen daher einen integrierten sozial-ökologischen Forschungsansatz, der explizit die Beziehung und Wechselwirkungen von Biodiversität und Gesellschaft adressiert, für die Analyse und nachhaltige Ausrichtung von lokalen Nutzungsdynamiken von Biodiversität als Prävention gegen Zoonosen. 

Neue Praktiken der Ko-Existenz von Natur und Gesellschaft

Das Autorenteam schlägt in seinem Artikel sechs Prinzipien für eine sozial-ökologische Gestaltung von Biodiversitätsschutz als wirksame Prävention gegen Zoonosen vor. Als Antwort auf die gegenwärtigen Krisen sollen diese für Forschende und Entscheidungsträger bei der Beschreibung und dem Aufzeigen von Lösungswegen für eine Ko-Existenz mit der Natur eine Orientierung bieten. „Wenn wir die sozial-ökologischen Gestaltungsprinzipien bei der Entwicklung von Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität konsequent berücksichtigen, können wir im gleichen Zug das Risiko künftiger Pandemien reduzieren“, sagt Mehring. Mehr noch: „Die Gestaltungsprinzipien bieten eine Grundlage für nachhaltige Lösungswege im direkten Umgang mit der Natur vor Ort – immer auch mit Blick auf die globalen Herausforderungen.“

Publikation

Florian D. Schneider, Denise M. Matias, Stefanie Burkhart, Lukas Drees, Thomas Fickel, Diana Hummel, Stefan Liehr, Engelbert Schramm, and Marion Mehring (2021): Biodiversity conservation as infectious disease prevention: why a social-ecological perspective is essential. Global Sustainability. Cambridge University Press, 4, p. e13. doi: 10.1017/sus.2021.11 

Wissenschaftliche Ansprechpartner*in:

Dr. Marion Mehring
Forschungsschwerpunktleitung Biodiversität und Bevölkerung
Tel. +49 69 7076919-39
mehring(at)isoe.de

Dr. Florian Dirk Schneider
Tel. +49 69 7076919-71

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 7076919-51
neugart(at)isoe.de

 

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Pressemitteilung
news-397 Thu, 01 Apr 2021 10:19:03 +0200 Soziale Ökologie - Lehrveranstaltungen im Sommersemester https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/lehrveranstaltungen-im-sommersemester/ Auch im Sommersemester 2021 bieten Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wieder Lehrveranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen an. An der Frankfurter Goethe-Universität (GU) leitet PD Dr. Diana Hummel das Seminar „Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän“, Dr. Carolin Völker bietet das Seminar „Sozial-ökologische Transformationen für einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen“ an. Darüber hinaus finden Seminare an der TU Darmstadt und an der Leuphana Universität Lüneburg statt.  Im Masterstudiengang Umweltwissenschaften der GU ist Diana Hummel mit dem Seminar „Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän“ vertreten. Mit der Diagnose des neuen Zeitalters  wird deutlich: Gesellschaft und Natur sind so eng miteinander verwoben, dass sie nicht mehr unabhängig voneinander untersucht werden können. Aus sozialwissenschaftlichen, insbesondere politikwissenschaftlichen sowie interdisziplinären Blickwinkeln werden folgende Fragen erörtert: Was bedeutet nachhaltige Entwicklung im Anthropozän? Wird ein neues Grundverständnis der Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur erkennbar und werden Fragen der politischen Gestaltung anders adressiert? Gemeinsam mit den Studierenden erörtert Diana Hummel, was die Zeitdiagnose des Anthropozäns für die Wissenschaft, ihre Rolle und Verantwortung als eine kritische Instanz?

Das „Plastikzeitalter“ in der Lehre

Das Seminar „Sozial-ökologische Transformationen für einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen“ von Carolin Völker geht der Ambivalenz von Plastik nach. Auf der einen Seite hat dieses Material durch unzählige Anwendungen den Alltag revolutioniert, auf der anderen Seite führt die weltweite Anwendung von Kunststoffen auch zunehmend zu Umweltproblemen. Heute, etwa 100 Jahre nachdem ein technisches Verfahren zur PVC-Herstellung entwickelt wurde, werden die „blinden Flecken des Plastikzeitalters“ immer augenscheinlicher. Die Studierenden erarbeiten zunächst ein gemeinsames sozial-ökologisches Problemverständnis und nehmen verschiedene gesellschaftliche Initiativen in den Blick: Welches Potenzial haben diese, um Veränderungen für einen nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen einzuleiten? Anhand dieses Themenkomplexes lernen die Studierenden die spezifischen Strukturaspekte von Umweltproblemen, Möglichkeiten sozial-ökologischer Transformationen sowie die interdisziplinäre Arbeitsweise kennen.

Lehre an der TU Darmstadt und der Leuphana Universität Lüneburg

Für Studierende im Masterstudium Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Technischen Universität Darmstadt hält Martin Zimmermann, Leiter des ISOE-Forschungsschwerpunkts Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen, ein Seminar zum Thema nachhaltiger Wasserversorgungswirtschaft. Studierende lernen Konzepte von Vulnerabilität, Risiko und Unsicherheit sowie Methoden der Nachhaltigkeitsbewertung und der Systemanalyse kennen.

Matthias Bergmann ist an der Leuphana Universität in Lüneburg mit der Lehrveranstaltung „Nachhaltige Kommunalentwicklung in den Biosphärenreservaten der Metropolregion Hamburg“ vertreten. Dabei handelt es sich um ein transdisziplinäres Forschungsprojekt im Masterprogramm Nachhaltigkeitswissenschaft. Die Studierenden entwickeln konkrete Maßnahmen, um kommunale sowie interkommunale Nachhaltigkeitsprozesse und -initiativen zu befördern. Sie bauen dabei auf den Ergebnissen des vorhergehenden transdisziplinären Projekts im Wintersemester 2020/21 und Sommersemester 2020 auf. Zudem bietet Bergmann eine übergreifende Vorlesung mit anschließender Sprechstunde als Brücke zwischen dem Modul „Inter- und Transdisziplinäre Grundlagen“ und den anwendungs- und praxisorientierten Forschungsprojekten im Bachelor/Major „Umweltwissenschaften“ an. Der Titel der Veranstaltung lautet „Von der Theorie zur Praxis: Methoden Transdisziplinärer Forschung und ihre Anwendung“.

Alle aktuellen Lehrveranstaltungen finden auch im Sommersemester 2021 online statt. 

Die ISOE-Lehrveranstaltungen auf einen Blick: www.isoe.de/lehre/lehrveranstaltungen

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Dr. Diana Hummel
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news-390 Tue, 16 Mar 2021 11:21:00 +0100 Weltwassertag 2021 „Valuing Water“ - Der Wert des Grundwassers https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/der-wert-des-grundwassers/ Die Vereinten Nationen rufen zum Weltwassertag am 22. März das Motto „Valuing Water“ aus. Doch die Wertschätzung von Wasser setzt das Verständnis voraus, dass es sich bei den verfügbaren Trinkwassermengen um eine kostbare Ressource handelt. Zu wenig Beachtung findet dabei bisher das Grundwasser als weltweit wichtigste Trinkwasserquelle. Grundwasser ist an vielen Orten der Welt verschmutzt, zudem wird mehr Wasser entnommen, als sich nachbildet. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung untersucht, wie Grundwasser besser geschützt werden kann und lenkt damit den Blick auf den Wert der „unsichtbaren“ Ressource. Grundwasser ist die wichtigste Trinkwasserressource weltweit. Der künftige Umgang damit wird für die Ernährung der Weltbevölkerung entscheidend sein – er betrifft sowohl die Lebensmittelproduktion als auch die Trinkwasserversorgung. „Fast die Hälfte der globalen landwirtschaftlichen Bewässerung speist sich aus Grundwasser. Doch in vielen Teilen der Welt werden Grundwasservorräte so stark übernutzt, dass der Grundwasserspiegel drastisch sinkt“, sagt ISOE-Wasserexperte Stefan Liehr. Betroffen sind Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Bewässerung beispielsweise in den USA, in China, Pakistan, Indien und Nordafrika. Aber auch in Europa leeren sich die Grundwasserspeicher, etwa in Spanien oder Südfrankreich. Zugangs- und Verteilungskonflikte sind längst nicht mehr auf besonders trockene Regionen begrenzt, sogar im vermeintlich wasserreichen Deutschland kommt es vermehrt zu Nutzungskonflikten.

Insbesondere aber in trockenen und halbtrockenen Gebieten führt der extreme Zugriff auf das Grundwasser dazu, dass die sogenannten Ausgleichspuffer verschwinden. „Das bedeutet, dass Seen, Feuchtgebiete und Flüsse periodisch austrocken“, sagt Liehr, „ein Problem, das durch den Klimawandel noch verschärft wird.“ Denn steigende Temperaturen erhöhen die Verdunstungsrate, entsprechend weniger Grundwasser kann sich neu bilden. Damit steigt das Risiko für die Trinkwasserversorgung und für die Ernährungssicherung, weil die Nahrungsmittelproduktion meist auf Grundwasservorräte angewiesen ist. „Ein wertschätzender Umgang mit der Ressource ist auch in Europa dringlich“, sagt Liehr, „das heißt im Klartext, die Ressource muss nachhaltig bewirtschaftet werden.“ 

Nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung, um Quantität und Qualität zu sichern

Eine nachhaltige Grundwasserentnahme bedeutet zunächst, nicht mehr Wasser zu entnehmen, als sich langfristig über den Wasserkreislauf neu bilden kann. Doch das Problem ist vielschichtiger, weiß Fanny Frick-Trzebitzky, ebenfalls Wasserexpertin am ISOE. „Seit Jahren haben wir anhaltend hohe stoffliche Einträge in das Grundwasser, mit teilweise unbekannten Auswirkungen auf Ökosysteme. Wir haben es also mit einem Mengen- und einem Qualitätsproblem zu tun. Daraus erwachsen Konflikte um die Ressource, zum Beispiel zwischen Landwirtschaft, Trinkwassergewinnung und Naturschutz“, berichtet Fanny Frick-Trzebitzky. Sie leitet am ISOE gemeinsam mit Robert Lütkemeier die Nachwuchsgruppe regulate, die nach Lösungen für eine nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung in Europa forscht. 

Etwa ein Viertel aller europäischen Grundwasserkörper befindet sich chemisch in einem schlechten Zustand, Nitrat spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch wird der ökologische Wert von Grundwasser derzeit gar nicht erfasst. „Es ist notwendig, die bisherigen Vorgaben der Europäischen Grundwasserrichtlinie zu erneuern. Daneben gilt es, den Schutz von Grundwasser auch in anderen Politiken, etwa der Agrarpolitik, zu integrieren, denn ganz offensichtlich reichen die Ansätze in der vorhandenen Form nicht aus, um die nachhaltige Nutzung der wertvollen Ressource zu garantieren“, sagt Frick-Trzebitzky. Ein Blick auf die Ursachen des Problems zeige zudem, dass der Druck auf die Grundwasserleiter nicht nur durch die Entnahme vor Ort in den sogenannten Hotspot-Regionen Europas entstehe. „Zur Übernutzung tragen auch überregionale Wirkungen bei,“ sagt Fanny Frick-Trzebitzky. „Wir sprechen hier von Fernwirkungen oder von Telekopplungen, die die Problematik noch verschärfen.“ 

Wertschätzung der „unsichtbaren“ Ressource Grundwasser 

Beispielhaft lassen sich Telekopplungen beim virtuellen Wasserhandel zeigen. Hierbei entstehen regionale Grundwasserbelastungen aufgrund überregionaler Prozesse. So werden etwa Grundwasserkörper in Südspanien durch Wasserentnahmen sowie durch Pestizid- und Nährstoffeinträge für den Anbau von Gemüse belastet. Das Gemüse wird für den Export nach Mitteleuropa angebaut – somit gerät der Konsum von in deutschen Supermärkten gehandelten Tomaten in direkten Zusammenhang mit Grundwasserschutz in Südspanien. Das wirft auch Fragen nach der Verteilung von Entscheidungsmacht in der grundwasserschonenden Landwirtschaft auf.

Ein weiteres Beispiel für Telekopplung ist die Wasserversorgung von Ballungsräumen über Fernleitungen. Metropolregionen und große Städte kommen häufig nicht mit den Wasservorkommen vor Ort aus und beziehen zusätzliches Trinkwasser, das über Fernleitungen aus anderen Regionen eingespeist wird. Runde Tische und ähnliche Kooperationsmodelle zwischen unterschiedlichen Wassernutzern sollen den gemeinsamen Schutz von Grundwasser im Einzugsgebiet stärken, beispielsweise im Umland von Frankfurt. „Es kommt dennoch immer wieder zu Konflikten rund um die Verteilung der begrenzten, unsichtbaren Ressource und um die Frage, wie ein nachhaltiger Umgang damit gestaltet werden kann,“ sagt Frick-Trzebitzky. In der Agenda 2030 der UN ist die nachhaltige Wasserversorgung als ein zentrales Ziel verankert, um den globalen Wasserbedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. „Dieses Ziel wird aber nur zu erreichen sein, wenn auch das Thema Grundwasser und ein wertschätzender Umgang damit stärker als bisher in den Blick genommen wird.“ 

Mehr Informationen über das Projekt regulate finden Sie unter www.regulate-project.eu  
Das Forschungsprojekt regulate auf twitter: @regulateproject

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news-382 Thu, 25 Feb 2021 10:26:54 +0100 Wissen für eine nachhaltige Entwicklung - Transferstrategie des ISOE erschienen https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/transferstrategie-des-isoe-erschienen/ Der Handlungsdruck für sozial-ökologische Transformationen ist enorm. Beispielhaft zeigen das etwa die Folgen des ungebremsten Klimawandels oder des Artensterbens sehr deutlich. Um Transformationsprozesse erfolgreich auf den Weg zu bringen, ist Wissen über nachhaltige Entwicklungen zentral. Deshalb kommt dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, seit mehr als 30 Jahren wegweisend für die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung, hat seine Transferstrategie „Wissen für eine nachhaltige Entwicklung“ nun veröffentlicht. Seit mehr als 30 Jahren entwickelt das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Die Forschungsergebnisse des ISOE zu Themen wie Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, urbane Räume, Biodiversität und transdisziplinäre Methoden entstehen dabei im Zuge eines transdisziplinären Forschungsprozesses. 

„Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft ist zentral, wenn Transformationsprozesse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung eingeleitet, begleitet und forciert werden sollen“, sagt Thomas Jahn, Sprecher der Institutsleitung des ISOE. Umgekehrt sei es für einen gelingenden transdisziplinären Forschungsprozess entscheidend, dass die Wissensbedarfe der Akteure erfasst werden und geeignete Lernräume geschaffen werden, die den Transfer von unterschiedlichen Wissensformen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik ermöglichen. 

Erzeugung und Kommunikation von neuem Wissen

„Wir haben uns am ISOE deshalb intensiv damit auseinandergesetzt, wie die Erzeugung von neuem Wissen und die Kommunikation dieses neuen Wissens erfolgreich gelingen kann“, sagt Jahn. Entscheidend für die Strategie des Wissenstransfers, wie sie am ISOE verfolgt wird, ist ein übergeordneter Blick auf das Wirkungspotenzial der eigenen Forschung. „Wir setzen auf ein erweitertes Verständnis des Transferbegriffs, in dem wir uns bewusst machen, dass Wissen immer kontextabhängig ist und deshalb nur vermittelt als Übersetzungsleistungen weitergegeben werden kann“, sagt Jahn. 

Kommunikation über Forschungsergebnisse alleine sei noch keine Gewähr dafür, dass Wissen auch ankomme. Die ISOE-Transferstrategie geht von der grundlegenden Überzeugung aus, dass Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam und beidseitig stattfinden müssen. „Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße, in der die Wissenschaft ihre Forschungsergebnisse, Publikationen und Präsentationen beim Empfänger abliefert“, so Jahn.

Erfolgreicher Wissenstransfer setzt Fähigkeit zum Perspektivwechsel voraus

Der ISOE-Wissenstransfer stehe vielmehr für die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, um die Wissensbedarfe aller Akteure in den Transformationsprozessen erkennen und verstehen zu können. Ziel ist es, die Forschungsergebnisse adäquat zu übersetzen in verschiedene Wissensformen, in Systemwissen, Orientierungswissen und Handlungswissen. „Durch gemeinsame Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Gesellschaft kann wissenschaftliches Wissen in die Anwendung gelangen. Umgekehrt können Frage- und Problemstellungen, aber vor allem Wissensbedarfe aus der Gesellschaft in die Wissenschaft fließen“, betont Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation am ISOE.

Die Broschüre „Wissen für eine nachhaltige Entwicklung - Transferstrategie des ISOE “ stellt das Kommunikationskonzept des Instituts in einzelnen Handlungsfeldern vor und beschreibt Ziele sowie konkrete Maßnahmen für den Wissenstransfer. Dazu gehören etwa die Weiterentwicklung geeigneter Wissenstransfer-Formate wie Learning Expeditions oder Transfer-Workshops sowie digitale Kommunikationsformate des E-Learning oder Social Media und Online-Hubs. „Transparenz spielt zudem eine wichtige Rolle beim Wissenstransfer“, sagt Schuldt-Baumgart. „Das ISOE verfolgt deshalb eine konsequente Open-Science-Strategie, um Forschungsergebnisse sichtbar und anwendbar zu machen und konzipiert auf unterschiedliche Zielgruppen abgestimmte Transferformate, sodass Wissen in der Praxis wirksam werden kann.“

ISOE-Transferstrategie als Download

ISOE-Transferstrategie „Wissen für eine nachhaltige Entwicklung“ 

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news-363 Mon, 22 Feb 2021 17:09:00 +0100 Frankfurter Bürger-Universität - Frankfurt in der Heißzeit: Lebenswerte Stadt trotz Klimawandel https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/frankfurt-in-der-heisszeit-lebenswerte-stadt-trotz-klimawandel/ Deutschland ist seit Anfang der Nullerjahre mit am stärksten von Wetterextremen betroffen. Nach dem aktuellen Globalen Klima-Risiko-Index belegt die Bundesrepublik im weltweiten Vergleich der Länder, die in den letzten zwei Jahrzehnten massiv mit Extremwetterereignissen wie Dürren und Hitzewellen zu kämpfen hatten, den 18. Platz. Klimaforscher rechnen damit, dass steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels solche Extreme auch in Zukunft wahrscheinlicher und intensiver machen. Das stellt vor allem Städte vor besondere Herausforderungen. Expert*innen aus Wissenschaft und Politik diskutierten am 16. Februar im Rahmen der Bürger-Uni-Veranstaltung des ISOE Lösungen am Beispiel Frankfurt am Main. Hundert Gäste nahmen an der Online-Veranstaltung teil. Was lange als abstraktes globales Phänomen diskutiert wurde, ist inzwischen auch in Deutschland für viele Menschen spürbar. Der Klimawandel begünstigt lang anhaltende Trockenheit und Dürren, Hitzewellen, Tropennächte und auch Starkregen. Städte betrifft das in besonderer Weise. Beispiel Frankfurt am Main: Das Frankfurter Westend war im Sommer 2019 der wärmste Ort Deutschlands seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 

Um die Folgen des Klimawandels in den Griff zu bekommen, müssen Städte umdenken und neue Wege gehen. Wie kann eine lebenswerte Stadt in Zeiten des Klimawandels aussehen? Das Grün in Parks, Gärten und Grünflächen der Stadt ist wichtig, um Hitzespitzen abzufedern und schattenspendende Orte zu schaffen. Lässt sich mit Fassadenbegrünung, Gründächern und Wasserflächen in der Stadt das Mikroklima positiv beeinflussen? Kann das dafür benötigte Wasser durch Wiederverwendung gewonnen und gleichzeitig Trinkwasser eingespart werden? 

Stadtgrün braucht kein Trinkwasser: alternative Wasserquellen besser integrieren 

Martin Zimmermann, Wasserexperte am ISOE, zeigte in seinem Impulsvortrag, wie Städte mithilfe einer klugen Stadt- und Infrastrukturplanung robuster werden können. Hierfür seien nicht allein neue technische Lösungen im Wasserbereich gefragt. Vielmehr sei es wichtig, das Potenzial städtischen Grüns (grüne Infrastrukturen) und bereits vorhandenen Wasserressourcen (blaue Infrastrukturen) zusammenzuführen. 

Zimmermann erläuterte, wie durch die Kopplung der verschiedenen Infrastrukturen Wasser in unterschiedlichen Qualitäten für ebenso unterschiedliche Zwecke genutzt werden kann. Schließlich müsse es nicht immer Trinkwasser sein, mit dem das Stadtgrün in Dürrezeiten versorgt wird. Betriebswasser aus aufbereitetem Grauwasser oder aufgefangenes Regenwasser eignen sich ebenso zur Bewässerung und schonen die wertvollen Trinkwasservorräte. Entscheidend sei zudem, dass Städte in der Lage sind, auch Starkregenereignisse abzumildern. Eine gezielte Regenwasserbewirtschaftung kann die überforderten Ablaufsysteme der Kanalisation entlasten, vor Überflutung schützen und das Wasser nach dem Schwammstadt-Prinzip auffangen.

Klimaanpassungsmaßnahmen dienen der Gesundheitsvorsorge

Die Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt, Rosemarie Heilig (Grüne), betonte die Bedeutung von Grünflächen und Wasserstellen in den Städten auch für die Gesundheitsvorsorge sowie die Notwendigkeit, Städte weiter zu entsiegeln. Es brauche mehr Grün- und Bodenflächen, die Regenwasser aufnehmen können. Das Baurecht stünde engagierten Planungsideen für Klimaanpassungsmaßnahmen hier aber noch im Wege.

Jörg Lummitsch, Leiter des Erfurter Umweltamts gab bei der Bürger-Uni Einblicke in das Projekt „Hitzerobuste Stadt – HeatResilientCity“, bei dem das Thema Gesundheitsvorsorge mit Blick auf den Klimawandel eine wichtige Rolle spielt. Denn Hitze belastet die Bewohner*innen stark verdichteter Wohnquartiere besonders. Beispielquartiere in Dresden und Erfurt machen vor, wie die Belastung durch Sommerhitze reduziert werden kann, etwa mit der Dachbegrünung von Bushaltestellen, die für Abkühlung sorgt.

Anschlussveranstaltung zum Thema Heißzeit und Folgen für das Wasser am 23. Juni

Keinen Zweifel an der Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen ließ der Impulsvortrag von Marion Hemfler. Die Leiterin des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung in Hessen (HLNUG) machte in ihrem Impulsvortrag deutlich, was Heißzeit bedeutet: zusätzliche Hitzetage im Jahr werde es in Hessen bis zum Ende des Jahrhunderts unausweichlich geben. Durchschnittlich 21 Tage, wenn es nicht gelingt, die Auflagen zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele einzuhalten – und durchschnittlich drei Heißtage mehr, wenn es gelingt.

An der von dem Wissenschaftsjournalisten Stephan M. Hübner moderierten Online-Veranstaltung nahmen hundert Interessierte teil. Im parallelen Chat, in dem die Teilnehmenden ihre Fragen stellen konnten, fand ein reger Austausch statt. Die Nachfrage nach einer Anschlussveranstaltung an die Tage zuvor bereits ausgebuchte Bürger-Uni vor allem zu Wasserfragen war groß. Das ISOE bietet deshalb am 23. Juni 2021 im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni im Sommersemester das Format „Meet the Scientiest“ mit ISOE-Expert*innen zum Thema „Erschöpft? Der Klimawandel und die Folgen für unser Wasser“ an. 

Frankfurter Bürger-Universität

Heißzeit? Wie Frankfurt dem Klimawandel begegnen kann

  • Rosemarie Heilig, Dezernentin für Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt am Main
  • Dr. Marion Hemfler, Leiterin des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung
  • Jörg Lummitsch, Leiter des Umweltamtes der Stadt Erfurt sowie Mitglied im Forschungsverbund HeatResilientCity
  • Dr. Martin Zimmermann, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung

Moderation: Stephan Hübner, hr-iNFO

Datum: 16. Februar 2021, 18.30–20.00 Uhr

Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung

Mitdiskutieren: #heisszeit_ffm

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung 

Medienpartner: hr-iNFO 

Die Aufzeichnung der Bürger-Uni-Veranstaltung finden Sie hier.

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news-378 Fri, 19 Feb 2021 16:05:27 +0100 Darmstädter Tage der Transformation 2021 - Wissenschaftskommunikation heute: Weniger ist mehr! https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/wissenschaftskommunikation-heute-weniger-ist-mehr/ Die COVID-19-Pandemie zeigt, wie wichtig Wissenschaftskommunikation für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen ist: Das Vertrauen in die Arbeit von Wissenschaft und Forschung ist hoch, in weiten Teilen der Gesellschaft gibt es ein großes Interesse an wissenschaftlichen Themen. Viele Bürger*innen suchen geradezu den Dialog mit Wissenschaftler*innen. Andere lehnen diesen Dialog ab und stellen evidenzbasierte Fakten und Entscheidungen grundsätzlich infrage. Was bedeutet das für die Wissenschaftskommunikation? Damit setzt sich die ISOE-Veranstaltung im Rahmen der Darmstädter Tage der Transformation 2021 am 17. März auseinander. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ist auch 2021 wieder Kooperationspartner der Darmstädter Tage der Transformation DTdT. Gemeinsam mit der Schader-Stiftung realisiert das ISOE die Veranstaltung „Navigating the Infodemic. Wissenschaftskommunikation heute: Weniger ist mehr!“. Sie beschäftigt sich mit aktuellen Fragen nach Glaubwürdigkeit und Vertrauen von Bürger*innen in die Wissenschaft und deren Kommunikation.

Denn noch nie haben Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation so viel Aufmerksamkeit erfahren wie im zurückliegenden Jahr. Bürger*innen können nahezu „live“ dabei zusehen, wie Forschung funktioniert: dass sie von Versuch und Irrtum lebt, dass ihre Ergebnisse zumeist nur vorläufig sind und dass der Erkenntnisfortschritt auf Kritik und Konsensfindung angewiesen ist. Ohne die Wissenschaft – auch das hat die COVID-19-Pandemie deutlich gemacht – werden künftige Krisen, wie auch der Klimawandel, nicht zu bewältigen sein. 

Navigating the Infodemic – gemeinsam durch die Kommunikationsflut 

Die Kehrseite: Wir leben in einer Zeit, die die WHO als Infodemic bezeichnet: Niemals zuvor wurden Medien in solch einem Ausmaß genutzt, um Menschen zu informieren, aber auch um über die Krise und ihre Auswirkungen zu kommunizieren. Nun zeigen Studien aus der Forschung zur Wissenschaftskommunikation, dass das Vertrauen in die Arbeit der Wissenschaftler*innen wächst, wenn Wissenschaft und ihren Akteuren Integrität, Expertise und Gemeinwohlorientierung zugeschrieben wird. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Kommunikation? 

Der ISOE-Workshop „Navigating the Infodemic“ schafft Raum für einen Austausch unter Kommunikatorinnen und Kommunikatoren aus Forschungsinstituten und Hochschulen über die aktuellen Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation. Impulsvorträge halten Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation des ISOE, Philipp Schrögel vom Karlsruher Institut für Technologie – KIT, Martin Reisigl von der Universität Wien sowie Carina Frey von den RiffReportern und Achim Bubenzer von klimafakten.de. Gemeinsam mit den Gästen sollen Wege zum Umgang mit der Kommunikationsflut sowie zur Stärkung der Glaubwürdigkeit erarbeitet werden. Die Teilnehmenden diskutieren und bewerten unter anderem aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftskommunikation.

Außerdem: Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen

Wenn Forschung gesellschaftliche Veränderungsprozesse erfolgreich untersuchen, begleiten und mitgestalten will, erfordert dies eine enge Zusammenarbeit mit Partner*innen aus der Praxis. Herausforderungen eines solchen transdisziplinären Forschungsmodus werden in der Wissenschaft intensiv diskutiert. Kaum wird jedoch bislang die Perspektive der Praxispartner beleuchtet: In einem zweiten Workshop – ebenfalls am 17. März – laden daher Wissenschaftler*innen des ISOE Praxisakteure aus Unternehmen, Politik, Verwaltung und weiteren Organisationen ein, um ihre Erfahrungen, Perspektiven und Herausforderungen in der transdisziplinären Forschung gemeinsam zu diskutieren. Ziel ist es, die Verständigung über Erwartungen und Anforderungen zu fördern und so zukünftige Kollaborationen zu unterstützen.

Das ISOE beteiligt sich zudem am jährlichen s:ne-Symposium in Darmstadt. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf transformativer Forschung (tF), die nach neuen Arbeitswegen sucht, um spezifisches Wissen gesellschaftlicher Akteure in Forschungsprozesse zu integrieren. Das tF-Symposium 2021 „Vom Experiment in den Mainstream“ mit Wissenschaftler*innen des ISOE befasst sich mit der Frage, wie sich Experimentierräume mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis hierfür so aufbauen lassen, dass es gelingt, reale Entwicklungsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung zu befördern.

Alle Veranstaltungen sind Teil der Darmstädter Tage der Transformation, bei denen sich die Schader-Stiftung mit Kooperationspartnern aktuellen Fragen zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Richtung einer nachhaltigen Zukunft widmet. Sie finden vom 15. bis 19. März 2021 digital im Schader-Forum in Darmstadt im Kontext des Projekts „Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung (s:ne)“ statt, ein von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördertes Vorhaben der Hochschule Darmstadt. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter www.schader-stiftung.de/tagedertransformation.


Online-Workshop
Navigating the Infodemic. Wissenschaftskommunikation heute: Weniger ist mehr!
17. März 2021, 10:00–13:00 Uhr
#NavigatingInfodemic

Online-Workshop 
Praxisakteure in der transdisziplinären Forschung
17. März 2021, 14:30–17:00 Uhr

Fachtagung
tF-Symposium 2021: Vom Experiment in den Mainstream
18. März 2021, 9:00–16:30 Uhr


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news-374 Tue, 16 Feb 2021 08:07:00 +0100 Wechsel in der Institutsleitung - Flurina Schneider wird neue wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/flurina-schneider-wird-neue-wissenschaftliche-geschaeftsfuehrerin-des-isoe-institut-fuer-sozial-oekolo/ Zum 1. April 2021 wird Flurina Schneider neue wissenschaftliche Geschäftsführerin und Sprecherin der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Sie tritt damit die Nachfolge von Thomas Jahn an, der das ISOE 1989 mitbegründet hat. Zeitgleich übernimmt Flurina Schneider eine Professur für Soziale Ökologie am Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Damit wollen das ISOE und die Goethe-Universität ihre langjährige Kooperation in Forschung, Lehre und Transfer vertiefen. Die Professur ist die erste mit einer Ausrichtung auf Soziale Ökologie in Deutschland. Mit der Schweizer Geografin Flurina Schneider kommt eine in der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung ausgewiesene und international vernetzte Wissenschaftlerin ans ISOE. „Mit ihrer weitreichenden Erfahrung in internationalen transdisziplinären Forschungsprogrammen und ihrem beeindruckenden Forschungsprofil bringt Flurina Schneider ausgezeichnete Voraussetzungen für ihre neue Aufgabe am ISOE mit“, sagt Thomas Jahn. Zu Schneiders Forschungsschwerpunkten gehören Nachhaltigkeitstransformationen, Partizipation und Wissensintegration in der transdisziplinären Forschung sowie Governance und Nutzung von natürlichen Ressourcen. Damit stärkt Flurina Schneider die Forschung des Instituts: Das ISOE entwickelte schon früh Grundlagen und Methoden, um sozial-ökologische Transformationsprozesse verstehen, kritisch bewerten und nachhaltig gestalten zu können und gehört heute zu den führenden Instituten der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung.

Tragfähige Lösungen für nachhaltige Transformationsprozesse

Konsequent haben sich die Wissenschaftler*innen des ISOE auf den transdisziplinären Forschungsmodus konzentriert, der gesellschaftliche Akteure in den Forschungsprozess miteinbezieht. „In der gegenwärtigen Krisensituation, in der sich Klima-, Biodiversitäts- und Ressourcenkonflikte zuspitzen, sehen wir, wie enorm der Handlungsdruck für eine nachhaltige Entwicklung im Anthropozän ist“, sagt Alexandra Lux, Sprecherin der Gesellschafterinnen und Gesellschafter des ISOE. „Aber die notwendigen sozial-ökologischen Transformationen können nur gelingen, wenn sie von der Gesellschaft mitgetragen werden. Deshalb freuen wir uns besonders, dass wir mit Flurina Schneider eine gerade auch auf dem Gebiet der transdisziplinären Forschung hoch kompetente und engagierte Wissenschaftlerin gewinnen konnten“, sagt Lux. 

Erste Professur für Soziale Ökologie in Deutschland

Dass die Stelle der wissenschaftlichen Geschäftsführung des ISOE mit einer Professur für Soziale Ökologie verbunden wird, ist ein Novum. „Die Weiterentwicklung der Sozialen Ökologie nicht nur als unser Forschungsprogramm, sondern auch als Wissenschaftsgebiet, ist zentraler Bestandteil unseres Zukunftskonzepts. Wir nehmen damit zugleich eine Empfehlung des Wissenschaftsrats von 2016 auf“, sagt Alexandra Lux. Das ISOE habe sich mit seinem Zukunftskonzept 2022 klar dafür entschieden, auch seine Kooperation mit der Goethe-Universität zu intensivieren. Hier übernimmt das Institut schon seit 2008 Lehraufgaben zu theoretischen Konzepten, Methoden und empirischen Anwendungsfeldern der sozial-ökologischen Forschung. „Die ganz wesentlich vom ISOE geprägten sozial-ökologischen Erklärungsmodelle haben in den letzten Jahrzehnten einen entscheidenden Beitrag zur Nachhaltigkeitsforschung geleistet und geholfen, Transformationsprozesse besser zu verstehen und zu gestalten“, sagt Flurina Schneider. „Für mich bedeutet es eine große Freude und Herausforderung zugleich, dass ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen am Institut die Soziale Ökologie in Wissenschaft und Forschung weiter ausbauen kann.“

Praxisnahe Forschungsergebnisse

Für die Einrichtung der Professur „Soziale Ökologie“ an der Goethe-Universität Frankfurt hatte sich der Fachbereich Biowissenschaften aktiv eingesetzt. Sven Klimpel, Dekan des Fachbereichs, sagt: „Die Naturwissenschaften forschen mittlerweile transdisziplinär und sehen unter anderem einen Mehrwert darin, ihre Forschungsergebnisse in praxisnahe und tragfähige Konzepte für die Gesellschaft umzusetzen.“ Es werde daher immer wichtiger, die Grundlagenforschung in Bezug zu Diskursen und Entscheidungsprozessen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und den Sozialwissenschaften zu setzen. Mit der Berufung von Flurina Schneider werde dieser Forschungsbereich nun exzellent vertreten.

Expertise in internationalen Projekten der Nachhaltigkeitsforschung

Schneiders wissenschaftliche Karriere begann mit ihrer Promotion 2008 über nachhaltige Bodenbearbeitung in der Schweizer Landwirtschaft und Ko-Kreation von Wissen durch Netzwerkbildung und soziales Lernen. Habilitiert hat sie 2016 zum Thema transdisziplinäre und transformative Forschung für Nachhaltige Governance von natürlichen Ressourcen mit Blick auf Generationengerechtigkeit an der Universität Bern, wo sie seit 2010 als Wissenschaftlerin beschäftigt ist. Am dortigen Zentrum für Entwicklung und Umwelt (CDE) leitet Flurina Schneider seit 2017 das Cluster Landressourcen. Ihr wissenschaftliches Tätigkeitsgebiet erstreckt sich über weite Bereiche der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung: von bodenschonenden Anbausystemen und Qualitätssicherung von Öko-Produkten über Gerechtigkeit im Bereich Land- und Wasser-Governance bis hin zu Forschungsprojekten, welche sich mit der Rolle von transdisziplinärer Wissensproduktion in Nachhaltigkeitstransformationen beschäftigen. Flurina Schneider war Leiterin von Forschungsprojekten des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), der Stiftung Mercator, dem Internationalen Wissenschaftsrat sowie der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und war mehrfach für Forschungsaufenthalte im Ausland, etwa ein Jahr an der Arizona State University. 

Als Sprecherin der Institutsleitung wird Flurina Schneider eng mit den weiteren Mitgliedern der Institutsleitung Diana Hummel, Martina Winker sowie Frank Schindelmann zusammenarbeiten.

Ansprechpartnerin: 

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Leitung Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit 
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Melanie Neugart
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Pressemitteilung
news-372 Fri, 12 Feb 2021 15:06:00 +0100 ISOE-Publikation im Journal „Water“ - Erhöhter Wasserverbrauch in Zeiten des Lockdowns. Was bedeuten veränderte Routinen für die Versorgungssicherheit? https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/erhoehter-wasserverbrauch-in-zeiten-des-lockdowns-was-bedeuten-veraenderte-routinen-fuer-die-versorgun/ In der zweiten Märzhälfte 2020 kam es durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie in Deutschland zu ungekannten Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen. Mit dem Lockdown im Frühjahr standen auch die Wasserversorger vor einer neuen Situation: Der Wasserverbrauch veränderte sich, sowohl in öffentlichen und betrieblichen Einrichtungen als auch im häuslichen Wohnraum. In ihrer Studie zum Wasserbrauch in einer norddeutschen Versorgungsregion konnten Wasserexpert*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung einen Verbrauchsanstieg in Folge veränderter Alltagsroutinen im ersten Lockdown um mehr als 14 Prozent errechnen. Für ihre Studie, die im Journal „Water“ in der Januarausgabe 2021 erschienen ist, haben Wasserexpert*innen des ISOE tägliche und stündliche Wasserverbrauchsmengen in der ersten Welle der Corona-Pandemie untersucht. Ziel war es, den Effekt der Lockdown-Maßnahmen auf den Wasserverbrauch wissenschaftlich fundiert zu analysieren und ihn in Abgrenzung zu anderen Einflüssen sichtbar zu machen. Hierfür werteten die Wissenschaftler*innen Daten aus dem knapp tausend Quadratkilometer großen Versorgungsgebiet des Wasserbeschaffungsverbands WBV Harburg aus. In diesem Gebiet am Rande der Metropolregion Hamburg südlich der Elbe werden mehr als 180.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Um die Wirkung der sozioökonomischen und soziokulturellen Restriktionen in der ersten Welle der Pandemie auf den Wasserverbrauch erfassen zu können, bereinigten die Wissenschaftler*innen die Verbrauchszahlen von anderen Effekten. Ein erhöhter Wasserkonsum infolge von Hitze etwa wurde mithilfe eines linearen gemischten Modells herausgerechnet. „Im Vergleich mit den Wasserverbrauchszahlen der Vorjahre in der suburbanen Untersuchungsregion nahe Hamburg ergab sich für das Jahr 2020 ein Anstieg von 14,3 Prozent. Wir führen diesen Anstieg auf veränderte Alltagsroutinen im Lockdown zurück“, sagt Deike Lüdtke, Erstautorin der Studie „Increase in Daily Household Water Demand during the First Wave of the Covid-19 Pandemic in Germany“. Auch veränderte Freizeitaktivitäten – etwa Baden in privaten Pools oder eine verstärkte Gartenpflege – seien als Ursachen für erhöhte Wasserverbräuche anzunehmen.

Alltagsroutinen verstehen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten 

Die veränderten Routinen während der ersten Welle der Corona-Pandemie machten sich vor allem am Morgen und am Abend bemerkbar. „Veränderungen im Tagesverbrauch sind für Wasserversorgungsbetriebe nicht trivial“, sagt Lüdtke. Die Wasserunternehmen seien auf präzise Vorhersagen angewiesen. „Plötzliche Verhaltensänderungen der Verbraucher*innen können die Versorgungssicherheit der Wasserbetriebe gefährden. Deshalb ist es entscheidend, dass Alltagsroutinen von Verbraucher*innen besser verstanden und in den Wasserbedarfsprognosen berücksichtigt werden.“ 

Die ISOE-Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass bestimmte Bedarfsmuster, die auf die Verhaltensveränderungen während des ersten Lockdowns zurückzuführen sind, auch für künftige Wasserbedarfsrechnungen relevant bleiben werden. „Die Nachfragemuster über den Tag hinweg mit einer zeitlichen Verschiebung der Nachfragespitzen am Morgen und höheren Verbräuchen am Abend lassen auf neue Alltagspraktiken zum Beispiel im Bereich des mobilen Arbeitens schließen, die über die Pandemie hinaus beibehalten werden könnten“, so Lüdtke. Wasserversorger sollten sich deshalb mithilfe möglichst präziser Bedarfsprognosen auf Anpassungen an den Wasserverbrauch einstellen – wobei sich Anpassungen an den künftigen Verbrauch darüber hinaus auch durch sich verändernde Nutzungsmuster in den hochsommerlichen Dürrezeiten ergeben. 

Wasserbedarfsprognosen gestalten sich immer schwieriger

„Eine realistische Planung des künftigen Wasserverbrauchs gestaltet sich immer schwieriger, weil sehr viele Einflüsse auf den Bedarf berücksichtigt werden müssen“, sagt Mitautor Stefan Liehr. Neben klimatischen Bedingungen seien auch demografische Entwicklungen entscheidend, ebenso wie Wirtschaftsstrukturen, die sich besonders in Krisenzeiten verändern. Dadurch kommt es immer auch zu räumlichen Bedarfsverschiebungen, etwa von Gewerbegebieten hin zu Wohngebieten. Für präzise Vorhersagen sei es darüber hinaus unerlässlich, die Gewohnheiten unterschiedlicher Nutzergruppen zu untersuchen. 

Die aktuelle Untersuchung des ISOE in einem Versorgungsgebiet bestätige das: „Je besser wir das Alltagsverhalten unterschiedlicher Nutzergruppen empirisch untersuchen, umso besser können wir vorhersagen, welche Konsequenzen Veränderungen in den Alltagsroutinen für die Versorgungssicherheit haben können“, so Liehr. Als Leiter des Forschungsschwerpunktes Wasserversorgung und Landnutzung hat Stefan Liehr am ISOE bereits mehrere Prognosemodelle für den Wasserbedarf mitentwickelt, die die komplexen Einflüsse in einem Versorgungsgebiet verlässlich und kleinräumig abbilden können.

Lüdtke, Deike U./Robert Lütkemeier/Michael Schneemann/Stefan Liehr (2021): Increase in Daily Household Water Demand during the First Wave of the Covid-19 Pandemic in Germany. Water 13 (3), 260

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr 
+49 69 707 6919-36

www.isoe.de 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
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news-370 Thu, 11 Feb 2021 18:01:00 +0100 ISOE-Lecture mit Umweltphilosophin Dr. Kim De Wolff - How to Live Responsibly on a Plastic Planet  https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/how-to-live-responsibly-on-a-plastic-planet-1/ Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main setzt seine Veranstaltungsreihe „ISOE-Lecture“ fort. In diesem Jahr steht ein umwelt-philosophisches Thema im Mittelpunkt der Vorlesung, die pandemiebedingt erstmals nicht an der Goethe-Universität Frankfurt stattfinden kann. Gastleserin der digitalen Ausgabe der ISOE-Lecture im Wintersemester 2020/21 wird Dr. Kim De Wolff von der University of North Texas in Denton (USA) sein. Die Kulturwissenschaftlerin widmet sich der Frage, wie ein verantwortlicher Umgang mit Plastik gelingen kann? Die ISOE-Lecture findet am 25. Februar 2021 in englischer Sprache statt.  Unaufhörlich landet Plastikmüll in den Ozeanen, wo er bis in die Tiefen gelangt und Ökosysteme bedroht. Für dieses globale Problem werden inzwischen Lösungen diskutiert – etwa Kunststoffmüll mit erheblichem technischen Aufwand aus den Meeren zu fischen oder die Verschmutzung präventiv mit einem „plastikfreien“ Alltag zu verhindern. Die Kulturwissenschaftlerin Kim De Wolff, die Zusammenhänge zwischen globaler Umwelt und Alltagskulturen, Konsum und Verschwendung erforscht, hält beide Strategien für wenig aussichtsreich. 

In der ISOE-Lecture 2020/21 zeigt die US-amerikanische Wissenschaftlerin, warum Lösungen, die allein auf Abfallkontrolle zielen – Kim De Wolff spricht auch von einem „Abfallregime“ – nicht tragfähig sind: Sie betonen die Trennung von Natur und Gesellschaft anstatt die komplexen Zusammenhänge in den Mittelpunkt zu stellen. Voraussetzung ist aus De Wollfs Sicht jedoch, dass die Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft mit in den Blick genommen werden. 

Wissenschaftliche Vorlesungsreihe zu Themen der Nachhaltigkeitsforschung

In ihrem wissenschaftlichen Vortrag wird De Wolff eine „Ethik der Verflechtung“ vorstellen und im Rückgriff auf den feministischen neuen Materialismus sowie auf Science and Technology Studies (STS) zeigen, dass eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Wirkmächtigkeit von Plastik zu weniger Kunststoffmüll beitragen kann.  

Die ISOE-Lecture findet seit 2012 immer im Wintersemester an der Goethe-Universität statt und widmet sich aktuellen Fragen der Nachhaltigkeitsforschung sowie konkreten Beispielen aus Wissenschaft und Forschung. Die Reihe möchte Studierenden und Wissenschaftler*innen sowie der interessierten Öffentlichkeit Denkanstöße geben, wie Übergänge in eine nachhaltige Entwicklung gelingen können und welche Rolle der Hochschule und der Wissenschaft dabei zukommt.

How to Live Responsibly on a Plastic Planet 

Dr. Kim De Wolff 
Assistant Professor of Environmental Philosophy
University of North Texas, Denton (USA)

25. Februar 2021, 18:00–19:30 Uhr
Online-Veranstaltung
 

Der Vortrag ist in englischer Sprache.

Anmeldungen mit dem Betreff „ISOE-Lecture“ unter

Diskutieren Sie mit: #ISOE_Lecture

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Kooperation mit dem Schwerpunkt Industrie- und Organisationssoziologie, Umweltsoziologie, FB 03, Goethe-Universität 

Veranstaltungsflyer

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Johanna Kramm
Tel. +49 69 707 6919-16
 
www.isoe.de  

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
www.isoe.de 
 

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news-366 Mon, 08 Feb 2021 11:55:31 +0100 Krise, Kritik und Gestaltung - ISOE-Blog zur Sozialen Ökologie gestartet https://www.isoe.de/aktuelles/news/detail/news/isoe-blog-zur-sozialen-oekologie-gestartet/ Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat einen neuen Weblog eröffnet. Unter der Adresse isoe.blog schreiben die ISOE-Forscher*innen von nun an regelmäßig über Nachhaltigkeitsthemen und über Ergebnisse aus ihrer Forschungspraxis. Der ISOE-Blog „Soziale Ökologie“ ist eine Einladung zur Diskussion und zum Einblick in die transdisziplinären Forschungsprozesse am ISOE. Der Blog bietet auch Gastautor*innen Raum für Debatten über aktuelle Krisen und Gestaltungsansätze. Die ersten Beiträge greifen aus unterschiedlichen Blickrichtungen Fragen auf, die sich aus der Corona-Krise für sozial-ökologische Transformationen ergeben.  Mobilitätsforscher Konrad Götz blickt in seinem Blogbeitrag auf den einschneidenden Wandel des Verkehrsverhaltens in Folge der Corona-Pandemie. Götz beschäftigt die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für die künftige Nutzung von Verkehrsmitteln auf der einen und neue Arbeitsformen, wie dem Homeoffice, auf der anderen Seite ergeben. Biodiversitätsforscherin Denise Matias thematisiert in ihrem englischsprachigen Blogbeitrag die global sehr unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Bevölkerungsgruppen und erläutert, warum es wichtig ist, Gerechtigkeitsfragen ganz neu zu stellen – Fragen nach sozialer wie auch nach ökologischer Gerechtigkeit. 

Der ISOE-Blog eröffnet mit diesen Beiträgen eine Plattform für sozial-ökologische Fragestellungen, mit denen sich die Wissenschaftler*innen in ihrem Forschungsalltag rund um die Themen Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme beschäftigen. Das ISOE will mit dem Blog „Soziale Ökologie“ Einblicke in die eigene Forschungsarbeit geben, aber auch zeigen, wo die Besonderheiten und Herausforderungen liegen. Die Verbindung von Krise, Kritik und Gestaltung – so lautet der Untertitel des Blogs – ist dabei charakteristisch für die Soziale Ökologie. 

Wie regulieren Gesellschaften ihre Beziehungen zur Natur?

Das vom ISOE sehr stark geprägte und vergleichsweise junge Wissenschaftsgebiet hat in den letzten Jahrzehnten wichtige Beiträge zur interdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung geleistet: Die Soziale Ökologie erlaubt es, gezielt zu fragen, wie Gesellschaften ihre Beziehungen zu Natur regulieren und wann Gefahr besteht, dass diese sich nicht nachhaltig entwickeln. Der ISOE-Blog zeigt das breite Spektrum von Ideen, Konzepten und Thesen zur sozial-ökologischen Forschung und lädt zur Diskussion ein. Beiträge von Gastautor*innen sind herzlich willkommen. 

Der Blog schafft zugleich einen anderen Zugang zu diesem Wissenschaftsgebiet. „Nicht nur die Soziale Ökologie, sondern jede Wissenschaft lebt vom Austausch, von der Kritik und der Konsensfindung“, sagt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am ISOE. „Entsprechend lebt auch der Blog von der Interaktion zwischen Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen und Forschungseinrichtungen. Und er bietet allen Leser*innen die Möglichkeit, an diesen wissenschaftlichen Diskussionen teilzuhaben und diese auch zu kommentieren.“ 

Zum Blog Soziale Ökologie. Krise – Kritik – Gestaltung

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 
www.isoe.de  

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
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