ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ Akutelle Informationen vom ISOE. https://www.isoe.de/fileadmin/Resources/Corporate/Public/icons/favicon-32x32.png ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main https://www.isoe.de/ 32 32 en-gb ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main Sun, 16 Jan 2022 16:31:37 +0100 Sun, 16 Jan 2022 16:31:37 +0100 ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main news-511 Tue, 11 Jan 2022 15:19:19 +0100 ISOE-Begleitforschung - Wissenschaftskommunikation im Themenfeld Bioökonomie https://www.isoe.de/news/wissenschaftskommunikation-im-themenfeld-biooekonomie/ Die Weltbevölkerung wächst, gleichzeitig werden Ressourcen knapper. Eine Transformation weg von der Nutzung fossiler Rohstoffe hin zu einer an natürlichen Stoffkreisläufen orientierten Wirtschaftsweise gilt als unausweichlich. Aber wie kann dieser umfassende Wandel zur Bioökonomie gelingen? Wie erreichen die Informationen über ein biobasiertes Lebens- und Wirtschaftssystem die breite Öffentlichkeit? Wie kann Teilhabe an der Diskussion über Bioökonomie gelingen? Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat im Zuge des Forschungsprojekts BioKompass Formate der Partizipation und Kommunikation im Themenfeld Bioökonomie untersucht und seine Ergebnisse veröffentlicht. Bioökonomie ist bereits in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen etabliert: Wissenschaft und Forschung beschäftigen sich länger schon mit den Möglichkeiten eines ressourcenschonenden und biobasierten Wirtschaftens. Dabei geht es beispielsweise um den Ersatz von Kunststoffen und anderen erdölbasierten Materialen durch nachwachsende Rohstoffe. Die Bioökonomie bietet zukunftsweisende Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung, wirft aber zugleich Fragen nach Kosten, Nutzen und Konsequenzen für gängige Lebensstile, für Werte- und Konsummuster auf. Denn sie wird in den kommenden Jahrzenten viele unterschiedliche Bereiche erfassen. Nicht nur die landwirtschaftliche und die industrielle Produktion, sondern auch das Verkehrs- und Gesundheitswesen, unser Wohnen, unser Arbeiten, unsere Ernährung und unseren Konsum – letztlich alle Lebensbereiche, die mit einem hohen Energie- und Rohstoffbedarf verbunden sind. 

Für eine derart umfassende Transformation ist ein breites gesellschaftliches Wissen und Verständnis von biotechnologischen Produkten und Verfahren unerlässlich. Aber auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, wie die Zukunft in einer nicht mehr auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschafts- und Konsumweise aussehen soll. Die Teilhabe und Mitwirkung insbesondere junger Menschen an der Entwicklung von Leitbildern und Lösungsansätzen gilt als Schlüssel für eine gelingende Transformation. 

Evaluation zeigt, wie Partizipation im Themenfeld Bioökonomie gelingen kann

Im Forschungsprojekt „BioKompass“ unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) wurden verschiedene Formate der Kommunikation und Partizipation für den Museums- und Schulkontext entwickelt, um die Teilhabe junger Zielgruppen an Transformationsprozessen zu ermöglichen. Das ISOE hat die Erprobung der Kommunikations- und Partizipationsformate wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Vor allem die partizipative Entwicklung von Zukunftsszenarien und deren Weiterverwendung in unterschiedlichen Formaten und Kontexten hat sich für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Bioökonomie bewährt. Diese Erkenntnisse liegen jetzt in der Publikation „BioKompass – Diskurse über Transformation“ vor. 

Darin führen die Autorinnen detailliert aus, ob und wie die Formate Transformationen hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie unterstützen können. Sie zeigen unter anderem, dass sich das Format eines Zukunftsdialogs besonders eignet, um gemeinsam mit der Zielgruppe entlang von verschiedenen Bedarfsfeldern, z. B. Mobilität, Wohnen, Konsum, Arbeit, Wirtschaft, die möglichen Auswirkungen der Transformation sichtbar werden zu lassen und zu diskutieren. Im Zukunftsdialog können zwischen ca. 50 und 100 Personen, die ein breites Bild der Gesellschaft bzw. der anvisierten Zielgruppen repräsentieren, zusammen mit Expert*innen in offenen Formaten wie z. B. in einem „World-Café“ an Thementischen in parallel arbeitenden und professionell moderierten Kleingruppen mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinandersetzen und ihre Perspektiven, Meinungen, Befürchtungen und Wünsche einbringen. 

Leitfaden für Dialogprozesse und Transformationskompetenz

Die Broschüre richtet sich an Organisationen und Behörden, die langfristige gesellschaftliche Transformationsprozesse mit partizipativen Dialogprozessen unterstützen möchten. Gleichzeitig erhalten Personen, die konkrete Formate durchführen, eine Handreichung für deren Konzeption und Umsetzung. Somit erhalten Verantwortliche für Transformationsprozesse im Bereich der Bioökonomie wertvolle Hinweise darauf, wie ein kluges Zusammenspiel von Zukunftsszenarien und weiteren Formaten geeignet ist, um Wissen und Transformationskompetenz zu vermitteln. Die Leitfragen für die Konzeption von Beteiligungsprozessen und die Empfehlungen zur Umsetzung von partizipativen Prozessen dürften insbesondere für schulische und außerschulische Bildungsformate, für künftige Ausstellungen und Wissenschaftskommunikation relevant sein. Die Publikation ist als Download erhältlich. 

BioKompass (2021): Diskurse über Transformation anregen – die Nutzung von Zukunftsszenarien für partizipative Dialogformate in Museen und Schulen am Beispiel Bioökonomie
https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/biokompass/projektbausteine/biokompass-broschuere-der-zentralen-ergebnisse/  

Zudem haben die ISOE-Forscherinnen Alexandra Lux und Lena Theiler das Evaluationskonzept veröffentlicht, mit dem sie die Erprobung der Kommunikations- und Partizipationsformate im BMBF-Projekt BioKompass begleitet haben.

Alexandra Lux/Lena Theiler (2021): Prozessbegleitende Evaluation von Kommunikations- und Partizipationsformaten im Themenfeld Bioökonomie. Evaluationskonzept BioKompass. ISOE-Materialien Soziale Ökologie, Nr. 66
http://www.isoe-publikationen.de/fileadmin/redaktion/ISOE-Reihen/msoe/msoe-66-isoe-2021.pdf 

Mehr über das Projekt BioKompass:

https://www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/biokompass/  
https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/biokompass/  

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Dr. Alexandra Lux
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Melanie Neugart
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news-509 Mon, 20 Dec 2021 10:34:52 +0100 ISOE begleitete Jugendbegegnung Frankfurt-Lyon 2021 - Mobilität und Nachhaltigkeit in der zukunftsfähigen Großstadt https://www.isoe.de/news/mobilitaet-und-nachhaltigkeit-in-der-zukunftsfaehigen-grossstadt-1/ Das Rhein-Main-Gebiet mit der Stadt Frankfurt gilt ebenso wie das französische Lyon und sein Umland als prosperierende Metropolregion. Wie können die beiden bevölkerungsreichen Städte, die seit 1961 eine Städtepartnerschaft verbindet, Mobilität und Nachhaltigkeit zukunftsfähig zusammenbringen? Das war Thema des deutsch-französischen Jugendaustauschs in diesem Jahr. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung hat den Austausch im Juni 2021 begleitet – unter anderem mit einer geführten Tour durch Frankfurt am Main unter dem Aspekt der nachhaltigen Stadt. Ein Kurzfilm ermöglicht den Rückblick auf das französisch-deutsche Treffen im Sommer. Mobilität und Verkehr sind eng verzahnt – wir wollen und müssen uns bewegen, um unsere Bedürfnisse erfüllen zu können: sei es zum Einkauf oder Kneipenbesuch, zur Hochschule oder zum Sport. Aber manchmal geht es auch einfach nur darum, ohne konkretes Ziel herumzufahren. Mobil zu sein, ist heute Teil unserer Lebensstile. Der hauptsächlich damit verbundene Autoverkehr hat seine Schattenseiten, die vor allem in den Städten deutlich werden. Beispiele hierfür sind Umweltbelastungen durch CO2 oder Feinstaub und die Flächenaufteilung im öffentlichen Raum. Wie beeinflussen diese Belastungen die Aufenthaltsqualität in den Städten und wie wirken sie sich auf das gesellschaftliche Zusammenleben aus?

Das sind Fragen zur Stadt der Zukunft, die sich Menschen in Frankfurt und der Metropolregion Rhein-Main genauso stellen wie in Lyon und Umgebung. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und das Goethe-Institut Frankfurt haben dies zum Anlass genommen und zum 60. Jubiläum der gemeinsamen Städtepartnerschaft für 2021 eine Jugendbegegnung zum Thema nachhaltige Stadt konzipiert. Pandemiebedingt musste der Auftakt mit praxisorientierten Vorträgen und interaktiven Kleingruppen digital stattfinden. Doch bei dem jeweils zweitägigen Austausch im Juni dieses Jahres fanden Exkursionen in Lyon und Frankfurt statt. 

Mobilität „bewegt“: Die nachhaltige Stadt der Zukunft selbst mitgestalten

Als Expert*in für nachhaltige Stadtplanung begleitete ISOE-Mobilitätsforscherin Dr. Jutta Deffner die Gruppe am 21. Juni durch Frankfurt. Das Exkursionsangebot führte zu Lernorten in Bezug auf urbane Mobilitätskultur wie zum Beispiel ins Europaviertel. Die Exkursionsorte wurden in Kooperation mit dem Verein Umweltlernen in Frankfurt e.V. ausgewählt. Dabei konnten sich die jungen Erwachsenen über ihre ganz persönlichen Vorstellungen und Bedarfe an eine nachhaltige Stadt und Mobilität der Zukunft austauschen. „Diskutiert wurde, welche Veränderungen aus ihrer Sicht gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch notwendig sind und wie gemeinsam ein neuer Blick auf die Stadt und das Leben in der Stadt entwickelt werden kann“, sagt Jutta Deffner. „Es war spannend, die jungen Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie eine Stadt mit Verkehr umgeht. Verwaltet eine Stadt Verkehr nur oder gestaltet sie neue, nachhaltige Konzepte? Wer wirkt an solchen Entscheidungen und Prozessen wie mit?“

Zum anderen ging es darum, dass die Teilnehmenden sich ihr eigenes Verkehrsverhalten und ihre Mobilitätspraktiken ebenso klar machen sollten wie ihre Wünsche und Ansprüche an Mobilität. „Das Thema Mobilität bewegt junge Menschen individuell und mit Blick auf die Zukunft sehr,“ sagt Deffner. „Wir freuen uns, wenn wir als Forschende dazu beitragen können, dass Zusammenhänge zwischen Stadtentwicklung und Verkehr ebenso wie das eigene Mobilitätsverhalten besser verstanden werden.“ Es sei entscheidend, gerade auch bei jungen Bürger*innen Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sie nachhaltige Mobilität in der Stadt der Zukunft aktiv mitgestalten können. In dem Kurzfilm, der die Begegnung vom Sommer dokumentiert, sprechen die Teilnehmenden aus beiden Städten über ihre Erfahrungen mit dem Austausch, und ISOE-Mobilitätsexpertin Jutta Deffner erläutert darin Aspekte der nachhaltigen Stadtentwicklung. 

Zur Dokumentation der Jugendbegegnung Frankfurt-Lyon: 
https://www.sptg.de/jugendbegegnung-frankfurt-lyon-2021/ 

Zum Video der Jugendbegegnung Frankfurt-Lyon: 
https://youtu.be/1XmmB13pO1Q 

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Dr. Jutta Deffner
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news-508 Thu, 16 Dec 2021 17:50:00 +0100 Frankfurter Bürger-Universität - Gutes Klima für die Zukunftsstadt? – Frankfurter Stadtgrün im Klimawandel  https://www.isoe.de/news/gutes-klima-fuer-die-zukunftsstadt-frankfurter-stadtgruen-im-klimawandel-1/ Lange Hitzeperioden, die unsere Städte in Atem halten. Starkregen, die Straßen überfluten, U-Bahn-Schächte und Keller volllaufen lassen. Diese beiden gegensätzlichen Extremwettereignisse werden auch in Deutschland häufiger und setzen vor allem Großstädten und Bewohner*innen sichtbar zu. Klar ist: Ob und wie wir die Lebensqualität in den Städten halten können, hängt auch davon ab, wie wir mit vorhandenen Wasserressourcen umgehen. In der ISOE-Podiumsveranstaltung „Gutes Klima für die Zukunftsstadt?“ am 15. Februar 2022 diskutieren Bürger*innen und Expert*innen am Beispiel von Frankfurt am Main über Herausforderungen und Lösungsansätze für die klimagerechte Stadt. Die letzten Hitzesommer haben Parks und Grünflächen für alle sichtbar zu schaffen gemacht. Allein in Frankfurt am Main musste das Grünflächenamt 4000 Bäume als verloren bekannt geben, der dritte Sommer in Folge hatte sie verdorren lassen. In dem Maße, wie der Klimawandel fortschreitet, wird der Druck auf das städtische Grün jedoch sogar noch weiter wachsen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass lebenswerte Städte im Klimawandel unbedingt auf die positiven Wirkungen des Stadtgrüns angewiesen sind: Städtisches Grün verbessert das Mikroklima, leistet einen Beitrag zur Biodiversität, mindert Lärm und Feinstaub, bietet Überflutungsschutz und ist ein wichtiger Baustein für eine hohe Lebensqualität in Städten. 

Wie können Städte auf den hohen Anpassungsdruck an den Klimawandel reagieren? Wie kann urbanes Grün bewahrt werden und wo ganz neu entstehen? Wie muss eine klimagerechte Begrünung gestaltet werden und woher soll das Wasser für kühle Parks und schattenspendende Bäume kommen? Den Bürger*innen stellen sich in diesem Zusammenhang viele weitere Fragen, etwa zum Umgang mit den Wasserressourcen: Wie wird Wasser aufbereitet, wo gespeichert? Werden ganz neue Formen städtischen Grüns benötigt? 

Schon heute gibt es in Stuttgart und Frankfurt am Main „blau-grüne Lösungen zum Anfassen“. Wie diese aussehen und was Frankfurt für sein Stadtgrün in Zukunft tun kann, diskutiert das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung als Gastgeber einer Podiumsveranstaltung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität mit interessierten Bürger*innen, Wissenschaftler*innen und Frankfurter Expert*innen auf diesem Gebiet. Die Podiumsdiskussion wird von hr-iNFO-Moderator und Wissenschaftsjournalist Stephan M. Hübner moderiert. 

Gutes Klima für die Zukunftsstadt? – Frankfurter Stadtgrün im Klimawandel

ISOE-Podiumsgespräch im Rahmen der Frankfurter-Bürger-Universität mit:

  • Heike Appel, Leiterin des Frankfurter Grünflächenamtes
  • Prof. Dr. Ferdinand Ludwig, TU München
  • Sebastian Meyer, Stadtentwässerung Frankfurt am Main
  • Dr. Martina Winker, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
  • Moderation: Stephan Hübner, hr-iNFO 

Datum: 15. Februar 2022, 18.30–20.00 Uhr
Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung
Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Ansprechpartnerin: Dr. Nicola Schuldt-Baumgart,
Anmeldungen unter https://isoe.clickmeeting.com/stadtgruen 
Mitdiskutieren: #stadtgruen

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news-504 Mon, 06 Dec 2021 17:18:39 +0100 Institutsbericht des ISOE erschienen - Rückblick auf das Forschungsjahr 2021 https://www.isoe.de/news/rueckblick-auf-das-forschungsjahr-2021/ Der Institutsbericht 2021 des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ist erschienen. Darin informieren wir über unsere Forschungs- und Beratungstätigkeit des zurückliegenden Jahres und stellen eine Vielzahl neuer Forschungsprojekte vor.  Der Institutsbericht bietet einen umfassenden Überblick über unsere aktuelle Forschung in den Themenfeldern Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität und Urbane Räume, Biodiversität sowie Transdisziplinäre Methoden. Der Bericht enthält zudem einen Überblick über unsere Lehrveranstaltungen an Universitäten, eine Kurzfassung des Nachhaltigkeitsberichts, und er gibt Einblicke in die Höhepunkte unseres Arbeitsjahres am ISOE. Ein Jahr, das für uns nicht zuletzt vom Wechsel in der Institutsleitung geprägt war: Am 1. April dieses Jahres hat Flurina Schneider die wissenschaftliche Geschäftsführung von ISOE-Mitbegründer Thomas Jahn übernommen.

Zudem informieren wir über ausgewählte Publikationen sowie über die zahlreichen Veranstaltungen und Vorträge unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu aktuellen Themen der Nachhaltigkeitsforschung. Die PDF-Version des ISOE Institutsberichts 2021 steht als Download zur Verfügung.

Auf Wunsch senden wir Ihnen gerne eine gedruckte Broschüre zu. Nutzen Sie hierfür unser Bestellformular

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news-499 Thu, 18 Nov 2021 11:28:48 +0100 Nachhaltige Mobilität - Wie Pendeln nachhaltiger werden kann: Ideenfindungsprozess für Reallabore startet https://www.isoe.de/news/wie-pendeln-nachhaltiger-werden-kann-ideenfindungsprozess-fuer-reallabore-startet/ Das Pendleraufkommen ist in Deutschland in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Allein in der Region Frankfurt Rhein-Main pendeln täglich mehr als eine halbe Million Menschen, überwiegend mit dem Auto. Das hat nicht nur Folgen für die Umwelt und für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, die pendeln, sondern auch für die Bewohner*innen in den sogenannten Einpendlerstädten. Im BMBF-Forschungsprojekt PendelLabor unter der Leitung des ISOE suchen Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Praxisakteuren nach tragfähigen Alternativen zu gängigen Pendelroutinen. Nun hat mit den ersten Workshops in zwei hessischen Landkreisen der Ideenfindungsprozess für die Reallabore im Projekt begonnen. Das Forschungsteam im Projekt PendelLabor versteht die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Pendelmobilität als einen gemeinschaftlichen Prozess. Die Wissenschaftler*innen laden deshalb zu einem Ideenfindungsprozess mit lokalen Akteuren ein. Dieser auch als Co-Design bezeichnete Prozess dient der Vorbereitung auf die für 2022 geplanten Reallabore in dem Forschungsprojekt. Dafür wird das Forschungsteam ab diesem Herbst in Workshops im Hochtaunuskreis und im Kreis Groß-Gerau – beide Landkreise unterstützen das Vorhaben aktiv als Praxispartner – nah an den Bedürfnissen und Praktiken der Pendler*innen neue Handlungsansätze entwickeln, die die nachhaltige Veränderung der Pendelmobilität fördern. Ausgewählte Maßnahmen werden dann in den Reallaboren umgesetzt und von Pendler*innen erprobt. In beiden Schritten nimmt das Projektteam drei Handlungsräume in den Blick: den der Pendler*innen, den der Arbeitgeber*innen und den der Kommunen, in denen die Pendler*innen wohnen.

Co-Design-Prozess für die Entwicklung nachhaltiger Alltagspraktiken

In dem Co-Design Prozess werden Ideen für Maßnahmen entwickelt, die es Pendler*innen erleichtern sollen, ihr Pendelverhalten zu verändern – in Bezug auf die Art und Weise, die Entfernung oder auch auf die Häufigkeit sowie die Wahl der Verkehrsmittel. Dabei geht es nicht nur um individuelle Lösungen, sondern auch darum, was Kommunen oder Arbeitgeber dazu beitragen können. Gefragt sind Ideen für verkehrliche Maßnahmen, etwa zu Verbesserungen an Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs. Zum anderen sollen in dem Ideenfindungsprozess auch Maßnahmen entwickelt werden, die sich auf die Alltagsorganisation der Pendler*innen auswirken. Dazu können neue Angebote wie Co-Working-Plätze gehören oder eine veränderte Organisation der Kinderbetreuung, andere Arbeitszeiten und Ähnliches. Dabei geht es auch darum, wie einerseits Kommunen eine aktive, gestaltende Rolle einnehmen können, insbesondere in Bezug auf eine nachhaltigere Verkehrs- und Siedlungsplanungspraxis. Andererseits sind auch Arbeitgeber gefragt, im Zuge eines betrieblichen Mobilitätsmanagements aktiv zu werden.

Landkreise als Praxispartner im Forschungsvorhaben

Der Auftakt zum Co-Design-Prozess hat am 11. November 2021 mit dem ersten von drei Workshops im Hochtaunuskreis stattgefunden. Der Auftakt im Kreis Groß-Gerau findet am 10. Dezember 2021 statt. An den Veranstaltungen nehmen Vertreter*innen der jeweiligen Landkreise, kommunale Akteure aus den kreisangehörigen Städten und Gemeinden und der Stadt Frankfurt, lokale Akteure der Zivilgesellschaft sowie Mitglieder des Verbundteams teil. Im ersten Workshop geht es darum, gemeinsam mit den lokalen Akteuren bereits laufende und bestehende Aktivitäten zur Förderung einer nachhaltigen Pendelmobilität zu erfassen sowie ein gemeinsames Leitbild für eine nachhaltige Pendelmobilität für den jeweiligen Landkreis zu entwickeln.

Von der Idee zum Konzept: Wie kommen die Ideen in die Praxis?

In den jeweils zwei folgenden Workshops werden auf der Grundlage der bereits bestehenden Ansätze und der entwickelten Ziele zunächst Ideen kreiert und bis Februar konkrete Maßnahmen entwickelt. Dieser partizipative Prozess bringt lokale und wissenschaftliche Kompetenz zusammen und ermöglicht die kreative Erarbeitung von fundierten und umsetzungsorientierten Maßnahmen. Eine Auswahl der Maßnahmen wird dann im Realexperiment im kommenden Jahr über mehrere Monate von und mit Pendler*innen in den Kommunen erprobt. Darüber hinaus wird aus dem Ideenschatz für die Reallabore ein Konzept für eine „nachhaltige Pendelmobilität“ entstehen. Darin werden die möglichen Maßnahmenideen nach Handlungsfeldern aufbereitet und alle Möglichkeiten, Erfolgsfaktoren und die Verstetigung von Maßnahmen ebenso wie Hemmnisse strukturiert dargestellt.

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news-497 Mon, 15 Nov 2021 10:45:22 +0100 Rückblick ISOE-Symposium zur Verabschiedung von Thomas Jahn - Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung https://www.isoe.de/news/krise-katastrophe-normalitaet-die-verantwortung-der-wissenschaft-fuer-die-zukunftsgestaltung-1/ Am 1. Oktober 2021 hat das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung seinen Mitbegründer Thomas Jahn als wissenschaftlichen Geschäftsführer feierlich verabschiedet. Neben einer Festveranstaltung fand auch das Symposium „Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung“ statt. Dabei stand eine Frage im Vordergrund, die sich nicht erst seit der Corona-Pandemie stellt: Welche Rolle kann die Wissenschaft bei der Lösung von komplexen Krisen spielen? Dazu wurde im Frankfurter Haus am Dom aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und wissenschaftstheoretischen Perspektiven diskutiert. Nichtwissen gilt gemeinhin als problematisch, wenn es darum geht, Lösungen für komplexe Probleme zu finden. In seinem Impulsvortrag beim ISOE-Symposium erläuterte Alexander Bogner von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), warum nach seiner Einschätzung auch „die Macht des Wissens“ gefährlich werden kann. Am Beispiel der Diskussion um Klima- und Corona-Krise machte der Wissenssoziologe deutlich, dass aktuelle Krisen überwiegend als Krisen von Wissenskonflikten gedeutet würden. Dies suggeriere, dass es „richtige“ Antworten auf politische Streitfragen gäbe. 

Wissenschaftliche Expertise habe hierbei eine besonders große Wirkmacht, erläuterte Bogner. Wissenschaftliches Wissen dominiere als vermeintlich einzige Basis rationaler Politik den Streit um unterschiedliche Interessen und Werte in einem Maße, dass politische Entscheidungsprozesse kaum mehr ergebnisoffen gestaltet werden könnten. Daraus folge ein Dilemma für Demokratien: Wenn „Alternativlosigkeit“ zum politischen Credo werde, entstehe ein „revoltierender Trotz“, der die Suche nach „alternativen Fakten“ geradezu herausfordere, so Bogner.

Diskussion über die Relevanz wissenschaftlichen Wissens 

Über diese Einschätzung diskutierten die Gäste des ISOE-Symposiums in der anschließenden Gesprächsrunde, die von Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, moderiert wurde: Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstverein, Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main, Ines Weller, Stellvertretende Sprecherin des artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit in Bremen und ISOE-Mitbegründer Thomas Jahn. Dabei warf Ines Weller einen kritischen Blick auf die Wahrnehmung und den Umgang mit wissenschaftlichem Wissen, der je nach Disziplin sehr unterschiedlich sei. „Welches Wissen ist relevant und für wen?“, fragte Weller und verdeutlichte am Beispiel der Forschung zum Zusammenhang von Gender und Environment, dass manche Expertise der Umweltforschung als nicht relevant wahrgenommen werde und sinnbildlich für die „Ohnmacht des Wissens“ stehe. 

Klement Tockner betonte den positiven Beitrag der Wissenschaft in der Corona-Pandemie. Es sei für Gesellschaften, die sich mit Unsicherheiten ebenso schwertun wie mit komplexen Zusammenhängen, eine überaus wichtige Erfahrung gewesen, Wissenschaft beim Entstehen regelrecht zusehen zu können. Der Rückgriff auf Ergebnisse der Grundlagenforschung, der offene Zugang zu vorhanden Daten, das Infragestellen von Ergebnissen und das Abwägen von Unsicherheiten sei letztlich eine Art Wissensproduktion in Echtzeit gewesen, die in Verbindung mit einem qualitätsgetriebenen, unabhängigen Wissenschaftsjournalismus einen wichtigen Gestaltungsbeitrag geleistet habe.

Verantwortung der Wissenschaft und neues Selbstverständnis

Franziska Nori lenkte den Blick auf Aspekte der Wissensvermittlung und wies auf die Macht der Bilder im öffentlichen Diskurs hin. Gerade in der Pandemie habe sich gezeigt, dass durch zentrale Bildbotschaften eine Art „emotionalisiertes Wissen“ entstanden sei, das Verhandlungen über gesellschaftliche und politische Notwendigkeiten erschwert habe. Nori betonte die Notwendigkeit, komplexes Wissen für die Zivilgesellschaft noch besser verständlich zu machen, Fachjargons zu übersetzen und damit Wissenschaft möglichst weit in alle Bevölkerungsgruppen hinein zu öffnen.

Thomas Jahn griff diesen Aspekt der Öffnung auf und betonte, dass dazu ein anderes Selbstverständnis von Wissenschaft notwendig sei: In demokratischen Gesellschaften müsse es mit Blick auf komplexe Krisenlagen eine Mindestanforderung an jede Wissenschaft sein, dass sie die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen dazu befähigt, sich in Entscheidungsprozessen äußern zu können. Die Pluralität von Wissen und damit auch nichtwissenschaftliches Wissen müssten deshalb schon im Prozess der Wissensproduktion berücksichtigt werden, dies sei ein Anspruch transdisziplinärer Wissenschaft. „Wissenschaft ist mächtig und daraus resultiert eine Verantwortung“, sagte Jahn. Sie habe eine transformative Kraft und sei in der Lage, neue Realitäten zu schaffen. Voraussetzung sei jedoch, dass Wissenschaft sich immer auch mit sich selbst auseinandersetze, sonst habe sie keine Daseinsberechtigung.

Offizieller Abschied von Thomas Jahn als wissenschaftlichem Geschäftsführer des ISOE

Das Symposium am 1. Oktober 2021 fand anlässlich der offiziellen Verabschiedung von Thomas Jahn statt, der das Forschungsinstitut 1989 mitbegründet hat. Der Soziologe war bis März 2021 Sprecher der Institutsleitung des ISOE und wissenschaftlicher Geschäftsführer. Jahn hat im ISOE überwiegend zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen, transdisziplinären Methoden und Konzepten sowie zur sozial-ökologischen Wissenschaftsforschung gearbeitet. Bei der Festveranstaltung im Anschluss an das Symposium würdigte Angela Dorn, Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Thomas Jahn für sein ausgezeichnetes Gespür, das er seit der Gründung des ISOE für die Themen der Zukunft bewiesen habe. In ihrer Videobotschaft dankte die Ministerin Jahn für seine besonderen Leistungen für die Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland, den Wissenschaftsstandort Hessen und für seine kritische Stimme der sozial-ökologischen Forschung, die auch nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Geschäftsführer des ISOE gebraucht werde. 

Auch die beiden Laudatoren Uwe Schneidewind, langjähriger wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts und Stephan Lessenich, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des ISOE, dankten Thomas Jahn für seinen Einsatz für die sozial-ökologische Forschung und für seine außerordentliche Prägung der Methoden und Konzepte transdisziplinärer Forschung. Schließlich brachten Mitarbeiter*innen des ISOE, Alumni und weitere Weggefährt*innen ihren Dank an Thomas Jahn als wertvoller Vordenker, Mentor und Kollege mit einem besonderen Filmgeschenk zum Ausdruck. Dieser bedankte sich ebenfalls, allen voran bei den Mitgründer*innen Irmgard Schultz, Egon Becker, Thomas Kluge und Engelbert Schramm und bei der neuen wissenschaftlichen Geschäftsführerin Flurina Schneider für die gelungene „Staffelübergabe“ im April dieses Jahres. Thomas Jahn wird das ISOE auch nach seiner offiziellen Verabschiedung weiterhin beratend unterstützen. „Ich werde dem Institut verbunden bleiben, es nach Maßgabe meiner Möglichkeiten weiter unterstützen“, sagte Jahn zum Abschied, „es liegt mir sehr am Herzen.“

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news-493 Tue, 26 Oct 2021 16:46:00 +0200 Risikovorsorge - Deutsch-jordanisches Forschungsprojekt zu Katastrophenschutz bei Starkregen gestartet  https://www.isoe.de/news/deutsch-jordanisches-forschungsprojekt-zu-katastrophenschutz-bei-starkregen-gestartet/ Jordanien zählt zu den wasserärmsten Ländern der Welt und ist von Klimawandel und Extremwetterereignissen besonders betroffen. Starkregen und Sturzfluten führen immer wieder zu hohen Sachschäden und Todesfällen. Ein Forschungsverbund unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung verfolgt das Ziel, Maßnahmen für die Reduzierung von Katastrophenschäden in Jordanien zu identifizieren, die zugleich geeignet sind, Starkregen für eine bessere Wasserversorgung nutzbar zu machen. Das deutsch-jordanische Team von „CapTain Rain“ hat Anfang Oktober in Amman die Forschungsarbeit aufgenommen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Jordanien leidet unter Wassermangel. 80 Prozent des Landes sind Wüste, die wenigen Grundwasserreserven reichen nicht aus, um die Bevölkerung ausreichend mit Trinkwasser zu versorgen und um Landwirtschaft zu betreiben. Der Klimawandel verschärft die Situation noch, auch durch häufiger werdende Extremwetterereignisse. Auf langanhaltende Dürre und Trockenheit folgen immer öfter Starkregen mit zerstörerischen Sturzfluten. „Wenn es gelingt, die Starkregenereignisse künftig besser vorherzusagen, können nicht nur das Risikomanagement verbessert und Hochwasserschäden minimiert werden, sondern auch gezielt Lösungen für die nachhaltige Wassergewinnung aus Starkregenfällen entwickelt werden“, sagt Projektleiterin Katja Brinkmann vom ISOE. 

Um geeignete Frühwarnsysteme zu entwickeln und gezielte Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in Jordanien zu identifizieren, arbeiten die Forscher*innen im transdisziplinären Projekt „Capture and retain heavy rainfalls in Jordan“, kurz CapTain Rain, eng mit jordanischen Forschungsinstitutionen, Behörden und Ministerien zusammen. Der erste Stakeholder-Workshop und die offizielle Auftaktveranstaltung fand am 3. Oktober 2021 mit mehr als 50 Teilnehmenden aus Jordanien und Deutschland in Amman statt. Das Projektteam berichtete auch über die jüngste Flutkatastrophe in Deutschland vom Juli 2021. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Lehren daraus gezogen werden können und auf Jordanien übertragbar sind. Das CapTain Rain-Team konnte Wissenslücken und Handlungsbedarfe bei der Starkregenrisikovorsorge identifizieren.

Transdisziplinärer Ansatz für eine bessere Risikovorsorge

„Um Vorhersagen von Extremwetterereignissen zu verbessern, ist es entscheidend zu verstehen, welche die sozial-ökologischen Treiber von Sturzflutereignissen sind“, sagt Projektleiterin Brinkmann. „Wir wollen herausfinden, was die Sturzfluten in Jordanien begünstigt und welche komplexen Wechselwirkungen zwischen Klima und Landnutzung zugrunde liegen.“ Dazu arbeitet das Team mit einem transdisziplinären Forschungsansatz, der auch die Perspektive der Akteure vor Ort sowie die der lokalen Bevölkerung, deren Wissen und Risikowahrnehmungen erfasst. „Das ermöglicht uns eine ganzheitliche Analyse der Sturzflutgefährdung und Gefahrenprävention“, sagt Umweltwissenschaftlerin Brinkmann. 

Das Forschungsteam hat hierfür bereits Experteninterviews geführt. Mitarbeitende jordanischer Behörden und Universitäten sowie internationaler Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit wurden zu ihrem Praxiswissen im Zusammenhang mit Sturzflutrisiken und der Starkregenvorsorge und zu ihrer Einschätzung möglicher Handlungsoptionen befragt. Als vielversprechend gelten etwa Verfahren zur Rückhaltung, Speicherung und Nutzbarmachung von Regenwasser. Im weiteren Projektverlauf werden auch Interviews mit zivilgesellschaftlichen Akteuren geführt. 

Schlüssel für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Die Zusammenführung der wissenschaftlichen Ergebnisse mit anwendungsorientierten und lokalen Erkenntnissen dient dann als Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung eines angepassten Risikomanagements für Jordanien. Die Ergebnisse aus CapTain Rain könnten aber auch für andere von Starkregenereignissen betroffene Länder wichtig sein. „Ziel des Forschungsprojekts ist es, die derzeitigen Methoden und Instrumente zur Sturzflutvorhersage und der Vermeidung von Katastrophenschäden zu verbessern“, sagt Brinkmann. „Das führt uns zu optimierten Klimadiensten und Frühwarnsystemen, die weltweit als ein Schlüssel für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gelten.“

Über das Forschungsprojekt CapTain Rain

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Forschungsprojekt „CapTain Rain – Capture and retain heavy rainfalls in Jordan“ für die Dauer von drei Jahren mit 1,8 Millionen Euro als Teil der FONA-Strategie (Forschung für Nachhaltigkeit) im Rahmen der Fördermaßnahme „Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen (CLIENT II)“. Die Projektpartner im Forschungsverbund unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung sind: Hochschule Koblenz, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Hamburger Stadtentwässerung AöR, Kisters AG, Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie GmbH sowie Ministry of Environment of Jordan, Ministry of Water and Irrigation of Jordan, National Agricultural Research Center, Greater Amman Municipality und Petra Development and Tourism Region Authority. 

Website: https://captain-rain.de/  

Download:

Pressefoto CapTain Rain (jpg, 3,2 MB)

Bei Verwendung des Pressefotos bitte die Quelle kennzeichnen: © Katja Brinkmann/ISOE

Bildbeschreibung: Der antike nabatäische Entwässerungstunnel (Mudhlim-Tunnel und Reste des Staudamms) in Petra, Weltkulturerbe in Jordanien (September 2021)

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Katja Brinkmann
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Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 7076919-51

 

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Pressemitteilung
news-485 Thu, 21 Oct 2021 14:39:00 +0200 ISOE-Blog Soziale Ökologie - Leseempfehlung: Zielkonflikte zwischen Insektenschutz und Landwirtschaft im Dialog lösen https://www.isoe.de/news/leseempfehlung-zielkonflikte-zwischen-insektenschutz-und-landwirtschaft-im-dialog-loesen/ Mit dem jüngsten Insektenschutzgesetz hat der Bundestag den Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten untersagt. Damit soll seit Anfang September dem massiven Rückgang der Insektenvielfalt begegnet werden. Doch Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sind vorprogrammiert: Die neuen Regeln erschweren den landwirtschaftlichen Betrieben die Nutzung ihrer Flächen in den Schutzgebieten. Im ISOE-Blog Soziale Ökologie beschreibt Biodiversitätsforscher Florian Dirk Schneider, wie Dialoge auf lokaler Ebene dazu beitragen können, Zielkonflikte zwischen den unterschiedlichen Akteuren zu lösen und Kooperationen im Sinne des Insektenschutzes und der Landwirtschaft zu fördern.  Das Insektensterben hat gravierende Folgen für die Ökosysteme und damit auch für die Lebensgrundlagen der Menschen. Der Artenschwund zeigt sich sogar in Naturschutzgebieten – ein Befund, der wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Diskussionen über Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen ausgelöst und zu neuen gesetzlichen Regelungen im Umgang mit Pestiziden geführt hat. Aber können Gesetze alleine helfen, Insektenschutz und Landwirtschaft miteinander zu vereinbaren? 

Florian Dirk Schneider, Biodiversitätsforscher am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, beschäftigt sich mit Zielkonflikten zwischen Insektenschutz und Landwirtschaft. In seinem aktuellen ISOE-Blogpost beschreibt er, warum der Dialog auf lokaler Ebene entscheidend sein kann, um gute Lösungen für beide Seiten hervorzubringen. Schneider macht dabei deutlich, wie notwendig tragfähige Lösungen sind. Zwar liege nur ein Bruchteil von Ackerflächen innerhalb deutscher Naturschutzgebiete, aber die Umstellung der Bewirtschaftung aufgrund der neuen Pestizidverordnung könne zur Brachlegung von Flächen mit entsprechend hohem wirtschaftlichen Wertverlust für die Landwirte führen. 

Insektenfreundliche Landwirtschaft per Gesetz?

„In Einzelfällen ist vorstellbar, dass die Neuregelung existenzbedrohend ist, vor allem, weil Landwirtschaftsbetriebe aufgrund der Preisspirale des Weltmarktes ohnehin knapp kalkulieren und auf Bezuschussung durch die Agrarförderung angewiesen sind“, erläutert Schneider in seinem Beitrag. Das Problem: Für die Ertragsminderung in Schutzgebieten sei kein gesetzlicher Ausgleich vorgesehen und eine Agrarförderung, die den Naturschutz als Gemeinwohlleistung der Landwirtschaft vergütet, sei nicht in Sicht. „Naturschutz, wie er jetzt im Gesetzbuch steht, wird somit für betroffene Landwirte zur Last“, sagt Schneider. „Darum ist es wichtig, die bereits bestehenden, einvernehmlichen Lösungen im Sinne des Insektenschutzes zu stärken.“ 

Mehrere Bundesländer und Regionen hatten in der Vergangenheit bereits auf kooperative Lösungen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gesetzt: Kooperationen, die per Vertrag die schrittweise Reduzierung zulässiger Mengen für die Pflanzenschutzmittelanwendung bis zum Verbot vorschreiben. Eine freiwillige Verpflichtung der Landwirte, die im Gegenzug zugesicherte Pachtlaufzeiten, Beratung und Unterstützung bei der Umstellung auf Ökolandbau oder Entschädigungszahlungen für die Ertragsminderung erhalten. Um diese Dialoge nicht zum Erliegen zu bringen, schafft das jetzt verabschiedete Insektenschutzgesetz die Möglichkeit von Ausnahmen und länderspezifischen Regelungen für bereits laufende Kooperationen. 

Doch was bedeutet das neue Gesetz für künftige Kooperationen? Florian Dirk Scheider weist darauf hin, dass solche Vereinbarungen erschwert werden dürften, weil der freiwillige Pestizidverzicht in Schutzgebieten als Verhandlungsmasse entfällt. „Das Insektenschutzgesetz legt also die Messlatte für künftige Kooperationsverträge höher. Umso größer ist der Vorteil nun für die Betriebe und Akteure, die sich schon frühzeitig um kooperative Lösungen bemüht haben, denn sie dürfen Pestizide gegebenenfalls noch länger anwenden als andere.“ 

Kooperationen und lokale Dialoge für konkrete Lösungsansätze

Schneider macht deutlich, dass Aushandlungsprozesse zwischen Vertreter*innen der Landwirtschaft und des Insektenschutzes für eine insektenfreundlichere Landwirtschaft in Deutschland weiterhin auf allen Ebenen zentral bleiben. Besonders wichtig seien dabei neben den notwendigen Verhandlungen auf EU-Ebene die Aushandlungsprozesse auf regionaler und lokaler Ebene. Diese seien oft von mehr Verständnis für die Positionen der „Gegenseite“ und auch von einer Bereitschaft zur Veränderung geprägt. „Beim Blick auf das konkrete Naturschutzgebiet vor der eigenen Haustür sind darum ganz andere Gespräche möglich.“

Mit seinem Verweis auf die Forschungsarbeit des ISOE im Projekt DINA beschreibt Schneider die Vorteile von wissenschaftlich begleiteten Dialogprozessen zwischen lokalen Akteursgruppen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Naturschutz für einen besseren Schutz der Artenvielfalt vor Ort. „Dadurch ergeben sich Chancen auf ein ‚win-win‘ für Landwirtschaft und für den Naturschutz und es kann mehr erreicht werden, als das gesetzlich Geforderte“, ist sich der Biodiversitätsforscher sicher. 

Zum Blogbeitrag: 

Schneider, Florian D. (2021): Lokale Dialoge als Chance für Insektenbiodiversität und Landwirtschaft. ISOE Blog Soziale Ökologie. Krise - Kritik - Gestaltung

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Florian Dirk Schneider
Tel. +49 69 707 6919-71

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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news-483 Tue, 19 Oct 2021 12:44:00 +0200 Anpassung an den Klimawandel - Großtechnische Umsetzung von Gemüseproduktion mit Wasserwiederverwendung https://www.isoe.de/news/grosstechnische-umsetzung-von-gemueseproduktion-mit-wasserwiederverwendung/ Vom Pilotprojekt in die großtechnische Realisierung: Das im Forschungsprojekt HypoWave erfolgreich entwickelte Verfahren einer landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion mit recyceltem Wasser geht erstmals im großen Maßstab in die Anwendung. Im Zuge des Nachfolgeprojekts HypoWave+ hat der Forschungsverbund mit den Vorbereitungen für die hydroponische Gemüseproduktion mit aufbereitetem Bewässerungswasser auf einem Hektar Fläche begonnen. Die landwirtschaftliche Produktion ist weltweit immer stärker auf Bewässerung angewiesen. Doch regionale Wasserknappheiten und daraus resultierende Nutzungskonflikte nehmen zu. Ertragreiche Ernten sind auch in Deutschland aufgrund von lang anhaltender Hitze und trockenen Böden keine Selbstverständlichkeit. Gesucht werden neue, wassersparende Anbauverfahren. Mit dem Forschungsprojekt HypoWave+ unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) deshalb die Umsetzung einer alternativen landwirtschaftlichen Anbauform in Kombination mit Wasserwiederverwendung im großtechnischen Maßstab. 

HypoWave-Verfahren: Alternative für die Landwirtschaft

Das hydroponische Verfahren, bei dem Pflanzen in Gefäßen ohne Erde über eine Nährlösung unter Verwendung von recyceltem Wasser versorgt werden, war in einem Vorgängerprojekt im niedersächsischen Hattorf erfolgreich erprobt worden. „Jetzt geht es darum, die Erfahrungen mit dem wassereffizienten Verfahren auf der Basis von recyceltem Wasser in die Großproduktion zu bringen und wissenschaftlich zu begleiten“, sagt Projektleiter Thomas Dockhorn von der TU Braunschweig. Mit dem neuen HypoWave-Verfahren könne nicht nur eine Alternative zur Bewässerung mit Trink- und Grundwasser erschlossen werden. Die Anbauform bediene sich zugleich einer optimierten Nährstoffversorgung, da den Pflanzen lebenswichtige Nährstoffe wie z.B. Stickstoff und Phosphor aus dem aufbereiteten Wasser zugeführt werden. 

Trotz Wasserknappheit: Regionale Lebensmittelerzeugung in Zeiten des Klimawandels

Die Wissenschaftler*innen planen gemeinsam mit niedersächsischen Landwirten auf einem Hektar Anbaufläche die Produktion von bis zu 700 Tonnen Tomaten und Paprika unter Glas. Das Gemüse soll im regionalen Lebensmitteleinzelhandel bis auf eine kurze Winterpause ganzjährig verkauft werden. „Im Zuge der wissenschaftlichen Begleitung von HypoWave+ konzentrieren wir uns auf Fragen des Qualitätsmanagements und der Marktfähigkeit des Verfahrens“, sagt Projektkoordinatorin Martina Winker vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt. Wichtig sei es, nicht nur für diesen Standort eine tragfähige Lösung zu entwickeln, sondern daraus auch Empfehlungen für andere Orte und Landwirte ableiten zu können. Der Klimawandel schreitet sichtbar voran. Der regionale wasserschonende und ganzjährig im Gewächshaus mögliche Gemüseanbau könne daher zu einer echten Option für Landwirte werden. „Dafür wollen wir die notwendigen Weichen stellen“, sagt Winker.

Das Forschungsprojekt HypoWave+

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt „HypoWave+ – Implementierung eines hydroponischen Systems als nachhaltige Innovation zur ressourceneffizienten landwirtschaftlichen Wasserwiederverwendung“ zur Fördermaßnahme „Wassertechnologien: Wasserwiederverwendung“ im Rahmen des Bundesprogramms „Wasser: N“. Wasser: N ist Teil der BMBF-Strategie Forschung für Nachhaltigkeit (FONA). Die Fördersumme beträgt 2,8 Millionen Euro. Die Projektpartner im Forschungsverbund unter der Leitung der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISWW), sind das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, die Universität Hohenheim (UHOH), der Abwasserverband Braunschweig (AVB), der Wasserverband Gifhorn (WVGF), IseBauern GmbH & Co. KG, aquatune GmbH (a Xylem brand), Ankermann GmbH & Co. KG, Huber SE und INTEGAR – Institut für Technologien im Gartenbau GmbH.

Informationen zum Forschungsprojekt: www.hypowave.de

Zudem finden Sie Bildmaterial zu Ihrer Verwendung unter www.flickr.com/photos/102295333@N04/albums/72157688518183561

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Martina Winker
Tel. +49 69 707 6919-53
winker(at)isoe.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart 
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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news-484 Thu, 14 Oct 2021 11:48:00 +0200 Ecological Research Network - Wissen für den Wandel: Zehn Jahre Ecornet https://www.isoe.de/news/wissen-fuer-den-wandel-zehn-jahre-ecornet/ Das Netzwerk der unabhängigen Institute der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung wird zehn Jahre alt. 2011 haben sich acht gemeinnützige Wissenschaftseinrichtungen – darunter das ISOE – zum Ecological Research Network (Ecornet) zusammengeschlossen, um die wissenschaftliche Arbeit rund um Nachhaltigkeit, Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz noch stärker in den öffentlichen und politischen Fokus zu rücken. Ihr gemeinsames Ziel: wissenschaftlichen Background für die Gestaltung einer nachhaltigen Welt liefern, Lösungen für die dafür notwendigen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln und Handlungsoptionen mit den vielfältigen Akteuren zu diskutieren. Standortbestimmung für Zukunftsfragen: Veranstaltungsreihe zum Jubiläum

Anlässlich der Neuausrichtungen in der Bundespolitik diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ecornet im Jubiläumsjahr, welche Zukunftsfragen die zukünftige Bundesregierung nun angehen muss. Hierfür nehmen sie Standortbestimmungen in den Themenfeldern Klimaneutralität, Infrastrukturplanung, Circular Economy in der Textilwirtschaft und nachhaltige Forschungspolitik vor. In der Jubiläumsreihe des „Zukunftsforums Ecornet“ geht es um inhaltliche Schlüsselfragen, Lösungen auf dem Weg zum gesellschaftlichen Wandel und die Rolle der Wissenschaft.

„Die Klimakrise, die Biodiversitätskrise aber auch die sozialen Ungerechtigkeiten führen uns immer deutlicher vor Augen, dass schrittweise Veränderungen nicht mehr ausreichen, damit die Welt generationengerecht wird“, sagt Dr. Camilla Bausch, Ko-Sprecherin von Ecornet. „Stattdessen braucht es in allen Bereichen wegweisende Veränderungen. Diesen Wandel mit Wissen zu begleiten und Lösungen für die Transformation bereitzustellen, sehen wir als vordringliche Aufgabe von Wissenschaft an. Als unsere Institute angetreten sind, waren sie Vorreiter in ihren jeweiligen Feldern. Gemeinsam im Netzwerk wollen wir auch weiterhin der Motor für relevante Gesellschaftsforschung mit Gestaltungsanspruch sein.“

Wissenschaft für die Gesellschaft

Die Institute im Ecornet verstehen Wissenschaft als Teil der Gesellschaft und forschen daher praxisorientiert im Austausch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. So gehen sie auf Konflikte ein, die etwa beim Ausbau der erneuerbaren Energien, bei der energetischen Sanierung von Mietshäusern oder bei der Verkehrswende entstehen können und entwickeln Optionen, die Basis für demokratische Entscheidungsprozesse sein können.

„Wir erkennen die Vielfalt von Wissen in der Gesellschaft an und wollen dieses in den Wissenschaftsprozess einbinden“, betont Thomas Korbun, ebenfalls Ko-Sprecher von Ecornet. „So können wir Denkräume für Alternativen eröffnen und früh die Umsetzbarkeit von Lösungskonzepten überprüfen.“

Themen und Termine der Jubiläumsveranstaltungen des „Zukunftsforum Ecornet“:

Vom Wissen zum Handeln: Klimaneutralität in Politik und Gesellschaft verankern
26. Oktober 2021, 16:00 Uhr (online)

Infrastrukturplanung: zielkompatibel, partizipativ und effizient!?
10. November 2021, 16:00 Uhr (online)

Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft zwischen Ambitionen und Realitäten: Das Beispiel Textil
16. November 2021, 16:00 Uhr (online)

Wissen für den Wandel: Neustart für die Forschungspolitik
25. November 2021, 18:00 Uhr (voraussichtlich in Präsenz)

Informationen zu den Jubiläumsveranstaltungen und Anmeldung auf der Website des Ecornet

Über das „Ecological Research Network (Ecornet)“

Ecornet ist ein Netzwerk aus acht Forschungseinrichtungen mit zusammen über 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Institute mit einem breiten Themen- und Kompetenzspektrum forschen praxisnah an der Lösung gesellschaftlicher Probleme, die eine nachhaltige Entwicklung behindern. Sie teilen den konsequent transdisziplinären Forschungsansatz: Sie verknüpfen das Wissen und die Werkzeuge verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu neuen Erkenntnissen und Forschungsmethoden und beziehen von Beginn an Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in den Forschungsprozess ein.

Mitglied im Ecornet sind:

Kontakt für Presseanfragen:

Ecornet Geschäftsstelle
Roy Schwichtenberg
Referent für Forschungspolitik und Nachhaltigkeit
Telefon: +49 30 884594-24
E-Mail: roy.schwichtenberg(at)ecornet.eu

Kontakt im ISOE:

Melanie Neugart
Telefon: +49 69 707 6919-51
E-Mail:

www.ecornet.eu | Ecornet auf Twitter  | Zukunftsforum Ecornet

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Pressemitteilung
news-480 Tue, 12 Oct 2021 14:58:00 +0200 Antrittsvorlesung von Flurina Schneider an der Goethe-Universität Frankfurt - Erste Professur für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität in Deutschland https://www.isoe.de/news/erste-professur-fuer-soziale-oekologie-und-transdisziplinaritaet-in-deutschland/ Zum Wintersemester 2021/22 tritt die wissenschaftliche Geschäftsführerin und Sprecherin der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Flurina Schneider, ihre Professur für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der Goethe-Universität Frankfurt an. Die Kooperationsprofessur des außeruniversitären Forschungsinstituts ISOE und der Universität ist die erste mit dieser Ausrichtung in Deutschland. Die Antrittsvorlesung „Forschung für nachhaltige Entwicklung – von Wissensprozessen und Gestaltungsoptionen“ findet am 20. Oktober 2021 auf dem Campus Riedberg statt. Die Soziale Ökologie ist ein noch vergleichsweise junges Wissenschaftsgebiet, das sich in den letzten Jahrzehnten als zentral für die Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung erwiesen hat und jetzt erstmals mit einer Professur Eingang in die universitäre Lehre findet. Die Soziale Ökologie untersucht die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur und fragt, wie diese Beziehungen nachhaltiger gestaltet werden können. Der Rolle von Wissensprozessen wird dabei besondere Bedeutung zugemessen. „Auf der Suche nach wissenschaftlich fundierten Lösungen für Herausforderungen wie den Klimawandel oder den Verlust der Artenvielfalt ermöglicht die Soziale Ökologie mit ihrem transdisziplinären Ansatz gemeinsame Lernprozesse zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Deshalb nimmt sie eine Schlüsselrolle in der Nachhaltigkeitsforschung ein“, sagt Flurina Schneider, die am 20. Oktober 2021 ihre Antrittsvorlesung an der Goethe-Universität Frankfurt halten wird.

Kooperation von ISOE und Goethe-Universität in Forschung, Lehre und Transfer

In Deutschland wurde die Soziale Ökologie wesentlich vom ISOE entwickelt, das dieses transdisziplinäre Wissenschaftsgebiet forschungsprogrammatisch konzipiert hat. „Ich freue mich sehr, die erste Professur auf diesem wichtigen Wissenschafts- und Forschungsgebiet in Deutschland an der Goethe-Universität Frankfurt besetzen können“, sagt die wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE, Flurina Schneider. Mit der Kooperationsprofessur Soziale Ökologie und Transdisziplinarität, die auf Initiative des außeruniversitären Frankfurter Forschungsinstituts entstanden und am Fachbereich Biowissenschaften angesiedelt ist, intensiviert das ISOE seine langjährige Kooperation mit der Goethe-Universität in Forschung, Lehre und Transfer. Schon seit 2008 lehren Wissenschaftler*innen des ISOE im Rahmen des Umweltmasters an der Goethe-Universität zu theoretischen Konzepten, Methoden und empirischen Anwendungsfeldern der sozial-ökologischen Forschung. 

Bildungsauftrag für nachhaltige Entwicklung in der Lehre verankern

Mit der Professur reagieren ISOE und Goethe-Universität auch auf die wachsende Nachfrage auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung und damit verbundener Forschungsmethoden. „Wir nehmen als Universität den Auftrag, Bildung für nachhaltige Entwicklung in unseren Studiengängen zu verankern, sehr ernst“, sagt Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt. „Wir freuen uns deshalb außerordentlich, mit Flurina Schneider eine international vernetzte Expertin der Transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung als Professorin für diesen deutschlandweit einzigartigen Lehrstuhl zu gewinnen. Ihre Expertise in wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden für sozial-ökologische Transformationsprozesse und nachhaltige Entwicklung ist nicht nur eine große Bereicherung für unser Lehrangebot, sondern zugleich für die ganze Universität: Nachhaltigkeit im Sinne der Bewahrung natürlicher Lebensgrundlagen und des Klimaschutzes ist eine Herzensangelegenheit für uns in Forschung, Lehre und Verwaltung.“

Professorin mit weitreichender Expertise in Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung 

Die Schweizer Nachhaltigkeitsforscherin Flurina Schneider ist seit 1. April 2021 wissenschaftliche Geschäftsführerin und Sprecherin der Institutsleitung des ISOE. Sie hat die Nachfolge von Thomas Jahn angetreten, der das ISOE 1989 mitbegründet hat. Schneider hat sich 2016 zum Thema transdisziplinäre und transformative Forschung für Nachhaltige Governance von natürlichen Ressourcen mit Blick auf Generationengerechtigkeit an der Universität Bern habilitiert, wo sie seit 2010 als Wissenschaftlerin und Leiterin des Forschungsclusters Landressourcen beschäftigt war. Ihr wissenschaftliches Tätigkeitsgebiet erstreckt sich über weite Bereiche der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung: von bodenschonenden Anbausystemen und Qualitätssicherung von Öko-Produkten über Gerechtigkeit im Bereich Land- und Wasser-Governance bis hin zu Forschungsprojekten, die sich explizit mit der Rolle von transdisziplinärer Wissensproduktion in Nachhaltigkeitstransformationen beschäftigen.

Bedeutung von Wissen in Nachhaltigkeitsprozessen

Als einen ihrer Schwerpunkte in Forschung und Lehre setzt Flurina Schneider die Frage nach der Rolle von Wissen in Nachhaltigkeitstransformationen, die sie auch in ihrer Antrittsvorlesung thematisieren wird. „Es ist entscheidend zu verstehen, durch welche Mechanismen sich wissenschaftliches Wissen in gesellschaftliches Handeln übersetzt und welche Arten von Wissen benötigt werden, damit sozial-ökologische Transformationen auch wirklich gelingen können“, sagt Schneider. Einen weiteren Schwerpunkt wird sie Fragen der Umweltgerechtigkeit zwischen den Generationen, aber auch zwischen den Ländern des globalen Nordens und Südens widmen. „Ich freue mich sehr darauf, den Studierenden den Zugang zu all den komplexen Fragen und Herausforderungen der Nachhaltigkeitsforschung zu ermöglichen.“

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Flurina Schneider 
„Forschung für nachhaltige Entwicklung – von Wissensprozessen und Gestaltungsoptionen“

Datum: 20. Oktober 2021 
Uhrzeit: ab 13.00 Uhr 
Ort: Hörsaal 2 des Otto-Stern-Zentrums auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt
Anmeldung: Aufgrund der Corona-Regeln ist die Anmeldung für externe Besucher*innen ohne Goethe-Card zwingend bis 15. Oktober 2021, 12 Uhr erforderlich. Bitte wenden Sie sich per E-Mail an

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Flurina Schneider
Tel. +49 69 7076919-0
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 7076919-51
 

Pressefoto zum Download:

Porträtfoto Flurina Schneider (Foto: ISOE/Anja Jahn)

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Pressemitteilung
news-479 Wed, 29 Sep 2021 12:09:46 +0200 Wintersemester 2021/22 - Lehrveranstaltungen des ISOE zur Sozialen Ökologie https://www.isoe.de/news/lehrveranstaltungen-des-isoe-zur-sozialen-oekologie/ Auch im Wintersemester bieten Wissenschaftler*innen des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wieder Lehrveranstaltungen zu Themen aus der Nachhaltigkeitsforschung und zur Sozialen Ökologie an. Neben Veranstaltungen an der TU Darmstadt und an der Leuphana Universität Lüneburg finden auch wieder ISOE-Seminare im Umweltmaster der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt. Darüber hinaus wird das ISOE ab diesem Semester mit einer Professur für Soziale Ökologie und Transdisziplinarität an der Goethe-Universität vertreten sein. Schon seit dem Wintersemester 2008/09 bietet das ISOE an der Goethe-Universität ein Lehrangebot zu theoretischen Konzepten, Methoden und empirischen Anwendungsfeldern der sozial-ökologischen Forschung an. Mit Flurina Schneider, die am 1. April 2021 die wissenschaftliche Geschäftsführung des ISOE übernommen hat, wird das Institut nun noch stärker in der Lehre vertreten sein. Die Geografin tritt am 20. Oktober 2021 die gemeinsame Kooperationsprofessur mit der Goethe-Universität „Soziale Ökologie und Transdisziplinarität“ an.

Im Wintersemester leitet Flurina Schneider mit ISOE-Kollege Immanuel Stieß das Seminar „Sozial-ökologische Problemanalyse und Gestaltungsoptionen an Fallbeispielen“. Mit diesem Thema widmen sich Schneider und Stieß sozial-ökologischen Gestaltungsmöglichkeiten in den Themenfeldern Biodiversität, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung und deren Wechselwirkungen in Form von Synergien und Trade-offs. Das Seminar befasst sich mit forschungspraktischen Problemen der transdisziplinären sozial-ökologischen Forschung.

Einführung in die Soziale Ökologie an der Goethe-Universität Frankfurt

Auch Diana Hummel wird im Umweltmaster der Goethe-Universität wieder mit einem Seminar zur Einführung in die Soziale Ökologie vertreten sein. Die Veranstaltung setzt sich mit zentralen theoretischen Ansätzen, methodischen Konzepten und Anwendungsfeldern der Sozialen Ökologie auseinander. Charakteristisch für dieses Wissenschaftsgebiet ist eine inter- und transdisziplinäre Herangehensweise, die die wechselseitigen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur und krisenhafte Entwicklungen gesellschaftlicher Naturverhältnisse untersucht.

Neben theoretischen Zugängen behandelt Diana Hummel in dem Seminar auch Beispiele aus der Forschungspraxis, insbesondere aus den Themenfeldern Risikoforschung und -kommunikation über Mikroplastik, Klimawandel und Energienutzung sowie sozial-ökologische Wasserforschung. Beide genannten Seminare des ISOE an der Goethe-Universität richten sich an Studierende des Umweltmasters und der Gesellschaftswissenschaften. Sie sind aber grundsätzlich offen für Teilnehmer*innen aus anderen Studiengängen.

Lehre an der TU Darmstadt und der Leuphana Universität Lüneburg

Für Studierende im Masterstudium Bauingenieurwesen und Umweltingenieurwesen der Technischen Universität Darmstadt bietet Martin Zimmermann, Leiter des Forschungsschwerpunkts Wasserinfrastruktur und Risikoanalysen, eine kombinierte Lehrveranstaltung aus Seminar und Vorlesung zu Integriertem Wasserressourcenmanagement (IWRM) an. In den Veranstaltungen vermittelt er ökologische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte von Wassertechnik und Wassermanagement für aride Zonen. Hierfür werden neben Methoden auch Beispiele aus aktuellen Forschungsprojekten vorgestellt.

An der Leuphana Universität in Lüneburg bietet ISOE-Forscher Matthias Bergmann ein transdisziplinäres Forschungsprojekt für Masterstudierende der Nachhaltigkeitswissenschaft an. Unter dem Titel „Nachhaltige Kommunalentwicklung in den Biosphärenreservaten der Metropolregion Hamburg“ entwickeln die Studierenden Visionen und konkrete Maßnahmen für interkommunale Nachhaltigkeitsprozesse und Initiativen. Hierzu ist im Sommersemester bereits eine Beschreibung der Biosphären-Region als Grundlage für das Forschungsprojekt im Wintersemester 2021/22 erarbeitet worden.

Unter welchen Bedingungen die Veranstaltungen stattfinden, kann den detaillierten Beschreibungen in den Vorlesungsverzeichnissen der Universitäten entnommen werden.

Zur Übersicht ISOE-Lehrveranstaltungen

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

PD Dr. Diana Hummel
Tel. +49 69 707 6919-33

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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news-476 Thu, 23 Sep 2021 17:34:00 +0200 ISOE-Symposium zur Verabschiedung von Thomas Jahn - Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung https://www.isoe.de/news/krise-katastrophe-normalitaet-die-verantwortung-der-wissenschaft-fuer-die-zukunftsgestaltung/ Die Krisen unserer Zeit sind vielfältig. Sie dominieren Schlagzeilen, Diskussionen und den Alltag vieler Menschen. Nicht nur die Corona-Pandemie offenbart dabei, wie konfliktreich und komplex Krisen der Gegenwart sein können und wie eng Katastrophe und Normalität beieinanderliegen. Welche Rolle kommt der Wissenschaft in diesen Zeiten zu? Dieser Frage widmet sich das Symposium „Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung“, das das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am 1. Oktober 2021 veranstaltet. Es findet anlässlich der Verabschiedung des ISOE-Mitbegründers Thomas Jahn als wissenschaftlichem Geschäftsführer statt. Gesellschaft und Politik ringen derzeit mit dem Realitätsschock, den multiple Krisen der Gegenwart ausgelöst haben. Ob oder in welcher Weise etwa die Corona-Pandemie eine Zäsur markiert, darüber zeichnet sich bisher kein Konsens ab. So bleibt der Wesenskern der Pandemie-Erfahrung auch nach eineinhalb Jahren nur schwer greifbar. Was bedeutet dies für die Rolle der Wissenschaft heute vor dem Hintergrund der Klimakrise, dem dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt, den wachsenden sozialen Ungleichheiten und der Erosion demokratischer Werte und Institutionen? Und was bedeutet es für das Verhältnis von Wissenschaft zu Gesellschaft und Politik? Wo liegt die Aufgabe der Wissenschaft für die Gestaltung der Zukunft?

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung lädt am 1. Oktober 2021 zur Diskussion dazu ein. Das Symposium „Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung“ findet anlässlich der offiziellen Verabschiedung des ISOE-Mitbegründers Thomas Jahn statt, der das Forschungsinstitut 1989 mitbegründet hat. Der Soziologe war bis März 2021 Sprecher der Institutsleitung des ISOE und wissenschaftlicher Geschäftsführer. Jahn hat im ISOE überwiegend zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen, transdisziplinären Methoden und Konzepten sowie zur sozial-ökologischen Wissenschaftsforschung gearbeitet. Promoviert hat er 1989 zum Thema „Krise als gesellschaftliche Erfahrungsform. Umrisse eines sozial-ökologischen Gesellschaftskonzepts“.

Programm

Krise, Katastrophe, Normalität – die Verantwortung der Wissenschaft für die Zukunftsgestaltung

15:30 Uhr Eröffnung
PD Dr. Diana Hummel, ISOE

15:45 Uhr Einführungsvortrag „Die Macht des Wissens in der Krise“
PD Dr. Alexander Bogner, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA), Wien

16:15 Uhr Podiumsdiskussion
mit
PD Dr. Alexander Bogner
Dr. Thomas Jahn, ISOE
Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein
Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Ines Weller, Stellvertretende Sprecherin des artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit, Bremen

Moderation: Prof. Dr. Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, Frankfurt am Main

Pandemiebedingt findet die Veranstaltung im Frankfurter Haus am Dom nur unter stark eingeschränkten Präsenzmöglichkeiten statt. Die Teilnahme an dem Symposium wird deshalb mit einem Livestream ermöglicht. Medienvertreter*innen werden um eine Anmeldung per E-Mail an Dr. Nicola Schuldt-Baumgart gebeten.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51 

Pressefoto zum Download:

Porträtfoto Thomas Jahn (Foto: Anja Jahn)

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news-475 Tue, 21 Sep 2021 14:49:34 +0200 Sustainable Development Goals - Modelle zur Messung von Nachhaltigkeit bilden gesellschaftliches Wohlergehen nur unvollständig ab https://www.isoe.de/news/modelle-zur-messung-von-nachhaltigkeit-bilden-gesellschaftliches-wohlergehen-nur-unvollstaendig-ab/ Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme – die jüngsten Extremwetterereignisse haben verdeutlicht, was der aktuelle 6. Sachstandsbericht des IPCC wissenschaftlich beschreibt: Das Erdsystem ist in Turbulenzen geraten, seine planetaren Grenzen sind erreicht. Nicht nur das Klima ist betroffen, sondern auch die Biodiversität, das Süßwasser und die Landsysteme. In der Folge häufen sich humanitäre Katastrophen. Wie kann es gelingen, dass die planetaren Grenzen respektiert werden und gleichzeitig gesellschaftliches Wohlergehen gesteigert wird? Einen Erfolg versprechenden Beitrag dazu stellen die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDG), dar. Doch wie lässt sich der Erfolg dieser komplexen Zielsetzung messen? Wissenschaftler*innen des ISOE haben zwei wissenschaftliche Modelle dazu untersucht. In einer aktuellen Studie, die in der Zeitschrift „Ecological Indicators“ erschienen ist, vergleichen die ISOE-Forscher*innen Heide Kerber, Lukas Drees und Robert Lütkemeier zwei prominente Ansätze zur Erfassung des Zusammenhangs von gesellschaftlichem Wohlergehen und Grenzen des Erdsystems. Beide Ansätze folgen dem erdsystemwissenschaftlichen Konzept der planetaren Grenzen und kombinieren es mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, den SDGs. Das sind zum einen der Ansatz „Doughnut of social and planetary boundaries“ (kurz: „Doughnut“) und zum anderen das Projekt #SDGinPB. Die ISOE-Autor*innen bewerten die Fähigkeit dieser Ansätze, die Komplexität der SDGs abzubilden, und diskutieren allgemeine Herausforderungen wissenschaftlicher Modelle im Zusammenhang mit globalen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Die Autor*innen weisen auf die Auffälligkeit hin, dass beide Ansätze mit nur einem oder zwei Indikatoren pro SDG arbeiten, während die Vereinten Nationen sechs bis 27 Indikatoren verwenden, um die Entwicklung bei der Erreichung der Ziele darzustellen. Das diene zwar der Notwendigkeit, die Komplexität der realen Welt wie in jedem Modell zu reduzieren, es bestünde aber auch die Gefahr, dass wesentliche Aspekte übersehen werden. „Wenn zum Beispiel das Arbeitsmarktwachstum der einzige Indikator für das SDG 8 ‚Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum‘ ist und wichtige Aspekte wie Kinderarbeit oder grundlegende Arbeitsrechte unberücksichtigt bleiben, dann bringt das Modell ein sehr verzerrtes Bild hervor“, erklärt der Mitautor der Studie Lukas Drees. „Berechnungen des Ansatzes #SDGinPB, die dementsprechend etwa China auf der Zielmarke beim SDG 8 sehen, sollten Skepsis hervorrufen.“

Modelle unterstützen Wachstumsparadigma

Insgesamt zeigt die ISOE-Studie, wie stark die Auswahl der Indikatoren die Bewertung der SDG-Erreichung beeinflusst und dass Bewertungen, die sich auf einen einzigen Indikator pro Ziel stützen, der Komplexität der SDGs nicht gerecht werden. Das Projekt #SDGinPB zeige eine generelle Tendenz, den Fortschritt des globalen Nordens bei der Erreichung der SDGs zu überschätzen. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass fast alle verwendeten Indikatoren eine positive Korrelation mit dem Bruttoinlandsprodukt aufweisen. Folglich unterstützten die Modellergebnisse unhinterfragt das Paradigma des Wirtschaftswachstums, das außer Acht lasse, wie sehr das historische Wachstum im globalen Norden von der Ausbeutung des globalen Südens abhängt. „Bei der Erreichung der SDGs kann es aber ja nicht darum gehen, dass die Länder des globalen Südens den Entwicklungspfad der Länder des globalen Nordens kopieren“, sagt Drees.

Die Autor*innen kommen zu dem Schluss: Ansätze wie der „Doughnut“ und #SDGinPB seien sehr wertvoll, um die Öffentlichkeit für den Zusammenhang von planetaren Grenzen und Aspekten des menschlichen Wohlergehens zu sensibilisieren. Sie leisten einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie die Einhaltung der planetaren Grenzen gelingen und gleichzeitig mit den notwendigen Entwicklungsschritten hin zu einem globalen menschlichen Wohlergehen in Einklang gebracht werden kann. Wenn es jedoch um die konkrete Umsetzung in politische Empfehlungen geht, sei es unerlässlich, den lokalen Besonderheiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dies mit globalen Modellierungsansätzen möglich ist.

Zur Publikation:

Drees, Lukas/Robert Lütkemeier/Heide Kerber (2021): Necessary or oversimplification? On the strengths and limitations of current assessments to integrate social dimensions in planetary boundaries. Ecological Indicators 129 (October), 108009

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Lukas Drees
Tel. +49 69 707 6919-41
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51

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news-469 Thu, 16 Sep 2021 10:55:51 +0200 Forschungsprojekt AQUA-Hub India - Technologie- und Wissenstransfer für nachhaltige Wasserinfrastrukturen https://www.isoe.de/news/technologie-und-wissenstransfer-fuer-nachhaltige-wasserinfrastrukturen/ Indiens Städte wachsen rasant und benötigen eine leistungsfähige Infrastruktur für die Versorgung mit Wasser und für die Entsorgung von Abwasser. Doch der Ausbau der Infrastruktur kann mit dem Bevölkerungswachstum kaum mithalten. Eine Forschungskooperation von ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnologie IGB, Landesagentur Umwelttechnik BW (UTBW), indischen Partnern und deutschen Unternehmen unterstützt deshalb den Aufbau einer nachhaltigen Wasserinfrastruktur in Indien: „AQUA-Hub“ verbindet das Angebot von innovativen Lösungen mit der entsprechenden Nachfrage und fördert den Technologie- und Wissenstransfer zwischen deutschen Wassertechnologie-Anbietern und indischen Partnern. Mit den sogenannten Water Innovation Hubs in den indischen Städten Coimbatore und Solarpur bereiten die Forschungspartner des Projekts AQUA-Hub derzeit eine Plattform vor, um Blaupausen für Wasserinfrastrukturlösungen aufzuzeigen, die speziell für schnell wachsende Städte geeignet sind. Somit ist das Forschungsprojekt AQUA-Hub eine Anlaufstelle für deutsch-indische Kooperationen und zugleich ein Ergebnis aus einem vorausgegangenen gemeinsamen Forschungsprojekt von Fraunhofer IGB und ISOE. In diesem Projekt „Smart Water Future India“ wurden die Infrastrukturlösungen – beispielhaft für die Metropole Coimbatore – gemeinsam mit indischen Stakeholdern entwickelt.

Zum Hintergrund: In der Millionenstadt Coimbatore im Süden des Landes sind die lokalen Gewässer durch die städtischen Abwässer stark belastet. Die Seen im Stadtgebiet stellen aber gleichzeitig einen wichtigen natürlichen Regenwasserspeicher für die boomende Stadt dar und haben das Potenzial, als Naherholungsgebiet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Bevölkerung zu leisten. Coimbatore steht hier stellvertretend auch für andere Städte in Indien. Für diese spezifischen Bedingungen hatte das Forschungsteam die Herausforderungen genauer untersucht und Bedarfe an Umwelttechnologien und intelligenten Wassermanagementstrategien für eine nachhaltige Wasserver- und -entsorgung herausgearbeitet.

„Um Angebot und Nachfrage für die entwickelten Lösungen zusammenzubringen, etablieren wir im Nachfolgeprojekt AQUA-Hub gemeinsam mit dem Fraunhofer IGB nun eine Art Marktplatz“, sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr. „Unser Ziel ist es, nachhaltige Wassertechnologielösungen, die wir den indischen Akteuren aus dem Wasserbereich auf diesem Marktplatz demonstrieren, in die Anwendung zu bringen und damit letztlich die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu erhöhen, aber auch den Zustand der Gewässer und ihres Umfeldes zu verbessern.“

Nachhaltige Wasserinfrastrukturen und soziale Innovationen

Für den Erfolg von Lösungsansätzen auf dem indischen Markt seien mehrere Faktoren relevant. Die Herausforderungen liegen aus Sicht des ISOE-Wasserexperten insbesondere in der Verbindung von technischen und sozialen Innovationen. „Wenn neuen Verfahren der Wasserversorgung und -entsorgung und des Wasserqualitätsmonitorings langfristig in die Anwendung gehen sollen, benötigen die kommunalen Wasserbetriebe nicht nur technologische Komponenten, sondern ganzheitliche Lösungen, die auch soziale Innovationen mit einschließen“, sagt Stefan Liehr. Zu den sozialen Innovationen zählt Liehr etwa eine Umgestaltung von Praktiken für den Betrieb von Technologien, veränderte Verantwortlichkeitsstrukturen und angepasste Formen des Informationsaustauschs und der fachlichen Aneignung.

Damit der Technologietransfer gelinge, müssten die Lösungsansätze kompatibel sein und dem Bedarf und dem Wissen der politisch-institutionellen Entscheidungsträger entsprechen. Auch internationale Kooperationsangebote und lokale Partnerschaften vor Ort seien zentral für eine erfolgreiche Umsetzung der Wasserinfrastrukturlösungen. „Hierfür sollen die Water Innovation Hubs langfristig einen Beitrag leisten“, sagt Liehr. Die Plattform könne Unternehmen und Forschungsinstituten aus Deutschland die Möglichkeit bieten, ihre innovativen Technologien auf lokaler Ebene bekannt zu machen, in Pilotanlagen zu testen und unter den spezifischen Bedingungen in Indien weiterzuentwickeln, um sie letztlich gemeinsam mit Kunden in die Anwendung zu bringen. Als erstes Demonstrationsvorhaben des Water Innovation Hub in Coimbatore bereiten die Wissenschaftler*innen den Einsatz eines smarten Systems zum Online-Monitoring der Wasserqualität vor.

Das Forschungsprojekt AQUA-Hub wird im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien (EXI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Mehr zum Projekt: www.isoe.de/nc/forschung/projekte/project/aqua-hub

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:

Dr. Stefan Liehr
Tel. +49 (0)69 707 6919-36
liehr(at)isoe.de

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 (0)69 707 6919-51
neugart(at)isoe.de

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news-449 Mon, 30 Aug 2021 11:52:00 +0200 Sustainable Development Solutions Network Germany - ISOE ist Mitglied im Netzwerk führender deutscher Wissensorganisationen https://www.isoe.de/news/isoe-ist-mitglied-im-netzwerk-fuehrender-deutscher-wissensorganisationen/ Das ISOE ist im Sustainable Development Solutions Network Germany – kurz SDSN Germany – aufgenommen worden. In dem 2014 gegründeten Netzwerk kooperieren führende deutsche Wissensorganisationen sowie Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft, um eine nachhaltige Entwicklung Deutschlands und deutsches Engagement für nachhaltige Entwicklung in der Europäischen Union (EU) und weltweit zu fördern. Mit seiner Mitgliedschaft kann das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung seine Forschung für nachhaltige Entwicklung in nationalen wie internationalen Projekten sowie die Zusammenarbeit mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis weiter stärken.  SDSN Germany und seine Mitglieder sind Teil des globalen Netzwerks SDSN, das bereits seit 2012 unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen wissenschaftliche und technologische Expertise für nachhaltige Entwicklung fördert. SDSN Germany unterstützt mit seinen Mitgliedern und Partnern die Weiterentwicklung und Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und verbindet aktuelle wissenschaftliche Debatten mit Möglichkeiten konkreter Governance- und Umsetzungspraxis. Darüber hinaus zielt SDSN Germany auf eine europäische und internationale Perspektive und setzt sich dafür ein, Nachhaltigkeitsprozesse auf Länderebene, europäisch und international besser zu koordinieren. Das Netzwerk engagiert sich insbesondere für das Erreichen der Ziele der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) und des Pariser Klimaabkommens. 

Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zur transdisziplinären Forschung 

„Wir freuen uns, dass sich das ISOE mit seiner Expertise aus der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung und seinen Forschungsprojekten auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene in das Netzwerk einbringen kann,“ sagt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt. „Wir sind zudem gespannt auf den Austausch, insbesondere mit Blick auf transdisziplinäre Dialog- und Kooperationsformate zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, die in dem Netzwerk eine wichtige Rolle spielen.“ Das ISOE arbeitet seit seiner Gründung 1989 mit dem transdisziplinären Forschungsmodus, der unterschiedliche Akteure zum Thema nachhaltige Entwicklung zusammenbringt.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.unsdsn.org

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin

PD Dr. Diana Hummel 
Tel. +49 69 707 6919-33

Pressekontakt

Melanie Neugart
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news-448 Mon, 09 Aug 2021 12:32:47 +0200 Forschungskooperation mit Bangladesch für bessere Notfallmedizin bei Überflutungen - Katastrophenschutz weltweit stärken und voneinander lernen https://www.isoe.de/news/katastrophenschutz-weltweit-staerken-und-voneinander-lernen/ Eine bessere medizinische Notfallversorgung bei Flutkatastrophen in Bangladesch sieht das Forschungsprojekt „FlutNetz“ von Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt, der RWTH Aachen und des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt zusammen mit Partnern aus Bangladesch vor. 2020 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Förderung des Projekts von 2,4 Millionen Euro zugesagt. Nach pandemiebedingter Verzögerung geht FlutNetz nun an den Start.  Bangladesch gehört zu den Ländern, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind. Auf Platz sieben des Klima-Risiko-Indexes, wird das Land jährlich während der Regenzeit von Flutkatastrophen heimgesucht. Wie die medizinische Versorgung im Land verbessert werden kann und Länder im Katastrophenschutz voneinander lernen können, untersucht nun das Forschungsprojekt „FlutNetz“ von Wissenschaftlern der Goethe-Universität, der RWTH Aachen und des ISOE Institut Frankfurt. Das Projekt wird im Rahmen der BMBF-Maßnahme "Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM“ gefördert, die seit 2018 im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung innovative, anwendungsrelevante Lösungsansätze zur Katastrophenprävention und -vermeidung unterstützt.

„Wegen seiner Erfahrung mit Zyklonen ist Bangladesch mittlerweile gut darauf vorbereitet, im Katastrophenfall große Teile der Bevölkerung rechtzeitig zu evakuieren“, sagt Dr. Ulrich Kuch vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität, der den Forschungsverbund koordiniert. „Trotzdem sterben dort bei Überflutungen viele Menschen, am häufigsten durch Ertrinken, Schlangenbisse, Blitze und defekte Stromleitungen; bei der Vorbeugung und Behandlung solcher Gefahren gibt es großen Nachholbedarf.“ Um zu erforschen, wie notfallmedizinische Versorgung während Flutkatastrophen wirkungsvoll verbessert werden kann, verfolgt das FlutNetz-Projekt eine mehrteilige Strategie.

Vorsorge für den Katastrophenfall in Bangladesch

Für die Wissenschaftler der Goethe-Universität stehen folgende Forschungsfragen im Zentrum: Welche Bevölkerungs- und Berufsgruppen in den am schlimmsten betroffenen Regionen können am besten zu Katastrophen- und Ersthelfern sowie professionellen Rettungskräften ausgebildet werden, nach wie langer Zeit können sie die neu gewonnenen Fähigkeiten noch richtig anwenden, und wie wirksam sind sie im Ernstfall? Parallel dazu wird ein mit speziell ausgebildeten Ärzten besetztes Notfallzentrum mit Telefon-Hotline eingerichtet, das Menschen in schwer erreichbaren Regionen erreichen soll.

Im Rahmen des Forschungsverbunds wird zudem ein unbemanntes Flugsystem eingesetzt, das Notfallpatienten mit lebensrettenden Medikamenten versorgen soll. Zu diesem Zweck wurde an der RWTH Aachen ein Flugsystem so angepasst, dass es in Bangladesch Medikamente wie Schlangengift-Antivenine transportieren und am Standort der Patienten abliefern kann. Um den herausfordernden Wetterbedingungen während der Regenzeit zu trotzen, wird ein Hochleistungs-Kippflügelsystem eingesetzt. Dieser Flugzeugtyp kann vollautomatisch bei Tag und Nacht über größere Distanzen betrieben werden und hält auch starken Winden stand.

Zugang von Frauen und Mädchen zur Notfallmedizin verbessern

In vielen Ländern haben Frauen und Mädchen sowie marginalisierte Gruppen aufgrund geschlechtsspezifischer Rollenerwartungen und gesellschaftlicher Normen einen schlechteren Zugang zur Versorgung bei und nach Flutkatastrophen – so auch in Bangladesch. Kinder und alte Menschen kommen deshalb in den Fluten häufiger zu Tode. Um wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für einen gerechteren Zugang zu medizinischer Versorgung in Katastrophensituationen geben zu können, müssen daher auch die Erfahrungen, Bedürfnisse und das Wissen unterschiedlicher betroffener Bevölkerungsgruppen und Akteure in der Notfallversorgung einbezogen werden. Hier bringt das ISOE seine Expertise zu Fragen der geschlechtersensiblen sozial-ökologischen Forschung ein: Projektübergreifend werden Daten zur Rolle der Geschlechterzugehörigkeit sowie der Zugehörigkeit zu ethnischen, kulturellen, religiösen, Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen gesammelt und ausgewertet.

„Im Kontext von Naturkatastrophen und Katastrophenschutz können wir von Bangladesch viel lernen. Umgekehrt gibt es dort großen Bedarf für Verbesserungen des Zugangs zu Gesundheitsversorgung und ihrer Qualität; dabei sind Innovationen und Erkenntnisse der zivilen Sicherheitsforschung Deutschlands ebenso gefragt wie die aus unserer Gesundheitsforschung“, erklärt Kuch. „Die Zusammenarbeit von Bangladesch und Deutschland bei diesem Thema dient aber auch anderen Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika, von denen viele bei Flutereignissen ganz ähnliche Risikolagen haben. Wir rechnen damit, dass sich Konzepte und Ergebnisse des FlutNetz-Projekts gut auf betroffene Regionen anderer Länder übertragen lassen.“

Neben der Goethe-Universität Frankfurt, der RWTH Aachen und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt arbeiten mehrere staatliche Organisationen wie die Gesundheits- und Katastrophenschutzministerien Bangladeschs sowie Universitätskliniken in Bangladesch, medizinische Fachgesellschaften und die Nicht-Regierungsorganisation Center for Injury Prevention and Research Bangladesh (CIPRB) in dem Projekt mit.

Projektumriss "FlutNetz" zum Download

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news-446 Thu, 29 Jul 2021 12:30:00 +0200 Citizen-Science-Aufruf zum Erhalt der Artenvielfalt - Frankfurt am Main zählt seine Insektenhotels https://www.isoe.de/news/frankfurt-am-main-zaehlt-seine-insektenhotels/ Städte können Rückzugsorte für Insekten sein. Abseits vom Pestizid- und Düngemitteleinsatz der Landwirtschaft bieten sich ihnen im urbanen Raum geeignete Habitate. Doch nicht alle Insekten sind den Menschen in der Stadt gleich willkommen. Das wollen Frankfurter Forschungs- und Umwelteinrichtungen unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ändern. Sie rufen zur Bildung einer Citizen-Science-Community auf, um gemeinsam mit der Stadtgesellschaft den Schutz der Insektenvielfalt in Frankfurt am Main zu stärken. Zum Auftakt der Citizen-Science-Aktionen ist eine Bestandsaufnahme von Insektenhotels geplant. Weil das Insektensterben sogar in Naturschutzgebieten drastisch voranschreitet, wird die Ansiedlung von Insekten wie Libellen, Heuschrecken oder Hummeln in den Städten immer wichtiger. „Trotz Licht und Lärm, Verkehr und Versiegelung können Stadträume durchaus Refugien für Insekten sein“, sagt Marion Mehring, Biodiversitätsforscherin am ISOE. „Damit können Städte einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.“ Aber nicht alle Insektenarten werden als neue Stadtbewohner gleichermaßen wertgeschätzt. „Wir wollen daher wissen, wie es gelingen kann, dass Bürger*innen die Stadt als Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten als selbstverständlich wahrnehmen und im Idealfall sogar fördern,“ so Mehring.

Um diese Frage zu beantworten, haben sich Frankfurter Institutionen mit ausgewiesener Expertise zu Biodiversität zusammengefunden: Unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung führen die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), die Goethe-Universität Frankfurt am Main, BioFrankfurt, der NABU Frankfurt und der Palmengarten der Stadt Frankfurt gemeinsame Citizen-Science-Aktivitäten durch, die Teil eines größeren Forschungsvorhabens sind, das im Oktober 2021 startet. 

„Insektensommer“: Aufruf an die Frankfurter Stadtgesellschaft 

„Die Frankfurter Stadtgesellschaft ist im Rahmen der NABU-Aktionstage ‚Insektensommer‘ vom 6. bis 15. August herzlich dazu eingeladen, an der Bestandsaufnahme von Insektenhotels mitzuwirken“, sagt Marion Mehring. Es geht darum, alle Insektenhotels zu zählen, die man auf einem 20-minütigen Beobachtungsgang durch die Stadt entdeckt. Der Startpunkt ist dabei frei wählbar. Die Anzahl der Insektenhotels wird in einem Online-Formular festgehalten. „Ziel ist es, eine Abschätzung darüber treffen zu können, welchen Beitrag Bürger*innen für den Insektenschutz in der Stadt leisten, indem sie Brut- und Nisthilfen in Form von Insektenhotels bereitstellen“, erklärt Mehring. 

Darüber hinaus sind auch Kurzinterviews geplant. Die Wissenschaftler*innen wollen mehr über die Einstellung Frankfurter Bürger*innen zu Insekten in der Stadt erfahren: Wie gehen sie mit Insekten um? Inwieweit sind sie bereit, Insektenhotels einzurichten und zu betreuen? Worin liegt die Motivation, Lebensraum für Insekten zu bieten, anstatt sie – wie beispielsweise Wespen – zu vertreiben? Als Dankeschön erhalten die Interview-Teilnehmer*innen je zwei Eintrittskarten für den Palmengarten Frankfurt oder das Senckenberg Museum Frankfurt. Interessent*innen für die Interviews können sich schon jetzt unter melden. 

Wertschätzung von Insekten als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt 

Die Ergebnisse aus diesen Citizen-Science-Aktionen fließen in das Forschungsprojekt „SLInBio – Städtische Lebensstile und die Inwertsetzung von Biodiversität“ ein, das im Oktober startet und den Erhalt der Insektenvielfalt zum Ziel hat. Dem Verbundprojekt gehören neben den Forschungspartnern dieses Citizen-Science-Aufrufes das Umweltamt und das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main sowie die Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide als Praxispartner an. SLInBio wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) gefördert. 

Aufruf zur Zählung von Insektenhotels beim NABU Frankfurt

Das ISOE hat begleitend zur Aktion einen Ratgeber veröffentlicht: 
„Winzige Nachbarn unter der Lupe. Das Insektenhotel im eigenen Garten als Beitrag zu Biodiversität und Umweltbildung“

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Marion Mehring
Tel. +49 69 707 6919-39
 

Dr. Florian Dirk Schneider
Tel. +49 69 707 6919-71
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
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news-444 Mon, 19 Jul 2021 10:43:31 +0200 Nachhaltigkeitsmanagement - ISOE als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet https://www.isoe.de/news/isoe-als-fahrradfreundlicher-arbeitgeber-ausgezeichnet/ Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung ist mit der EU-weiten Zertifizierung „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet worden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der die Zertifizierung seit 2017 vergibt, verlieh dem Frankfurter Institut das Zertifikat in Silber. Als fahrradfreundlicher Arbeitgeber spart das ISOE Ressourcen und setzt Finanzen sinnvoll ein, etwa für im Vergleich zu PKW-Stellplätzen günstige und platzsparende Radabstellanlagen. Der ADFC bestätigte dem ISOE insgesamt eine „mustergültige Fahrradkultur“. Die Mitarbeiter*innen setzten ebenfalls ein Zeichen für Fahrradfreundlichkeit: Beim Wettbewerb „Stadtradeln“ hat das ISOE-Team mit über 5000 Radkilometern eine CO2-Einsparung von 773 Kilogramm erzielt – das entspricht den CO2-Emissionen, die ein Flug von München nach Athen verursacht.  Sara Tsudome, Projektleiterin beim ADFC-Bundesverband, formuliert es so: „Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung fördert den Radverkehr mit vielen verschiedenen Maßnahmen. Das bringt gleich mehrere Vorteile: Es stärkt die Mitarbeiterbindung sowie das Teamgefühl“. Das weiß auch Petra Hansen, die im ISOE für das betriebliche Gesundheits-, Umwelt- und Mobilitätsmanagement zuständig ist und in den vergangenen Jahren mit Weitsicht und großem Engagement viele Maßnahmen zur Fahrradfreundlichkeit angestoßen und umgesetzt hat. 

„Um mehr Mitarbeiter*innen für das Radfahren zu gewinnen, empfehlen wir regelmäßig die Teilnahme an Kampagnen wie ‚Stadtradeln‘ oder ‚Mit dem Rad zur Arbeit‘, sagt Petra Hansen. „Aber wir kümmern uns vor allem auch darum, dass unsere Radfahrer*innen ihre Fahrräder sicher, trocken und möglichst ebenerdig abstellen können.“ Der ADFC bewertete auch die Umkleidemöglichkeiten und Duschen positiv sowie Inhouse-Angebote im Servicebereich wie Fahrradreparatur, saisonale Fahrrad-Checks oder die Möglichkeit zur Anschaffung von Diensträdern. 

Mustergültige Fahrradkultur im ISOE für Umwelt und Gesundheit

Das ISOE kommt auf einen für den ADFC bemerkenswerten Radverkehrsanteil von 55 Prozent – mehr als die Hälfte der Belegschaft kommt also mit dem Rad ins Büro. Auch beim Wettbewerb „Stadtradeln“ haben mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden teilgenommen. Das sei vorbildhaft, denn wenn mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit kommen, werde damit Bewegungsmangel vorgebeugt. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit komme, habe im Schnitt ein Drittel weniger Krankheitstage und ein niedrigeres Infektionsrisiko. 

Fahrradfreundliche Maßnahmen tragen darüber hinaus zum betrieblichen Umweltmanagement bei und sind ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Mobilitätsmanagements. „Für uns als Institut mit einem besonderen Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ökologie ist es selbstverständlich, die Fahrradkultur zu unterstützen und in Fahrradinfrastruktur zu investieren“, sagt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE.

Links

Ansprechpartnerin:

Petra Hansen
Tel. +49 69 707 6919-15
 
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news-442 Fri, 09 Jul 2021 11:45:00 +0200 Unterhausdebatte - Neue Wege in die Stadt: Wie Frankfurt und das Umland das Problem des Pendelns lösen könnten  https://www.isoe.de/news/neue-wege-in-die-stadt-wie-frankfurt-und-das-umland-das-problem-des-pendelns-loesen-koennten/ Die Metropole Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet boomen. Frankfurt droht der Verkehrskollaps. Die Bewohner*innen der Stadt sind immer weniger bereit, den städtischen Raum dem Auto zu opfern. Doch täglich pendeln mehr als eine halbe Million Menschen zwischen der Stadt und dem Umland – die meisten mit dem Auto. Aber muss das so bleiben? Wie kann nachhaltiges Pendeln gelingen, oder müssen wir ganz neue Konzepte fürs Arbeiten entwickeln? Die Wissenschaftsjournalist*innen Carina Frey und Rainer Kurlemann luden als ZukunftsReporter gemeinsam mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am 8. Juli 2021 zu einer ungewöhnlichen Online-Diskussion ein, in der das Publikum Position beziehen musste. Regelmäßig laden die ZukunftsReporter zu öffentlichen Veranstaltungen ein, bei denen es darum geht, die Auswirkungen aktueller Entwicklungen in Wissenschaft und Politik auf die Zukunft zu diskutieren. Dabei stellen die Journalist*innen dem Publikum wissenschaftlich fundierte Informationen zur Verfügung und bieten den Dialog über Zukunftstechnologien und -ideen an, die unseren Alltag deutlich verändern können. Wie bewerten Bürger*innen anstehende Transformationen, welche Wege können sie sich vorstellen und welche nicht? Bei der „Unterhausdebatte“ zum Thema Pendeln am 8. Juli 2021, die das ISOE mitveranstaltete, konnte und sollte das Publikum diskutieren, wenn es um entscheidende Zukunftsfragen der Mobilität am Beispiel der Region Frankfurt geht.

Wie können Pendler*innen die Stadt Frankfurt künftig erreichen? Lassen sich gängige Pendelroutinen durchbrechen, und was braucht es dafür? Warum steigen Menschen ins Auto, statt den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad zu nehmen? „Wir wollten vom Publikum wissen, welche Zukunft es sich mit Blick auf eine verträgliche Stadt-Umland-Mobilität wünscht“, sagt Jutta Deffner. Die ISOE-Mobilitätsforscherin stand in der Unterhausdebatte als Expertin Rede und Antwort und brachte erste Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt PendelLabor ein. Das ISOE untersucht in diesem Verbundprojekt gemeinsam mit der TU Dortmund, der Hochschule Rhein-Main, der ivm GmbH, dem Regionalverband FrankfurtRheinMain und der Stadt Frankfurt die Pendelpraktiken und Planungspraktiken in der Region Rhein-Main.

Diskussion und Forschung zu einer nachhaltigen Stadt-Umland-Mobilität

Die Region gilt mit ihrem hohen Pendleraufkommen und ihren starken Pendelverflechtungen als exemplarisch für Deutschlands Metropolregionen. Die Wissenschaftler*innen im PendelLabor wollen wissen, wie eine nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität zwischen Wohn- und Arbeitsort aussehen kann, die dann auch als Blaupause für weitere Regionen dienen kann. In einem ersten Schritt hat sich das Forschungsteam einen Überblick über die Einflussfaktoren auf das Pendeln in Deutschland verschafft. Mithilfe einer umfassenden Literaturrecherche zum Forschungsstand haben sie raum- und arbeitsstrukturelle Rahmenbedingungen, die gegenwärtigen Mobilitätsangebote und -dienstleistungen sowie Wirkungen des Pendelns ausgewertet.

„Pendeln ist für die Betroffenen nicht nur ein Weg von A nach B“, sagt Jutta Deffner. „Es ist der regelmäßige Übergang zwischen Arbeits- und Privatsphäre.“ Für eine neue und nachhaltige Gestaltung des Pendelns, das mit der Überwindung der Corona-Pandemie deutlich wieder an Fahrt aufnehme, seien viele Faktoren zu berücksichtigen. „Wir müssen vor allem wissen, was Pendler*innen brauchen und was die Bewohner*innen der Stadt brauchen, in die gependelt wird, um gute, einvernehmliche und zugleich nachhaltige Lösungen zu finden“, so Deffner. Die Unterhausdebatte des ISOE und den ZukunftsReportern bot am 8. Juli 2021 die Möglichkeit, ein komplexes Thema in einem unterhaltsamen Format zu diskutieren. 

Online-Veranstaltung „Unterhausdebatte“
Neue Wege in die Stadt: Wie Frankfurt und das Umland das Problem des Pendelns lösen könnten 

Wann: Donnerstag, 8. Juli 2021, 19.30 bis 21.00 Uhr

Moderation: Carina Frey und Rainer Kurlemann

Mitdiskutieren: #PendelLabor #ZukunftsReporter

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, die ZukunftsReporter

Link zur Veranstaltungsseite:  www.isoe.de/veranstaltungen/neue-wege-in-die-stadt  

Veranstaltungsflyer

 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38
 
www.isoe.de 
www.pendellabor.de

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Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51

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news-438 Fri, 25 Jun 2021 19:45:00 +0200 Zukunftsforum Ecornet - Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung? https://www.isoe.de/news/wege-aus-der-biodiversitaetskrise-weiter-so-oder-neuausrichtung-1/ Die Artenvielfalt nimmt weltweit weiterhin dramatisch ab. Neue Politikinstrumente wie die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 oder die UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen 2021-2030 sorgen jedoch für neuen Optimismus und große politische Aufmerksamkeit. Reichen diese Prozesse aus, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen? Oder braucht es doch einen radikalen Wandel und ein Umdenken? Beim ZUKUNFTSFORUM ECORNET am 15. Juni 2021 wurden Lösungsansätze für den Schutz der Artenvielfalt diskutiert. Veranstalter des Online-Forums waren die beiden Ecornet-Institute ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Ecologic Institut. Das Jahr 2020 sollte eigentlich das "Biodiversitätsjahr" werden. Durch die pandemiebedingte Verschiebung der UN Biodiversity Conference (COP 15) auf das Jahr 2021 steht die wichtigste internationale Veranstaltung zu dem Thema nun noch bevor. Das sechste Zukunftsforum Ecornet fokussierte vor allem auf die nationale Perspektive: Was können wir aus den bisherigen Anstrengungen lernen und wie können wir diese Erfahrungen nutzen, um Anforderungen und Ansätze für einen effektiven Biodiversitätsschutz in Deutschland zu gestalten? Moderiert wurde die Veranstaltung von McKenna Davis, Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und naturbasierte Lösungen am Ecologic Institut.

Viele Ziele wurden nicht erreicht

Sandra Naumann, ebenfalls Senior Fellow und Koordinatorin im Bereich Biodiversität und naturbasierte Lösungen am Ecologic Institut, richtete ihren Blick zunächst auf die europäische Ebene. Die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 seien verfehlt worden. Dies werde nicht zuletzt am Zustand der Natur sichtbar, wo sich der Erhaltungszustand von Habitaten und Arten in den vergangenen Jahren sogar verschlechtert habe. Dabei sei die Gesetzgebung mit FFH-Richtlinie, Vogelschutzrichtlinie und weiteren Instrumenten im Grunde gut, deren Umsetzung in den Mitgliedsstaaten jedoch unzureichend. Viel Hoffnung sei daher mit dem „Biodiversitätsjahr“ 2021 verbunden, wie Sandra Naumann anhand der neuen EU-Biodiversitätsstrategie 2030 zeigte.

Till Hopf, Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland, begann in seinem Eingangsimpuls ebenfalls mit einer Rückschau. So seien auch auf nationaler Ebene die Biodiversitätsziele aus dem Koalitionsvertrag von 2017 nicht erreicht worden, unter anderem weil eine Integration in andere Politikfelder nicht gelang. Für einen erfolgreichen Schutz der biologischen Vielfalt brauche es klarere Verantwortlichkeiten und eine bessere Finanzierung, um beispielsweise verbindliche Renaturierungspläne wirksam zu machen. Vor dem Hintergrund der Dringlichkeit des Themas sei es jetzt besonders wichtig, schnell – spätestens ab Mitte der nächsten Legislatur – in die Umsetzung zu kommen.

Biodiversitätsschutz neu denken

Für einen erfolgreichen Biodiversitätsschutz fehle es an Handlungs- und Orientierungswissen, verdeutlichte Dr. Marion Mehring, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Biodiversität und Bevölkerung am ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung. In ihrem Kurzimpuls fokussierte sie auf sozial-ökologische Perspektiven und stellte die Frage, was für einen Biodiversitätsschutz es im 21. Jahrhundert brauche. Aus ihrer Sicht sei es dringend notwendig, das Thema neu zu denken und Biodiversitätsschutz über naturwissenschaftliche Ansätze hinaus breiter anzugehen, da die klassische Trennung von Natur und Gesellschaft aufgelöst sei. Anhand der vom ISOE entwickelten sozial-ökologischen Gestaltungsprinzipien zeigte sie, wie wir fundamentale Fragen neu stellen müssen: Warum wollen wir Natur weiterhin schützen? Und was verstehen wir künftig unter „natürlich“?

In der anschließenden Diskussion, die durch zahlreiche Fragen aus dem Publikum bereichert wurde, standen weitere Lösungsmöglichkeiten im Fokus. Sandra Naumann und Till Hopf betonten, dass es verbindliche Politikinstrumente mit klaren, sektorspezifischen (Zwischen-)Zielen brauche, da das Prinzip der Freiwilligkeit in der Vergangenheit nicht funktioniert habe. Diese Verbindlichkeit müsse aber auch durch Kontrollen und Nachschärfungen abgesichert werden. Ergänzend dazu fehle es noch an Hebeln, über die Expert*innen und Zivilgesellschaft Einfluss auf die Politikgestaltung nehmen könnten. Um letztlich vom Wissen zum Handeln zu kommen, so Dr. Marion Mehring, sei bei den relevanten Akteur*innen eine Mischung aus Fähigkeiten (Wissen und Kompetenzen), Motivation (persönliche Einstellung) und Gelegenheiten (Erfahrungsräume) notwendig.

Es braucht "einen großen Wurf"

Einig war sich die Expert*innenrunde, dass das Thema nur mit einer umfassenden Perspektive erfolgreich angegangen werden könne. So müssten beispielsweise auch auf Flächen außerhalb von Schutzgebieten vermehrt Biodiversitätsaspekte berücksichtigt werden – dies gelte vor allem für urbane Räume, wo Begrünungspläne als integraler Bestandteil von Planungsprozessen verankert werden müssten. Daneben sei es wichtig, neben der Biodiversität auch andere Umweltschutzgüter wie Boden oder Luft nicht zu vernachlässigen. Auch biete eine Verzahnung mit Themen wie Gesundheitsvorsorge, Ernährung und Konsum sowie Landwirtschaft Möglichkeiten, das Thema breiter zu denken und gleichzeitig Werbung für Belange des Biodiversitätsschutzes zu machen.

Expert*innenrunde: 
Sandra Naumann | Senior Fellow und Koordinatorin Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 
„EU Biodiversitätsstrategie 2030 – Der Schlüssel für einen erfolgreichen Schutz und Erhalt der Biodiversität?“

Till Hopf | Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland e. V. 

Dr. Marion Mehring | Leiterin des Forschungsschwerpunktes Biodiversität und Bevölkerung am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
„Biodiversitätsschutz neu denken: Die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Biodiversitätsverständnisses“

Moderation: 
McKenna Davis | Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 

Über das Ecornet 
Das Ecornet ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Ihre gemeinsame Mission: den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren. Seit ihrer Gründung haben sich die Ecornet-Institute darauf spezialisiert, komplexe Probleme praxisnah und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu bearbeiten. Sie haben sich zum Ecornet zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auch gebündelt in die Forschungslandschaft einzubringen. www.ecornet.eu 

Pressekontakt: 
Melanie Neugart
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news-432 Thu, 24 Jun 2021 16:54:00 +0200 ISOE-Veranstaltung „Meet the Scientist“ - Erschöpft? Der Klimawandel und die Folgen für unser Wasser https://www.isoe.de/news/buerger-universitaet-im-sommersemester-2022/ In einem Kreislauf geht nichts verloren. Oder doch? Verdunstung, Wolkenbildung, Regen und Gewässerbildung führen die Wasserressourcen der Erde im Kreislauf. Wasser kann demnach nicht zur Neige gehen, lernen wir schon in der Schule. Trotzdem ist von Wasserkrisen die Rede, ganze Städte sitzen auf dem Trockenen. Auch in Deutschland werden in Dürrephasen regional Trinkwasserbestände knapp. Welche anthropogenen Eingriffe verändern den Wasserkreislauf derart und wie sehen nachhaltige Nutzungskonzepte aus? In der Veranstaltung „Meet the Scientist“ am 23. Juni 2021 stellten Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Gespräch mit Bürger*innen aktuelle Ergebnisse aus der Wasserforschung vor. Weltweit warnen Wasserforschende seit vielen Jahren schon vor lokalen Wasserkrisen. Der Klimawandel stelle dabei eine gefährliche Verschärfung dar, denn er bringe durch Dürren, Fluten und Versalzung von Wasservorkommen den Wasserhaushalt des blauen Planeten aus dem Gleichgewicht. Hinzu kommen Verschmutzungen durch Siedlungs- und Industrieabwässer sowie die Landwirtschaft, welche die nutzbare Wassermenge weiter reduzieren. In weiten Teilen der Erde sind daher die vorhandenen Wasserressourcen bereits stark mengenmäßig übernutzt und qualitativ beeinträchtigt. Das gilt auch für viele Regionen in Europa und für einzelne in Deutschland, wo es in den letzten Dürrejahren lokal zu Engpässen in der Wasserversorgung kam. 

Die mitunter dramatischen Veränderungen im Wasserkreislauf zeigen sich aber nicht allein in Versorgungsengpässen, sondern auch in häufigeren Extremereignissen (Starkniederschläge und Dürren), in sinkenden Grundwasserspiegeln sowie in einer veränderten chemischen Zusammensetzung von Seen, Flüssen oder Grundwasserkörpern. Diese werden zudem wärmer, Regenmassen versickern schlechter, auf Trockenheit folgt Überflutung. Aktuelle Untersuchungen belegen: Die Art, wie Gesellschaften Wasser nutzen, wirkt sich unmittelbar auf diese Phänomene aus.

Neues Veranstaltungsformat im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni

Welche Schlüsse lassen sich daraus für eine nachhaltige Wassernutzung ziehen? Mit dem Veranstaltungsformat „Meet the Scientist“ im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni im Sommersemester 2021 nutzte das ISOE die Gelegenheit, aktuelle Ergebnisse aus der Wasserforschung vorzustellen. Die beiden ISOE-Wissenschaftler Stefan Liehr und Robert Lütkemeier führten die Online-Teilnehmer*innen zunächst in das Thema „Deutschland im Klimawandel“ am Beispiel der Wasserproblematik ein.

Im Anschluss an die Impulsvorträge diskutierten die Wissenschaftler*innen mit den Gästen, wie eine nachhaltige Nutzung unserer Wasserressourcen aussehen kann und welche konkreten Gestaltungsmöglichkeiten es in einer Stadt wie Frankfurt am Main gibt. hr-iNFO war Medienpartner dieser Bürger-Uni, die von dem Wissenschaftsjournalisten Stephan M. Hübner moderiert wurde.
 

Erschöpft? Der Klimawandel und die Folgen für unser Wasser

ISOE-Diskussionsveranstaltung „Meet the Scientist“ mit Dr. Stefan Liehr und Dr. Robert Lütkemeier 

Datum: 23. Juni 2021, 18.30–20.00 Uhr

Veranstaltungstyp: Online-Veranstaltung

Moderation: Stephan Hübner, hr-iNFO 

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Medienpartner hr-iNFO)

Link zur Aufzeichnung: https://vimeo.com/568395719 und auf unserer Facebook-Seite

Mitdiskutieren: #Wasserkrise

Veranstaltungsflyer
 

Ansprechpartner*in:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart 
Tel. +49 69 707 6919-0
 
www.isoe.de  

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51

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news-425 Wed, 16 Jun 2021 13:34:00 +0200 Abschlussveranstaltung im Forschungsprojekt Weschnitz Dialog - Zurück zur Natur? Wie die Renaturierung von Gewässern sozial-ökologisch gestaltet werden kann https://www.isoe.de/news/zurueck-zur-natur-wie-die-renaturierung-von-gewaessern-sozial-oekologisch-gestaltet-werden-kann/ Europaweit sind Gewässer in keinem guten ökologischen Zustand. Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie der EU werden auch in Deutschland nicht erreicht. Das gilt auch für einige der Fließgewässer in Südhessen, wie etwa die Weschnitz oder die Modau. Der Handlungsdruck ist groß. Wie eine erfolgreiche Renaturierung aussehen könnte, darüber diskutierten Bürger*innen, Expert*innen und Wissenschaftler*innen bei der öffentlichen Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts Weschnitz Dialog am 15. Juni 2021. Das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie der Gewässerverband Bergstraße luden zu dieser digitalen Veranstaltung ein. Rund 90 Prozent der deutschen Oberflächengewässer verfehlen die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie eines „guten ökologischen Zustandes“ – so auch die Weschnitz. Das soll sich mit der Renaturierung des Flusses und der Deichsanierung zwischen Biblis und Einhausen ändern. Damit dies gelingt, wurden im von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojekt Weschnitz Dialog Kommunikations- und Beteiligungsformate zur Konfliktvermeidung begleitet. So konnten gemeinsam mit allen Akteuren wirksame Lösungen zum Gewässer- und Hochwasserschutz geplant werden. 

Zum Abschluss des Projekts luden die Forschungspartner ISOE, der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald sowie der Gewässerverband Bergstraße zu einer Online-Diskussion ein, bei der es nicht nur um verständliche Wissenschaft, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und pragmatische Lösungen ging, sondern auch um literarische Entdeckungen. Zur Einstimmung in die Veranstaltung, die pandemiebedingt digital stattfinden musste, nahm Torsten Schäfer die Teilnehmenden mit auf eine Fluss-Entdeckungsreise in Südhessen: Der Professor für Journalismus an der Hochschule Darmstadt las aus seinem aktuellen Buch „Wasserpfade“. 

Konflikte um Renaturierungsmaßnahmen frühzeitig berücksichtigen

Bei dem anschließenden Fachgespräch ging es um wichtige Fragen und Erfahrungen im Zusammenhang mit Renaturierungsmaßnahmen: Welche Potenziale bietet die Renaturierung auf dem Weg „Zurück zur Natur“ und wie sieht der Prozess konkret aus? Welche Rahmenbedingungen sind für die Renaturierung wichtig und welche Konflikte können sich durch unterschiedliche Interessen seitens Landwirtschaft, Stadtplanung und Naturschutzes ergeben? 

Im Zuge der Veranstaltung zeigten die Projektbeteiligten am Beispiel des Forschungsprojekts Weschnitz Dialog, wie eine sozial-ökologische Gestaltung der Renaturierung aussehen kann und wie Nutzungskonflikte entlang eines Gewässers frühzeitig berücksichtigt werden können. Zudem wurde diskutiert, wie das Thema Gewässerschutz anschaulich für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden kann. 

Mehr zum Projekt: www.weschnitz-dialog.de

Zurück zur Natur? Wie die Renaturierung unserer Gewässer sozial-ökologisch gestaltet werden kann

Diskussionsabend
Dienstag, 15. Juni 2021 – 18 Uhr
Online-Veranstaltung

Ablauf: 
Lesung Prof. Dr. Torsten Schäfer, Hochschule Darmstadt

Anschließend Fachgespräch mit: Ulrich Androsch (Gewässerverband Bergstraße, Lorsch), Dr. Jutta Weber (Geo-Naturpark Bergstraße Odenwald, Lorsch), Dr. Stefan Liehr (ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main), Prof. Dr. Jörg Oehlmann (Goethe Universität Frankfurt am Main), Matthias Beuth (Martin-Luther-Schule, Rimbach)

Moderation: Carla Schönfelder, Team Ewen, Darmstadt

Veranstalter: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und dem Gewässerverband Bergstraße

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Katja Brinkmann
Tel. +49 69 707 6919-42
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 

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news-433 Sat, 12 Jun 2021 17:10:00 +0200 Mobilitätsforschung - Rhein-Main-Region als Blaupause für nachhaltiges Pendeln https://www.isoe.de/news/rhein-main-region-als-blaupause-fuer-nachhaltiges-pendeln/ Die Corona-Pandemie hat den Pendelverkehr in Deutschland verändert, der Berufsverkehr ging deutlich zurück. Doch mit der Rückkehr aus dem Homeoffice an den Arbeitsort könnte sich jener Trend fortsetzen, der sich vor der Pandemie deutlich abgezeichnet hat: Das Pendleraufkommen hatte sich zuletzt stetig erhöht. Wie eine nachhaltige Stadt-Umland-Mobilität zwischen Wohn- und Arbeitsort aussehen kann, untersucht derzeit ein Forschungsteam unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Projekt „PendelLabor“. Am 11. Juni 2021 fand erstmals ein Austausch mit Stakeholdern aus der Projektregion Rhein-Main statt. Dabei stellte das Forschungsteam erste Zwischenergebnisse vor.  Knapp die Hälfte der 41 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland pendelte im Jahr 2016 über die Gemeindegrenze hinweg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Die Folgen einer derartig hohen Pendelaktivität sind individuell und gesellschaftlich relevant – für Gesundheit, Lebensqualität und Ökologie. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt „PendelLabor“ untersucht ein Team aus Wissenschaftler*innen und Partnern aus der Praxis, wie Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort nachhaltiger werden und einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. 

Das Team, das von der ISOE-Mobilitätsforscherin Jutta Deffner koordiniert wird, hat dafür exemplarisch die Pendlerregion Rhein-Main mit ihrem hohen Pendleraufkommen und starken Pendelverflechtungen gewählt. In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftler*innen und Praxispartner*innen des ISOE, der TU Dortmund, der Hochschule Rhein-Main, der ivm GmbH, des Regionalverbands FrankfurtRheinMain und der Stadt Frankfurt dafür den Status Quo der Einflussfaktoren auf das Pendeln in Deutschland zusammengeführt. Mithilfe einer umfassenden Literaturrecherche zum Forschungsstand haben sie raum- und arbeitsstrukturelle Rahmenbedingungen, die gegenwärtigen Mobilitätsangebote und -dienstleistungen sowie Wirkungen des Pendelns ausgewertet. 

Forschungsstand zur Pendelmobilität erstmals erfasst

„Wir sehen, dass Pendeln für die Betroffenen nicht nur die bloße Distanzüberwindung zwischen Wohnort und Arbeitsort bedeutet,“ sagt Jutta Deffner. „Vielmehr markiert das Pendeln den Übergang zwischen Arbeits- und Privatsphäre. Deswegen sind viele Faktoren relevant, etwa die Wohn- und Haushaltskonstellation bis hin zur Arbeitssituation und die topografisch-räumliche Situation.“ Gleichzeitig entstünden durch das Pendeln vielfältige negative Folgen wie gesundheitliche, soziale und ökologische Belastungen. „Es ist deshalb eine komplexe Aufgabe, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die alle Nachhaltigkeitsaspekte gleichermaßen berücksichtigen.“

Die vorliegenden Zwischenergebnisse bilden die Basis für die weitere Arbeit im Forschungsprojekt PendelLabor. „Sie zeigen uns, dass unser Ansatz, die Pendelpraktiken sehr genau zu untersuchen, um nachhaltige Maßnahmen zu finden, innovativ und sehr aussichtsreich ist“, sagt Deffner. Dabei gehe es darum, den Alltag der Pendlerinnen und Pendler und die Verwobenheit des Pendelns mit anderen alltäglichen Aktivitäten und Bedürfnissen genauer in den Blick zu nehmen – vom Einkauf bis zum Sportunterricht der Kinder und vom Gefühl der ruhigen, halben Stunde für sich allein im Auto bis zum Symbol der Fürsorge, wenn berufstätige Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule „begleiten“.

Lösungen gemeinsam mit betroffenen Kommunen und Pendler*innen entwickeln

Im weiteren Projektverlauf wollen die Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Akteuren aus ausgewählten Kommunen experimentelle Ansätze für den Pendelverkehr entwickeln. Ein Teil davon soll von Pendler*innen erprobt werden. Dabei wird es nicht nur um verkehrliche Maßnahmen, wie verbesserte Anbindung oder Radabstellanlagen an Bahnhöfen und in Unternehmen gehen, sondern auch um alternative Arbeitszeitmodelle und Co-Working-Bereiche in den Wohnorten.

Um die Potenziale dieser Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, werden im Forschungsprojekt PendelLabor Stakeholder-Dialoge durchgeführt, die am 11. Juni 2021 pandemiebedingt online starteten. Zusammen mit den beiden assoziierten Partnern, der Stadt Frankfurt und dem Regionalverband FrankfurtRheinMain, diskutierte das Projektteam bei der Auftaktveranstaltung die Bedürfnisse und Erwartungen an eine nachhaltige Pendelmobilität. 

Mehr Informationen finden Sie auf der Projektwebseite www.pendellabor.de und unter ISOE-Forschungsprojekte

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Jutta Deffner
Tel. +49 69 707 6919-38 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
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news-415 Sat, 12 Jun 2021 10:46:00 +0200 Digitale Konferenz - Dilemmata der Nachhaltigkeit https://www.isoe.de/news/dilemmata-der-nachhaltigkeit/ Ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien oder Alltag – der Ausdruck „Nachhaltigkeit“ hat sich längst im Sprachgebrauch etabliert. Nachhaltiges Handeln wird auf vielen Ebenen als ein positiver und berechtigter Anspruch thematisiert. Aber auch, wenn Nachhaltigkeit breit akzeptiert zu sein scheint, ergeben sich Widersprüche. So stehen Nachhaltigkeitsziele nicht selten in Konkurrenz zu sich selbst. Zudem verliert der Begriff an Schärfe, wenn er für alle Lebensbereiche gefordert wird, von gesunder Ernährung bis hin zum Schutz der Artenvielfalt. Zu einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit den vielfältigen Widersprüchen im Nachhaltigkeitsdiskurs luden Forschende im Zuge der digitalen Konferenz „Dilemmata der Nachhaltigkeit“ vom 9. bis 11. Juni 2021 ein. Die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs macht auch seine Widersprüche deutlich: Auf der einen Seite gilt die Legitimität des Ziels nachhaltiger Entwicklung heute als gestärkt. Auf der anderen Seite konkurrieren unterschiedliche Akteure heute regelrecht um Forderungen, Zielsetzungen und Definitionen. Deutlich wird dies beispielsweise an den ‚Sustainable Development Goals (SDG)‘ – zwischen den Nachhaltigkeitszielen und einzelnen Unterzielen der Vereinten Nationen bestehen teilweise Widersprüche. 

Wie kann verhindert werden, dass der Nachhaltigkeitsdiskurs und das übergeordnete Ziel der „Nachhaltigkeit“ an unvereinbaren Zielen, Kriterien, Interessen und Wissensarten Schaden nimmt? Wie kann der Begriff und wie können unterschiedliche Konzepte anschlussfähig bleiben? Das untersuchen Forschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Leitung), der Universität Passau und der Technischen Universität Braunschweig im Forschungsprojekt „Dilemmata der Nachhaltigkeit“.

Widersprüchlichkeiten und Ausweglosigkeiten im Nachhaltigkeitsdiskurs

Bei der gleichnamigen digitalen Konferenz vom 9. bis 11. Juni 2021 widmeten sich die Wissenschaftler*innen den Dilemmata der Nachhaltigkeit. Dazu nahmen sie die im Konzept der Nachhaltigen Entwicklung bereits angelegten Widersprüche und sich abzeichnende – vermeintliche – Ausweglosigkeiten in den Blick. Gefragt wurde nach den Zusammenhängen zwischen Widersprüchen und diversen Nachhaltigkeitsverständnissen in und zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Welche Bedeutung haben das Erkennen und Verstehen von Dilemmata der Nachhaltigkeit und ihr Umgang damit für die transformative Wissenschaft? Welche Rolle spielen dabei methodische Zugänge oder gesellschaftliche Werte?

Die Veranstalter*innen der digitalen Konferenz waren Bernd Siebenhüner, Karsten Speck, Sophie Berg und Ann-Kristin Müller von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Anna Henkel, Holli Gruber, Raphaela Casata und Laura Scheler von der Universität Passau; Nicole C. Karafyllis, Annekathrin Bellan und Dimitri Mader von der Technischen Universität Braunschweig sowie Thomas Jahn und Matthias Bergmann vom ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main.

Zum Programm
https://uol.de/dilemmata/digitale-konferenz-dilemmata-der-nachhaltigkeit/programm

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Thomas Jahn 
 

Prof. Dr. Matthias Bergmann

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news-430 Thu, 10 Jun 2021 11:11:00 +0200 ISOE Policy Brief - Kunststoffverpackungen vermeiden oder nachhaltig gestalten https://www.isoe.de/news/kunststoffverpackungen-vermeiden-oder-nachhaltig-gestalten/ Am 3. Juli 2021 treten neue gesetzliche Regelungen zur Reduzierung von Verpackungsmüll in Kraft. Sie sollen entsprechend einer EU-Richtlinie die Flut an Plastikmüll eindämmen, indem etwa Produkte aus Einwegkunststoff wie Geschirr und Trinkhalme verboten oder Getränkeverpackungen mit neuen Pfandauflagen versehen werden. Industrie und Handel stehen dann vor einer großen Herausforderung: Wie sehen Nachhaltigkeitskriterien sowie Innovationen für den Ersatz und für die Umgestaltung kurzlebiger Plastikverpackungen aus? Im aktuellen Policy Brief des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung zeigen Wissenschaftler*innen der Forschungsgruppe PlastX Wege zur Vermeidung und nachhaltigen Gestaltung von Lebensmittelverpackungen auf.  Mit der Novelle des Verpackungsgesetzes und weiteren Verordnungen setzt die Bundesregierung zum 3. Juli 2021 die EU-Kunststoffrichtlinie um. Bestimmte Einwegkunststoffprodukte wie Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonstäbe oder Einweggeschirr aus konventionellem Plastik und sogenanntem „Bioplastik“ sind dann verboten. Auch To-go-Becher und Einwegbehälter aus Styropor dürfen nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. „Weil ein großer Teil des gegenwärtigen Plastikmülls aus nur kurzzeitig genutzten Einwegverpackungen stammt, ist es folgerichtig, dafür zu sorgen, dass der Einsatz von Kunststoffverpackungen grundlegend reduziert wird,“ sagt Carolin Völker, Leiterin der Forschungsgruppe PlastX. „Allerdings müssen wir weiterhin mit einem hohen Aufkommen an Plastikmüll rechnen, denn es gibt schlichtweg noch zu wenig Innovation und Nachhaltigkeitsmanagement im Umgang mit Kunststoffverpackungen.“ 

Plastikmüllaufkommen: Regulierung greift zur kurz

Aus Sicht der ISOE-Forscherin geht die Regulierung mit dem Fokus auf Vermeidung von Service- und To-go-Verpackungen sowie auf verstärktes Recycling nicht weit genug. Denn ein wesentlicher Teil des Kunststoffverpackungsmülls fällt durch klassische Produktverpackungen in Supermärkten an, die ebenfalls nur einmal verwendet werden. „Für diese Verpackungen sieht die neue Regelung aber lediglich eine Kennzeichnungspflicht vor,“ kritisiert Völker. „Ein spezielles Label, das Verbraucher*innen vor Umweltschäden durch Plastik warnt, ist natürlich nicht verkehrt, es greift jedoch zu kurz.“ Gerade für die herkömmlichen Produktverpackungen sei eine drastische Reduzierung und ein konsequenteres Ökodesign ebenso notwendig wie die Ausweitung von Mehrweglösungen.

Abschied von Standardlösungen – Verpackungen bedarfsorientiert und nachhaltig gestalten

Mit weiteren Wissenschaftler*innen der PlastX-Gruppe hat Völker die wichtigsten Empfehlungen für Unternehmen und Verbände in der Lebensmittelversorgung sowie für Entscheidungsträger*innen in Politik und Behörden in einem ISOE Policy Brief zusammengefasst. „Wer als Pionier der Nachhaltigkeit zur Lösung des Plastikmüllproblems beitragen will, muss sich von Standardlösungen verabschieden“, sagt PlastX-Forscher Lukas Sattlegger. „Zentral ist die Frage, wo Verpackungen weggelassen oder eingespart werden können“. Kritisch zu hinterfragen sei aber auch: Was muss eine Verpackung können? Was ist die nachhaltigste Verpackungslösung für den konkreten Anwendungsfall und wie lassen sich nachhaltige Innovationsprozesse dafür vorantreiben? „Verpackungen müssen grundsätzlich vom Bedarf und von der Nachhaltigkeit her gedacht werden“, sagt Sattlegger. 

Erweiterte Materialtests für neue Kunststoffverpackungen zur toxikologischen Sicherheit

Der ISOE Policy Brief Nr. 8 „Lebensmittelverpackungen – nachhaltig“ zeigt die Kriterien für eine nachhaltige Verpackungsauswahl auf, von der Ökobilanz über das Recyclingpotenzial bis hin zur chemischen Sicherheit. Explizit weisen die Wissenschaftler*innen darauf hin, dass die toxikologische Sicherheit von Verpackungsmaterial bislang nicht in gängigen Ökobilanzen berücksichtigt werde. „Es sind insbesondere die in Kunststoffen enthaltenen Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Farbstoffe, die an die Lebensmittel abgegeben werden können und deren toxikologischen Effekte in der Summe noch nicht ausreichend verstanden sind,“ sagt Ökotoxikologin Carolin Völker. Vor der Einführung neuer Verpackungen sollten deshalb grundsätzlich erweiterte Materialtests durchgeführt werden. Damit dies gewährleistet sei, hält sie eine gesetzliche Regulierung für notwendig. Darüber hinaus bieten die Handlungsempfehlungen wichtige Hinweise zur Reduzierung von Verpackung unter Berücksichtigung von Produkt- und Ladenpräsentation sowie der Warenlogistik. 

Lebensmittelverpackungen – nachhaltig. Wege zu einer nachhaltigen Gestaltung und Vermeidung von Verpackungen. Lukas Sattlegger, Tobias Haider, Lisa Zimmermann, Carolin Völker (2021): ISOE Policy Brief Nr. 8. Frankfurt am Main: ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung Download

Über die Forschungsgruppe PlastX 

Die interdisziplinäre Nachwuchsgruppe PlastX – Kunststoffe als systemisches Risiko für sozial-ökologische Versorgungssysteme wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)“ gefördert. PlastX ist darin Teil der Fördermaßnahme „SÖF – Sozial-ökologische Forschung“ im Förderbereich „Nachwuchsgruppen in der Sozial-ökologischen Forschung“. Seit 2016 untersuchen sechs Wissenschaftler*innen die Problematik von Kunststoffen aus sozial-ökologischer Perspektive. Forschungspartner sind dabei das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung (Leitung), das Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI), Abteilung Physikalische Chemie der Polymere und die Goethe-Universität Frankfurt, Abteilung Aquatische Ökotoxikologie. www.plastx.org 

Wissenschaftliche*r Ansprechpartner*in:

Dr. Carolin Völker 
Tel. +49 69 707 6919-59

Lukas Sattlegger
Tel. +49 69 707 6919-31
 

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Melanie Neugart
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news-423 Wed, 02 Jun 2021 18:16:19 +0200 Nachhaltige Entwicklung - Strategie-Kompass für globale Netzwerke der Nachhaltigkeitsforschung https://www.isoe.de/news/strategie-kompass-fuer-globale-netzwerke-der-nachhaltigkeitsforschung/ Zur Lösung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme ist das Wissen vieler unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen gefragt. Aber auch Erfahrungs- und Alltagswissen von gesellschaftlichen Akteuren spielt eine entscheidende Rolle. Um wirkungsvolle Ergebnisse für gesellschaftliche Transformationen zu erzielen, muss sich Wissenschaft deshalb für die Koproduktion von Wissen öffnen. Forschungsnetzwerke können diesen Prozess unterstützen. Wissenschaftler*innen haben in einer Studie unter Federführung von Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, untersucht, worauf es dabei ankommt.  Der Global Sustainable Development Report 2019 der Vereinten Nationen benennt die Wissenschaft neben Governance, Wirtschaft und Finanzen sowie individuellem und kollektivem Handeln als einen von vier Ansatzpunkten zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals SDGs). Damit Wissenschaft aber wirksame Lösungen für die komplexen Fragestellungen der Nachhaltigkeitstransformation hervorbringen kann, wird immer häufiger die Transformation der Wissenschaft selbst gefordert. Dazu gehört etwa die Forderung nach einer veränderten Wissensproduktion. 

Um globale Herausforderungen wie zum Beispiel den Klimawandel zu bewältigen, reiche ein rein wissenschaftlich generiertes Wissen nicht aus, so die Begründung. Vielmehr müsse auch das Erfahrungswissen von gesellschaftlichen Akteuren berücksichtigt werden. Denn die gemeinsame „Produktion“ von Wissen erhöhe die Relevanz, Anschlussfähigkeit und die Umsetzbarkeit von Forschungsergebnissen. Die Vorgehensweise, über verschiedene Disziplinen hinweg auch neue Partnerschaften mit Akteuren aus Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft für die Koproduktion von Wissen einzugehen, ist in der Wissenschaft noch vergleichsweise neu. Eine aktuelle Studie hat nun erstmals untersucht, wie global vernetzte Institutionen der Nachhaltigkeitsforschung dazu beitragen können, die Koproduktion von Wissen zu fördern.

Netzwerk-Kompass für die Koproduktion von Wissen

Am Beispiel von elf globalen nachhaltigkeitsorientierten Forschungsnetzwerken wie dem Global Land Project, der Mountain Research Initiative oder der Alliance for Inter- and Transdisciplinary Research zeigen die Autor*innen um Flurina Schneider in ihrer Studie Co-Production of Knowledge and Sustainability Transformations: A Strategic Compass for Global Research Networks, wie viel Potenzial diese Netzwerke für die Intensivierung der Wissenskoproduktion in der Forschung haben und wie sie es mithilfe eines „Netzwerk-Kompass“ ausschöpfen können. „Der Netzwerk-Kompass hebt vier miteinander verknüpfte Handlungsfelder hervor, mit denen globale Netzwerke den gemeinsamen Prozess der Wissenskoproduktion effektiv unterstützen können“, erklärt Flurina Schneider, wissenschaftliche Geschäftsführerin am ISOE und Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt.

So können Forschungsnetzwerke zunächst einmal unterschiedliche Akteure zusammenbringen und dadurch die gemeinsame Wissensproduktion ermöglichen (z.B. über die Organisation von Konferenzen). Zudem können sie die einzelnen Mitgliedsinstitutionen ganz gezielt in ihrem Forschungsalltag bei der Koproduktion von Wissen unterstützen (z.B. durch Trainingskurse). Darüber hinaus spielt die Förderung von Koproduktionsprozessen zwischen den Mitgliedsinstitutionen eine wichtige Rolle, um ihre transformative Kraft insgesamt zu verstärken (z.B. über Synthesen für globale Assessment Bodies wie IPCC). Schließlich sind Innovationen innerhalb des Netzwerks selbst zentral: „Damit Netzwerke die Koproduktion von Wissen effektiv fördern können, müssen sie häufig ihre eigenen Strukturen und Prozesse verändern. Dies reicht von der Überarbeitung der Strategiepläne bis zur Durchführung von Modellprojekten,“ sagt Flurina Schneider. 

Strategie-Werkzeug für Planung und Evaluierung in der Nachhaltigkeitsforschung 

Hintergrund der Studie, die nun in der renommierten Zeitschrift Current Opinion in Environmental Sustainability erschienen ist, war die Beobachtung der Autor*innen, dass es bereits eine Vielzahl an Werkzeugen für die Koproduktion von Wissen im lokalen Kontext gibt, vor allem für konkrete Projekte. „Wir haben aber gesehen, dass die globalen Netzwerke bislang über kein geeignetes strategisches Werkzeug verfügen, um den Prozess der gemeinsamen Wissensproduktion und Nachhaltigkeitstransformation zu begleiten und zu verstärken“, so Schneider. Hierfür könne der Netzwerk-Kompass ein zentrales Instrument sein, da er den Forschungsnetzwerken nicht nur für die künftige Strategieplanung ein geeignetes Werkzeug bietet, sondern darüber hinaus auch für die Evaluierung vergangener Nachhaltigkeitsaktivitäten hilfreich sein kann. 


Schneider, Flurina/Theresa Tribaldos/Carolina Adler/Reinette (Oonsie) Biggs/Ariane de Bremond/Tobias Buser/Cornelia Krug/Marie-France Loutre/Sarah Moore/Albert V. Norström/Katsia Paulavets/Davnah Urbach/Eva Spehn/Gabriela Wülser/Ruben Zondervan (2021): Co-production of knowledge and sustainability transformations: a strategic compass for global research networks. Current Opinion in Environmental Sustainability 49 (April), 127-142 https://doi.org/10.1016/j.cosust.2021.04.007 

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news-412 Fri, 07 May 2021 07:20:00 +0200 Nachhaltigkeitskommunikation - Kommunikationskampagnen für nachhaltigen Konsum und gesellschaftliche Teilhabe  https://www.isoe.de/news/kommunikationskampagnen-fuer-nachhaltigen-konsum-und-gesellschaftliche-teilhabe/ Wie können Konsument*innen mit Kommunikationskampagnen dazu angeregt werden, ihren Konsum zu reflektieren und zu ändern? Das hat das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in einem Kooperationsprojekt mit der Fachrichtung Kommunikationsdesign der Hochschule Mainz untersucht. Auf Grundlage empirischer Forschungsergebnisse gingen Studierende der Frage nach, wie die soziale Teilhabe unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen durch nachhaltigen Konsum verbessert werden kann. Im Fokus standen drei Gruppen, die bislang nicht im Zentrum des Nachhaltigkeitsdiskurses standen: Jugendliche, Migrant*innen sowie einkommensschwache Haushalte. Die Ergebnisse des Projekts wurden jetzt veröffentlicht. Im Rahmen der Nachhaltigkeitskommunikation gilt als gesichert, dass Konsument*innen nicht allein durch die bloße Vermittlung von Wissen ihr Handeln im Alltag verändern. Vielmehr beeinflusst eine Vielzahl von Faktoren die Wirkung von Kommunikationskampagnen. „Es ist wichtig zu verstehen, wie stark Alltagshandeln von Routinen geprägt ist“, sagt Immanuel Stieß, Experte für nachhaltigen Konsum am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. „Deshalb ist es so wichtig, das Alltagswissen und die Alltagserfahrung der Zielgruppen in den Blick zu nehmen.“ Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Kommunikationsansätze dann in der Praxis erfolgreich sind, wenn Informationen emotional und über Geschichten vermittelt werden. Dies gilt gerade mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene, weil für sie beim Konsum eher Motive wie soziale Teilhabe und Anerkennung und weniger das Thema Umwelt handlungsleitend sind.

Auf dieser Grundlage entwickelten Studierende des Masterstudiengangs Stuffed Birds der Hochschule Mainz in einem Kooperationsprojekt mit dem ISOE sechs Kampagnen zur Ansprache von Jugendlichen für nachhaltigen Konsum. „Ziel der Kampagnen war es, die Zielgruppen dazu zu bewegen, den eigenen Konsum zu hinterfragen und anders zu konsumieren,“ erklärt Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin der Wissenskommunikation am ISOE. Dass der Fokus der Kampagnen auf Jugendliche aus prekären Milieus gerichtet war, die aufgrund ihrer ökonomischen Situation üblicherweise nicht zu den primären Zielgruppen des Marketings gehören, sei eine zusätzliche Herausforderung gewesen. „Die meisten Studierenden mussten sich in die Lebenswelten und Bedeutungshorizonte von Jugendlichen versetzen, die ganz anderen sozialen Milieus entstammen als sie selbst“, sagt Schuldt-Baumgart.

Die sechs Kampagnen der Studierenden umfassen klassische Werbeinstrumente wie Poster und Plakate, aber auch zielgruppenspezifische Social-Media-Formate wie Apps oder ein Online-Quiz zu nachhaltigem Konsum. Die Arbeiten basieren auf aktuellen Ergebnissen aus dem Forschungsprojekt „Bürgerbeteiligung und soziale Teilhabe für nachhaltigen Konsum (NaKoDi)“, das das ISOE im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt hat. Die Kampagnen wurden in Fokusgruppen getestet. Grundlagen des Briefings der Studierenden waren zum einen eine Einführung in das Thema und die Ergebnisse des Forschungsprojekts NaKoDi sowie zum anderen die Einarbeitung in aktuelle Erkenntnisse der Wissenschafts-, Nachhaltigkeits- und Markenkommunikation.

Die Ergebnisse dieses Kooperationsprojektes sind jetzt in einer von Caroline Lenau (Hochschule Mainz) gestalteten Broschüre erschienen und hier abrufbar: 

Schröner, Charlotte/Eberhart Kirchhoff/Matthias Riedel/Monika Aichele/Karen Knoll/Nicola Schuldt-Baumgart/Immanuel Stieß (2021): Bratan, du zählst! Nachhaltiger Konsum und soziale Teilhabe für prekäre Zielgruppen. Mainz: Hochschule Mainz

Weitere Informationen: 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
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news-389 Thu, 06 May 2021 19:45:00 +0200 Zukunftsforum Ecornet - Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung?  https://www.isoe.de/news/wege-aus-der-biodiversitaetskrise-weiter-so-oder-neuausrichtung/ Weltweit geht die biologische Vielfalt mit rasanter Geschwindigkeit zurück. Das Massenaussterben von Pflanzen- und Tierarten markiert eine der größten Krisen der Gegenwart. Wie sehen gangbare Wege aus der Biodiversitätskrise aus? Dieser drängenden Frage widmet sich die Veranstaltungsreihe ZUKUNFTSFORUM ECORNET am 15. Juni 2021. Das Veranstaltungsformat, das aktuelle umwelt- und klimapolitische Themen aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet und Raum für Diskussionen mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bietet, findet erneut online statt. Veranstalter sind die beiden Ecornet-Institute ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung und Ecologic Institut. Die Artenvielfalt nimmt weltweit weiterhin dramatisch ab. Allein in Europa sind mehr als 80 Prozent aller Habitate und mehr als 60 Prozent aller geschützten Arten betroffen. In Deutschland sieht das Bild ähnlich aus. Die Ziele der im Jahr 2011 festgelegten Europäischen Biodiversitätsstrategie 2020 wurden weit verfehlt. Der Europäische Grüne Deal jedoch unterstreicht erneut die Notwendigkeit, das Naturkapital der EU zu schützen, zu bewahren und zu verbessern sowie die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen zu gewährleisten. Mit einem neuen Zehnjahresplan hat sich die EU in 2020 – dem Jahr der Biodiversität – neue Ziele gesteckt. Eine ambitionierte EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 wurde verabschiedet, und auf globaler Ebene wurde ein Biodiversitäts-Rahmenwerk post-2020 erarbeitet. Zudem wurde gerade die UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen 2021–2030 ausgerufen. 

Es gibt also neuen Optimismus und eine große politische Aufmerksamkeit. Aber reichen diese neuen Prozesse aus, um die Biodiversitätskrise erfolgreich zu bewältigen und den Artenverlust endgültig zu stoppen? Was können wir aus den bisherigen Anstrengungen lernen und wie können wir diese Erfahrungen nutzen, um Anforderungen und Ansätze für einen effektiven Biodiversitätsschutz in Deutschland zu gestalten? Braucht es nicht doch einen radikalen Wandel und ein Umdenken? An der Expert*innenrunde zu diesen Fragen im Rahmen der Veranstaltungsreihe ZUKUNFTSFORUM ECORNET nehmen die beiden Biodiversitätsforscherinnen Marion Mehring vom ISOE und Sandra Naumann vom Ecologic Institut sowie die Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) teil. Moderiert wird die Online-Veranstaltung von McKenna Davis, die ebenfalls zu Biodiversität am Ecologic Institut forscht. 

Die Veranstaltung findet digital statt und wird aufgezeichnet. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen sind über das Anmelde-Formular möglich. Die Einwahldaten erhalten die Teilnehmenden im Vorfeld der Veranstaltung per Mail. 

ZUKUNFTSFORUM ECORNET 
Wege aus der Biodiversitätskrise – Weiter so oder Neuausrichtung? 

Dienstag, 15.06.2021 | 16:00–17:30 Uhr 
Digitale Veranstaltung 

Programm 

Begrüßung: 
Thomas Korbun | Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Co-Sprecher des Ecornet 

Expert*innenrunde: 
Sandra Naumann | Senior Fellow und Koordinatorin Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 
„EU Biodiversitätsstrategie 2030 – Der Schlüssel für einen erfolgreichen Schutz und Erhalt der Biodiversität?“

Till Hopf | Leiter Biodiversität im NABU - Naturschutzbund Deutschland e. V. 

Dr. Marion Mehring | Leiterin des Forschungsschwerpunktes Biodiversität und Bevölkerung am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
„Biodiversitätsschutz neu denken: Die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Biodiversitätsverständnisses“

Moderation: 
McKenna Davis | Senior Fellow und Forscherin im Bereich Biodiversität und Nature-based Solutions am Ecologic Institut 

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, über den Chat Fragen einzubringen. 

Anmeldung: 
www.ecornet.eu/zukunftsforum/biodiversitaet  


Kontakt:
Ecological Research Network (Ecornet)
Roy Schwichtenberg
Tel.: +49 (30) 8845 9424

 

Über das Ecornet 
Das Ecornet ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Ihre gemeinsame Mission: den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit mitzugestalten und wissenschaftlich zu fundieren. Seit ihrer Gründung haben sich die Ecornet-Institute darauf spezialisiert, komplexe Probleme praxisnah und über die Grenzen der wissenschaftlichen Disziplinen hinweg zu bearbeiten. Sie haben sich zum Ecornet zusammengeschlossen, um ihre Kompetenzen zu erweitern und auch gebündelt in die Forschungslandschaft einzubringen. www.ecornet.eu 


Wissenschaftliche Ansprechpartnerin: 
Dr. Marion Mehring
Tel. +49 69 707 6919-39
 
www.isoe.de  


Pressekontakt: 
Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 
www.isoe.de  
 

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Nachricht
news-411 Thu, 06 May 2021 17:19:51 +0200 Wissenschaftskommunikation - Navigating the Infodemic: Wege aus der Informationsflut https://www.isoe.de/news/navigating-the-infodemic-wege-aus-der-informationsflut/ Die COVID-19-Pandemie zeigt, wie wichtig Wissenschaftskommunikation für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen ist: Das Vertrauen in die Arbeit von Wissenschaft und Forschung ist hoch, in weiten Teilen der Gesellschaft gibt es ein großes Interesse an wissenschaftlichen Themen. Viele Bürger*innen suchen geradezu den Dialog mit Wissenschaftler*innen. Andere lehnen diesen Dialog ab und stellen evidenzbasierte Fakten und Entscheidungen grundsätzlich infrage. Was bedeutet das für die Wissenschaftskommunikation? Damit setzte sich eine gemeinsame Veranstaltung des ISOE und der Schader-Stiftung im Rahmen der Darmstädter Tage der Transformation 2021 am 17. März auseinander. Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung war auch 2021 wieder Kooperationspartner der Darmstädter Tage der Transformation DTdT. Gemeinsam mit der Schader-Stiftung hat das ISOE die Veranstaltung „Navigating the Infodemic. Wissenschafts-kommunikation heute: Weniger ist mehr!“ realisiert. Im Zentrum standen aktuelle Fragen nach Glaubwürdigkeit und Vertrauen von Bürger*innen in die Wissenschaft und deren Kommunikation. 

Der Anlass war brisant und aktuell gleichermaßen: Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie hat die WHO die gegenwärtige Nachrichtenlage als „Infodemic“ bezeichnet: Niemals zuvor wurden Medien in solch einem Ausmaß genutzt, um Menschen zu informieren, aber auch um über die Krise und ihre Auswirkungen zu kommunizieren. Nun zeigen Studien aus der Forschung zur Wissenschaftskommunikation, dass das Vertrauen in die Arbeit der Wissenschaftler*innen wächst, wenn Wissenschaft und ihre Akteure sich für Dialog und Beteiligung öffnen und ehrlich und offen auch über Fehlanreize und Fehler in Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation diskutieren.. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Kommunikation? 

Wissenschaft braucht ein neues Kommunikationsverständnis

Nicola Schuldt-Baumgart, Leiterin Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecherin des ISOE eröffnete den Workshop „Navigating the Infodemic“ mit einem ersten von fünf Impulsvorträgen. Mit einer „Landkarte“ zur Wissenschaftskommunikation gab sie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftskommunikation und plädierte für ein neues Kommunikationsverständnis. Als besondere Herausforderungen nannte Schuldt-Baumgart, dass das derzeit große Vertrauen in die Wissenschaft erhalten werden müsse. Dies setze voraus, dass Wissenschaft und Wissenschaftler*innen Integrität, Expertise und Gemeinwohlorientierung zugeschrieben werde. 

Ein offener Umgang mit unsicherem Wissen und Nicht-Wissen werde zukünftig immer wichtiger, betonte Schuldt-Baumgart. Zudem müssten Forschungsprozesse nachvollziehbarer und transparenter gemacht werden. Schließlich sei es wichtig, einen Umgang zu finden mit den jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Forschungsprozessen, öffentlich-medialen und politischen Prozessen. Zudem müsse die Dynamik, die durch die vielstimmige Medien- und Kommunikationslandschaft entsteht, stärker berücksichtigt werden. Schließlich seien die Adressaten der Nachrichten sehr heterogen und ihre Aufnahmebereitschaft von Informationen selektiv. Eine möglichst transparente Kommunikation auch von Versuch und Irrtum in der Forschung sowie der Mut, neue Formate auszuprobieren, könnten helfen, Wissenschaftskommunikation sichtbarer zu machen. 

Wege aus der Kommunikationsflut

Die Veranstaltung bot Raum für einen Austausch unter Kommunikator*innen aus Forschungsinstituten und Hochschulen, auch mit Journalist*innen. Weitere Impulsvorträge zu Ideen und Wegen aus der Kommunikationsflut hielten Philipp Schrögel vom Karlsruher Institut für Technologie – KIT, Martin Reisigl von der Universität Wien sowie Carina Frey von den RiffReportern und Achim Bubenzer von klimafakten.de. Einen ausführlichen Bericht dazu bietet die Schader-Stiftung: www.schader-stiftung.de/themen/nachhaltige-entwicklung/fokus/tage-der-transformation/artikel/rueckschau-navigating-the-infodemic-wissenschaftskommunikation-heute

Die Teilnehmenden diskutierten auf der Basis der Impulsvorträge über Vorzüge und Nachteile unterschiedlicher Kommunikationsformate sowie über die Herausforderung, für unterschiedliche Gruppen die jeweils richtige Ansprache und geeignete Formulierungen zu finden. Zudem wurden Praxiserfahrungen aus der Wissenschaftskommunikation geteilt. Die Ergebnisse der Diskussions- und Arbeitsrunden wurden in der digitalen Dependance der Schader-Stiftung auf Whiteboards festgehalten.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Tel. +49 69 707 6919-30
 

Pressekontakt:

Melanie Neugart
Tel. +49 69 707 6919-51
 
 

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