News
Mobilität Transformation

Datenlücke Dienstwagen – Steuervorteil mit Folgen?

Das sogenannte „Dienstwagenprivileg“ gilt als umstritten. Doch für geeignete Reformvorschläge fehlen bislang belastbare Zahlen. Ein Forschungsteam erfasst nun empirische Daten zu ökologischen, sozialen und steuerlichen Auswirkungen der Regelung in Deutschland.

Das sogenannte Dienstwagenprivileg ist ein umstrittenes Thema, denn die steuerrechtliche Regelung wirft viele Gerechtigkeits- und Umweltfragen auf. Für geeignete Reformvorschläge fehlen jedoch bislang belastbare Zahlen. In einem neuen Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) erhebt ein Team des ISOE und des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Leitung) empirische Daten zu den ökologischen, sozialen und steuerlichen Effekten der Dienstwagenregelung in Deutschland.

Ein Dienstwagen ist für viele ein finanzieller Gewinn. Er gilt als eine Art Gehaltsbonus, bei dem insbesondere das Unternehmen Steuern, Sozial- und Rentenabgaben im Vergleich zu einer regulären Gehaltserhöhung spart. Damit stellt der Dienstwagen einen sogenannten geldwerten Vorteil dar, den die Angestellten versteuern müssen. Je nach Verdienst stellt der Dienstwagen des Arbeitgebers das eigene Auto finanziell in den Schatten. 

Und genau darum drehen sich seit Jahren Diskussionen: Ist das sozial gerecht? Wer genau profitiert von dem fiskalischen Privileg und in welchem finanziellen Ausmaß? Wie viel kostet die Dienstwagenbesteuerung den Staat bzw. die Steuerzahler*innen? Diskutiert wird zudem, in welcher Form sich die Steuerregeln auf das Klima auswirken. Belastet das Dienstwagenprivileg die Umwelt? Kritiker meinen, mit dem Steuerprivileg werde ein umweltschädliches Mobilitätsverhalten gefördert, das CO2 und weitere Luftschadstoffe wie Stickoxide oder Feinstaub erhöhe. Sie fordern aus ökologischen Gründen eine Reform. 

Reformvorschläge für eine ökologisch, sozial und steuerlich gerechte Praxis 

Doch wie könnte eine Reform der gegenwärtigen Praxis aussehen? Um diese Fragen beantworten zu können, sind belastbare Zahlen notwendig. Bislang fehlen jedoch Daten darüber, wie groß die steuerlichen Auswirkungen, die ökologischen Folgen und die sozialen Effekte wirklich sind. Unter der Leitung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erhebt ein Forschungsteam nun Daten, um diese Effekte empirisch darzustellen.

Mit einem methodischen Ansatz, der qualitative und quantitative Erhebungen und Modellierungsverfahren kombiniert, wollen die Wissenschaftler*innen zum einen die Datenlücken zur dienstlichen und privaten Dienstwagennutzung sowie zur tatsächlichen Höhe des Steuervorteils erfassen. Zum anderen ermitteln sie die Auswirkungen der Dienstwagenregelung auf das Mobilitätsverhalten und die Folgen, die sich aus der Nutzungspraxis für die Umwelt und die soziale Gerechtigkeit ergeben. 

Um tiefere Einblicke in die alltägliche Nutzung und Sichtweisen zu Dienstwagen zu erhalten, arbeitet das ISOE mit Fokusgruppen. Anschließend führt das Projektteam eine bundesweite quantitative Befragung durch. Auf Grundlage dieser empirischen Ergebnisse simuliert das RWI realitätsnahe Fallkonstellationen, um die fiskalischen Effekte, sozialen Verteilungswirkungen und ökologischen Auswirkungen der geltenden Dienstwagenbesteuerung zu quantifizieren. Auf dieser Grundlage entwickelt das Forschungsteam gemeinsam Reformoptionen, die ökologische, soziale und finanzpolitische Zielsetzungen gleichermaßen berücksichtigen.

Zum Projekt

Dienstwagenprivileg: Ökologische, soziale und steuerliche Auswirkungen
Aerial View of Sparse Parking Lot with Few Cars
Mobilität

Dienstwagenprivileg: Ökologische, soziale und steuerliche Auswirkungen

Bislang fehlt eine Datengrundlage zu den ökologischen, sozialen und steuerlichen Auswirkungen der aktuellen Dienstwagenbesteuerung. Im Projekt werden diese Effekte quantifiziert und Reformoptionen entwickelt.

Zum Projekt
Kontakt:

Melina Stein

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Zum Profil

Melanie Neugart

Stellvertretende Leitung Wissenskommunikation und Wissenstransfer, Schwerpunkt Medienarbeit Zum Profil
Mobilität

Mobilität —

Wie kann Mobilität zukunftsfähig gestaltet werden? Warum kommt die Mobilitätswende nicht voran? Wie lassen sich Konflikte und Hemmnisse auf dem Weg zu einer postfossilen Mobilitätskultur überwinden?

Zur Themenseite