Projekte
Mobilität

Dienstwagenprivileg: Ökologische, soziale und steuerliche Auswirkungen

Bislang fehlt eine Datengrundlage zu den ökologischen, sozialen und steuerlichen Auswirkungen der aktuellen Dienstwagenbesteuerung. Im Projekt werden diese Effekte quantifiziert und Reformoptionen entwickelt.

Bild: M – stock.adobe.com Aerial View of Sparse Parking Lot with Few Cars

Viele Kraftfahrzeuge in Deutschland sind als Dienstwagen gemeldet. Dadurch erhalten Arbeitnehmer*innen einen steuerlichen Vorteil, indem ihnen der Arbeitgeber einen Dienstwagen zur Verfügung stellt, den sie nicht nur beruflich, sondern auch privat nutzen können. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Datenlücken zur dienstlichen und privaten Dienstwagennutzung zu schließen. Dabei wird die tatsächliche Höhe des Steuervorteils durch die Dienstwagenbesteuerung (das sogenannte Dienstwagenprivileg) erfasst und dessen Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten sowie auf Umwelt und soziale Gerechtigkeit empirisch quantifiziert. Auf dieser Grundlage werden Reformvorschläge entwickelt.

Forschungsansatz

Die empirische Untersuchung folgt einem Mixed-Methods-Ansatz, der qualitative und quantitative Verfahren kombiniert. Zunächst führt das Forschungsteam des ISOE Fokusgruppen mit Personen durch, die einen vom Arbeitgeber bereitgestellten Dienstwagen auch privat nutzen oder als Selbstständige einen Dienstwagen einsetzen. Darüber soll, ein fundiertes Verständnis gewonnen werden zur tatsächlichen Nutzungspraxis – sowohl dienstlich als auch privat – sowie zur steuerlichen Abrechnung. 

Im Anschluss daran wird eine deutschlandweite quantitative Befragung durchgeführt. Sie dient dazu, Verhaltensmuster von Dienstwagennutzenden systematisch zu analysieren und mit denen von Privat-Pkw-Nutzenden zu vergleichen. Hierzu werden neue Daten zu Nutzergruppen, Fahrzeugmerkmalen, Nutzungsmustern, steuerlicher Einordnung, Emissionen und betrieblichen Rahmenbedingungen erhoben und ausgewertet.

Auf Grundlage dieser empirischen Ergebnisse simuliert der Projektpartner RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung realitätsnahe Fallkonstellationen etwa hinsichtlich Fahrzeugwert, privatem Nutzungsanteil, Fahrleistung sowie Übernahme der Tankkosten. So können die fiskalischen Effekte, sozialen Verteilungswirkungen und ökologischen Auswirkungen der geltenden Dienstwagenbesteuerung quantifiziert werden. Darauf aufbauend werden Reformoptionen entwickelt, die finanzpolitische, ökologische und soziale Zielsetzungen gleichermaßen berücksichtigen.

Hintergrund

Seit vielen Jahren wird in Deutschland über die Ausgestaltung der Dienstwagenbesteuerung diskutiert. Kritisiert wird insbesondere, dass das bestehende System Fragen der Verteilungsgerechtigkeit aufwirft, da es vor allem einkommensstärkeren Beschäftigten und Selbständigen zugutekommt. Zudem setzt es Anreize für eine intensive dienstliche und private Pkw-Nutzung, was aus umwelt- und verkehrspolitischer Perspektive problematisch ist und die Mobilitätswende erschwert. Trotz dieser Kritik fehlt es bislang an belastbaren empirischen Grundlagen. Insbesondere liegen nur unzureichende Daten zum tatsächlichen Anteil der privaten Nutzung, zur Höhe individueller und aggregierten Steuervorteile sowie zu möglichen Verhaltenswirkungen vor. 

Es besteht daher erheblicher Forschungsbedarf, um die steuerlichen, sozialen und ökologischen Wirkungen der Dienstwagenbesteuerung konsistent und empirisch fundiert zu quantifizieren. Auf dieser Basis können wissenschaftlich belastbare Reformvorschläge entwickelt werden, die sowohl verteilungspolitische als auch klima- und verkehrspolitische Zielsetzungen berücksichtigen.

Forschungs- und Projektpartner

RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Projektleitung)
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)

Auftraggeber

Das Projekt „Das Dienstwagenprivileg: Eine Analyse der steuerlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen“ ist ein Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

Projekt-Infos

Gestartet:
Läuft bis:
Forschungsfelder:
Mobilität

Mobilität —

Wie kann Mobilität zukunftsfähig gestaltet werden? Warum kommt die Mobilitätswende nicht voran? Wie lassen sich Konflikte und Hemmnisse auf dem Weg zu einer postfossilen Mobilitätskultur überwinden?

Zur Themenseite