Which way to go road sign (©Brian Jackson/Fotolia)

Dilemmata der Nachhaltigkeit – Metakriterien für Nachhaltigkeit

Die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs macht deutlich, dass im Zuge seiner Entwicklung zwar die Legitimität des Ziels nachhaltiger Entwicklung gestärkt wurde, sich damit zugleich jedoch die Akteure, Zielsetzungen und Verständnisse von Nachhaltigkeit vervielfältigt haben. Deutlich wird dies beispielsweise an den ‚Sustainable Development Goals (SDG)‘, zwischen denen und deren Unterzielen partielle Widersprüche bestehen. Die damit einhergehende mangelnde Reflexion des Nachhaltigkeitsbegriffs ist umso problematischer, als das Konzept der Nachhaltigkeit spezifische Dilemmata birgt, die aus unvereinbaren Zielen, Kriterien, Interessen und Wissensarten resultieren. Es handelt sich dabei beispielsweise um eine Vielfalt der angesprochenen Zielsetzungen, Heterogenität der involvierten Wissensformen und Unterschiedlichkeit der beteiligten Akteure. Gegenstand des Projekts ist es, solche Dilemmata der Nachhaltigkeit, also im Konzept der Nachhaltigen Entwicklung selbst bereits angelegte Widersprüche und sich abzeichnende (vermeintliche) Ausweglosigkeiten in den Blick zu nehmen. Auf dieser Basis sollen anschließend begründete Kriterien und Leitlinien für Nachhaltigkeitswissen erarbeitet werden.

Forschungsansatz

Die projektübergreifende Fragestellung ist es, welche Dilemmata der Nachhaltigkeit bestehen und wie sich diese epistemisch und strategisch zueinander verhalten. Mit Bezug darauf werden folgende, miteinander verbundene Fragestellungen näher untersucht:

  1. wie und inwieweit Dilemmata der Nachhaltigkeit in Programmen der Nachhaltigkeitsforschung gegebenenfalls korrespondierend mit verschiedenen Nachhaltigkeitsverständnissen operationalisiert werden;
  2. welche Dilemmata der Nachhaltigkeit in Nachhaltigkeitsprojekten jeweils erkennbar werden und inwieweit diese mit dem Nachhaltigkeitsverständnis des Projekts verbunden sind;
  3. welche unterschiedlichen Perspektiven und Wege der Wissenserzeugung diejenigen Wissenschaften prägen, die sich als Nachhaltigkeitswissenschaften verstehen.

Auf der Grundlage der Beantwortung dieser Forschungsfragen werden empirisch und theoretisch begründete Meta-Kriterien für Nachhaltigkeit erarbeitet.

Hintergrund

Ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien oder Alltag – der Ausdruck „Nachhaltigkeit“ hat inzwischen Eingang gefunden in den Sprachgebrauch und nachhaltiges Handeln erscheint als ein ebenso positiver wie berechtigter Anspruch. Diese allgemeine Akzeptanz von Nachhaltigkeit bringt jedoch eine fundamentale Schwierigkeit mit sich: Indem Nachhaltigkeit sich auf unterschiedliche Ziele bezieht – von gesunder Ernährung bis zum Klimawandel – und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen „Nachhaltigkeit“ für sich in Anspruch nehmen, verliert der Begriff zunehmend an Schärfe und Inhalt. „Nachhaltigkeit“ droht zum leeren Signifikanten bzw. Container für höchst widersprüchliche Bedeutungen zu werden, der zwar breite Anschlussfähigkeit findet, aber zugleich in vielfacher Weise strategisch angefüllt werden kann.

Forschungs- und Projektpartner

  • Carl-v.-Ossietzky Universität Oldenburg, Ökologische Ökonomie (Projektleitung)
  • Carl-v.-Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Pädagogik
  • Universität Passau, Philosophische Fakultät
  • Technische Universität Braunschweig, Seminar für Philosophie

Förderung/Auftraggeber

Das Projekt „Dilemmata der Nachhaltigkeit zwischen Evaluation und Reflexion. Begründete Kriterien und Leitlinien für Nachhaltigkeitswissen“ wird gefördert im Förderprogramm „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.

Laufzeit

01/2019 – 06/2022