Bild: gpointstudio – iStockphoto.com Mehrere Personen stehen gemeinsam um einen Tisch und arbeiten kollaborativ an einer Aufgabe. Auf der Tischoberfläche liegen zahlreiche bunte Haftnotizen (in Gelb, Grün und Pink), die verteilt und teilweise beschrieben sind. Einige der Personen zeigen mit den Händen auf bestimmte Notizen oder halten Stifte, als würden sie Ideen besprechen, sortieren oder planen. Der Fokus liegt auf den Händen und der Interaktion, während die Personen selbst nur teilweise sichtbar sind. Die Szene vermittelt Teamarbeit, Brainstorming und kreative Zusammenarbeit in einer Arbeits- oder Workshop-Umgebung.
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Transformation Biodiversität

Auf dem Weg zur zirkulären Bioökonomie: Neues Forschungsprojekt CoDe

Wie kann der Übergang zu einer nachhaltigen Bioökonomie gelingen – und zwar so, dass die biobasierten Wertschöpfungsketten wirklich kreislauffähig sind? Mit dieser zentralen Frage befasst sich ein neues Forschungsprojekt, das gemeinsam mit Unternehmen Transformationspfade entwirft.

Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie ist ein erklärtes Ziel der nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsstrategien. Dabei geht es darum, fossile Rohstoffe durch biobasierte Alternativen zu ersetzen und Umweltbelastungen zu reduzieren. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass bioökonomische Ansätze häufig nicht konsequent mit Prinzipien der Kreislaufwirtschaft verknüpft werden. Aspekte wie kreislauffähiges Produktdesign, langlebige Nutzungskonzepte oder tragfähige Lösungen für das Ende des Lebenszyklus der Ausgangsstoffe bleiben oft unterbelichtet. Hier setzt das neue ISOE-Forschungsprojekt „CoDe – Co-Design für zirkuläre Bioökonomie“ an.

Die zirkuläre Bioökonomie gilt als Schlüssel für nachhaltige Produktions- und Konsummuster. Sie setzt auf nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Pflanzen oder organische Abfälle anstatt auf fossile Ressourcen und bietet damit mehrere Vorteile: Die Kreislaufführung biobasierter Stoffe ist ressourcenschonend, reduziert Abfall und setzt weniger Treibhausgase frei. Der Verzicht auf brennbare Rohstoffe wie beispielsweise Erdöl erhöht zugleich die Unabhängigkeit der Wirtschaft gegenüber Krisen und Preisschwankungen auf den globalen Rohstoffmärkten.

Werden biobasierte Rohstoffe so lange wie möglich genutzt, wiederverwendet oder recycelt, steigt die Wertschöpfung – vor allem, wenn Reststoffe aus Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion oder Forstwirtschaft eingesetzt werden, die andernfalls verloren gingen. Die Verbindung von Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft bietet also ein großes Potenzial für eine nachhaltige Produktionsweise – vorausgesetzt, sie wird ganzheitlich gedacht und umgesetzt. Doch auf dem Weg dahin sind noch viele (Forschungs-)Fragen offen. 

Bioökonomie weiterdenken: Kreislauf für ressourcenschonende Produktion schließen

Jenseits von technologischen Aspekten, wie die beiden Transformationsfelder Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft effektiv verbunden werden können, stellen sich Fragen zu den sozialen, ökonomischen und institutionellen Bedingungen für gelingende Transformationsprozesse. Wie gelingen neue Formen der Zusammenarbeit in diesen Feldern? Wie sehen geeignete regulatorische Rahmenbedingungen aus? Das Forschungsteam von „CoDe“ nimmt unter der Leitung des ISOE solche Fragen gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis in den Blick. 

Das Projekt ist im regionalen Innovationsnetzwerk BioBall in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main verankert. Hier arbeiten Forschungseinrichtungen, Unternehmen und weitere Praxisakteure eng zusammen, um nachhaltige Innovationen voranzutreiben – genau dieses Zusammenspiel macht BioBall zum idealen Forschungsraum für CoDe. In sogenannten Co-Design-Labs werden gemeinsam Lösungen für den Entwicklungs- und Designprozess von Produkten erarbeitet, die die Kreislaufprinzipien systematisch in biobasierte Wertschöpfungsketten integrieren. 

Ein zentrales Ergebnis des Projekts wird ein Starter-Kit sein, das erprobtes Handlungswissen zu Prototypen, Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten mit konkreten Beschreibungen bewährter Formate für transformative Innovation verbindet – damit andere Regionen und Netzwerke direkt darauf aufbauen können. 

Forschung für und über Transformationsprozesse

Ein besonderes Merkmal des Forschungsprojekts CoDe ist die Verbindung zweier komplementärer Forschungsperspektiven: Zum einen zielen die Wissenschaftler*innen auf Forschung für Transformationen, indem sie gemeinsam mit Praxispartnern konkrete Lösungen für zirkuläre Wertschöpfung entwickeln. Zum anderen leisten sie Forschung über Transformationen, indem sie die Prozesse, Dynamiken und Erfolgsfaktoren der transdisziplinären Zusammenarbeit in den Co-Desing-Labs systematisch untersuchen und reflektieren. 

Diese doppelte Perspektive ermöglicht es dem Forschungsteam nicht nur, anwendungsorientierte Ergebnisse für ein konkretes Nachhaltigkeitsproblem zu erzielen. Es gewinnt darüber hinaus grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse über Transformationsprozesse und wie sie gestaltet werden können. Damit trägt CoDe zur Weiterentwicklung transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung bei und stärkt zugleich ihre praktische Wirksamkeit.

CoDe – Co-Design für zirkuläre Bioökonomie

Das Projekt „CoDe – Co-Design für zirkuläre Bioökonomie: Transformative Handlungspfade für zirkuläre Innovation in der Bioökonomie“ wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Rahmen der Förderbekanntmachung „Herausforderungen und Erfolgsfaktoren der Transformation zu einer zirkulären Bioökonomie“, Modul II (thematische Förderung) des Konzepts „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ gefördert.

Mehr über das Projekt und seine Forschungs- und Praxispartner: https://www.isoe.de/projekt/code-co-design-fuer-zirkulaere-biooekonomie 

Kontakt:

PD Dr. Carolin Völker

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Zum Profil

Melanie Neugart

Stellvertretende Leitung Wissenskommunikation und Wissenstransfer, Schwerpunkt Medienarbeit Zum Profil
Transformation

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Ist Nachhaltigkeit durch technologische Entwicklungen allein erreichbar? Wie können Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit angesichts sich zuspitzender Krisen und Konflikte gestaltet werden?

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