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Wie kann Landwirtschaft Biodiversität stärken? ISOE begleitet europaweit Reallabore

Landwirtschaft muss ausreichend Lebensmittel produzieren und zugleich Klima, Böden, Wasser und Artenvielfalt schützen. Im EU-Projekt SAFER untersucht ein internationales Forschungsteam in sechs europäischen Reallaboren, wie Agrarökologie dazu beitragen kann.

Wie kann Landwirtschaft produktiv bleiben und zugleich zum Schutz von Böden, Wasser, Klima und Artenvielfalt beitragen? Dieser Frage geht das EU-Projekt SAFER nach. Ein internationales Forschungsteam untersucht in sechs europäischen Reallaboren, wie agrarökologische Praktiken – etwa vielfältige Fruchtfolgen, das Anlegen von Blühstreifen oder eine extensive Weidenutzung – regionale Ökosystemleistungen stärken können. Das ISOE untersucht, welche dieser Leistungen regional nachgefragt werden und welchen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nutzen agrarökologische Ansätze entfalten können.

Die Landwirtschaft in Europa steht vor großen Herausforderungen: Der Klimawandel verändert die Bedingungen für die Produktion, gleichzeitig gehen Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit zurück. Auch die Verfügbarkeit und Qualität von Wasser geraten zunehmend unter Druck. Gesucht werden deshalb Wege, landwirtschaftliche Produktion langfristig zu sichern und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen.

Ein Ansatz dafür ist die Agrarökologie. Sie verbindet landwirtschaftliche Produktion mit ökologischen Prozessen und berücksichtigt dabei auch soziale und wirtschaftliche Belange. Statt einzelne Umweltprobleme isoliert zu betrachten, geht es darum, die Ökosystemleistungen von Agrarlandschaften gezielt zum Schutz der biologischen Vielfalt zu nutzen und zu stärken. Dazu gehören etwa die natürliche Bodenfruchtbarkeit, der Schutz von Wasserressourcen, die Bestäubung von Nutzpflanzen oder Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Landwirtschaft im Wandel: Agrarökologie als Lösungsansatz

Welche Maßnahmen der Agrarökologie sinnvoll sind, hängt dabei stark von den jeweiligen regionalen Bedingungen ab. In manchen Regionen können beispielsweise Blühstreifen die Artenvielfalt fördern, in anderen kann eine extensive Weidenutzung dazu beitragen, Landschaften offen zu halten und Lebensräume zu erhalten. Auch die Kreislaufführung von Nährstoffen kann dazu beitragen, Ressourcen effizienter zu nutzen.

Genau hier setzt das EU-Projekt SAFER an. In sechs Reallaboren in Frankreich, Italien, Schweden, Irland, Ungarn und Deutschland entwickelt und erprobt ein internationales Forschungsteam gemeinsam mit regionalen Akteur*innen geeignete agrarökologische Praktiken, die an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sind.

In sechs europäischen Reallaboren werden neue Ansätze getestet

Das ISOE begleitet die sechs Reallabore mit einem besonderen Fokus auf den Ökosystemleistungen. Das ISOE untersucht, welche dieser Leistungen in den jeweiligen Regionen besonders wichtig und nachgefragt sind und wie sie sich durch agrarökologische Maßnahmen verändern können.

Anschließend werden gemeinsam mit den Forschungspartnern aus Norwegen die ökologischen, agronomischen und sozioökonomischen Auswirkungen der erprobten agrarökologischen Praktiken modelliert. Mithilfe von Szenarien wird betrachtet, wie sich unterschiedliche Maßnahmen langfristig auf die Ökosystemleistungen und die damit verbundene landwirtschaftliche Produktion auswirken könnten.

Von einzelnen Maßnahmen zur multifunktionalen Agrarlandschaft

SAFER betrachtet Agrarökologie dabei als möglichen Baustein einer nachhaltigen Bioökonomie – also einer Wirtschaftsweise, die biologische Ressourcen nutzt, ohne ihre natürlichen Grundlagen zu gefährden. Im Projekt wird deshalb nicht nur gefragt, ob einzelne agrarökologische Maßnahmen funktionieren. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, welchen Beitrag sie zu einer multifunktionalen Agrarlandschaft leisten können.

Die Ergebnisse aus den sechs Reallaboren sollen zeigen, unter welchen regionalen Bedingungen agrarökologische Praktiken dazu beitragen können, diese unterschiedlichen Leistungen miteinander zu verbinden. Damit will SAFER wissenschaftliche Grundlagen dafür schaffen, wie Landwirtschaft in Europa nachhaltiger gestaltet werden kann und welche Bedingungen dafür vor Ort notwendig sind.

Über das Projekt

Das Forschungsprojekt „SAFER – Strengthening Agricultural landscape multiFunctionality through expansion of agroecological farming in EuRope“ läuft bis Februar 2029 und wird vom National Research Institute for Agriculture, Food and Environment (INRAe) in Frankreich koordiniert. Es wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen von „AGROECOLOGY – Förderung der Agrarökologie in landwirtschaftlichen Betriebssystemen und regionaler Landwirtschaft“ gefördert. 

Projektpartner sind die Universität Verona, Italien, das University College Dublin (UCD), Irland, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), Deutschland, das HUN-REN Centre for Ecological Research, Ungarn, die Universität Bergen, Norwegen, die Universität Padua, Italien, Teagasc – Agriculture and Food Development Authority, Irland, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Deutschland, sowie die Universität Lund, Schweden.

Weitere Informationen finden Sie hier: 
SAFER-Projektseite auf der Website der AGROECOLOGY Partnership

Zum Projekt

Kontakt:

Dr. Marion Mehring

Leiterin des Forschungsfelds Biodiversität und Gesellschaft Zum Profil

Melanie Neugart

Stellvertretende Leitung Wissenskommunikation und Wissenstransfer, Schwerpunkt Medienarbeit Zum Profil
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