Bild: schulzie – stock.adobe.com Wasserschlauch für den Garten hängt am Zaun
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Biodiversität Schadstoffrisiken

Naturnah gärtnern, Schadstoffe vermeiden: Worauf es ankommt

Selbst naturnahe Gärten sind nicht schadstofffrei: Eine Studie in zehn Frankfurter Gärten zeigt, welche Materialien den Garten belasten – und was hilft.

Gärten in Städten sind Teil urbaner Ökosysteme und wichtige Lebensräume für Insekten. Wer naturnah gärtnert, geht meist davon aus, dass dieser Lebensraum möglichst unbelastet ist. Stimmt das? Im Forschungsprojekt „Naturschutz selbstgemacht“ haben wir zehn Frankfurter Gärten ökotoxikologisch untersucht. Das Ergebnis: Auch bei bewusster, naturnaher Gestaltung können Schadstoffe in den Garten gelangen, etwa über Rindenmulch, Teichfolien oder Farben. Dieser Beitrag zeigt, woher die Belastungen stammen und wie sich Einträge durch eine bewusste Materialwahl vermeiden lassen – ohne dass die Wünsche an die Gestaltung des eigenen Gartens zu kurz kommen.

Naturnah heißt nicht schadstofffrei

Wer seinen Garten naturnah gestaltet, verbindet damit häufig die Vorstellung eines unbelasteten Lebensraums für Pflanzen und Tiere. Die Untersuchungen zeigen jedoch: Schadstoffe gelangen oft über Materialien und Produkte in den Garten, die im Gartenalltag ganz selbstverständlich verwendet werden.

Besonders auffällig war Rindenmulch. Er wird zur Vorbeugung von Schimmelbildung bei der Lagerung häufig mit Pestiziden behandelt und fiel in allen Proben durch hohe Belastungen auf. Mehrfach aufgefallen sind außerdem PVC-Gartenschläuche, Bitumen-Dachpappen auf Gartenhütten, Teichfolien aus PVC und Kautschuk sowie Farben, darunter häufig hoch belastete Holzschutzfarben. Hinzu kommen Tierarzneimittel: Auch Wirkstoffe wie Selamectin aus Wurmkuren für Haustiere können ebenfalls in den Garten gelangen. Zudem zeigte sich: Die am stärksten belasteten Gärten wiesen mehrere Schadstoffquellen gleichzeitig auf (siehe Abb. 1). 
 

Abbildung 1: Potenzielle Quellen zur Eintragung von Schadstoffen in den Garten (Bild: ISOE)

Autor*innen

  • Marion Mehring

    Marion Mehring leitet das Forschungsfeld Biodiversität und Gesellschaft im Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE).
  • Johanna Freudenberg

    Johanna Freudenberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Darmstadt.
  • Jörg Oehlmann

    Jörg Oehlmann ist Professor für Aquatische Ökotoxikologie an der Goethe-Universität und Sprecher des Kompetenzzentrums Wasser Hessen.
  • Melina Stein

    Melina Stein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE).
  • Stefanie Stoller

    Stefanie Stoller ist studentische Mitarbeiterin im Forschungsfeld Biodiversität und Gesellschaft am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE).

Naturschutz beginnt beim Lesen: Greenwashing erkennen

Viele synthetische Gartenprodukte werden in der Werbung als besonders umweltfreundlich dargestellt, obwohl sie selbst Umweltbelastungen verursachen können. Dieses sogenannte Greenwashing lenkt aber von den eigentlichen Risiken ab und erschwert es Käufer*innen, biodiversitätsfreundliche Entscheidungen zu treffen (siehe Abb. 2). 

Im Forschungsprojekt haben wir daher Online-Produktbeschreibungen von Rindenmulch, Holzschutzfarben, Gartenschläuchen und Teichfolien analysiert, die in den untersuchten Gärten im Einsatz waren. Die Ergebnisse zeigen: Labels und auffällige Marketingbegriffe wie „natürlich“ oder „nachhaltig“ erwecken häufig den Eindruck, ein Produkt sei besonders umweltfreundlich, ohne dass dafür überprüfbare Nachweise vorliegen. Wer die sprachlichen Muster kennt, kann dem Greenwashing eher etwas entgegensetzen und bewusster einkaufen. Hilfreich ist dabei die Website Siegelklarheit, die zeigt, welche Kriterien hinter einem Siegel tatsächlich stehen.

Vier Hinweise helfen, Werbeversprechen für Gartenprodukte zu durchschauen:

  • „Frei von“-Aussagen hinterfragen: Diese Angaben verschweigen oft, was stattdessen enthalten ist.
  • Belege suchen: Werden Studien oder Autoritäten erwähnt, aber nicht genannt, ist das ein Warnsignal.
  • Siegel prüfen: Erfundene Labels erwecken den Anschein einer unabhängigen Prüfung, die nie stattgefunden hat.
  • Kleingedrucktes lesen: Fehlen Daten oder gibt es sie nur auf Anfrage, ist Skepsis angebracht.
     

Abbildung 2: Übersicht über gängige Greenwashing-Strategien (Quelle: Terra Choice 2007, 2009, 2010)

„Ein höherer Preis und das Wort ‚Bio‘ garantieren keine Nachhaltigkeit. Echter Umweltschutz im Garten erfordert Mut, emotionale Werbebilder zu ignorieren und die nüchternen Fakten zu fordern. Wer die Sprache des Greenwashings entschlüsselt, entzieht ihm die Macht.“
(Johanna Freudenberg, TU Darmstadt)

Jeder Garten zählt

Jeder Garten, ob groß oder klein, ordentlich oder wild, kann einen wertvollen Beitrag zur ökologischen Qualität der Stadtlandschaft leisten. Es lohnt sich daher, bei der Materialwahl genauer hinzuschauen. Schon kleine Veränderungen können Einträge verringern und Gärten als Lebensraum für Insekten und andere Organismen entlasten. 

Dazu gehören auch bewusste Entscheidungen beim Kauf von Produkten, die die Schadstoffeinträge verringern oder vermeiden können und den eigenen Garten als Lebensraum für Insekten aufwerten – zum Beispiel sich über Labels und Produkthintergründe informieren, Materialien kritisch auswählen und prüfen, welche Produkte wirklich notwendig sind. 

Eine Interviewstudie mit Frankfurter Gärtner*innen zeigt zudem, wie unterschiedlich die Vorstellungen vom eigenen Garten sind – und wie verschieden deshalb die Rolle von Insekten im Gartenalltag ausfällt (mehr dazu im Beitrag zu den Gärtner*innentypen). Dabei hat sich gezeigt, dass insektenfreundliches Gärtnern in sehr unterschiedlichen Gartenstilen möglich ist (Abb. 3). Ansprache und Anregungen sollten aber zur jeweiligen Ausgangssituation passen. Reine Wissensvermittlung über insektenfreundliches Gärtnern genügt meist nicht. Entscheidend ist vielmehr der Blick auf die oft ambivalenten Einstellungen gegenüber Insekten. 
 

Abbildung 3: Gärtner*innentypen für eine zielgruppengerechte Ansprache zum Insektenschutz (Bild: ISOE)

Über das Forschungsprojekt „Naturschutz selbstgemacht“

Im Forschungsprojekt „Naturschutz selbstgemacht“ wurden konkrete Handlungsempfehlungen für insektenfreundliches Gärtnern entwickelt. Es wurde gefördert durch die private Hochschulförderung der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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