Common house mosquito (Culex pipiens)

BIOZ – Umweltfreundliche Bekämpfung von West-Nil-Virus-übertragenden Stechmücken

Das Projekt BIOZ hat zum Ziel, umweltfreundliche Alternativen zur Kontrolle der Stechmücken zu identifizieren, die das West-Nil-Virus übertragen. Im Mittelpunkt stehen die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Vernetzung der beteiligten Behörden. Zentral wird ein Dialog zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Behörden sein, in dem es um zukünftige Präventionsmaßnahmen zur Bekämpfung des West-Nil-Virus (WNV) geht.

Forschungsansatz

Das Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin (Goethe-Universität) verantwortet das Gesamtprojekt, zu dem Bürgerwissenschaften, ökologische Experimente sowie Befragungen gehören. Im Zentrum steht ein übergreifender Dialog zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Behörden. Gemeinsam mit Bürger*innen werden die Anwendungspraxis und die Akzeptanz eines sogenannten Multi-Biozids im Großraum Halle (Saale)/Leipzig getestet. Hierbei handelt es sich um drei Nelkenöle, die Kleingärtner*innen in ihren Gärten in Regentonnen verwenden. Die vierwöchige Anwendung wird von Fragebogenerhebungen zur Akzeptanz und Anwendungspraxis der Öle begleitet. In einem weiteren Schritt werden Möglichkeiten zur biologischen Kontrolle von WNV-Überträgern in den Blick genommen. Hierfür werden verschiedene Fressfeinde der Stechmücken-Larven hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht. In einzelnen Regentonnen werden die Larven mit drei potenziellen Fressfeinden (Schwimmkäfer, Ruderfußkrebse, Rückenschwimmer) und zwei potenziell toxischen Grünalgen (Oocystis, Scenedesmus) eingebracht. 

Das ISOE verantwortet die Begleitung der sozialwissenschaftlichen Aktivitäten sowie die Stakeholder-Einbindung. Beispielhaft werden in Sachsen-Anhalt relevante Stakeholder für die Prävention und Kontrolle des WNV identifiziert. In Expert*inneninterviews sollen Optionen und Barrieren für die Umsetzung von WNV-Präventions- und Kontrollmaßnahmen benannt werden. Alle Maßnahmen haben das Ziel, bestehende Kommunikationsstrukturen zwischen den zuständigen Behörden zu verbessern. In einem übergreifenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sollen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden. Hier wird es insbesondere darum gehen, zukünftige Strategien zur Kontrolle von WNV-übertragenden Stechmücken zu identifizieren.

Hintergrund

Das West-Nil-Virus ist ein weit verbreitetes sogenanntes Arbovirus (arthropod-borne virus), das von Stechmücken (Vektoren) auf Wirte (Vögel) bzw. Fehlwirte (Menschen und Pferde) übertragen wird. In Deutschland wurde das West-Nil-Virus erstmals im Jahr 2018 nachgewiesen. Während es sich hierbei noch um nachgewiesene Infektionen bei Pferden und Vögeln handelte, stieg die Zahl der Infektionsnachweise im Jahr 2019, darunter fünf lokale Infektionen beim Menschen. Das vom WNV verursachte West-Nil-Fieber heilt meistens komplikationslos aus, allerdings sind Spätfolgen bei bestimmten Vorerkrankungen nicht selten. Gegen das WNV gibt es keine spezifische antivirale Therapie und es wird symptomatisch behandelt. 

Derzeit sind sogenannte Bti-Präparate (Bacillus thuringiensis israelensis) und S-Methopren (ein Insektenhormon) die einzigen in Deutschland zugelassenen Larvizide gegen Stechmücken, die von Nicht-Fachleuten verwendet werden dürfen. Es sind daher dringend weitere Larvizide notwendig, die effizient, leicht anwendbar und nachhaltig sind sowie auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen. Quellen alternativer Larvizide können beispielsweise biologische Gegenspieler von Stechmückenlarven sein. So sind etwa Rückenschwimmer, Schwimmkäfer und Ruderfüßer als Prädatoren von Stechmückenlarven einsetzbar. Die Anwesenheit von Algen der Gattungen Oocystis und Scenedesmus erhöht die Sterblichkeit von Stechmückenlarven. Ätherisches Nelkenöl wiederum erschwert die Eiablage und ist ein Larvizid. Zusätzliche Studien sind erforderlich, um die Bandbreite der anzuwendenden Larvizide zu erweitern, die Anwenderakzeptanz von alternativer Stechmücken-Bekämpfung unter Umweltbedingungen zu prüfen, die Öffentlichkeit hinsichtlich Larvizid-Interventionsstrategien ausgewogen zu informieren und die wichtigsten Interessengruppen für eine umweltfreundliche Kontrolle der WNV-übertragenden Stechmücken zu identifizieren und zu vernetzen.

Forschungs- und Projektpartner

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin

Förderung

Das Projekt „WNV-Prävention durch Biozid-Interventionen gegen den gemeinen WNV-Überträger Culex pipiens: Experimente, Bürgerwissenschaft und übergreifender Dialog“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Laufzeit

01/2021 – 12/2022