In einer aktuellen Studie widmen sich Wissenschaftlerinnen des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) mit Unterstützung des ISOE dem Thema Energiearmut in Deutschland. Ziel ihrer Forschung ist es, die Perspektiven von Betroffenen sowie von Expert*innen aus Verbänden und Initiativen zu erfassen, um die Ursachen und Folgen von Energiearmut besser zu verstehen. Untersucht werden soll, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind und welche Rolle Diskriminierungen oder Benachteiligungen beim Zugang zu Energie spielen.
Ein unzureichender Zugang zu Energie kann zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen. Ist das Einkommen gering, sehen sich Haushalte unter Umständen nicht in der Lage, hohe Kosten für die Heizung in ihren Wohnräumen aufzubringen. Wer sich aufgrund der Mietpreise keinen Standard in energetisch sanierten Wohnungen leisten kann, wird nicht nur von Kälte betroffen sein – es fehlt dann auch an Möglichkeiten, bei großer Hitze für eine angenehme Raumtemperatur zu sorgen. Möglicherweise ist es sogar ein Problem, den grundlegenden Strombedarf finanziell zu decken.
Wen in Deutschland betrifft Energiearmut und in welcher Form? Welche Auswirkungen hat die unzureichende Energieversorgung für Lebensqualität, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe? Gegenwärtig gibt es hierzu keine amtliche Statistik, die das Ausmaß des Problems in Deutschland abbildet. Auch existiert bislang keine verbindliche Definition von Energiearmut, die eine wichtige Voraussetzung dafür ist, das Thema wissenschaftlich zu erfassen.
Ursachen und Folgen von Energiearmut werden systematisch erfasst
Mit Blick auf steigende Energiepreise hat das Thema Energiearmut in Deutschland eine zunehmende Dringlichkeit. Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Auswirkungen und menschenrechtlichen Implikationen von Energiearmut in Deutschland systematisch zu untersuchen. Im Rahmen des Forschungsprojekts bringt das ISOE seine methodische Expertise bei der Befragung mit Fokusgruppen ein. In diesen Gruppen werden Menschen, die entweder von Energiearmut betroffen oder bedroht sind, zu ihrer Situation befragt.
Ziel der Studie ist es, die Erfahrungen und Perspektiven von Betroffenen zu erfassen und ein besseres Verständnis für die Auswirkungen von Energiearmut auf den Alltag und das Leben der Betroffenen zu gewinnen. Die Forschungsarbeiten zielen aber nicht allein auf die Ursachen von Energiearmut, sondern ganz wesentlich auch auf die konkreten Folgen im Alltag. Auf Basis der Studienergebnisse kann die Eignung bestehender Maßnahmen zur Verringerung der Auswirkungen von Energiearmut und zur Unterstützung der Betroffenen reflektiert werden.
Kontakt:
Dr. Immanuel Stieß
Mitglied der Institutsleitung, Leiter des Bereichs Praktiken und Infrastrukturen Zum Profil