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Suffizienz

Sozialwissenschaftliche Begleitung einer Studie über Energiearmut in Deutschland

Das Projekt unterstützt und begleitet die empirische Durchführung einer Studie zu Energiearmut aus sozialwissenschaftlicher Sicht.

Bild: Daisy Daisy - stock.adobe.com Frau mit Handschuhen und heißem Getränk versucht sich während der Energiekrise durch die hohen Lebenshaltungskosten am Heizkörper warm zu halten.

Energiearmut wird zunehmend auch in Deutschland als gesellschaftliches Problem diskutiert. Eine Studie des Deutschen Instituts für Menschrechte (DIMR) untersucht betroffene Personengruppen sowie strukturelle Ursachen, Auswirkungen und mögliche Maßnahmen zur Verringerung von Energiearmut. Das ISOE berät das DIMR bei der Konzeption und Durchführung der Studie mit seiner sozialwissenschaftlichen Expertise und erforscht in Fokusgruppen mit Betroffenen, wie sich Energiearmut im Alltag auswirkt. Die Ergebnisse dieser Forschung erscheinen in der Publikationsreihe „Analyse“ des DIMR.

Forschungsansatz

Die Studie des Deutschen Instituts für Menschrechte (DIMR) hat das Ziel, zum Thema Energiearmut Betroffene selbst zu befragen und zudem Wissen und Einschätzungen von Expert*innen aus Verbänden und Initiativen einzuholen. Im Rahmen des Projekts werden zunächst Expert*inneninterviews durchgeführt, um zentrale Faktoren zu identifizieren, die Energiearmut begünstigen. Dabei wird untersucht, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind und inwiefern systematische Benachteiligungen oder Diskriminierungen bestimmter sozialer Gruppen eine Rolle spielen. 

Daran anschließend werden Fokusgruppen mit Menschen durchgeführt, die von Energiearmut betroffen oder bedroht sind. Ziel ist es, ihre Perspektiven und Erfahrungen systematisch zu erfassen und besser zu verstehen, wie sich Energiearmut auf unterschiedliche Lebenssituationen und biographische Konstellationen auswirkt. Neben den Ursachen stehen dabei vor allem die konkreten Folgen von Energiearmut im Alltag im Mittelpunkt. Untersucht werden unter anderem Strategien im Umgang mit Energiearmut – etwa reduziertes Heizen – sowie die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche. Dazu zählen Einschränkungen des Wohnkomforts, Veränderungen in der alltäglichen Lebensführung und mögliche Beeinträchtigungen gesellschaftlicher Teilhabe. 

Das ISOE übernimmt die sozialwissenschaftliche Begleitung der Studie und führt die Fokusgruppen in Abstimmung mit dem DIMR durch. 

Hintergrund

Energiearmut bezeichnet die unzureichende Versorgung eines Haushalts mit grundlegenden Energiedienstleistungen, die für die Gesundheit und einen angemessenen Lebensstandard erforderlich sind. Sie liegt vor, wenn ein Haushalt aufgrund niedriger Einkommen, hoher Energiekosten und/oder energetisch ineffizienter Gebäude nicht in der Lage ist, seine Wohnung ausreichend zu heizen oder zu kühlen oder den grundlegenden Strombedarf zu decken. 

Infolge stark gestiegener Energiepreise hat die Problematik auch in Deutschland an Dringlichkeit gewonnen. Gleichzeitig wird Energiearmut hierzulande bislang nur unzureichend systematisch erfasst. Es existiert weder eine verbindliche Definition von Energiearmut noch eine regelmäßige amtliche Statistik, die das Ausmaß des Problems abbildet. Empirische Studien zeigen jedoch, dass Energiearmut erhebliche Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Betroffenen hat – von gesundheitlichen Belastungen bis hin zu Einschränkungen der sozialen Teilhabe. 

Die Studie leistet einen Beitrag dazu, Ursachen, Ausmaß und Folgen von Energiearmut besser zu verstehen und darauf aufbauend bestehende Maßnahmen zur wirksamen Verminderung zu reflektieren. 

Auftraggeber

Das Projekt zu Energiearmut ist ein Auftrag des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR). 

Kontakt:

Dr. Immanuel Stieß

Mitglied der Institutsleitung, Leiter des Bereichs Praktiken und Infrastrukturen Zum Profil

Projekt-Infos

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