was bedeutet Sicherheit im 21. Jahrhundert? Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Gutachten „Umwelt prägt Sicherheit“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) gibt darauf eine klare Antwort: Sicherheit lässt sich nicht allein militärisch denken. Sie entsteht auch dort, wo natürliche Lebensgrundlagen geschützt, kritische Ressourcen gesichert und Gesellschaften widerstandsfähiger gegenüber Krisen werden. Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik ist damit zugleich Sicherheitspolitik.
Wie Forschung dazu beitragen kann, zeigen zwei unserer aktuellen Forschungsprojekte in diesem Newsletter: Phosphor ist für die Landwirtschaft unverzichtbar. In Deutschland wird allerdings der größte Teil des in der Landwirtschaft genutzten Phosphordüngers importiert. Gleichzeitig gilt Abwasser als wichtige Ressource für die Rückgewinnung von Phosphor. Ein neuer Policy Brief des ISOE zeigt, wie dezentrales Phosphorrecycling regionale Stoffkreisläufe stärken und die Versorgung mit einem kritischen Rohstoff langfristig sichern kann.
Wie kann grüner Wasserstoff produziert werden, ohne Wasserressourcen zusätzlich zu belasten? Im neuen Forschungsprojekt reSYNERGY untersuchen wir gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft und Wirtschaft im nördlichen Niedersachsen, wie aufbereitetes kommunales Abwasser für die Wasserstoffproduktion genutzt werden kann – und damit Wasser- und Energiesysteme resilienter und ressourcenschonender miteinander verbunden werden.
Beide Beispiele machen deutlich: Nachhaltigkeit stärkt nicht nur Klima- und Umweltschutz, sondern auch die Sicherheit unserer Versorgungssysteme. Genau diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und wissenschaftlich fundierte Lösungen zu entwickeln, sehen wir als eine der zentralen Aufgaben unserer Forschung.
Dr. Nicola Schuldt-Baumgart
Leitung Wissenskommunikation und Wissenstransfer, Pressesprecherin
Dezentrales Phosphorrecycling stärken: Empfehlungen für Politik, Wasserwirtschaft und regionale Netzwerke
ISOE Policy Brief zeigt, wie dezentrales Phosphorrecycling aus Abwasser regionale Stoffkreisläufe stärkt und welche politischen Weichen dafür nötig sind.
Ressourcen intelligent koppeln: ISOE-Projekt reSYNERGY erforscht Wasserstoffproduktion aus kommunalem Abwasser
Das Forschungsprojekt reSYNERGY stärkt die Resilienz von Wasser- und Energiesystemen durch die Nutzung von Abwasser für die grüne Wasserstoffproduktion.
Nachhaltigkeitsforschung stärker in die Hightech Agenda integrieren
Ecological Research Network (Ecornet) empfiehlt, die Hightech Agenda an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten
EU-Wasserrahmenrichtlinie: Rechtsgutachten identifiziert Lücken im Grundwasserschutz
Neues Rechtsgutachten zeigt, dass die EU-Wasserrahmenrichtlinie wichtige Ansatzpunkte für den Schutz des Grundwassers bietet, zugleich aber Reformbedarf und rechtliche Unsicherheiten bestehen.
Konflikte konstruktiv bearbeiten: Neues Forschungsprojekt PathChange zur Renaturierung von Feuchtgebieten
Das Forschungsprojekt PathChange entwickelt gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Praxis Ansätze zur konstruktiven Bearbeitung von Konflikten rund um die Renaturierung von Feuchtgebieten.
Frankfurt Conservation Center eröffnet: Neue Plattform für internationalen Biodiversitäts- und Naturschutz
Mit dem Frankfurt Conservation Center entsteht in Frankfurt eine neue Plattform für internationalen Biodiversitäts- und Naturschutz. Das ISOE bringt seine Expertise in sozial-ökologischer Biodiversitätsforschung in das Netzwerk ein.
Wissenschaft im Weinberg: Neuer Forschungspfad der Hochschule Geisenheim eröffnet
Der 2,8 Kilometer lange Rundweg macht aktuelle Forschungsarbeiten zu nachhaltigem Weinbau, Biodiversität, Wassermanagement und klimaangepassten Kulturlandschaften sichtbar.
Stadt Frankfurt am Main verleiht Goethe-Plakette an ISOE-Mitbegründer Thomas Jahn
Die Stadt Frankfurt zeichnet Dr. Thomas Jahn am 2. Juni 2026 mit der renommierten Goethe-Plakette aus. Diese wird für besondere Verdienste an Persönlichkeiten des kulturellen Lebens verliehen. Thomas Jahn ist Mitbegründer des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE).
O-Töne der Natur sammeln: Citizen Scientists für Biodiversitätsmonitoring gesucht
Für das Forschungsprojekt Bio-O-Ton werden Bürger*innen gesucht, die mittels Smartphone helfen, Veränderungen in Naturräumen möglichst großflächig zu erkennen. Die Tonaufnahmen der Citizen Scientists tragen damit zu einem Frühwarnsystem für biologische Vielfalt bei.
Auf dem ISOE-Blog „Soziale Ökologie“ stellen Wissenschaftler*innen ihre Thesen und Ergebnisse zu aktuellen Themen der Nachhaltigkeitsforschung vor und laden zur Diskussion ein.
Lesung und Publikumsgespräch: Daniel Schreiber – „Liebe! Ein Aufruf“
Viele Menschen erleben die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen als unberechenbar. Polarisierung und eine zunehmende Verrohung des öffentlichen Diskurses verstärken das Gefühl der Ohnmacht. Doch wie kann es gelingen, zu einer politischen Haltung zu finden, die dem sich ausbreitenden Klima des Hasses etwas entgegenzusetzen vermag? Dieser Frage widmen sich Lesung und Publikumsgespräch mit dem Schriftsteller und Journalisten Daniel Schreiber am 09.07.2026 in der Dondorf-Druckerei in Frankfurt.
Was macht einen Stadtplatz lebenswert – für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen? Und wie lassen sich unterschiedliche Anforderungen an urbane Räume miteinander in Einklang bringen, insbesondere angesichts von Klimawandel, Hitze und Starkregen? Diesen Fragen ging ein transdisziplinäres Seminar des ISOE, der Goethe-Universität Frankfurt sowie der koforges GmbH nach. Studierende aus Sozial- und Naturwissenschaften entwickelten gemeinsam mit Nutzer*innen und Entscheidungsträger*innen neue Perspektiven für den Theodor-W.-Adorno-Platz auf dem Campus Westend. Ausgangspunkt war die Herausforderung, Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und Biodiversität zusammenzudenken – und in konkrete Gestaltungsideen zu übersetzen.
Die Ergebnisse dieses Prozesses werden nun als Exponat in der Ausstellung dreams, ideas & prototypes im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main präsentiert. Der Beitrag zeigt, wie durch transdisziplinäres Arbeiten konkrete Ideen für lebenswertere Städte entstehen können – dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und neue Lösungen gemeinsam entwickelt werden.
Zur Vernissage am 3. Juli 2026 eröffnet der World Design Capital-Campus gemeinsam mit dem Museum ein Festival, das vom 3. bis 5. Juli den Metzlerpark und das Museum in einen Ort für Begegnung, Diskussion und Austausch verwandelt. Mit Musik, künstlerischen Interventionen, Lectures, Workshops und Panels lädt das Programm Besucher*innen dazu ein, Zukunftsfragen rund um Stadt, Raum und Gestaltung gemeinsam zu erkunden.
The International Politics of Just Food System Transformations
Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V., Berlin
Podiumsdiskussion u.a. mit Lukas Drees "How can we improve collaboration between researchers and practitioners? What is needed in the current geopolitical context and backlash against sustainability?"
Vorträge Dženeta Hodžić: „Stygofaunal Politics: Groundwater Fauna as a Contested Indicator of Aquatic Resilience“ und „Between Sabotage and Speculation: Tracing Groundwater Care in a Refugee Camp's Water“
Integrative Social-Ecological Knowledge Systems: Conceptual and Computational Foundations for Ecological Synthesis
Universität Jena
Keynote Marion Mehring: "About the relevance of transdisciplinary social-ecological biodiversity research: concepts and opportunities for knowledge integration"